Rezensionsleitfaden für Blogger – Ihr seid Denis Scheck!

oder auch:

Wie bekommt man Rezensions-Exemplare, ohne sich einzuschleimen.

Zoë Beck hat mich am Wochenende auf ein derzeit unter Buchbloggern heiß diskutiertes Thema gestoßen, das mich selbst unmittelbar betrifft – und das in mehr als einer Hinsicht.

Sebastian Rothfuss, der bei Random House u. a. für Blanvalet die Pressevertreter betreut, hat es „gewagt“, einen kleinen Leitfaden für ebenjene Buchbloggerinnen und Buchblogger herauszubringen, in dem ein Mindestmaß an Professionalität erbeten wird. Das Ganze enthält sehr vorsichtig formulierte Grundsätze zu dem, was sich Blanvalet im Rahmen einer Rezension wünscht und wofür man bereit ist, eines der kostenlosen Rezensionsexemplare, die ja nicht gerade unbegrenzt zur Verfügung stehen, herauszurücken.

Es sind einfache Dinge wie:

  • Die Rezensionsexemplare müssen auf einem eigenen Blog oder als Clip auf youtube.de rezensiert werden, d.h. nur eine Besprechung auf beispielsweise amazon.de reicht nicht aus.
  • Nach erfolgter und veröffentlichter Rezension ist der Versand eines Beleglinks an sebastian.rothfuss@randomhouse.de Pflicht, ansonsten erfolgt keine weitere Bestückung mit Rezensionsexemplaren.

oder:

  • Eine Rezension sollte mehr als ein kurzer Tipp oder die Wiedergabe des Klappentextes sein. Eine Inhaltsangabe (ggf. mit Warnhinweisen bei Spoilern), eigene Meinung/Fazit, Autoreninfos, bibliografische Angaben, Bilder, etc. runden eine schöne und interessante Rezension ab.

Könnt ihr z.B. HIER selbst nachlesen.
eigentlich weiß ich nicht, was es daran überhaupt zu diskutieren gibt. Mit Ausnahme der Verpflichtung vielleicht, auf einen online-Buchhändler hinzuweisen, denn ich denke, unter Angabe der üblichen Bestelldaten wie ISBN und Verlag kann man ruhig auch auf einen lokalen „off-Line“-Buchhändler verweisen. Buchhändler sind unsere Freunde. Nicht nur amazon und Co.

Interessanterweise hat das, wie Zoë Beck in ihrem Kommentar schreibt, für einige Irritationen gesorgt. Von „Einschüchterung“ von Verlagsseite aus war die Rede, ebenso wie von „Einschränkung der Pressefreiheit“. Mal davon ganz abgesehen, dass jemand, der sich auf Pressefreiheit beruft, sich auch an die Grundsätze eines ordentlichen Journalismus halten sollte (ordentliche Recherche, wahrheitsgemäße, sachliche Berichterstattung, Quellenangaben, etc.) – es sollte doch eigentlich im Interesse jedes Buch-Bloggers sein, professionell zu arbeiten. Und wenn einem schon so ein Minimalleitfaden an die Hand gegeben wird, bei dessen Einhaltung tatsächlich sogar Freiexemplare winken, dann sollte man darüber froh sein und sich nicht beschweren, wenn man eine Hilfestellung bekommt. Eine Hilfestellung, die dafür sorgt, dass die eigene Arbeit als Rezensent besser wird und man selbst damit anerkannter. Letztendlich dafür, dass man gern in die Liste der Leute kommt, die auch beim nächsten Mal eines der begehrten Rezensionsexemplare bekommen.

