Harald Töpfer und die Übersetzungen des Grauens

Die bibliotheka phantastica hat heute einen langen und aufschlussreichen Artikel über die unbedingt notwenidige Übersetzung von Eigennamen in der Phantastik, besonders der Fantasy veröffentlicht.

Es lohnt sich sicherlich, das zu lesen – es gibt aber auch triftige Gegenargumente, warum das eben lange nicht in jedem Fall wünschenswert ist.

Es ist vor allem und gerade die Phonetik, die hier überhaupt nicht angesprochen wird, die jedoch für viele Autoren bei der Namensfindung gleichwertig zur, wenn nicht sogar vorrangiger ist, als die aktuelle Wortbedeutung.

Klassisches Beispiel ist die Pratchett-Übersetzung zu Captain Samuel „Sam“ Vimes. ‚Vimes‘ an sich hat keinerlei Bedeutung; es ist ein rein dem Klang nach gewählter Name, der in seiner Verwendung ‚Captain Sam Vimes‘ eine ‚Dirty Harry‘-Assoziation hervorruft. Etwas, das ja durchaus der Figur entspricht.
Die Übertragung in ‚Hauptmann Samuel Mumm‘ gibt dem Namen eine vollkommen unnötige und vom autoren unbeabsichtigte Inhaltsebene – und wandelt das phonetische Bild in das eines trotteligen, deutschen Nachtwächters.

Gleiches passiert zum Beispiel beim Martins ‚King’s Landing‘, dessen stolzer Klang im deutschen ‚Königsmund‘ ausgesprochen altbacken wird. Und das nebenbei auch inhaltlich ein falsches Bild erschafft.

Nochmal Pratchett und Gaiman – Good Omens:
Eine Übersetzung von Agnes Nutter in Agnes Spinner geht am Sinn der Namenswahl völlig vorbei, denn Ms. Nutter soll nur am Rande als etwas sonderbar dargestellt werden, sondern spielt in erster und vorderster Linie auf den realen, berümtesten englischen Hexenprozess um die ‚Pendle Witches‘ an und die darin Hauptbeschuldigte Agnes Nutter (sic!). Gleiches gilt für die gute Anathema Device, die nicht so heißt, weil sie etwas mit Geräten zu tun hat, sondern weil drei der anderen Hexen des o.g. Prozesses der Familie ‚Device‘ entstammten (Elisabeth, James und Alizon).
Es gibt also gute Gründe, seine Finger von Eigennamen zu lassen, wenn man nicht GENAU weiß, warum sie der Autor überhaupt gewählt hat.

Oder sollte man kosequent sein und Harry Potter doch besser gleich in ‚Harald Töpfer‘ umsetzen?
Oder warum wurde (nochmal Scheibenwelt) dann inkonsequent gearbeitet und der Ort ‚Scrote‘ NICHT in z.B. ‚Hodensack‘ übersetzt? Es ist ja wohl klar, dass das gemeint ist, wenn ganz in seiner Nähe der ‚Ort. wo die sonne nie scheint‘ liegt.
Und was ist mit Hersheba, Ephebe oder Djelibeby, die von Pratchett bekennend als phonetische Spielereien auf ‚Hershey Bar‘, ‚F&B‘ (ein in England gängiges Akronym für ‚Food and Beverages‘) und ‚Jelly Baby‘ verwendet wurden. Sollte man da nicht gleich von den Ländern ‚Milkar‘, ‚Spunget‘ (‚Speisen und Getränke‘) und ‚Haribos‘ sprechen?
Ich denke nicht. Vor allem, da eben selbst Autoren wie Pratchett, die sich durchaus viel bei ihrer Namensgebung denken oft vorrangig nach der Phonetik gehen. Ephebe klingt griechisch – Spunget nicht sonderlich.

Und mal ehrlich – was wäre uns entgangen, wenn Shelob weiter Shelob geheißen hätte, statt Kankra? wieviel Prozent der Leser können mit Kankra mehr anfangen als mit Shelob? 0,1%? 0,2%?
Warum heißt das Pony Bill dann ‚Lutz‘? Wäre ‚Willi‘ nicht gebräuchlicher und konsequenter gewesen? Und: Was spricht gegen Bill?
Die komplizierte, irreführende Aussprache? Die im Deutschen andere Bedeutung? Der leichter verständliche Bedeutungsinhalt des Wortes?

