Moderne Helden – Wie sich JvM Hamburg selbst matt aussehen lässt.

Der online-Spaß des Tages: Wir amüsieren uns genüsslich, wie sich die Hamburger Werbeschmiede Jung von Matt mit Hilfe der Band „Wir sind Helden“ selbst demontiert. Und das in einer selten erreichten Peinlichkeit.

Als Werber muss man sich ja immer wieder was neues einfallen lassen, um auch eher grenzwertige Produkte (wie zum Beispiel eine BILD-Zeitung) „pfiffig“ an den Käufer zu bringen. Jung von Matt hatte da vor einiger Zeit die großartige Idee, „Testimonials“ – in diesem Fall Prominente – frei und ehrlich über die Bild sprechen zu lassen. Da folgte dann schon mal Alice Schwarzer auf Michelle Hunziker oder Richard von Weizsäcker auf Mario Barth mit einer ungeschönten Aussage über die Zeitung mit den vier großen Buchstaben. Und damit es den Promis nicht ganz so peinlich ist, für dieses Blatt Werbung zu machen, bekommen sie auch kein Geld dafür. Stattdessen wird die Kohle gespendet – 10.000 Euronen per Promi für einen gemeinnützigen Zweck nach Wahl des/der Abgebildeten. So weit, so clever. Genauers dazu kann man hier nachlesen.

Auf der Suche nach weiteren Promis wurde denn auch die Künstlerin Judith Holofernes angeschrieben – Frontfrau und Sängerin der Gruppe „Wir sind Helden„. Und nicht nur bekennende Werbungs- sondern zudem auch BILD-Gegnerin. Das war vermutlich ganz clever ausgemalt (und vielleicht auch schon dem Springer-Verlag verkündet): Eine der größten Kritikerinnen wird sich kritisch und äußerst werbewirksam für die Bild äußern.

Schön, dass genau diese Idee denn auch nach hinten los ging. Denn auf das nette Schreiben von JvM reagierte die gute Frau Holofernes gepfeffert und gesalzen – und die online-Gemeinde von BILDblog bis „Jetzt.de“ (Süddeutsche Zeitung) amüsiert sich köstlich über Anfrage und Antwort.

Ob die „Antwort auf die Antwort auf die Anfrage„, die bereits im Netz zwischen JETZT.de und Kölner Stadt-Anzeiger herumgeistert, tatsächlich echt ist, lasse ich mal dahingestellt. Auf jeden Fall wirkt sie echt genug, um auch als Satire gelungen zu sein. Denn beleidigte Werbewürste reagieren tatsächlich so. Selbst schon erlebt.

Und der Kampf der Art-Direktoren für eine 68-Stunden-Woche ist leider oft genug nicht übertrieben. Es gibt genug Läden, in denen an 6 Tagen die Woche 11 Stunden für ein Witzgehalt ge-art-directort wird, was Kaffee und sonstige Aufputschmittel hergeben. Nicht umsonst haben Springer&Jacoby (mitlerweile ja zugrunde gewirtschaftet) einst in Stellenausschreibungen großzügig mit „Sonntags frei“ geworben.
Ist dann einmal eine Idee an den Kunden verkauft, wird sie natürlich mit Klauen und Zähnen verteidigt. Auch wenn ich mich gelegentlich frage, wie JvM seine Ideen an seine Kunden bringt. Vor nicht allzu langer Zeit haben sie immerhin ihrem Kunden Mey den alternden Agenturchef Jean-Remy von Matt höchstpersönlich als Unterwäschemodel verkauft. Als ob den jemand sehen wollte. Man muss es ihnen lassen: Gute Verkäufer haben sie bei JvM. Das hilft dann schon mal über schlechte Ideen hinweg. Nur eben nicht immer.

Wer auch immer diesen dritten Text verfasst hat: Er trifft die Wirklichkeit jedenfals ziemlich genau. Sollte er echt sein*, ist er unglaublich peinlich und schlecht gemacht (und ziemlich sicher ein Kündigungsgrund. Aber mal ehrlich – das wäre dann hochverdient). Sollte er Satire sein, dann wiederum ist er gut gemacht, weil durchaus glaubwürdig.

Auch wenn es vielleicht gar nicht nötig war. Allein die Anfrage ist Satire genug.
Vielleicht sollte man auch bei JvM ab und an mal über Glaubwürdigkeit nachdenken. Nicht jede Kampagne muss gemacht werden, weil sie sich auf dem Papier gut liest. Diese Springer-Produkt-Kampagne stößt nicht umsonst so vielen Leuten auf. Es gibt wenig, was so unehrlich wirkt, wie vorgeschobene Ehrlichkeit. Da hilft auch ein halbseidener Wohltätigkeitsgedanke nichts. Insofern ist die derart eingefahrene Packung nur gerechtfertigt und war schlicht unvermeidlich. Es war schlicht eine Frage der Zeit, bis genau das passieren musste.

Danke, JvM und danke Judith.
Wir amüsieren uns köstlich.

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*Na gut, seien wir ehrlich – er ist sicher nicht echt. Kleiner Tipp: Die Dame heißt ja auch nicht I. Meier, sondern bürgerlich Judith Holfelder. ;)

P.S. Stefan Winterbauer macht sich im meedia-Blog seine eigenen Gedanken dazu. Auch ein Ansatz. Was der Schönheit der Antwort an sich allerdings keinen Abbruch tut.

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