Mal ehrlich – das Vorzeigen eines hübschen SUB (Stapel ungelesener Bücher) ist zwar nett, hat aber im Grunde etwas von Penisvergleich. Mein Stapel ist höher als deiner …
Sollte es nicht heißen: Ich habe xxxx Bücher rezensiert, und Leser und Verlage vertrauen auf meine Meinung und deshalb bekomme ich nach wie vor Rezensionsexemplare?
Denn die sind keine Pflichtveranstaltung für Verlage sondern ein Zugeständnis an BLogger, deren Meinung geschätzt wird. Nicht von anderen Bücherbloggern, sondern in erster Linie von Lesern und Autoren.
Ja, auch Autoren. Wenn ich als Autor sage „Bloggerin XYZ hat in der Vergangenheit wirklich schlüssige, aussagekräftige Rezensionen geschrieben (egal, ob mir ihr Fazit gefallen hat, oder ob ich schlecht dabei weggekommen bin . sie waren gut recherchiert und begründet) – schickt der ein Exemplar meines neuesten Romans. Vielleicht überzeugt der sie ja“, dann macht das ein Verlag doch deutlich lieber. Dafür muss man einem echten Autor nicht nach dem Mund schreiben. Man muss nur gute Arbeit liefern. Je neutraler, desto besser.
Für jemanden, der nur den Klappentext abschreibt und zwei Zeilen im Stil von fand „ich jetzt ja super, weil, die küssen sich so toll!“ dazunagelt werde ich mich garantiert nicht einsetzen. Das bringt meinen Lesern nichts – und ich werde keinen einzigen Leser damit gewinnen. Da ist sogar ein fundierter Verriss (der Raum für eine eigene Meinung lässt) wertvoller.

Apropos Klappentext: Den abzuschreiben ist völliger Blödsinn.
Erstens kann ihn, wer auch nur halbwegs Interesse hat, auf amazon und co selbst nachlesen. Das bringt mich als Rezipient keinen Schritt weiter. Zweitens – wir wissen doch alle, wie viel (oder wie wenig) Klappentexte mit dem Inhalt zu tun haben. Mein Lieblingsbeispiel: James Barclay, dessen Klappentexte spätestens auf Band 3-6 völlig obsolet sind, weil der text schon am Ende des ersten Bandes nicht mehr stimmt.
Wer Klappentexte zum Kern seiner Rezension macht, disqualifiziert sich als jemand, der das buch nicht gelesen hat. Schreibt bitte selbst, worum es geht. Oder das, was ihr meint, worum es geht. Das ist viel wertvoller.

Ich als Rezensent (für das professionelle Portal Phantastik Couch zum Beispiel) arbeite seit geraumer Zeit mit folgenden Vorgaben (die der Kollege Frank Dudley mal zusammengestellt hat), die zumindest halbwegs ordentliche Rezensionen ergeben, wenn man sich denn daran hält.

No_Spoilers_river_Song_doctor_Who

„River Song“ Alex Kingston, courtesy of BBC UK, Doctor Who

.

Was ist eine Rezension?

Erstens: eine Rezension ist NICHT:

  • eine Textanalyse
  • eine Nacherzählung

Das heißt: es hat keinen Wert, den gesamten Inhalt des Buches wiederzugeben, oder ganz tief im Grundgerüst anzusetzen und den Text detailliert zu analysieren. Wir sind hier nicht im Deutschunterricht. Ein Begriff wie „auktorialer Erzählstil“ muss in einer Rezension nicht unbedingt auftauchen. Genauso wenig müsst ihr alle Thesen der Rezension mithilfe von Textstellen belegen, oder das Buch als Ganzes oder die vermutete Absicht des Autors im  schulischen/wissenschaftlichen Sinn interpretieren.

Kurz: Eine Buchbesprechung  darf unbedingt subjektiv sein (ich will als Leser wissen, was DEINE Meinung ist!). sie darf absolut kritisch – muss aber fundiert sein.

Daran denken: eine gute Rezension richtet sich an DREI Zielgruppen:

1) an Leser, die das Buch noch nicht kennen
2) den Autor
3) den Verlag

Für den Leser ist es wichtig, kurz zu erläutern, worum es im Buch geht, was das Besondere daran ist.  Denn die Rezension soll ja eine Entscheidungshilfe zu geben, ob dieses Buch für den Leser interessant sein könnte

Für Autoren und Verlage ist das Feedback zum Buch selbst wichtig. Der Autor hat sein Werk vollendet, neben ihm selbst kennen es vielleicht nur Freunde, Verwandte und Lektoren vom Verlag.

Der Autor will wissen: Wie kommt das, was ich geschrieben habe, bei den Lesern an? Worin kann ich mich verbessern? Was war wirklich gut?

Die Verlage wollen das auch wissen – auch um zu entscheiden: Lagen wir mit unserer Entscheidung, dass Buch auf den Markt zu bringen, richtig? Wie schätzen andere die Qualität ein? Welches Potential hat der Autor?