Oder bleiben wir bei der Donaldson-Übersetzung, in der das harsch klingende ‚Grieve‘ mit dem melodramatisch-schmalzigen ‚Herzeleid‘ übersetzt wurde, was den harten Klang des Wortes völlig zerstört. Dabei hätte man es wenigstens mit dem (ohnehin korrekteren) ‚Gram‘ übertragen können. (Ich frage mich sowieso, wieso man dann nicht bleich beim Titel ‚Lord Fouls Bane‘ von ‚Herrn Fauls Fluch‘ sprechen sollte, statt von ‚Lord Fouls Fluch‘, wenn die Übersetzung sprechender Eigennamen so unerlässlich ist.)

Wie der erste Satz des Artikels selbst sagt: Namen sagen uns, welchen Klang eine Welt hat. Und Übersetzungen verfälschen diesen Klang nur allzuoft zugunsten einer Inhaltsübersetzung, die für das Verständnis des Textes keinerlei Bedeutung hat.

Mein Fazit: Im Zweifel lieber den Klang des Originals beibehalten, als eine Übersetzung, die durch falschen Klang vollkommen unsinnige Assoziationen und Stimmungen hervorruft oder durch schlampige Übertragungen ohnehin die vom Autor beabsichtigte Bedeutung verfälscht.

13 comments for “Harald Töpfer und die Übersetzungen des Grauens

  1. 12. April 2012 at 15:13

    Ich würde hier sogar über die mathematisch möglichen 100% zustimmen. Wunderbar.

  2. Ole
    12. April 2012 at 15:29

    Lieber Tom,
    Dein Artikel zu Übersetzungen ist leider ziemlicher Murks. Das fängt schon bei „Sam Vimes“ an, den der Übersetzer (IMHO völlig zurecht) auf das englische „vim“ zurückgeführt und daher entsprechend übersetzt.
    Des weiteren ignorierst Du mal ebenso weg, dass es im Artikel um Übersetzungen von Namen in Welten geht, die eben nicht die unsere sind. Harry Potter hingegen spielt ja in einem Urban-Fantasy-England, dort würde (laut dem Artikel) gar nicht übersetzt werden, trotzdem nutzt Du das immer wieder, um die Idee der Übersetzung von Eigennamen ins Lächerliche zu ziehen.
    Der Rest Deiner Beispiele ließe sich sicher auch auseinandernehmen oder darlegen, aber dazu bin ich ehrlich gesagt gerade viel zu wütend.
    Mal ganz ehrlich: Warum denkt eigentlich die ganze Welt, sie könnte besser übersetzen als Übersetzer, die dafür bezahlt werden?
    Verärgert, Ole

  3. 12. April 2012 at 15:43

    Absolute Zustimmung. In Zeiten, in denen Englisch im täglichen Gebrauch normal ist auch unnötig. Wer den Eigennamen nicht versteht, kann sich am Klang erfreuen, der Rest versteht auch die Wortspiele.

  4. Tom
    12. April 2012 at 16:04

    Und nochmal zum Dritten, Ole:

    Nein, „Vimes“ bezieht sich nicht auf „Vim“ – laut Pratchetts eigener Aussage, der in einem Interview sagte, er habe den Namen aus rein phonetischen Gründen gewählt.
    Ebenso wie eben die drei Landesnamen phonetische (bzw. aufeinander aufbauende, alberne) und nicht wortinhaltlich relevante Spielereien sind. Alles andere ergäbe im Zusammenhang mit den so benannten Ländern auch gar keinen Sinn.
    Dass im Nachgang Leute zu Herscheba das israelische Beersheba heranziehen, ist kaum zu vermeiden, aber auch Blödsinn. Wie man sieht.

    Wenn du nachsehen willst:
    http://www.docstoc.com/docs/37438850/Terry-Pratchett—Annotated-Pratchett-%28903%29

    Seite 84

    Was den Harry Potter angeht, finden sich dort eben genug andere Übersetzungen (ich sag nur ‚Diagon Alley‘, in der ja unnötigerweise bei einer Übersetzung eines Straßennamens noch das Wortspiel vernichtet wurde). Insofern war diese Anmerkung durchaus berechtigt (auch wenn ich, das muss ich an dieser Stelle sagen, die Potter-Übersetzungen für gelungen halte).

    Und was die Übersetzungen der Übersetzer betrifft, die dafür bezahlt werden, weise ich nur auf die katastrophale „rote“ Neuübersetzung des HdR hin oder auch auf die legendäre Übersetzung von „at swim two birds“ („Zwei Vögel beim Schwimmen“ von Lore Fiedler).

