#Buchpassion – 1 Dutzend + 1 Bücher, die mit daran schuld sind, dass ich heute schreibe …

… und dass ich das schreibe, was ich schreibe.

Ja, zugegeben, das ist nicht das erste Mal, dass ich hier eine solche Liste veröffentliche. Da gab es zum Beispiel schon mal „Zwanzig (+1) Bücher, die mein Leben beeinflusst haben“ – was ja auch heute noch Bestand hat. Oder auch „Vorsicht, miese Bücher“ – Was nicht mehr 100% Bestand hat – aber eben leider noch zu 95% …) Und ohne jetzt nachzusehen gehe ich beinahe davon aus, dass es hier Überschneidungen gibt. Nichtsdestotrotz ist die Online-Literaturaktion #Buchpassion von @Kapri-zioes eine wirklich geeignete Gelegenheit, nicht nur mal wieder in der Vergangenheit zu stöbern und aus dem Nähkästchen zu plaudern, sondern auch seit gut einem Jahr mal meinen Blog hier zu reaktivieren.

Hier also ein kleiner Einblick in die Bücher, die Mitschuld daran tragen, dass ich heute schreibe – und dass ich das schreibe, was ich schreibe. Also Fantasy. Vor allem Fantasy, die sich mit Einzelschicksalen beschäftigt, mit Personen, nicht in erster Linie mit Reichen und Thronen. Und vielleicht auch ein klein wenig, warum es mir nie gelingt, vollkommen erst zu bleiben, wenn ich schreibe.

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Es gibt natürlich noch ein paar hundert Bücher mehr, die ebenfalls eine Mitschuld haben (nicht zu vergessen die Dutzenden und Aberdutzenden von Büchern, die mich zu dem Gedanken bewegten: DAS kann ich aber auch!) – aber das hier sind Exemplare, die ich heute noch besitze und nicht etwa ausgeliehen oder in diversen Büchereien entdeckt oder weiterverliehen oder verloren habe.

Jedenfalls – hier 12 dieser Bücher, die ich auch heute noch schätze. Aus Gründen.

  1. Uomi der Geistersohn, S. W. Pokrowski
    neben „Ao der Mammutjäger“ vom selben Autor eines der ersten Abenteuerbücher, die ich selbst entdeckt und gelesen habe – und durch den ich erstmals vollkommen in einer fremden Welt voller Männer mit Speeren und reißzahnbewährter Monster verschwunden bin. Ein Kinderbuch, in Ordnung – aber auch heute noch kann mich die Steinzeit von Uomi begeistern. Eine Erinnerung daran, dass es ganz kleine Details sind, die auf ewig hängen bleiben und ein Buch zu etwas Besonderem machen.
  2. buchpassion-tomorgel-12buecher-1000px-09Der Gelbe Nebel von Alexander Wolkow
    stellvertretend für die ganze Reihe von Wolkows schamloser „Zauberer von Oz“-Kopie für die sozialistischen Bruderländer, die sich (für mich) bis heute als die wesentlich schönere und phantasievollere Variante der Geschichte erweisen – und die ja mit ihren zahllosen Fortsetzungen auch um Längen umfangreicher ist, als das Original. Für mich ein Beweis, dass man aus guten Stoffen immer noch mehr rausholen kann. Außerdem wusste ich als prepubertärer Ossi ja nichts vom „echten“ Oz. *g*buchpassion-tomorgel-12buecher-1000px-13
  3. Tsching, der stolze Adler von Josef Kovar
    Ich habe keine Ahnung, warum es mich so beeindruckt hat – Es hat extrem wenig Dialoge, extrem wenig zwischenmenschliche Handlung – es ist einfach nur ein Mann (bzw. Junge), ein Adler und ein Gebirge und ewig viel Kletterei und malerische Szenerie. Und ich habe das erste Mal von einem so exotischen Ort wie Tadschikistan gehört und von so exotischen Völkern wie den Reitervölkern dort, die mit Adlern Wölfe jagen. Es hat mich mehr fasziniert als Dschingis Khan – und dabei passiert dort fast nichts, außer seitenweise majestätisch-schöner Landschaftsbeschreibungen. Ein wenig wie beim Herrn der Ringe also. Und mit Adlern. Q.E.D. *g*