Wichtig: Die Rezension selbst ist keine eigene Form der Literatur. Eine Rezension ist letztendlich ein journalistischer Text.  Also: man darf ruhig ein wenig zurückhaltend bei der Verwendung von Stilmitteln, blumiger Sprache usw. sein. Es sei denn, man beherrscht das wirklich gut – es gibt Rezensionsprofis, deren Rezensionen unterhaltsamer sind als das zugehörige Buch. DAS WOLLEN WIR LESEN!

Eher nebensächlich in der Besprechung sollten sein:

  • Cover-Gestaltung
  • Schriftbild
  • Papierqualität
  • Preis

 

Ausnahme: Wenn der Preis z.B. eines Taschenbuchs bei exorbitanten 25 Euro liegt, ohne dass das durch einen passenden Mehrwert gerechtfertigt ist, wenn die Covergestaltung unglaublich danebengelangt ist (mir persönlich fällt da immer das Stichwort: Pratchett in der aktuellen Aufmachung von Manhattan ein) oder dergleichen.
Oder natürlich auch bei bemerkenswert positiven Ausnahmen. Ansonsten sieht die Kurzinfos eh jeder bei amazon. Und das Cover ist ja sowieso meist illustrierend dabei …

Fehler in Grammatik, Rechtschreibung oder Übersetzung darf und sollte man allerdings unbedingt anmerken. Das ist ohnehin ein Rüffel, der nicht an den Autoren, sondern den Verlag geht (und das bitte, bitte auseinanderhalten! Wenn es kein Selbstverlag-Buch ist, kann der Autor dafür nämlich gar nichts!)

Vorüberlegungen

Was man im Kopf behalten sollte: Kein literarisches Werk ist außerhalb des Kontextes zu betrachten.
Das heißt, man sollte durchaus im Blick behalten:

  • Wann wurde es geschrieben? Einem vierzig Jahre alten Buch, das jetzt erst übersetzt worden ist, kann nun nicht gerade ankreiden, dass die Sprache unmodern ist, die Protagonisten verklemmt sind oder dass sich in Autos niemand anschnallt und keiner ein Handy hat.
  • Wo wurde es geschrieben? Beispiel kubanische Literatur: Dort gibt es immer noch eine Zensur, d.h. der Autor hat sicherlich nicht alles so schreiben können, wie er wollte.
  • Wer hat es geschrieben? Wenn möglich, solltet Ihr das Buch mit anderen des Autors vergleichen oder ggf. erwähnen und berücksichtigen, wenn es sich um ein Debüt handelt. Wenn es tatsächlich schon das x-te Werk des Autors ist: Hat er sich irgendwie weiterentwickelt? Oder kopiert er sich nur noch selbst? Imitiert er etwa einen anderen Autor? Das sollte man tatsächlich kritisch anmerken. Aber bitte vorher nachsehen, wer tatsächlich zuerst da war. ;) Ich finde nichts so albern, wie wenn jemand Anne Rice vorwirft, sie würde Stephenie Meyer nachahmen ….

Die Länge

Als bewährte Faustregel: Eine ausführliche Rezension sollte ungefähr eine Din-A4-Seite lang sein, (Also rund 600 Worte, getippt in einer der Standardschriften in z.B. Word).
Das kommt natürlich ein wenig auf das Buch an – eine 100 seitige Novelle mag durchaus schneller abgehandelt sein als 900 Seiten „Der Name des Windes“.
Und manche Leute schreiben natürlich auch etwas ausschweifender als andere. Richtschnur für den Hinterkopf: Wann habe ich alles Wichtige gesagt, das Überflüssige allerdings weggelassen. Ihr schreibt keinen Roman – ihr schreibt ÜBER einen roman (oder eine andere Literaturform).

