Buchmesse Leipzig 2011 – Teil 1: falsches Hotel, Kopfkino, Lit-Pack light und Vip-Karten

Versprochen ist versprochen und angedroht ist angedroht. Hier also mein Nachbericht zur Buchmesse Leipzig, Jahr drei, verbreitet als 2011 bezeichnet. Diesmal mit: Neues vom Cosplay, viel zu viel Haut, viel zu wenig Zeit, Kopfkino, jeder Menge Autoren und interessanter Bücher, einem falschen Hotel und einigen strategischen Planungen. Und einem Vertrag. Dafür ohne Maus.


Ich habe die Messe wie üblich mit meinem Bruder Stephan und Carsten Steenberen gemeinsam besucht. Diesmal waren wir zu viert bei der Zimmeranmietung, da Stephans Freundin uns begleitet hat, um im sonnigen Leipzig in Straßencafés zu sitzen und nach CDs zu stöbern. Vom 18. bis 20. März 2011 war unser Hotel gebucht – den Donnerstag hatten wir ausgelassen. Solange wir da keine wichtigen Termine haben, kostet das nur unnötigerweise einen Urlaubstag. Zumindest für die Festangestellten. Ich bin ja wieder selbständig. Mich kostet es also nur einen Arbeitstag.

Hotelbuchung ist schon das richtige Stichwort. Der Spaß fing bereits an, als ich am Abend vorher zusammen mit Stephan an meinem Navi saß, um die wichtigsten Adressen für die Messe einzugeben, damit wir dann dort nicht suchen müssen. Erste Adresse: Apart-Hotel Böhlen. Ich durchsuche mein Navi. Hatte ich ja letztes Jahr schon mal… Moment. Waren wir nicht in Rackwitz? Stephan kam es auch so vor, als seien wir das letzte mal nicht im Süden, sondern im Norden der Stadt gewesen. Ganz in Messenähe. Aber wieso kommt uns Böhlen dann so … bekannt … vor…?!

Böhlen. Schon wieder.

Hervorragend. Die Erkenntnis, immerhin rund 12 Stunden vor Abfahrt: Der Herr Steenbergen hatte uns die Adresse vom Apart-Hotel herausgesucht. Da waren wir vor 2 Jahren. Ihr erinnert euch? Letztes Jahr waren wir dagegen im Apartment-Hotel. Im Apartment. Mit der falschen Adresse hatte Stephan uns jetzt jedoch im Apart-Hotel ein Apartment besorgt. Verwirrend.

Und… ja, auch irgendwie peinlich.

Also noch am Abend den Herrn Steenbergen angerufen, ein „Du bist schuld! Schlaf schlecht!“ ins Telefon geschmettert und aufgelegt. Damit er wenigstens auch was davon hat. Hatte er auch. Er hatte das hotel nämlich ausdrücklich weiter empfohlen an Ann-Kathrin und Aileen P. Roberts, die sich brav dort auch ein Zimmer genommen hatten. Also im falschen Hotel. Zuckerguss: Man hätte bis 5 Tage vor der Messe noch umbuchen können. Erst ab dann war das Apartment-Hotel ausgebucht. Hehe.

Jedenfalls – in das Hotel sollten wir ja erst Abends gehen. Zuerst ging es mal auf die Messe selbst – diesmal ohne Lauferei und verwirrende Spaziergänge über die weiten Park-Anlagen. Das Zauberwort: Presse-Karten. Mein Rezensions-Arbeitgeber, die Phantastik-Couch (bzw. die Literatur-Couch GmbH, so viel Zeit muss auch mal sein) hatte es mir ermöglicht, mich auch in Leipzig als offizieller Vertreter der P-Couch zu akkreditieren und damit nicht nur in den Genuss von Presse-Eingang und Presseparkplatz zu kommen, sondern auch ein halbes Pfund Barcode-gesichertes Papier an einem schicken ARD-blauen Bändel um den Hals zu tragen. Den „Hologrammstreifen“ am unteren Rand dürften sie nur zur Dekoration angebracht haben. Hätte man ihn mit glitzerndem Hefteinschlagpapier aus dem Schreibwarenhandel nachgebaut – den Unterschied hätte nur ein auf Kunstfälschungen spezialisierter Fachmann erkannt. Irgendwie sind die Karten von Frankfurt (in etwa einem Sechstel der Größe) praktischer. Aber man kann natürlich so in der Stadt die Einheimischen besser beeindrucken. Hat auch was für sich.