    Mal ehrlich: Deine Schlussfolgerung hinkt aber auch, Ole. Nur weil irgendjemand für einen Job bezahlt wird, heißt das nicht, dass er ihn auch beherrscht.

  5. 12. April 2012 at 16:10

    Lieber Tom,

    Darf ich darauf hinweisen, dass es manchmal auch um völlig subjektive Geschmäcker geht? Und über Geschmack lässt sich bekanntermaßen nicht streiten.

    Um bei der -von Dir angesprochenen- Phonetik zu bleiben:
    Ich lese z.B. im englischen Original sehr gerne auch englisch klingende Namen, wie „Greyjoy“, „King’s Landing“ oder etwa „Shelob“.
    Im Deutschen jedoch nicht. Mich hat in der ersten deutschen Übersetzung von Martins Büchern z.B. das Beibehalten englischer Namen ziemlich gestört.

    Ich fürchte da gibt es für jede Seite der Medaille zu viele Argumente, die allesamt nicht zwingend sind.

    Beste Grüße
    Thilo

  6. 12. April 2012 at 16:52

    Zustimmung. Die Pratchett-Übersetzungen finde ich streckenweise geradezu unlesbar. Das mag durchaus Geschmackssache sein, aber den Selbstverwirklichungsdrang mancher Übersetzer sollten die Verlage doch hin und wieder lieber etwas im Zaum halten. Besonders wenn sie glauben, schlauer als der originale Autor zu sein.

  7. 12. April 2012 at 17:16

    … und wie immer liegt die Wahrheit wahrscheinlich in der Mitte. Ich bin alt genug, um noch die Unsitte des totalen Eindeutschens bei Übersetzungen erlebt zu haben – das Ergebnis war oft erschreckend komisch. Aber ich finde auch, dass man unterscheiden sollte, ob ein Name etwas _bedeuten_ soll oder ob er nur *klingen* muss. In letzerem Fall sollte dann aber der (englische, polnische, spanische …) Klang des Namens durch eine adäquate deutsche Nachdichtung dem Klang und Rhythmus unserer Sprache angepasst werden.

    Mal beiseite gesprochen: Ich ziehe den Hut vor der Leistung der allermeisten ÜbersetzerInnen, die einen wirklich guten Job machen (und dafür schändlich schlecht bezahlt werden). Es ist ärgerlich, dass bei so ziemlich jeder Übersetzung aus dem Englischen garantiert irgendwer angewanzt kommt und sich darüber beschwert, dass das im Original doch vieeeeel besser wäre. Ja, Herrgott, dann LEST es doch im Original. (Die japanischen, russischen, portugiesischen und Swahili-Texte aber bitte gleich auch … *veg*)
    Ich genieße den Luxus, in meiner eigenen Sprache lesen zu dürfen. Ich schreibe ja auch in dieser Sprache und möchte gar nicht neidisch auf die wunderschöne, präzise, elegant konstruierte englische Sprache schielen. Da Vergleiche zu ziehen, was besser, schöner, eleganter ist – nö. Äpfel und Birnen. Und was den Klang angeht, gewinnen sowieso die Italiener.

  8. Tom
    12. April 2012 at 17:41

    Siehste, Thilo, mich stört oft genug eben das nicht-Beibehalten der Originalnamen (ist ein wenig so, wie bei Engländern, die nicht verstehen, warum sie München statt Munich sagen sollen, aber ein Problem damit haben, wenn ich Newcastle Neuburg nenne. *g*).
    Genauso geht es mir mit King’s Landing. Na gut, da sind die damals gelandet, um den Kontinent einzunehmen. Scho recht. Und in Frankfurt war vermutlich eine Furt auf dem Lande der Franken. Muss ich es deshalb einem Engländer unbedingt als … was weiß ich … ‚Francon’s Ford‘ verkaufen?

    Gerade beim Beispiel Shelob konnte ich noch nie nachvollziehen, was daran schlimmer sein sollte als Kankra. Beides Worte, die für den normalen Leser (ich denke mehr als 99% davon) so fremdartig klingen, dass sie auch einfach ausgedacht sein könnten. Hätte man es im Original belassen, hätten etwa genauso viele Leute gewusst, was es bedeutet wie mit der Übersetzung.

    Die Frage, Susanne, ist, ob es eine Nachdichtung sein muss.
    Aber wenn du meinst, (vereinfach gesagt) ein (in diesem Fall rein klanglich gewähltes, fiktiv englisches) Grandsyre z.B. in ein Grendseyr umzuwandeln – da bin ich ganz auf deiner Seite.
    Auch wenn man von mir aus die Pottersche Hermione nicht unbedingt durch ein Hermine hätte ersetzen müssen.