Der Aufbau der Rezension

Gern verwendet wird die schnöde Formel „Inhalt – Aufbau – Fazit“. Kann man machen – aber schön ist das nicht. Und macht selten Spaß zu lesen.
Eine denkbare und elegantere Alternative wäre zum Beispiel:

  • Einleitung: Ein kurzer (! Drei bis 5 Sätze reichen völlig!) Abriss: Um was für ein Buch handelt es sich, wer ist der Autor, was zeichnet dieses Buch aus?
    Diese Einleitung ist der Teaser, so wie die Kurzeinleitung bei z.B. einem Magazin-Artikel. Das Ding hat nur einen (wichtigen) Zweck: Neugierig zu machen!
  • Inhalt: wie gesagt – bitte nicht einfach den (vermutlich sowieso nicht ganz richtigen) Klappentext und bloß keine tumbe Nacherzählung. Die Leute sollen (oder zumindest wollen) das Buch ja selbst lesen! Also verratet bloß nicht zuviel von der Geschichte! Nur genug, um neugierig zu machen (oder, wenn’s sein muss, abzuschrecken). Zwei bis drei Absätze – maximal ein Drittel der Rezension – reichen. Ganz, ganz wichtig – selbst wenn ihr das Buch gehasst habt: KEINE SPOILER! 
    Wer die wichtigen Plot-Twists, Überraschungsmomente oder gar das Ende verrät (egal, ob es ihm gefallen hat oder nicht), wird von mir sofort auf die schwarze Liste gesetzt.
  • Meinung und Einschätzung: Mindestens drei Absätze – also ein starkes Drittel der Rezension! Hier bitte wirklich auf die Geschichte eingehen (Originalität, Logik, etc.), auf die Charaktere (Originalität, Glaubhaftigkeit) und gern auch auf den Sprachstil (der ja ein wichtiger Bestandteil des jeweiligen Leseerlebnisses ist).
  • Fazit: Das sollte idealerweise den zentralen Punkt der Einleitung aufgreifen. Nicht einfach: Fand ich toll (das bringt nämlich weder dem Leser noch dem Autor was), sondern: „Fand ich toll, weil …“. „Unbedingt empfehlenswert, weil …“ oder halt „Finger weg, weil …“. Gegebenenfalls eleganter formuliert als „weil“, weil … weil eben.

Die Wertung

Das hängt natürlich vom eigenen Wertungssystem (1 bis 5 Sterne, 0-10 Punkte, 1-100 Kauris, …) ab, aber so als Hilfestellung kann man diesen durchaus schwierigen Punkt in 5 bis 7 Kategorien aufteilen.

Bleiben wir z.B. mal bei 0 bis 10 „Daumen Hoch“:

10 Daumen: Ein Meisterwerk! Selten etwas Besseres gelesen. Bestes Buch des Jahres. Der neue „Herr der Ringe“ seiner Klasse. Absoluter Pflichtkauf!

8-9 Daumen: Großartiges Buch, originell, hervorragend geschrieben, was hat der denn noch alles geschrieben – her mit dem nächsten!

6-7 Daumen: Jup. Völlig in Ordnung. Kann man lesen und empfehlen – kein Top-Highlight, aber solides Lesefutter ohne nennenswerte Schwächen. Von dem Autor les ich sicher auch noch mal was.

5 Daumen: Durchschnitt. Kann man lesen, muss man aber nicht. Ist aber auch nichts, worüber man sich ärgern muss.

3-4 Daumen: Nee … lass mal. In der Zeit hätte man eigentlich auch was Besseres lesen können. Hat deutliche Schwächen (in Stil, Erzählung, Charakterzeichnung, vorhersehbarer Plot, unoriginell, hat man schon mal irgendwo gelesen. Besser).

1-2 Daumen: Okay, wo kann ich meine Zeit wiederhaben? Wer verlegt so was, außer vielleicht zur Steuerabschreibungszwecken? Danke, nicht noch Mal.

0 Daumen: Giftschrank! Sollte wegen Verbrechen gegen die Sprache und Schriftstellerei im allgemeinen und wegen Körperverletzung im Besonderen strafrechtlich verfolgt werden.

Verständlicherweise sollten 10 und 0 Daumen beide nur sehr, sehr, SEHR selten vorkommen. 10 Daumen verdient das Meisterwerk des Jahres (übrigens: aus diversen Gründen würde ich dem Herrn der Ringe nur etwa 8 geben. bisher haben es nur ein paar wenige Pratchetts bei mir zur 10 geschafft. Zwei oder drei vielleicht, in den 30 Jahren, in denen ich ihn lese …). Und 0 … kommen bei mir daher nicht vor, dass ich ein solches Buch kaum rezensieren werde, weil ich es vorher wegwerfe und zu vergessen versuche.

