Boykott von Autoren, die nur auf amazon verweisen?

Eine auf den ersten Blick nachvollziehbare Idee, die die unbekannte Buchhändlerin da hatte.
Kein Problem, ich kann auch auf Weltbild, Thalia oder gleich Libri verweisen.

Nur auf den lokalen Buchhandel, wie gefordert, kann ich das nicht. Keiner von denen hat nämlich einen Internetauftritt. Nicht einmal eine Web-Visitenkarte.
Auf meine vorsichtige Frage bei zweien davon hin bekam ich zu hören: Zu teuer, zu aufwändig, keine Zeit, lohnt sich eh nicht, weiß nicht, wie das geht brauchen wir nicht, wollen wir nicht, müsste man mal, aber kein Geld dafür.

Naja. Wer nicht will, der hat wohl schon. Oder braucht nicht.
Vielleicht sollte ich wirklich versuchen, denen mal Internetseiten nahezubringen und zu verkaufen, aber rentabel (für mich) wäre das wohl nicht.

Da muss ich wohl weiter auf amazon oder zumindest den Verlag verlinken, um verbraucherfreundlich zu sein.

Ich habe das ungute Gefühl, das sich im Moment große Teile des lokalen Buchhandels wie der Fischweiherbesitzer benehmen, der weit draußen im Wald einen Forellenteich hat, und der jetzt den Discounterketten vorwirft, daran schuld zu sein, dass er keine Fische verkauft. Der aber immer noch darauf besteht, dass die Leute den Weg zu ihm in den Wald finden müssen, wenn sie eine Forelle wollen. Und das nur nach Voranmeldung nur drei Vormittage die Woche. Gummistiefel bitte selbst mitbringen.

Das komplette Problem damit beleuchtet hier der Blogartikel von schreibkraft_fmr. Und zwar sehr schön. Vielen Dank dafür.

Also – Auch das: Lesenswert.

6 comments for “Boykott von Autoren, die nur auf amazon verweisen?

  1. 23. Oktober 2012 at 12:12

    Du schreibst es, als ob kein lokaler Buchhändler eine Website hätte. Das ist etwas übertrieben, die Würzburger Buchhändler zum Beispiel haben zum Großteil Internetseiten.

    Aber es geht ja auch nicht darum, das auf alle lokalen Buchhandlungen verwiesen wird, das wären zuviele und nicht machbar. Aber wie wäre es denn mit der Verlagsseite?

    Ich bin nicht für den Boykott von Autoren, die nur auf Amazon verweisen. Aber ich kann den Frust der Kollegin verstehen. Wir Buchhändler kämpfen jeden Tag dagegen an, dass Online-Kauf von Büchern nur mit Amazon in Verbindung gebracht wird. Das wir das genauso bieten, ist den meisten gar nicht bekannt.

    Die Kollegin, die diese Diskussion anstieß, hat übrigens inzwischen selbst geschrieben, dass sie überreagiert hat und eben andere, kreative Lösungen gesucht werden müssen.

    Das große A zu verteufeln, hilft keinem von uns. Aber wir Buchhändler würden uns freuen, wenn Autoren auch mal auf uns aufmerksam machen würden. Wir empfehlen immerhin auch die Bücher, die nicht ganz oben im Amazon-Ranking stehen und haben damit sicher auch schon dem einen oder anderen Autor den Einstieg erleichtert.

    • Tom
      23. Oktober 2012 at 12:28

      Nein, ich rede nicht davon, dass kein lokaler Buchhändler eine Website hat. es gibt, wie ich schon erwähnt hatte, auch eine ganze Menge kreativer und guter Gegenbeispiele.
      Gilt leider nz.B. nicht für meinen Heimatort und 10 km Umland. Und das geht vielen anderen genauso.
      In Städten wie Würzburg ist das sicherlich inzwischen schon anders.

      Ich benutze tatsächlich oft genug schon die Verlagsseite, muss aber gestehen, dassdie mir als endverbraucher auch oft nicht viel weiter hilft (schon weil die hier auch eher direkt auf die großen Händler wie amazon, weltbild, hugendubel, Thalia und Co verweisen.

      Aber natürlich sollte ich mir da als Autor auch noch gedanken machen, wie ich das … sagen wir … neutraler gestalten kann.
      Ich bin jedem lokalen Buchhändler dankbar, der sich um uns Autoren kümmert. Völlig egal, um welche. Alle kann niemand so betreuen, wie es wünschenswert wäre. Ds ist mir klar.
      Meiner Erfahrung nach jammern nur eben die immer am allerlautesten über amazon und Co., die sonst nichts dafür tun, von den Kunden als modernes, zeitgemäßes Geschäft wahrgenommen zu werden.

      • 23. Oktober 2012 at 12:36

        Ich sollte mal eine Runde bei den Buchhändlern in Deiner Umgebung machen und denen zeigen, wie leicht und mit wenig Aufwand man eine Homepage bieten kann. Die zumindest die Grundbedürfnisse der Kunden deckt. Da gebe ich Dir vollkommen Recht, wie man komplett offline überleben will, verstehe ich auch nicht.

        Das Problem ist eigentlich immer dasselbe: jeder kocht sein Süppchen, es gibt auch innerhalb des Buchhandels zu wenig gemeinsame Aktionen. Wir müssten alle viel mehr miteinander reden und arbeiten.

      • Tom
        23. Oktober 2012 at 12:53

        Stimmt.
        Die runde kannst du aber gern bei mir anfangen. Dann machen wir das zusammen. Ich leb ja davon, sowas umzusetzen. Da bin ich für Fachtipps aus der Praxis immer offen. ;)

  2. 23. Oktober 2012 at 14:04

    Jederzeit gerne, Online-Marketing ist auch mein Arbeitsgebiet, unter anderem.

  3. 23. Oktober 2012 at 14:44

    Der Vergleich mit dem Forellenteich hat mir sehr sehr gut gefallen. Mein Buchhändler tut sich auch schwer, aber er ist offen und neuerdings hat er eine Du-brauchst-eine-facebook-Seite quengelnde Autorin am Hals. Wo das hinführt? Zu gemeinsamen Aktionen in 2013 (mit der Stadt-Bib), zu guten Absatz-Zahlen meines Buches, zu einer Lesung.
    Es ist aber – wie überall – schwierig, die Übersicht zu behalten. Was ist das Alleinstellungsmerkmal des stationären Buchhändlers? Er kann längst nicht mehr alle Bücher kennen, die er empfehlen will. EBooks verkaufen ist lachhaft und scheitert an den 24.000 verschiedenen Formaten.

    Mein Buchändler kommt mir manchmal vor, wie ein guter Fernseher: Tolles Design, einfache Bedienung, technisch hochwertig. Wenn das Programm schlecht ist, kann er daran aber auch nichts mehr machen…

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