Fäkal-Werbung?
Artikel-Rearchivierung, Teil 3.
Da er von unserer alten eigenwerbungs- und Werbeseite stammt, beschäftigt er sich natürlich auch diesmal mit diesem Themenkreis.
Im konkreten Fall:
Fäkal-Werbung
Manchmal frage ich mich wirklich, was sich manche Kollegen denken, wenn sie sich Claims (also Werbesprüche) für ihre Kunden ausdenken.
Na gut, zugegebenermaßen war es vermutlich nicht ihre Idee, den fraglichen Möbelhäusern als Erkennungszeichen eine übergroße, rote Sitzgelegenheit vor die Türen zu stellen, aber ganz ehrlich - welcher Intelligenzbolzen hat sich diesen Spruch dazu ausgedacht, mit dem man derzeit in Rundfunk- wie Fernsehwerbung gleichermaßen beschallt wird?
“Die mit dem roten Stuhl!” ruft der Sprecher - und wirft ebenso weit verbreitet wie unbeabsichtigt Assoziationen von Diarrhoe und Hämorrhoiden auf.
Und was bitte will uns die Werbung damit suggerieren? Die Minderwertigkeit der Waren der Möbelkette, wie unzureichende, gesundheitsgefährdende Verarbeitung der Sitzmöbel oder toxische Chemikalien, die zu Gewebeauflösung führen? Gesundheitsrisiken der Speisen im Laden-Restaurant, oder schlicht die Gefahren spontaner, innerer Blutungen, die in Folge des regelmäßigen Konsums der penetranten und überwiegend nervtötenden Werbung dieser Möbelhäuser auftreten?
Ein übergewichtiger und nur mäßig origineller und amüsanter Ottfried Fischer als “Testimonial” (werbisch für: Promi, der erklärt, wie toll er das Produkt findet. Meist eingesetzt im Zusammenhang mit Billigprodukten, von denen man genau weiß, dass sie der Betreffende nur unter hoher Bezahlung oder Androhung von körperlicher Züchtigung verwenden würde.) macht die Werbung wie die Produkte nicht sympatischer. Ist er doch exakt die richtige Figur, um die eher ungesunden Assoziationen des Satzes noch zu verschärfen.
Also rein vom verkaufspsychologischen Standpunkt aus lasse ich mich lieber hundert mal fragen, ob ich schon lebe oder noch wohne, bevor ich mich von dieser Art von Werbung animiert fühle, etwas bei denen “mit dem roten Stuhl” zu kaufen. Das ist eine Gruppe von Menschen, denen man sich ja nicht unbedingt zugehörig fühlen will, wenn es sich vermeiden lässt.
Sehr ungeschickt - und es beweist wieder einmal, dass ein Konzeptioner und Texter, der mit seiner Muttersprache umzugehen versteht, gar nicht hoch genug bezahlt werden kann. Hier am falschen Ende gespart, produziert nämlich, wie man sieht, auch Werbung, die wirkt, als wäre sie vom falschen Ende des Texters gekommen.
Fäkalwerbung eben.