Die Überschriften

Leute, gebt euren Rezensionen möglichst griffige Überschriften (und Zwischenüberschriften). Das ist das, was man bei Google sieht. ;)
Und das ziel einer Überschrift ist es, Leser anzulocken und sie zum Lesen der Rezension zu motivieren (der autor liest vermutlich eh alles. Oder nichts. Je nach persönlicher Einstellung). Aber den gemeinen Leser ködert man, wie die Bild, über knackige Überschriften.
Bezieht euch entweder auf den Inhalt des Buches „“Follow the White … wait… Bat?!„) oder auf euer Fazit („Infinity – Muss ich den verstehen?„) und arbeitet mit Zwischenüberschriften. Das hilft, den Text einfacher zu lesen und aufzunehmen (ich hasse wenig so sehr, wie ein Text, der komplett und ohne Absätze als Block geschrieben ist. Les ich nicht. Egal, wie gut er sein mag. Und mit Zwischenüberschriften kann man sehr gut überleiten und besondere Punkte hervorheben. ;)
Das hilft den Lesern, die nämlich üblicherweise einen Text zuerst „scannen“, also nach wichtigen Eckpunkten überfliegen. diese Eckpunkte eurer Rezension solltet IHR vorgeben. Das ist Service am Leser und hebt euch wohltuend vom Web-Einheitsbrei ab. ;)

Die kritische Frage: Wie kritisch darf ich sein?

So kritisch wie nötig. Man muss keine Rücksicht darauf nehmen, dass der autor sich vermutlich eine Menge Mühe gegeben hat, dass ihr das Buch vielleicht als kostenloses Rezensionsexemplar bekommen habt oder Ähnliches. WENN eure Rezension begründet und nicht beleidigend sondern anhand des buches nachvollziehbar ist, wird euch das kein ernstzunehmender autor und erst recht kein verlag übel nehmen.
Bitte keine Rücksicht darauf nehmen, dass sich ein Autor doch Mühe gegeben habe,

  • Wenn ein Buch schlecht ist, schreibt es so und vor allem warum.
  • Wenn ein Buch gut ist, schreibt es so und vor allem warum.

Das Schwierigste sind wohl „durchschnittliche Bücher“. Darüber kann man gelegentlich nicht viel mehr sagen, als „Durchschnitt“. Oft geben die nicht mal eine lustige Rezension ab. Wobei das eigentlich das Negativste ist, was man über eine Arbeit sagen kann – wenn sie nicht mal als Trash taugt oder zum schlechten Beispiel qualifiziert ist.
Macht euch die Mühe, die vorhandenen positiven und negativen Merkmale zu betonen, dann ergibt sich fast automatisch ein anderer Wert als „Durchschnitt“. entweder doch etwas darüber oder etwas darunter. „Durchschnitt“ ist ein theoretischer Wert, der so selten wirklich zutrifft, wie 10 oder 0 Daumen. ;)

Und mal ernsthaft:

Erspart euren Lesern Phrasenanhäufungen im Stil von „So gut, dass ich es nicht mehr weglegen konnte“. Jeah … das schreibt jeder zweite Blogger über jedes 2. Buch …

Und: Keine Beschimpfungen. Ihr wollt als professionell wahrgenommen und geachtet werden und von den Verlagen als wertvolle Rezensenten angesehen?
Dann spart euch beleidigende Ausdrücke weitgehend („dämlich“, „hirnverbrannt“, „scheiße“, …) und persönliche Beleidigungen gegen Autor, Verlag und Leser, die eine andere Meinung haben völlig. Und natürlich auch gegen andere Blogger.

Wichtig: Fair und nachvollziehbar bleiben. Erfahrungsgemäß ist ein kritischer Rezensent angesehener (bei Lesern, Autoren und Verlagen) als einer, der plump verreißt oder nur flach lobt.

Wenn ihr Meinungen anderer Leute einfließen lasst (egal, ob aus einer anderen Rezension, von einem anderen Blogger, aus einem Forum etc.) – KENNZEICHNET das. Nichts ist peinlicher und wird mehr abgestraft, als als Abschreiber aufzufliegen.
Zitate kennzeichnen. Egal, ob sie aus dem Buch, von einem anderen Rezensenten oder dem Verlag stammen. (Tipp: Querverlinkungen sind in Google-Hinsicht durchaus nützlich. ;) ).

