Buchmesse Frankfurt 2011 – von Buchgestaltung, Terminen, endloser Fresserei und sinnlos gestorbenen Bäumen

Messe-Freitag
Diesmal mit: Guter und schlechter Buchgestaltung, der berüchtigten Piper-Säule, vielen Treffen, noch mehr Essen, verschwendetem Papier, Terminen und einem Beweisfoto zur Existenz von Reinhold Messner.

In Ordnung – nachdem ich von unserem fulminanten Messeeinstieg und Pub-Rauswurf am Donnerstag Abend schon genüsslich berichtet habe, folgt hier der restliche Rückblick auf die Frankfurter Buchmesse 2011. Und natürlich auf den Buchmesse-Con in Dreieich.
Unser Messebesuch war in diesem Jahr (aus privaten Gründen) etwas kürzer als sonst gehalten; statt der üblichen zwei Tage, brachten wir es dieses Mal nur auf einen, den Freitag. Da war es beinahe schon ein Glück, dass einige der üblichen Verdächtigen nur am Mittwoch (Stephan R. Bellem oder robin Gates) bzw. Donnerstag (z.B. Falko Löffler) da sein konnten. Der Messetag war auch so schon vollgestopft genug.

Zusammen mit Carsten schlug das Steamtown-Triumvirat also am Vormittag auf dem Buchmesse-Freitag auf. Der übliche Rundgang startete in Halle 3 direkt am Shuttle-Terminal aus Richtung Messe-Parkhaus und zwar mit vorsichtigem winken nach Links und Rechts, um den einen oder anderen Kollegen auf die eigene anwesenheit aufmerksam zu machen. Mit inzwischen routinierten Zeichen vertröstete man sich gegenseitig auf später/Mittags/Abends, bis eine Runde geschafft war.
Traditionell (also in diesem Jahr zum 3. Mal in Folge) endete der erste Rundgang am Stand von Piper (oder Peiper?) mit dem kritischen Blick auf die berüchtigte Rückseite der Säule ganz links. Wir erinnern uns: Im letzten Jahr stand dort der nagelneue Roman von Tom Finn – so neu, dass nicht mal Autor selbst wusste, dass sein Buch es auf die Messe geschafft hatte. Hätten wir es ihm nicht gesagt – niemand hätte je davon erfahren. So gut ist dieser Säulenplatz.

Für Neugierige – In diesem Jahr stand Folgendes auf dem geheimen Logenplatz in den etwa 40 cm zwischen Säule und Wand:

Ich kann diese Entscheidung sogar nachvollziehen – Buch 1 im Doppelband „Steamworlds“ ist „Das Albtraumreich des Edward Moon“. Und das hat zwar Einiges, jedoch keinerlei wie auch immer geartete Steampunk-Elemente. Und auch Jo Waltons „Clan der Klauen“ hat mit Steampunk gerade mal das viktorianische Setting gemeinsam. Das hieße allerdings, dass auch Dracula neuerdings Steampunk ist…
Verständlich also, dass Piper diesen Fehlversuch, auf den Steampunk-Zug aufzuspringen, verschämt versteckt. Verständlich auch, dass es auf diese Weise auch in diesem Jahr mit dem Durchbruch des Steampunk nichts wird. (Aber man beachte: Runde Sigillen im Hintergrund!)

Am Heyne-Stand hat man übrigens mehr Riecher für Trend bewiesen. Erinnert sich der geneigte Leser noch an meine Ausführungen zu Fantasy in da Hood? Genau.
Hier finden wir also endlich mal die lang erwartete Komplettierung:


Kreis-Sigille, Hoodie und Klinge – alles beisammen im knackig-reduzierten Design des Hintergrundes. Reschpeckt.

Aber generell ließ sich durch die Bank weg auch und gerade bei den großen Verlagen ein seltsamer Trend zu offensichtlich … „günstig“ eingekauften Cover-Arts feststellen. Denn kaum einer hatte nicht wenigstens ein bis drei Werke im Sortiment, bei denen man sich fragen musste, ob gerade kein Illustrator zur Hand war, der wenigstens Perspektiven und Proportionen halbwegs beherrscht. Bei Kleinverlagen ist das noch verzeihlich (aber ebenfalls nicht notwendig), bei den Großen schlicht unverständlich. Da habe ich wieder einmal die Cover von Bernd Perplies‘ Magierdämmerungs-Trilogie von Lyx bewundert. So kann man das auch machen.