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  4. Die „Ein Dämon …“-Serie von Robert Asprin
    Dieser Band steht für die Ganze Serie, für Asprins Anthologieserie rund um Freistatt, für Craig Shaw Gardners „Ein Magier …“-Serie und eine Reihe anderer Bücher und Büchlein der Funny Fantasy der 80er und 90er, die mich begeistert haben, bevor ich noch das erste Mal über Pratchett gestolpert bin. Skeeve, Aaz und Konsorten haben mit sicherheit die Vorliebe für alberne Fantasy und extrem clevere oder zumindest gelungene (und auch weniger gelungene) Wortspiele in mir geweckt, die der heroischen Fantasy für mich bis heute den Rang ablaufen, indem sie sie brechen und gleichzeitig näher am wirklichen Leben sind (vor allem am wirklichen Leben eines Pubertierenden Schülers), als das ganze ernste, pathetische High-Fantasy-Gesumse. Meine Schwäche dafür hat mich später zu A. Lee Martinez geführt, zu John Moore und natürlich zu Pratchett. Ich bereue nichts!

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  5. Der kleine (sic!) Hobbit, von einem gewissen J.R.R. Tolkien
    Ich mochte dieses kleine Büchlein, bei dem ich lange Jahre nie wusste, dass es Weltliteratur ist und noch einen wesentlich größeren, ernsteren und gewichtigeren großen Bruder hat (und diesen akademischen und leicht esotherischen Onkel). Es hat mir einfach Spaß gemacht – mit Orksens, dummen Trollen und magischen Schwertern und Ringen. Eine klassische Einstiegsdroge, auch wenn es für mich damals lange nicht an Wolkows „Smaragdenstadt“-Serie heran reichte. :D

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  6. Die Letzte Fahrt der Bakr Alexander, von Rudolf Weiss
    Was für andere Jungs Stevensons Schatzinsel oder Robinson waren, waren für mich die Bark Alexander und ihre schiffbrüchigen Überlebenden auf der einsamen, von Kakteen bewucherten Schildkröteninsel – und bis heute ist mir neben dem klassischen Erfindungsreichtum und der gleichzeitig Reifungs- und Überlebensgeschichte vor allem in Erinnerung geblieben, wie gekonnt man einige wenige Beschreibungsmerkmale einsetzen kann, um Menschen ganz gezielt zu charakterisieren. Ich weiß schon seit Jahrzehnten nicht mehr, wie der Typ mit dem hervorstehenden, ständig hüpfenden Adamsapfel hieß – aber sein Bild habe ich noch immer vor Augen. Und die Stimmung auf dem Schiff vor dem Schiffbruch habe ich erst wieder in „The Rime of the Ancient Mariner“ von S.T. Coleridge gefunden. Was ja wiederum eine Szene in den Blausteinkriegen nachhaltig beeinflusst hat.

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  7. „Die Männer von Forty Mile“ von Jack London
    stehen für mich eine ganze Reihe von DDR-Ausgaben der London’schen Erzählungen, von „Wolfsblut“ bis „Die Perlen des alten Parlay“ mit ihren für mich bis heute ungeschlagenen Abenteuererzählungen, in denen auf wenigen Kurzgeschichtenseiten prachtvolle Gemälde von Tsunamis in der südsee geschaffen werden ,von Hunderennen in Alaska – vor allem aber von Arbeiterschicksalen am Rande der bekannten Welt. Und unter ihnen (und genau in diesem Band vertreten) eine Kurzgeschichte, die für mich zu den besten der Welt zählt (gleichauf etwa mit Norman Spinrads „Carcinoma Angels“): One Thousand Dozen – die Geschichte des Mannes, der sein Glück machen will, indem er in eine Goldgräberstadt das bringt, was die Männer dort am meisten vermissen: eintausend Dutzend Eier. Eine kleine, etwas absurde Abenteuergeschichte, die am Ende einen tiefen Eindruck hinterlässt.