Aber ja: zitieren ist erlaubt – Nur eben: Kurze Abschnitte, einzelne Zeilen oder Sätze, nicht ganze Passagen! Wer alles zusammenkopieren muss, sollte sich das mit dem Bloggen sparen – vor allem aber auch nicht auf Rezensionsexemplare hoffen. Außerdem: Zu viele Zitate nerven nur. Wir wollen lesen, was ihr meint, nicht, was andere meinen, die ihr zitieren müsst. Dann kann man nämlich auch gleich diese anderen lesen.

Natürlich kann man von diesem groben Plan abweichen. Aber vermutlich ist es dafür erstmal hilfreich, zu wissen, wie es die „Profi-Rezensenten“ überhaupt machen.
Besser machen darf man es immer. Aber man muss es ja nicht schlechter machen, wenn es sich vermeiden lässt. ;)

Wer zumindest im Groben nach dieser Art zu Rezensieren vorgeht und Stephan Rothfuss‘ Hinweise zu Verlinkung und der fairen Vorgehensweise Verlagen gegenüber berücksichtigt, der kann vermutlich davon ausgehen, von den Verlagen als lohnenswerter Rezensent und Blogger wahrgenommen zu werden und bei Rezensionsexemplaren nicht von vornherein durch’s Raster zu fallen.
Ach ja – und wer sich das zutraut: amüsant zu lesen darf auch eine ernsthafte Rezension sein. Das ist der perfekte Fall: Wenn man nicht nur informiert, sondern auch unterhält. Unterhaltene Leser kommen eher wieder. ;)

Viel Spaß beim Bloggen und Rezensieren!
Tom

PS: Und nur mal gaaaanz am Rande:
Gute Rezensenten, die ihr Handwerk beherrschen, finden unter Umständen auch einen Platz (und mehr Lesestoff als sie essen können) bei der Phantastik-Couch.
;)

6 comments for “Rezensionsleitfaden für Blogger – Ihr seid Denis Scheck!

  1. 3. Mai 2013 at 08:27

    Ah, die Website lebt ja wieder … ;)
    Vielen Dank für die weisen Worte. Ob man die mal den DSA-Fans zuschicken könnte? Dort wird gerade wieder über die miese Arbeit der Autoren hergezogen, weil es mehr als einen Rechtschreibfehler (nach Ansicht des Schreibers) pro 100+ Worte gibt. Den Verlag trifft dabei natürlich keinen Schuld. :D

    Den Rezensions-Leitfaden werde ich da mal verlinken. –TH

    • Tom
      3. Mai 2013 at 08:43

      Ja, es gab ein Problem mit der SQL-Datenbank, das mich daran gehindert hat, neue Artikel zu verfassen und Kommentare schicht gefressen hatte. Ich habs aber inzwischen endlich mal beheben können.

  2. Hanka
    4. Mai 2013 at 18:27

    Guter Artikel.
    Aber auch hier gilt: Bitte vor Veröffentlichung noch mal auf Tippfehler scannen – auch wenn es nicht die eigenen sind. In diesem Kontext wirken sie beinahe absurd.

  3. Anja
    14. Mai 2013 at 16:28

    Ich muss breit grinsen, weil ich überhaupt erst durch eine echt miese Rezension von Frank Dudley auf der Phantastik-Couch aktiv geworden bin. Was habe ich mich damals drüber geärgert, weil er das Buch definitiv nicht gelesen hatte oder jedenfalls höchstens quer.

    Aber ich stimme den hier aufgeführten Vorgaben zu. Und möchte noch hinzufügen, dass es mich nervt, wenn in einer Rezension zu viel ‚gespoilert‘ wird. Das ist vielleicht manchmal schwer, sich da zurückzuhalten, aber Spoiler nehmen nun mal einen Teil der Spannung weg.

  4. 14. Juni 2013 at 12:28

    hi Tom, kennst du zufällig Ruth Klüger? Ich bezeichne sie mal als „Grand Dame“ der Rezesionen. Sie hat während einer Lesung im Münchner Literaturhaus betont, dass Rezensionen grundsätzlich IMMER ein Stück Literatur darstellen – wie sollte es auch anders sein?! LG

    • Tom
      14. Juni 2013 at 21:14

      Hallo Heike.
      Nein, die Dame kenn ich nicht, egal ob Grand oder Petit.
      Ich kann aber behaupten, das meine Rezensionen keine Literatur sind. Nicht mal die gelungen satirischen. ;)

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