Apropos Magierdämmerung und nochmal zurück zum Steampunk:
„Leviathan“ habe ich auf der Messe entdeckt! Durch Zufall – in einem lieblosen Regal eines Kleinverlagstandes, den ich leider vergessen habe. Darüber hinaus gab es neben dem Piper’schen Sammelband nur noch einen steampunkigen Roman, der mir ins Auge gefallen ist – „Affinity Bridge“. Unten in der Ecke HINTER der berüchtigten Säule. Yay. Der Trend ist auf der Buchmesse in Frankfurt definitiv noch nicht angekommen. Zumindest nicht sichtbar. Eine Sache, die am Samstag, auf dem Bucon auch in einem Panel noch ausführlich diskutiert wurde. Darüber später mehr.

Jedenfalls haben wir bei dieser Gelegenheit festgestellt, dass sich in den vergangenen drei Jahren doch das eine oder andere geändert hat. Vor allem für uns.

Wo wir damals noch durch die Hallen geisterten, eine Menge Bücher bewunderten und von ferne versuchten, dem einen oder anderen vage bekannten Gesicht den Namen eines der wichtigeren Autoren der deutschen Fantasy-Szene zuzuordnen, ziehen wir heute mit kritischerem Blick durch die regalwandbegrenzten Gänge und werden von nämlichen Autoren mit vertrautem Nicken oder gar Handschlag begrüßt. Und zum Teil grüßen jene zuerst. Häh?

Manchmal ist das schon noch ein ganz winzigkleines Wenig unwirklich. So wie die Tatsache, dass man dann davon spricht, sich später noch mit „seiner Agentur“ zu treffen oder noch einen „Termin mit dem Lektor“ zu haben. Und das Unwirklichste daran: Dieses Mal hatten auch Stephan und ich einen Termin mit „unserem Verlag“ und bekamen das endgültige „Go“ für unser erstes Romanprojekt. Seltsam, aber so steht es geschrieben.

Kurz gesagt, der Freitag war viel zu knapp.
Gerade mal eine große Runde durch die Belletristik-Hallen und ein Abstecher in die Hörbuch-Abteilung (Carsten beim Händeschütteln bestaunen – in diesem Metier ist er uns unangefochten um Jahre voraus. Was man im Übrigen auch seinen Lesungen anmerkt. Dazu noch im Samstags-Eintrag) später war der Tag auch schon beinahe wieder vorbei. Das schließt ein kurzes, wie üblich überteuertes, jedoch diesmal wenigstens schmackhaftes Mittagessen in einem der Messerestaurants ein. Das wir übrigens auf Einladung von Jutta Wilke mit den sehr reichlich vorhandenen und überaus netten Damen des „Schreibwelt“-Forums für Kinder- und Jugendbuchautoren verbrachten. Noch ein kurzes Treffen mit meinen Chefredakteurinnen von der Phantastik-Couch, Eva und Verena – und dass ich bei der Gelegenheit Literatur-Couch-Silke (ihr wisst schon – die Rezensenten mit Telefoninterviews quält) und Jugendbuch-Couch-Corinna kennenlernen durfte, hat mich natürlich auch gefreut. Den Rest der Couch-ler habe ich diesmal verpasst. Aber das Beste sollte ja noch kommen. Etwas Geduld noch.

Schließlich wurde der Tag mit einem schnellen Kölsch am Stand von Egmond-Lyx beendet. Weiteres Händeschütteln, Kopfnicken und kurzes Plauschen inklusive. Und ab dafür.

Verena und Eva von der Phantastik-couch

Ach, übrigens, wir haben ein wichtiges Beweisfoto geschossen, das ich jetzt für teuer Geld dem Yeti verkaufen werde: Reinhold Messner existiert tatsächlich. Er scheint in den Lagerräumen des Piper-Standes zu wohnen.

Am selbigen Stand konnte ich dann auch noch Frau Rohmeiser, der kompetenten Pressedame von Piper endlich mal die Hand schütteln. Sie versorgt mich seit jetzt beinahe 3 Jahren zuverlässig mit Rezensionsexemplaren und hat ein beinahe untrügliches Gespür dafür, welche Romane ich tatsächlich sogar lesen möchte. Ich war noch von keinem der ungefragt zugesendeten Rezensionsexemplare enttäuscht. Hervorragende Arbeit, für die ich mich an dieser Stelle nochmals bedanken möchte.

Mein Buch-gestalterisches Highlight der Messe habe ich übrigens am Stand von Gerstenberg gefunden: Das Mafia-Compendium zu den Bossen von Chicago ist rundum grandios gemacht. Da werden dem Gestalter schon mal die Knie weich. Bis ins letzte Detail wirklich gut gemachte Buchkunst.

