Klauen, Kölsch und Kollegen – Buchmesse Frankfurt 2012

Kennt ihr diese Tage, an denen es euch vorkommt, als läge ein dreiwöchiger Urlaub in einem fremden Land hinter euch und nicht nur ein dreitägiger Messebesuch?
Irgendwie so fühle ich mich heute. Das war wieder einmal so viel Input auf der Buchmesse, dass es meinem Gehirn schwer fällt, zu akzeptieren, dass ich nur knapp 3 Tage nicht daheim war und in der Zwischenzeit eigentlich nichts Nennenswertes passiert ist. Also im echten Leben.

Nichtsdestotrotz – ein kleiner Messebericht.
Teil 1

(über den Buchmesse Con berichte ich dann noch gesondert)

Mein Messebesuch begann am Donnerstag, direkt mit einem geplatzten Termin, da ich gleich mal mit 30 Minuten Verspätung auf dem Messegelände eintrudelte.
Immerhin das letzte Stück mit eigener Limousine samt Chauffeur: Bus kommt an – auf meine Frage, ob er zur Halle 3 fahre, sagt der freundliche Herr, dass ich ruhig schon einsteigen solle. Kaum sitze ich, fährt er (also nach bereits 2 Minuten Wartezeit) ab und bringt mich zur Messehalle 3. Als einzigen Fahrgast.


Nichtsdestotrotz – mein Kontakt musste da schon zur Bahn, also hatte ich Zeit für einen ausgiebigen Rundgang im Alleingang.

Donnerstag Nachmittag war übrigens ein guter Zeitpunkt dafür, denn im Vergleich mit z.B. Freitag war geradezu nix los dort. Also hatte ich die zeit, nicht nur einen Überblick über die Stände und ihre diesjährigen Standorte zu bekommen, sondern auch die Bekannten zu grüßen, die in den verschiedenen Verlagen Standdienst schieben durften. Nachteil: Es waren natürlich keine Promis anwesend. Der Gouvernator war schon abgerückt, Stoiber, Heinz „Wer liest dann da so unangenehm?“ (O-Ton: ältere, recht distinguierte Dame) Buschkowsky und Co. kamen samt großen Polizeieskorten erst am Freitag.

Statt eines riesigen AUDI-Ufos stand auf dem irgendwie verwaist wirkenden, zentralen Platz der Buchmesse übrigens lediglich ein Buch, das die Herzen der Phantasten, Philologen, Cineasten und Gastland-Neuseeland-Fans höher schlagen lassen sollte. Es war beeindruckend, wirkte aber dennoch irgendwie verloren. Und das auf ner Buchmesse. Ich hoffe aber immer noch, dass das kein Omen ist und der Hobbit-Hype für uns Phantastik-autoren mehr ist, als nur eine große Packung mehr oder minder heißer Luft.

Immerhin hatte das Hobbit-Thema in der Halle der englischsprachigen Bücher noch einigen weiteren Widerhall. Da konnte man graubärtigen Reiseführern und kurzwüchsigen Grantlern an allen Ecken begegnen. Die Anzugträger standen ihnen aber auch hier eher im Weg und waren selbst für ein kurzes Foto nicht aus dem Weg zu bewegen, die begriffsstutzige Bande. Gandalf sah auch dementsprechend „not amused“ aus.

Auch ansonsten aber wurde, wo immer möglich, noch ein Regal mit Hobbit- und Tolkienmaterial gefüllt. Hatte doch etwas von Ausverkauf.

Nebenbei hab ich da aber was entdeckt, das ich mir nicht nur wegen Thematik und Autor, sondern auch alein wegen des großartigen Covers bestellen muss. Mal sehen, was meine Rezensionswunschliste so hergibt. Tom Finn, das müsste doch was für dich sein. ;)

Nächster Halt: Wieder Halle 3 und Umfeld, wo ich noch einen netten Schwatz mit Bernhard Hennen und gleich darauf mit Andrea Bottlinger und Daniela Knor führen konnte, bevor ich, quasi schon auf dem Heimweg, noch in den LYX-Messestand stolperte. Und mich angesichts von Häppchen und Kölsch-Gläsern daran erinnerte, dass das übliche Freitags-Sit-In bei diesem Verlag diesmal schon am Donnerstag stattfand. Sehr fein, denn das sparte mir die Lauferei. Ein kurzes Meet-and-drink also mit unseren Agentinnen von Schmidt& Abrahams, mit Uli von Lyx, mit Bernd Perplies, Christian Humberg, Andrea Bottlinger und noch einer Handvoll weiterer Kollegen, ohne sich mehr als weitere 10 Meter zu bewegen. So macht Messe Spaß.