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  8. Sea of Death, Band 3 einer 7-bändigen Gord-The Rogue-Serie vom D&D-Miterfinder Gary Gygax
    ein Büchlein, das ich auf einer Englandreise Anfang der 90er gefunden und inzwischen sicher schon 4 oder 5 Mal gelesen habe. Reinblütige Sword&Sorcery-Fantasy, weit eher in Robert E. Howard-Tradition als in Tolkiennähe und mit einem Ensemble, das Salvatores Dunkelelfen (deren erzählerische Vorfahren auch hier schon mitmischen, deren Gottheit Lolth hier aber noch ausschließlich Lloth hieß) wie blasse Amateure aussehen lässt (vom Dunkelhelfenclon bis zum fiesesten Zwerg der Literaturgeschichte, Alberich mit eingerechnet). Außerdem mit einigen der bisher ungeschlagen kreativsten Beschimpfungen und einem geradezu grandiosen Setting. Das Ding will kein literarisches Meisterwerk sein – es will unterhalten. Und das macht es mit aller brachialer Gewalt. Das wollte ich damals auch schaffen. Das hat mich zu einem engagierteren Rollenspielleiter und eben auch zum Schreiben gebracht (und nicht umsonst werden heute selbst gebrauchte Einzelbände mit mehreren hundert Euro gehandelt).buchpassion-tomorgel-12buecher-1000px-07
  9. Der Schimmelreiter von Theodor Storm
    Vermutlich das erste Buch, dass mir bewusst gemacht hat, dass „ernste“ Literatur tatsächlich unterhaltsam und spannend sein kann. Ich habe danach noch viel mehr literarische Klassiker von Dostojewski über Mann, Aitmatow, Tucholski, Heine bis Brecht und wie sie alle heißen gelesen. Mit eher zweifelhaftem Erfolg übrigens. Nur wenige können es meiner Ansicht nach, mit so wenigen Worten so eindrucksvoll zu schildern (ich ja auch nicht. *g*) und so dermaßen starke Figuren zu entwerfen. Für mich damals die Entdeckung „richtiger“ Menschen und Helden, jenseits der Helden im Märchen oder Abenteuerroman. Das habe ich bewundert. Das wollte ich auch können.