Nachdem wir drin waren – und nochmal raus (weil man an der im Innenbereich gelegenen Garderobe gesagt bekommt, dass man seine Sachen unr außen abgeben kann (also auf der anderen Seite des selben Tisches) und dann wieder drin – kamen wir nur knapp 5 Minuten zu spät zu unserem ersten Termin bei den hörbuchleuten in Halle drei und den Leuten von iListen. Einem jungen Label, mit dem wir uns angeregt und ziemlich ausführlich über die Möglichkeiten zur Verhörspielung von Steamtown unterhalten haben. Da brauchen wir wirklich eine Stange Geld. Aber wie man das auftreibt, auch da wurden Pläne geschmiedet. Jedenfalls war das Gespräch sehr nett, ich habe Mario Cuneo endlich persönlich kennen gelernt und der erste Kaffee auf der Messe war … stark. Das auf jeden Fall!

Unser zweiter Termin (bei Anja und Uli von Lyx, die uns ja schon in Frankfurt so nett empfangen hatten) fing denn auch prompt eine halbe Stunde zu spät an. Bzw. eine ganze, da die beiden Damen natürlich schon anderweitig beschäftigt waren. Trotzdem hatten sie dann doch noch für uns Zeit. Und ja, ich habe eine Menge über das Programm von Lyx gelernt. Unter anderem, dass ich mich wirklich schwer tun würde, etwas zu schreiben, das in ihre derzeitige Ausrichtung passt. Unser aktuelles Manuskript würde sich zwischen all den halbnackten, leopardengefleckten Männertorsi jedenfalls seltsam ausmachen. Ich versuche (gerade in diesem Moment) mir die Mehrzahl unserer Protagonisten halbnackt auf einem Cover vorzustellen (Damen wie Herren) – und habe böses Kopfkino. Dazu gleich noch. Geht jedenfalls gar nicht. Die würden uns umbringen. Also unsere Protagonisten.

Anja, Uli und Herr Bellem

Bei Lyx trafen wir jedenfalls dann auf den Herrn Stephan R. Bellem, Gründer des Lit-Packs, in das wir anderen drei zwangseingemeindet wurden. Stephan (Bellem) zeigte sich ein wenig geknickt, da niemand am Donnerstag schon bei ihm Grillen gewesen war (der fünfte Lit-Packer, Falco Löffler, war nämlich diesmal gar nicht erst auf die Messe gekommen). Außerdem hatte er wohl von seinem Hund den Auftrag, die Messe zu dokumentieren. Was er brav per Blogeintrag und Film getan hat. Ein gut erzogenes Herrchen. Aber das kommt davon, wenn man seinen Hund ‚General‘ nennt.

httpv://www.youtube.com/watch?v=wS4lf70BS9Y

Um es kurz zu machen: Von Lyx ging’s dann zur Fantasy-Leseinsel in der Halle 2 und hier an den Stand von WerkZeugs. Mit kurzem Zwischenstopp bei ‚Feder&Schwert‘, wo wir uns nochmal über Steampunk und die Zukunft im Allgemeinen und in einigen Punkten auch im Besonderen unterhalten haben. So viel darf gesagt sein: Es wird ein sehr interessantes Buch dort erscheinen, auf das ich mich besonders freue. Nebenbei sind auch einige wirklich spannend klingende Neuerscheinungen im Programm. „Die Götter von White Chapel“ zum Beispiel. Das klingt endlich mal RICHTIG nach Steampunk. Nicht nur einfach ein bisschen viktorianisch angehaucht.

Apropos Steampunk: Dass Heyne das vielgepriesene „Boneshaker“ angekauft und demzufolge hoffentlich auch irgendwann herausbringen wird, ist ja schon bekannt. Es geht aber an verschiedenen Ecken das Gerücht, dass es von den derzeit erfolgreichen Steampunk-Romanen aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum keine einzige deutsche Lizenz mehr zu kaufen gibt. Alle schon vergeben. Heißt das, dass wir doch noch auf eine Steampunk-Welle hoffen dürfen? Denn das sind wirklich schon eine Menge Romane! Vielleicht hilft ja der neue Sherlock Holmes, der dieses Jahr noch kommen soll.