Übrigens: Das kommende Buch „Sorge dich nicht, beame!“ vom Team Bottlinger/Humberg ist bereits für mich reserviert. Ich weiß überhaupt noch nicht, wofür ich es brauchen sollte, aber ich bin mir schon mal sicher, dass es mich von diesen beiden Autoren auf jeden Fall nicht langweilen wird.

Nach Kölsch, einer halben Stunde Stau auf der Autobahn (allerdings mit Untermalung durch die neue „Tenacious D“, was es erträglich machte) und gehöriger Verwirrung durch die üblichen Spirenzchen der Deutschen Bahn schlossen wir (das heißt, Carsten Steenbergen, Stephan samt Begleitung und ich) dann den Abend mit nur einer knappen Stunde Verspätung beim besten Rumpsteak, das ich in den letzten drei Jahren gegessen habe. Garantiert besser als jedes Messepartycatering.

Tag 2: Freitag

Freitag war dann volles Programm. Carsten, Stephan und ich schlugen etwa halb Zehn auf der Messe auf und eigentlich ging’s dann fast sofort los mit dem Kollegen treffen.

Zuerst liefen wir Meiner Phantastik-couch Chefin Eva Bergschneider und Kollege Peter Kümmel über den Weg, die trotz vollem Terminkalender ein paar Minuten Zeit für uns hatten.

Gleich nebenan trafen wir dann auf Michael Peinkofer, der sich den ganzen Tag in der Nähe des Piper-Standes herumtreiben durfte, aber immerhin Zeit für einen Stare Down Contest hatte (Die Gewinnerauswertung desselben läuft noch).

Wichtiger Termin zwischendurch: Der Besuch von Audible, um mal über Konditionen zur Veröffentlichung unseres Steamtown-audiobooks über sie zu sprechen. Mit der ernüchternden erkenntnis, dass audible die diesjährige Messe gar nicht mit Anwesenheit beehrt. Der Hörbuchbereich war aber insgesamt diesmal ernüchternd sparsam auf dieser Messe. Ernüchternd auch die Nachricht, dass die große Hörbuchmesse Ohrkanus im kommenden Jahr mangels Ausstellerinteresse im kommenden Jahr flachfallen könnte. Komische Branche. Immerhin haben wir dann doch noch einen guten Tipp bekommen, wie wir unser Projekt auf Amazon und iTunes unterbringen könnten, ohne dabei auch noch draufzuzahlen. Es ist alles nicht so einfach.

Süß war auch die Umfrage der Messe, was uns in Halle 4 besonders inspiriert hat (Zit: „Die Teppiche zum Beispiel?“ – Häh?!).
Ähnliche „Häh?!-Erlebnisse dann auch bei der großen Bühne im Außenbereich der Messe, auf der eine Profitruppe von tanzenden Maori die Kultur ihres (Messe-Special-Gast-)Landes zu den traditionellen Eurodance-Klängen von Aqua und Co in Szene setzten und sich in unerreichter Eleganz alle etwa 20 Sekunden zu einem semisynchronen Punkt in der Choreografie trafen:

Unser Fazit: Da haben wir Europäer bei der Vernichtung einheimischer Kulturen aber wirklich ganze Arbeit geleistet! Aber die Rezitation eines (wohl zeitgenössischen) Maoridichters war zumindest in Ausdruck und Intensität ein Highlight.

Wieder drin in der warmen und trockenen Halle drei durfte Stephan dann endlich unseren gemeinsamen Blockbuster-des-Jahres-Roman der Presse präsentieren:

Verzeihung.
Nochmal.

Nein, im Ernst, wir fühlten uns wirklich prima auf der Messe präsentiert (siehe erstes Bild) – „Orks vs. Zwerge“ in dieser wirklich erlauchten Gesellschaft im Regal auf der immerhin weltgrößten Buchmesse zu sehen, hat schon was.