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  10.   „The Long Dark Teatime Of The Soul“ – Der tiefe schwarze Fünfuhrtee der Seele – von Douglas Adams
    Ich war damals bereits Adams-Fan mit Leib, Seele und selbstgemalten T-Shirts, angefixt von einem Schulfreund und immer bereit, meine Noten auf’s Spiel zu setzen, nur um noch ein weiteres Anhalter-Zitat im nächsten Deutschaufsatz unterzubringen (ich habe einen über Homo Faber mit der aus dem Kopf zitierten ersten Seite des Anhalters begonnen. Es wurde übrigens weder verstanden, noch honoriert). Und dann fiel mir die Tea-Time in die Hände. Es wurde das erste Buch, das ich freiwillig und ganz auf englisch gelesen habe, fasziniert von der Sprache und den Bildern und begeistert von Figuren und Geschichte. Für mich ist es immer noch das beste Buch, das Adams geschrieben hat – und ein, wenn nicht DER direkte Vorläufer und die Hauptinspiration von sowohl „Neverwhere“ als auch „American Gods“ von Gaiman. Davon bin ich fest überzeugt.
    Ich war Adams damals verfallen – aber an diesem Punkt habe ich den Wunsch versprürt: DAS will ich auch schreiben können. Irgendwann.buchpassion-tomorgel-12buecher-1000px-08
  11. Cyrano von Bergerac, von Edmund Rostand
    Sprache. Schlicht und einfach Sprache.
    Großartige, grandiose, gewaltige, vor allem aber clevere, leichtfüßige und gewitzte Sprache, die mir eine Freude an Rhythmus und Reimen, an Fluss und Wortwitz vermittelt hat, bei der es sogar Shakespeare und Goethe schwer haben, mitzuhalten. Was auch daran liegt, wie ich inzwischen weiß, dass es eine wirklich geniale Übersetzung ist. Und als Fan von Dumas‘ Musketieren und mit einem Hang zu Mantel- und Degen-Geschichten bis heute eine Inspiration für Dialoge und Szenen. Außerdem der beste Film, den der gewichtige Franzose auf dem Cover je gemacht hat, finde ich. *g*buchpassion-tomorgel-12buecher-1000px-04
  12. „Good Omens“ von Gaiman und Pratchett
    Was soll ich sagen – bis heute meiner Ansicht nach eines der besten Bücher dieser beiden Ausnahmeautoren – also auch bei jedem für sich. Mit Figuren, die heute Klassiker sind, mit einer so simplen wie genialen Aussage, mit mehr Wortwitz und intelligenter Sprache, als andere Autoren in ihrer ganzen Karriere schaffen – ein Roman, dem man ein ganzes Leben lang nacheifern kann, ohne ihn zu erreichen. Er wird bei jedem Lesen besser – und hat mich endgültig davon überzeugt, dass ich Pratchett-Übersetzungen hasse (während ich übrigens die von Gaimans späteren Romanen mag).buchpassion-tomorgel-12buecher-1000px-02

Die Welt des Meisters von Joel Rosenberg
ein Klassiker und Geheimtipp, den jeder klassische Fantasy-Rollenspieler mal gelesen haben sollte. Rosenberg hat Main-Charaktere unerwartet umgebracht, lange, bevor es cool war, er hat einen der besten „Dimensionssprung“-Romane für Rollenspieler geschrieben, den es gibt, er hat zumindest in den ersten Bänden der Serie ein halbwegs glaubhaftes „was wäre, wenn“ erschaffen und ist damit mit absoluter Sicherheit schuld an meinem ersten Manuskript, das sich mühsam auf einem ähnlichen Strang entlanghangelte, damals, kurz nach dem lesen, vor gut 25 Jahren.
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Ich könnte jetzt noch Dutzendfach so weiter machen (mit William Gibsons „Neuromancer“, Matt Ruffs „Fool on the Hill“, Hans Dominiks „Atlantis“, Meissners „Die schwarze Flagge“, Pat O’Sheas „Die Meute der Morrighan“, mit Marion Zimmer Bradleys „Die Jäger des roten Mondes“, Nivens „Splitter im Auge Gottes“, „Wie die Wassermänner den Welse besänftigten“ von Riha und Kudlacek … und so weiter), aber irgendwann ist ja auch mal Schluss.

Auf jeden Fall ist das mein Bekenntnis (oder eines der vielen) zu den Büchern, zum Lesen – und zum Schreiben.
Prost.

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3 comments for “#Buchpassion – 1 Dutzend + 1 Bücher, die mit daran schuld sind, dass ich heute schreibe …

  1. 13. September 2016 at 18:30

    Hallo Tom,

    vielen Dank, dass du einen Beitrag für meine Literaktion #buchpassion geschrieben hast. :-)

    „Der kleine Hobbit“ habe ich auch gelesen, aber ich war damals etwa 13 Jahre alt und vor ein paar Jahren habe ich das Buch wieder gelesen. Es hat mir beim zweiten Mal lesen sogar noch besser gefallen. ;-)

    Janine

    • Tom
      13. September 2016 at 22:06

      Gern. Ich find’s grad sehr nice, dass ich als Blogger bei dir aufgeführt werde. Das ist so ungewohnt, wenn man seit 5 Jahren auf der anderen Seite sitzt. *g*
      Aber ich mag meine Wurzeln hier. *g*

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