Wie auch immer – WerkZeugs:
Die boten eine Leipziger Neuheit: Eine komplette Buchhandlung für Fantasy (und SF) auf 99 Quadratmetern – auch dank der Unterstützung von 16 Verlagen.
Und im Zentrum des als U-förmiger Gang aufgebauten Standes des inzwischen wichtigsten aller deutschen Buch-Merchandising-Herstellers erwartete uns ein per Kette abgetrennter Bereich, in dem Sitzgelegenheiten, Heiß- und Kaltgetränke, sowie Kekse, essbare Gummitiere und Mengen von Kuchen einladend herumstanden und auf uns warteten. Allerdings von uns und dem Rest des gemeinen Besuchervolkes durch eine schier unüberwindliche Kette samt Türsteher (ohne Tür) getrennt. Der VIP-Bereich, oder auch: „Die Autoren-Lounge“.

Ich möchte an dieser Stelle mal darauf hinweisen, dass die Mitglieder des Lit-Packs, allen voran Herr Bellem, vor ziemlich genau einem Jahr an ziemlich genau dieser Stelle laut und lange von einer Einrichtung namens „Autoren-Lounge“ phantasiert haben. Von einem Ort mit Sitzgelegenheiten, damit man sich nicht vor dem Stand der WerkZeugler die Beine in den Bauch und allen zahlenden Kunden im Weg steht, der mit einer Kette (okay, mit wichtig aussehendem Absperrband und Schildern wie „bitte nicht füttern“) vom Publikum abgetrennt ist. an dem die autoren mal die Füße hochlegen und unter sich sein können. Mit Kaffee und wichtigen VIP-Ausweisen. Ich erwähne das nur, damit ihr die prophetischen Fähigkeiten des Stephan R. Bellem bei Gelegenheit gebührend bewundern und preisen könnt. ;)

Denn: In diesem Jahr gab es all das (bis auf das Absperrband und – glücklicherweise! – die Schilder mit dem Füttern), inklusive Strich-Tafel. Vor allem aber: VIP-Ausweise auch für UNS! Und wie wir drin, zwischen all den netten Autoren, WerkZeuglern und anderen Kollegen erfuhren: Getränke und KUCHEN waren komplett umsonst! Du meine Güte! Besser als wir zu träumen gewagt hatten. Also ehrlich: WerkZeugs, ihr habt euch selbst übertroffen. Das war ein Riesen-Aufwand, für den ich euch an dieser Stelle aus ganzem Herzen (und von beinahe noch ganzen Füßen – auch das nicht zuletzt euer Verdienst) danken möchte. Wenn wir je Merchandising für unser Zeug brauchen, wissen wir, an wen wir uns wenden. SO funktioniert Kundenbindung! ;)

Den Rest des Tages, bis auf kurze Ausfälle in besonders interessant erscheinende Bereiche (und in Richtung der von Damen überfüllten Herrentoilette) verbrachten wir dann unter besagten netten Kollegen in der Autoren-Lounge. Unter richtigen Autoren. In Ordnung, Carsten gehört ja auch zu denen. Sein erster Roman ist verkauft und in Vorbereitung zum Erscheinen. Jedenfalls saßen wir dort zusammen mit Robin Gates, der Falco als Lit-Pack-Ersatzmann würdig vertrat, Anne-Kathrin und Aileen (die uns das hotel vergaben, auch wenn A-K den Vorabend mit angetrunkenen „Physikern“ in der Hotel-Kellerbar verbringen durfte. Als einzige Frau im ganzen Hotel).

Oliver Plaschka, Ju Honisch und die berüchtigte "Striche-Tafel"

Mit Maik und Elke von den Mantikor Illustrations direkt nebenan/schräg gegenüber.