    Ich habe mit den meisten Übersetzungen und Übersetzern kein Problem (und ich kann mit ihnen durchaus sympathisieren. Siehe „Nation“ von Pratchett und das Übersetzerproblem damit).
    Eigennamen sind eigentlich meist mein Hauptkritikpunkt, weil as oft genug mit der ganz groben Kelle gemacht wird (im Fall von Pratchett sind sie sogar der Hauptgrund, warum ich die deutschen Übersetzungen nicht mehr lese).

    Es gibt Fälle (wie bei Abercromby zum Beispiel), wo ich eine Übersetzung der Eigennamen durchaus für sinnvoll halte. Es ist wichtiger, dass Rudd Dreibaum Dreibaum heißt, als der Klang. So wie der Hundsmann wegen der Bedeutung so heißt. Der Klang wäre sogar ihm selbst egal.

    Aber ein Name wie Greyjoy ist ein Familienname. Es hat keinen Sinn, ihn zu übersetzen. Genausowenig, wie es Sinn hätte, den Nachnamen von Margaret Thatcher zu übersetzen. Auch wenn das Wort eine konkrete Bedeutung hat. Den Nachnamen Kretzschmer will ja auch keiner übersetzen.

    Und was die präzise und elegante Sprache angeht – viele Engländer beneiden uns ja darum. Nebenbei gesagt auch die Italiener, mit denen ich studiert habe und die gar nicht genug von der simplen, effektiven und klangschönen Eigenart der zusammengesetzten Wörter bekommen konnten. Mit teilweise höchst amüsanten Ergebnissen.
    Insofern werde ich das nicht dem Deutschen vorziehen. *g*

  9. 12. April 2012 at 17:43

    Hey Tom,

    ich stimme dir nur halb zu – ich finde Kankra und Lutz besser als Shelob und Bill. Warum? Weil das Auenland, so sehr Tolkien die Welt an ein mythisches frühes England angelegt haben mag – nunmal nicht England ist, sondern eine eigenständige Fantasy-Welt mit eigener Dichte und Flair. Mir machen da die englischen Begriffe die Weltendichte kaputt.

    Anders natürlich mit Harry Potter, der ja nun mal in England spielt. Dort würde ich trotzdem Ravenclaw etc. übersetzen in Rabenklaue, allein der Stimmung halber.

    Aber da ist natürlich ganz viel Geschmack dabei.

    Lg,

    Lena

  10. Tom
    12. April 2012 at 18:33

    Jo, aber wer, Lena, erkennt im Wort Shelob ein englisches (noch nicht mal die Engländer, so alt ist der Ausdruck) oder Kankra als deutsches (nur noch Tolkien-Leser, die nachgeschlagen haben, würde ich behaupten)?

    Für die überwältigende Mehrheit ist es einfach ein „Mittelerde-Name“ für eine verdammt große Spinne. Der keiner Übersetzung bedarf.
    In diesem Fall ohnehin unnötig, denn eine verdammt große Spinne mit dem Namen „Spinne“ zu belegen ist nicht sonderlich kreativ und gibt auch keine tieferen Einblicke, die dem Leser eine weitere Bedeutungsebene eröffnen, die ihm unübersetzt auf ewig verschlossen geblieben wäre.

    Und hätte man Bill eben durch Willi ersetzt, wäre das zu übersetzungszeiten in etwa so verständlich (und weit geläufiger) gewesen als ausgerechnet Lutz. Das wird sich mir nie erschließen.

  11. ONIT
    12. April 2012 at 19:31

    Schöner Artikel!
    Ich denke sowas wie das „Good Omens“-Beispiel zeigt, dass etwas Recherche manchmal besser wäre. Der Artikel ist eine nette Anmahnung auf mehr Umsicht.
    Bei Martins „King’s Landing“ kenn ich nur den englischen Namen, da ich eher englische Originalbücher lese statt deutsche Übersetzungen. [Englisch gehört meiner Meinung nach zur Allgemeinbildung. Wir haben 2012, nicht 1970. Damn it!] Ich finde „Königsmund“ als Namen an sich zwar stimmig, aber „King’s Landing“ ist so ein regulärer und aussagekräftiger Ortsname wie „Frankfurt“ (entstanden an einer Furt), „Loreley“ (altdeutsche Bezeichnung „ley“ für Felsen) oder Ludwigshafen (alter Schiffsanlegerplatz nach König Ludwig I. benannt). „Landing“ ist schließlich auch nur ein anderes Wort für Hafen. Keiner würde aber auf die Idee kommen eine Stadt wie z.B. „Port Elizabeth“ in Südafrika einfach mit „Elisabethhafen“ zu übersetzen. Da gibt es keine Unterschied, ob es eien fiktive Stadt ist oder eine reale. Bei „Kings’s Landing“ zeigt sich im Laufe der Bücher auch nicht zu Unrecht, dass „King’s Landing“ eine wichtige _Hafen_-Stadt ist, die auch mit einer Schiffsarmada eingenommen werden soll.