Außerdem durften wir die äußerst sympathischen Vertreterinnen von Heyne kennen lernen, die unser Werk so großartig in die Buchhandlungen des Landes gebracht haben. sie haben sich als duldsame Testpersonen für die ersten Live-Signierungen zur Verfügung gestellt – und die Idee mit dem Widmungscoaching für Neuautoren hat wirklich was. Was man da nicht alles beachten soll … Vielen Dank hier auch an Christoph Hardebusch, der uns den Damen vorgestellt hat und der ebenfalls ein paar nützliche Tipps zur ganzen Unterschreiberei hat springen lassen.

Oh ja, und dem ersten Live-diebstahl unseres romanes durfte ich dann auch beinahe hautnah (buchstäblich) beiwohnen:
Gerade noch hatten wir, drei Meter von der Bücherwand entfernt stehend, über dreisten Buchmesse-Klau gesprochen, während hinter uns ein, zwei einsame Besucher die Bücherstapel in Augenschein namen. Als ich mich umdrehe, um etwas im Regal zu zeigen, verschwand der letzte der Besucher soeben um die Ecke und im Regal klaffte ein nicht zu übersehendes Loch. Dort, wo Sekunden zuvor noch eines unserer Bücher stand.
Depp. Ich hätte es sogar noch signiert, wenn er gefragt hätte. „Das erste, geklaute Exemplar von Orks vs. Zwerge!“ oder so. *g*
Aber wer nicht will, hat schon. Wir nehmen es als Kompliment.

Wo wir dann schon bei Heyne waren und einen unbesetzten Tisch gefunden hatten, sind wir tatsächlich für die nächsten Stunden geblieben. Hey, es gab Kaffee, Wasser und Cola frei Haus und es trudelten immer mehr Autorenkollegen und andere nette Leute aus dem Verlagswesen ein, organisierten sich Stühle und setzten sich dazu, bis wir beinahe ein WerkZeugs-Stand-Happening-Feeeling a la Leipzig hatten.

Und solange wir in Begleitung der Top-Autoren des Verlages herumsaßen, wollte uns wohl auch keiner vertreiben. ;)
Besonders interessant war übrigens das, was uns Hanka „Goldmarie“ Jobke über ihre Arbeit als freiberufliche Recherche- und Social-Media-Spezialistin für Bernhard Hennen und Kai Meyer von ihrem Job für die autoren erzählt hatte. Wenn man viel zu recherchieren hat, ist eine hilfe wie ihre sicherlich ein Service, den in Anspruch zu nehmen sich wirklich lohnt. Ich verzettel mich ja beim Recherchieren doch nur wieder in den Fallstricken des Internet-Surfens. ;)

Außerdem haben wir mal alle schnell noch einen Fernsehkommentar zum neuen Kachelmann-Buch abgelehnt. Was soll man dazu auch sagen?
Mit den unsterblichen Worten von Mirco Nontschew: Wetter, Wetter, Wetter.

Irgendwann war dann auch dieser Messetag wieder rum und es ging zum traditionellen chinesischen All-you-can-eat-Autorenbuffet (mit immerhin 26 Leuten diesmal. In zwei Jahren können wir den Laden dann gleich ganz reservieren), bevor wir gegen 21 Uhr auf dem Galaktischen Forum eintrudelten.
Weiteres Quatschen, biertrinken, Fachsimpeln und generelles Herumalbern mit Kollegen folgte. Aber wie immer – keine Details, keine Fotos. Aber schee war’s.
Und halb 1 ging’s dann auch schon wieder zurück und in’s Bett. Am nächsten Tag stand ja der BuCon in Drieich und mit ihm unsere erste offizielle und gemeinsame Lesung an.

2 comments for “Klauen, Kölsch und Kollegen – Buchmesse Frankfurt 2012

  1. Commandante
    16. Oktober 2012 at 18:44

    Ich bin höchst neugierig, was die Signiertipps betrifft!!

    „Keine sexistischen/rassistischen/homophoben/speziesistischen Beleidigungen dazuschreiben“

    „Keine Bierflecken“

    „Eine zum Buchcover passende Tintenfarbe wählen“

    Viel Erfolg weiterhin :-)

  2. 17. Oktober 2012 at 07:33

    Bierflecken nur, wenn sie ins Gesamtkonzept passen (was bei Orks vs. Zwerge ja durchaus gegeben ist).

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