Vom Stolz, (Fantasy-) Autor zu sein

23. Januar 2012
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Beim Mittagskaffee-Surfen auf Facebook ist mir folgendes Schmuckstück in die Finger gefallen:
Eine Auflistung der Dinge, mit denen man aufhören sollte, wenn man Autor/in ist. Auf englisch zwar (ich habe gerade keine Zeit, den doch etwas längeren Text zu übersetzen; vieleicht sollte man das aber mal noch tun). Vielen Dank übrigens an die Facebook-Gruppe “AutorInnen und Verlage für Urheberrechte“.

Es sind wirklich sinnvolle 25 Punkte und man sollte sich wirklich die Zeit nehmen, sie durchzulesen.
(und den Folge-Artikel 25 Things Writers should Start doing (ASAFP) gleich mit.)

Was mir aber besonders ins Auge gefallen ist, ist der Punkt 12 Stop the shame.

Writers are often ashamed at who they are and what they do. Other people are out there fighting wars and fixing cars and destroying our country with poisonous loans — and here we are, sitting around in our footy-pajamas, writing about vampires and unicorns, about broken hearts and shattered jaws. A lot of the time we won’t get much respect, but you know what? Fuck that. Take the respect. Writers and storytellers help make this world go around. We’re just as much a part of the societal ecosystem as anybody else. Craft counts. Art matters. Stories are important. Freeze-frame high-five. Now have a beer and a shot of whisky and shove all your shame in a bag and burn it.

Grob übertragen:

Autoren schämen sich oft dafür, wer sie sind und was sie tun. Andere Leute da draußen führen Kriege, reparieren Autos oder zerstören unser Land mit giftigen Anleihen (finanziell wie auch metaphorisch) – und hier sitzen wir in unseren gemütlichen Schlafanzügen und schreiben über Vampire  und Einhörner, über gebrochene Herzen und zerschmetterte Kiefer. Einen Großteil der Zeit werden wir dafür keinen großen Respekt ernten, aber wisst ihr was? Scheiß drauf.
Nehmt euch den Respekt. Autoren und Geschichtenerzähler helfen, diese Welt am Laufen zu halten. Wir sind genauso sehr ein Teil des sozialen Ökosystems wie jeder andere. Das Handwerk zählt. Kunst spielt eine Rolle. Geschichten sind wichtig. High-five. Jetzt holt euch ein Bier und einen Whisky, steckt die ganze Scham in einen Sack und verbrennt sie.

Das ist wichtig, aber die meisten von uns rufen es sich wirklich viel zu selten ins Gedächtnis. Wir neigen nur allzu oft dazu, uns dafür zu entschuldigen oder zumindest zu rechtfertigen, dass wir “nur schreiben”. Also ob das etwas Schlechtes oder Minderwertiges sei.

Also ob es ehrenvoller sei, Kriege zu führen, Finanzmakler zu sein, Autos zu bauen oder Chemikalien für Waschmittel zu entwickeln. Wir sind, wie es Terry Pratchett, Ian Stewart und Jack Cohen in “die Gelehrten der Scheibenwelt” mehrfach betonten, Geschichten erzählende Affen.
Das ist das wichtigste Merkmal, das uns von allen anderen Wesen unterscheidet (abgesehen vieleicht von Walen und Delfinen, deren Sprache so komplex ist, dass wir noch nicht einmal angefangen haben, sie zu entschlüsseln). Geschichten formen und definieren uns.

Gibt es etwas Ehrenvolleres, als andere Menschen, dazu zu bringen, Geschichten zu lesen?
Wer Geschichten liest, denkt. Wer denkt, kommt vielleicht auch mal auf bessere Ideen, als Kriege zu führen. Eskapismus? Scheiß drauf!
Wenn eine Geschichte so gut ist, dass ein Kind ein Buch liest, statt sich das Nachmittagsprogramm von RTL 2 zu geben, dann ist das ein Beitrag für die Gesellschaft, der vermutlich wertvoller ist, als einem Jugendlichen beizubringen, wie man eine Feuerwaffe zusammenbaut und im Gleichschritt marschiert. Wobei die Geschichten unter Umständen für das Marschieren im Gleichschritt untauglich machen. Das kann passieren.

Wenn wir es schaffen, dass Menschen daran glauben können, dass das Gute doch eine Chance hat, zu gewinnen, dass sich Moral und Mitgefühl auszahlen, wenn lesen bildet (und vor allem zum Denken bringt), Sorgen nimmt und Hoffnung gibt, dann können wir zu Recht stolz drauf sein. Und wenn es nicht langweilt und auch nur eine Person zum lächeln bringt (oder gar dazu, von einer besseren Welt zu träumen), dann sind wir unser Geld wert.

Das ist mehr, als viele andere Jobs zustande bringen.
Schon ein Grund, darauf stolz zu sein.

Weiter machen.

PS: Was das Ende der Welt in diesem Jahr angeht:
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In diesem Sinne:
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2 Responses to Vom Stolz, (Fantasy-) Autor zu sein

  1. 23. Januar 2012 at 18:07

    Ich fühle mich als Weltverbesserer.

    Mein Beitrag meines Schreibens zu einer besseren Welt mag winzig sein. Doch wenn ein Leser an einem ansonsten trüben Tag ein paar schöne Stunden mit meinen Büchern hat, dann ist das ein wichtiger Beitrag, Für diesen Menschen, an diesem Tag.

    Das, diese Art der Weltverbesserung, erwarte ich als Leser und dafür schreibe ich.

    Schöne Grüße aus dem Elfenbeinturm

  2. 24. Januar 2012 at 11:24

    Erinnert mich an das Zitat “Eine Geschichte muss nicht wahr sein, sie muss gut erzählt sein.”

    in dem Sinne danke :) für den Wunsch in mir, doch mal wieder was zu schreiben.

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