Trendthema: Esoterisch verschwurbelte Mütter

Im Ernst – da lese ich letzten Monat zwei magere Bücher (in Ordnung – drei) und was kommt in allen vor?
Eine alleinerziehende Mutter auf Hardcore-Esoterik-Trip zwischen Bio-Food, Yoga und chakren-sakraler Selbsthandauflegung, die ihre jeweiligen Sprösslinge schier in den Wahnsinn treiben.

Gut getroffen, zugegeben (ich kenne solche Personen auch aus dem realen Leben) – aber ähnlich genug, um Schwestern zu sein.

Welche Bücher? Zum einen „Fausto“ von Olli Dierssen (mit der guten Hanne Fittich) und zum zweiten „Mara und der Feuerbringer“ von Tommy Krappweis (und Frau Lorbeer). Beide habe ich für die Phantastik-couch-Ausgabe dieses Monats rezensiert – und beiden eine Wertung über 90 verpasst. Was bei mir selten genug vorkommt. Aber als Jugend- bzw. All-Age-Bücher sind beide einfach uneingeschränkt empfehlenswert. Ollis Roman vor allem wegen seines sehr skurrilen Humors, Tommys wegen der wirklich interessant verpackten Lektion in germanischer Mythologie, die in dieser form längst überfällig war. Dierssens Roman liest sich wieder  ziemlich ähnlich den Büchern von John Moore (nur ohne Ferkeleien), der Krappweis-Roman erinnert mich sehr an mein geliebtes „Die Meute der Morrigan“ von Pat O’Shea. Nur mit etwas mehr Humor. Band 2 von Mara werde ich nächsten Monat rezensieren (gelesen ist er ja schon – wie für Jugendromane üblich ist die Geschichte eher kurz und knackig und schnell weg gelesen). Dann hoffentlich mit Interview des Autors. In dieser Couch-Ausgabe gibt’s außerdem noch ein Interview mit Oliver Dierssen. Also: Lesen.

Als nächstes brauche ich dann aber doch mal wieder einen Thriller oder sowas. ein wenig Gegengewicht zu jugendtauglicher Fantasy. Muss ab und an sein. Außerdem haben Preston/Child schon zwei Romane rausgebracht, die ich noch nicht gelesen habe. Es wird also langsam mal wieder Zeit, auch da aufzuholen.

Was ich nebenher noch lese – wenn man den Ausdruck verwenden kann – ist das an und für sich ordentliche Buch von Alexander Bally, „Für Licht und Vollkommenheit„.
Genau genommen kämpfe ich mich mühsam durch. Was nicht an Herrn Ballys Geschichte liegt. Die fand ich immerhin so reizvoll, dass ich mir das Buch habe kommen lassen. Eine Halblingsdame betätigt sich als Privat-Ermittlerin in einer von Menschen dominierten Stadt und versucht, einige Mordfälle aufzukären. Das ist eine Fantasy/Krimi-Mischung der Private-Eye-Schiene, die an die  Thraxas-Romane von Martin Scott (aka. Martin Millar) erinnert und an sich bislang auch Spaß macht.

Was es mir verleidet, ist das Buch an sich. Die Kritik wird sicher auch in der Rezension Niederschlag finden. Da werde ich eine für die Phantastik-Couch schreiben, sobald ich mich durch gequält habe.

Meine wichtigsten Kritikpunkte bislang:

  • Das Format: Der Aavaa-Verlag hat sich für seine Werke drei Formate ausgedacht. ein Großdruck-format, ein normales Taschenbuchformat und das so genannte Mini-buch, das essentiell einen DIN-Schritt kleiner ist, als das reguläre Taschenbuch (man denke in etwa an „DIN A-6 statt DIN A-5. Stimmt nicht ganz, aber vom Verhältnis her). Was nett gedacht ist, also das Hosentaschen-Buch, stellt sich in der Praxis als wirklich ungeschickt heraus. Aavaa hat mir nämlich das Mini-Buch als Rezensions-Exemplar geschickt. und das ist eben samt Schrift einfach nur auf 71% herunter verkleinert. Damit sieht die Schrift aus, wie 9 Punkt, light. Und das ist sogar für mich als Nicht-Brillenträger so anstrengend zu lesen, dass mehr als 20 Seiten am Stück nicht machbar sind!
  • Das Papier: ist dünn und wellt sich deutlich. So deutlich, dass ich den Verdacht nicht los werde, dass da jemand entgegen der Laufrichtung gebunden hat. Ein deutliches „Pfui“. Immerhin – die Klebebindung sieht besser aus als bei den letzten zwei Heyne-Exemplaren. die hält vermutlich auch noch ein, zwei weitere Leser aus.
  • Das Cover: ist billigst produziert: mit Lufteinschlüssen in der Kaschierung und der fatalen Neigung, sich massiv einzurollen, so das Vorder- und Rückseite beinahe Vierteilkreis-förmig abstehen. GANZ hässlich! Das ist mit dem Argument „Kleinverlag“ nicht zu entschuldigen – das ist schlicht schlampige Arbeit der Druckerei.
  • Das Lektorat: Bei allem Verständnis für Kleinverlage und begrenzte Mittel – da hätte man sich doch ein wenig mehr Mühe geben können. Fehlende Worte, Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler, auffällige Wortwiederholungen und die eine oder andere unpassende Formulierung und kleinere (aber auffällige) Logikfehler – zumindest ein ordentliches Korrektorat hätte Ballys Roman verdient.

Ich kämpfe mich jetzt erst einmal durch den Rest des Kleingedruckten (sowas sollte man WIRKLICH nicht als Rezensionsexemplare verschicken!), dann sag ich mehr dazu. Immerhin hält mich die Geschichte so weit dabei, dass ich es noch nicht aufgebe. Ach ja – und eine seltsame Mutter kommt auch drin vor. Zwar nicht die der Protagonistin, aber immerhin.

PS: Zum „Wir wollen…“-Hype im Internet:

Meine derzeitige Lieblingsgruppe auf Facebook: Wir wollen den Dodo zurück.
Satire der intelligenten Art. Besonders gut im Vergleich zu „Wir wollen Guttenberg zurück“. Wobei beides vermutlich gleich wahrscheinlich ist.

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