Mit einem unglaublich erschöpften Bernhard Hennen, der trotzdem noch jeden autogrammsüchtigen Fan persönlich und mit Gespräch beglückte,

Bernhard Hennen nimmt sich für jeden Fanboy Zeit. Sogar für den Steenbergen.

einem Markus Heitz samt Sportverletzung und einer ebenfalls ziemlich geschafft wirkenden Andrea Bottlinger. Gute Besserung übrigens, Andrea. Ich habe gehört, dass dein Virus auf der Messe in Frankfurt an diesem Wochenende noch wesentlich mehr Opfer gefordert hat. Man könnte meinen, die fanden die Messe dort zum k***. Außerdem habe ich hier endlich mal Kollege Marcel Bülles kennen gelernt. Und zu erfahren, dass meine Chefredakteurin samt Familie wohlbehalten per Flieger aus Tokio zurückgekommen ist, hat zusätzlich für Erleichterung gesorgt.

Marcel Bülles, Andrea Bottlinger (Nach Andreas Blick zu urteilen hat Marcel gerade die Kekspackung in der Luft verschwinden lassen)

Zwei Stunden später war dann die Messe für den Freitagauch schon zu Ende und wir auf dem Heimweg zum Hotel um von dort aus den Abend im Pub zu beschließen. Dem direkt neben dem Pata Negra, in dem wir letztes Jahr waren. Eine gute Wahl übrigens: Für den abend NACH St. Patrick’s Day war da zwar verdammt viel los, aber essen und Getränke waren gut – und der Pub liegt im süden Leipzigs – also dann doch nur 10 Fahrminuten vom Hotel weg.

Zum Hotel noch eines: Es hat wirklich etwas Gruseliges, wenn in allen Gängen nur jede vierte Lampe brennt. Und die Frage, die wir uns vor zwei Jahren gestellt hatten (ist das Zufall, dass in unserem Zimmer das türschloss von innen zugeschweißt war?) konnten wir auch endlich beantworten: Nein. Kein Zufall. Auch in den Mehrzimmer-Appartments im Erdgeschoss ist das so. Aber das Zimmer und vor allem die Betten und die Dusche waren okay. Und wir ohnehin zu müde für irgendwelche Ansprüche.

Den Rest im nächsten Teil.

Bis dahin dürft ihr euch ruhig die Messerückblicke der Kollegen antun:

Weitere Hinweise?

7 comments for “Buchmesse Leipzig 2011 – Teil 1: falsches Hotel, Kopfkino, Lit-Pack light und Vip-Karten

  1. 22. März 2011 at 08:01

    Hey, das war nicht mein Virus! Ich erhebe keinerlei Besitzansprüche auf ihn und wäre ihn gern wieder los …

  2. SRB
    22. März 2011 at 09:26

    All HAIL to the … me! Vielleicht sollte ich lieber auf Kanal Neun, oder wie der heißt, die Karten legen. Immerhin kostet da die Minute soviel wie die durchschnittlichen Autorentantiemen für ein verkauftes Taschenbuch betragen. Hmmm.
    Aber euch gefällt’s doch, ein Lit-Packer zu sein. Gruppenbildung war doch nie wirklich out.
    Ich hoffe mal, dass wir uns spätestens in Frankfurt sehen. Wobei früher eigentlich schöner wäre.

    • 22. März 2011 at 10:36

      Ja, wir sind gern Mitläufer. Und wenn es dann noch in so einer coolen Gang wie dem Lit-Pack ist, um so besser. Endlich können mal wir die anderen Kinder auf dem Pausenhof herumschubsen.
      Da fällt mir ein, dass wir wahrscheinlich irgendwann noch ein Abzeichen oder sowas brauchen. Aber mindestens ein kleines Kärtchen mit „VIP“ drauf (so wie diese schön elitären Dinger für die WerkZeugs-Autorenlounge)

  3. Anja
    22. März 2011 at 11:27

    War wirklich wieder supernett, euch am Stand zu haben. Und damit das mal gesagt ist: Auch wenn wir größtenteils total romantisch sind, in den Randgebieten von LYX gibt es auch noch bekleidete Enklaven, die nicht zu verachten sind.

    @ Herr Bellem, ich hätte da einen heißen Kontakt zu Astro-TV ;-).

    Erschreckend, wie viele liebe Leute ich dann doch verpasst habe …

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