Die Twitter-Kaskaden im seltsam deplaziert wirkenden Audi-Forum auf dem zentralen Platz der Messe (einer nicht mal ansatzweise dezent getarnten Werbeveranstaltung, die einfach von der IAA stehen geblieben ist) dagegen waren bezeichnend. Viel Luft um nichts, endloses Gelaber und meterweise vergeudetes Papier. Spontan musste ich an das schöne Plakat vom Loch-Gott denken, das ich nur Minuten zuvor gesehen hatte: „Worauf sollte ein Autor vor allem Rücksicht nehmen?“ war darauf die Frage. „Auf Bäume“, so die Antwort aus dem Loch. Sollte Audi mal drüber nachdenken. Es sollte wohl Kunst sein, war jedoch letztendlich nur … ja, peinlich.

Super, ne?

Wo war ich?
Ach ja: Dann ab zum mittlerweile ebenfalls traditionellen Abendessen
beim wie üblich hervorragenden All-you-can-eat-Chinesen in der Frankfurter Innenstadt, wo wir Tom Finn zum wiederholten Male dabei bewundern durften, wie er in Rekordzeit fünf volle Teller fettiger Köstlichkeiten der asiatischen Küche vernichtete. Ich habe keine Ahnung, wo er das hin isst. Ich glaube ja, er hungert den gesamten Monat vor der Messe.

Vor inzwischen drei Jahren ist diese „Tradition“ (Aussage Tom Finn) mit gerade mal 6 Leuten entstanden – dieses Mal waren wir 16. Und auch das nur, weil, wie gesagt, einige Leute am Freitag nicht da waren. Wir haben kurz mit dem Gedanken gespielt, die Anzahl der Teilnehmer für das nächste Mal zu begrenzen (und vielleicht drei Freiplätze zu verlosen. Vielleicht an den Autoren, der uns die schönste Begründung liefert, warum er in unserer erlauchten runde dabei sein sollte?). Wie richtigangemerkt wurde – wir haben die Tradition ja erschaffen – wir dürfen auch die Regeln festlegen. Das nächste Mal reserviere ich jedenfalls für 20 Leute…

Nein, im Ernst, es war wie immer der geeignete Auftakt, bevor wir zur „Perry-Party“, dem Glaktischen Forumstreffen, gingen, um dort bei reichlich Freigetränken und noch mehr Gesprächen unter Autorenkollegen und Verlagsleuten den Messeabend zu beschließen. Und obwohl mittlerweile ja nirgendwo mehr geraucht werden darf, waren viele von uns am Ende des Abends heiser. Gelungene Party also, auf der die Anwesenden 50 Jahre Perry Rhodan hochleben ließen und bei der Gelegenheit ein Freiexemplar der ersten Ausgabe von Perry Rhodan NEO einsacken konnten. Herzlichen Dank an Klaus N. Frick und sein Team!

Nächster Teil: Samstag – der Bucon 2011.

2 comments for “Buchmesse Frankfurt 2011 – von Buchgestaltung, Terminen, endloser Fresserei und sinnlos gestorbenen Bäumen

  1. 18. Oktober 2011 at 13:44

    Aaaalso … netter Bericht. :-)
    Und für den Chinesen möchte ich a) auf die Liste und b) weiß ich auch, wie wir den Tisch wieder leer kriegen *ggg*
    Reicht das als Argument.

    Liebe Grüße vom Schreibtisch.

    Jutta

  2. Nadine
    23. Oktober 2011 at 11:33

    Hallo Tom!

    Nachdem wir auf dem BuCon nur mal kurz aneinander vorbeigelaufen sind (werden aber auch jedes Jahr mehr Leute, bei denen man zum Quatschen hängenbleibt!), an dieser Stelle einen herzlichen Glückwunsch zu diesem bedeutenden Schritt, zu dem ich dich hoffentlich im Dezember in Speyer ausquetschen kann!
    Und ein Glückwunsch natürlich an die Phantastik Couch! Es ist wirklich so selten, dass der DPP ohne Werbetrommel gewonnen wird. Meine Lieblingslästerei ist ja immer, man sollte den Preis von „bestes Diesunddas“ in „Beliebtestes“ umbenennen ;-)
    Schön, dass es auch ohne „Wählt mich! Wählt mich!“-Geschrei auf allen Kanälen funktioniert.

    Liebe Grüße und hoffentlich bis bald,
    Nadine

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