  12. 12. April 2012 at 22:26

    Lieber Tom,

    Deine Diskussionsführung irritiert mich offengestanden.

    Wie wir ja beide festgestellt haben, ist die Übersetzungsfrage pure Geschmackssache. Ergo findest Du z.B. die Übersetzung von „Greyjoy“ schlecht, ich hingegen finde sie gut. Also? Patt.
    Der Behauptung, eine Übersetzung des Namens wäre sinnfrei, könnte ich ergo einfach entgegenhalten, dass ich (=Konsument) sie aus verschiedenen Gründen mag, oder dass die Aussprache von Nicht-Englisch-Sprechenden nicht interpretiert werden müsste (Graijeu? Grreidschoi?). Ergo wären Argumente gefunden.

    Ebenso sieht es bei „Kankra“ aus. Vielleicht war Frau Carroux ja der Auffassung ein englisch ausgesprochenes „Schiilobb“ würde der übrigen deutschen Aussprache von Namen in der Herr-der-Ringe-Übersetzung nicht entsprechen (Es spricht ja auch niemand hierzulande „Saruman“ mir scharfen S, weichem R und verkürzten Vokalen aus)?
    Weiterhin darf ich anführen, dass mir „Kankra“ sympathisch ist und passend erscheint.
    Ergo wären Argumente erneut gefunden.
    Und folgendes ist -pardon- eine Plattitüde:
    >>Für die überwältigende Mehrheit ist es einfach ein “Mittelerde-Name” für eine verdammt große Spinne. Der keiner Übersetzung bedarf.<<
    Welche Mehrheit? Hierzulande wohl kaum. Und im englischen Sprachraum stellt sich eine solche Diskussion ja auch nicht. Und einer Übersetzung bedarf es für manchen bösen Konsumenten wie mich z.B. eben schon, der freut sich dann nämlich und findet das Produkt ob seiner liebevollen Bearbeitung attraktiver.

    Was ich nochmal betonen will: Was einem nicht behagt, ist deshalb nicht per se falsch. Geschmack ist halt eben Geschmack und nichts sonst.
    Sicherlich gibt es gelungenere und weniger gelungenere Übersetzungen – doch das liegt stets im Auge der Betrachter. Und die messen nicht alle mit demselben Maßstab.

    In diesem Sinne
    Thilo

    PS:
    Was die realen Städtenamen angeht, sei noch vermerkt:
    Da war ja mitnichten ein bezahlter Übersetzer am Werk. Das hat sich im Laufe von laaangen Jahrhunderten entwickelt. So sagen die Franken zu ihrem Nürnberg übrigens "Nämberch", während die Briten bekanntermaßen "Nuremberg" sagen. Ist "Nürnberg" deshalb richtiger?
    Und von da einen Vergleich zu einer übersetzten Fantasy-Welt zu ziehen… sagen wir mal, diese Argumentation wäre mir tatsächlich nicht eingefallen.

  13. Tom
    15. April 2012 at 19:19

    Ich weiß nicht genau, was daran jetzt unklar ist.
    Ich spreche mich nicht dafür aus, unbedingt jeden Eigennamen immer und ausschließlich beizubehalten. Das Eingangsstatement war jedoch:

    “gibt es auf die Frage, ob (sprechende) Eigennamen einer Übersetzung bedürfen, nur eine Antwort: Ja!”

    bzw.

    “Übersetzung: unerlässlich”

    Und genau deshalb habe ich lediglich ein paar willkürlich herausgegriffene Beispiele genannt, warum es NICHT NUR die eine antwort (Ja!) gibt, sondern genausogut triftige Argumente und Fälle existieren, in denen die Antwort eben auch anders lauten kann.
    Völlig klar, dass hier von Fall zu Fall und von Autor zu Autor und Werk zu Werk genau abgewogen werden muss.
    Der Eingangsartikel verneint jedoch diese Notwendigkeit des Abwägens fast kategorisch. Und das halte ich für falsch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *