11. August: Weltrechtshändertag

Weltrechtshaendertag-Tribute

Linkshänder sind anders. Linkshänder sind eine schützenswerte Minderheit, die Jahrhunderte lang unter Unterdrückung und Diskriminierung zu leiden hatte. Linkshänder sind kreativer, intuitiver und generell die besseren Menschen. Linkshänder haben den Welt-Linkshändertag. Nämlich den 13. August. Mit Symposien, eigenen Ausstellungen, sie haben jeden interessanten Künstler, Politiker und Wissenschaftler von Ludwig van Beethoven über Leonardo daVinci bis Mahatma Gandhi und Jack the Ripper, sie haben ihre eigenen Webseiten und Vereine. Linkshänder haben Ned Flanders‘ Leftorium.

Und Rechtshänder? Die haben nichts. Außer eine starke, rechte Hand, einen fatalen Hang zur Logik und die Schuld am Übel der Welt (abgesehen von Jack the Ripper und dem Boston Strangler. Das waren Linkshänder. Vermutlich umerzogene und deshalb gestörte. Die konnten nichts dafür).

Also ganz im Ernst, Rechtshänder sind schon arme Schweine.

Und offensichtlich greift hier nicht einmal das Anti-Diskriminierungsgesetz, um die rechtshändische Mehrheit der Bevölkerung (auch wenn es nur knapp 55% sind) vor der Ausgrenzung durch die linkshändische Elite zu schützen. Wie anders ist eben der Weltlinkshändertag zu verstehen?

Ich möchte an dieser Stelle deshalb eine Lanze für meine benachteiligten, rechtshändigen Freunde und Bekannten brechen und mich solidarisch mit ihnen erklären, indem ich diesen heutigen Tag, den 11. August 2008 zum Rechtshändertag, bzw. am besten gleich zum Welt-Rechtshändertag ausrufe!

Reicht heute einem Rechtshänder die Hand!

Denn auch unter ihnen gibt es wider Erwarten eine ganze Menge feiner Menschen, viele davon hochkreativ, sozial kompetent, sensibel und keineswegs kalt-logisches Charakterschwein. Während Linkshändigkeit, man muss es doch einmal offen und schonungslos aussprechen, keineswegs ein Garant für Kreativität ist. Es gibt eine Menge Linkshänder, die nicht fähig sind, ein Strichmännchen zu zeichnen, das als solches erkennbar ist, es gibt viele Linkshänder, die unmusikalischer als ein Sack DSDS-Vorrundenausscheider sind – und einige von ihnen, die trotzdem erfolgreiche Künstler geworden sind oder sich als solche betrachten, sind unkreativer als meine monatliche Umsatzsteuer-Voranmeldung. Und mal ehrlich – wenn einen schon die Benutzung einer Schere (einer dieser bösen Rechtshänderscheren!) vor schier unüberwindliche Probleme stellt, dann sollte man sich ernsthafte Gedanken machen. Weniger allerdings über die Orientierung der Gliedmaßen, als insgesamt.

Also lasst euch nicht unterkriegen, liebe Rechtshänder – ihr seid auch vollwertige Menschen. Und wir haben euch trotz eurer Behinderung lieb. Könnt ihr ja nichts dafür. Wenn auch noch nicht feststeht, wer überhaupt etwas dafür kann. Die Gene scheinen es nämlich nicht zu sein. Freut euch über den heutigen Rechtshändertag und feiert mal schön.

Ach, übrigens: ich feier heute mal bei euch mit. Und am 13. bei den Linkshändern. Ich bin nämlich Beidhänder und besonders benachteiligt. Ich kann alles mit beiden Händen gleich schlecht. Und ein eigenes Sprungbein habe ich auch nicht. Eigentlich wollte ich ja einen Ambidextrie-Tag ausrufen. Aber ich hatte Angst vor zu vielen Beileidsbekundungen. Das klingt doch zu sehr nach schwerer Krankheit.

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