Vom Urheberrecht und den Sechs-plus-Eins Angewohnheiten von Piraten

Nein, diesmal geht es nicht um Software-Piraten – und auch nicht um die Piraten-Partei.

Bei meiner morgentlichen 5-Minuten-Runde durch die üblichen, täglichen Webcomics bin ich heute über einen Blog-Eintrag von Howard Tayler gestoßen, der das komplizierte Spiel mit dem Urheberrecht gerade am eigenen Leib erfährt. Was ziemlich gut zu dem schon behandelten Urheberrechts-Piraten-Artikel vom vergangenen November passt.

Mr. Tayler, Autor und Zeichner des seit Juni 2000 täglich (lückenlos!) erscheinenden Webcomics „Schlock Mercenary“ ist jetzt über einen seiner satirischen Scherze gestolpert. Oder besser: Er wurde darüber geschubst.

In seiner Serie über Tagons Weltraumsöldner hart am Rande der Illegalität zitiert er immer wieder Söldner- und Weltraumpiratenregeln und Verhaltensrichtlinien wie „Pillage, then burn„, „If violence wasn’t your last resort, you failed to resort to enough of it.“ oder „That which does not kill you has made a tactical error.

Seine Protagonisten beziehen sich dabei immer wieder auf ein Buch, dessen Name eine Anspielung auf den erfolgreichen Lebens-, Management- und Führungsberater von Franklin Covey, „The Seven Habits of Highly Effective People„. Nur dass „People“ hier durch „Pirates“ ersetzt war.
Diese Scherze und Anspielungen gehören zum Standard-Repertoire Taylers und die Piratenregeln machen einen Teil seines Kultstatus‘ aus und zieren immer wieder auch sein Merchandising.

Franklin Covey allerdings fand das nicht so amüsant wie Taylers Fans und schickte ihm wohl eine „cease and desist“-Anordnung – also eine Unterlassungsklage ins Haus. Freundlich formuliert zwar, aber bestimmt. Das Problem: Das Urheberrecht zwingt sie nahezu dazu. Zumindest das der USA, wie es scheint.Okay, das war falsch. Es geht um das Copyright Law – also das Gesetz zu den Nutzungsrechten (wir wissen ja – Urheberrecht ist unveräußerlich).

Soweit ich das richtig verstanden habe: Wehrt sich Franklin Covey nicht gegen die Nutzungsrechte-Verletzung, setzen sie damit ein gerichtlich verwertbares Beispiel, auf das sich andere Rechteverletzer berufen können – was dazu führen kann, dass sie das exklusive Recht auf Bestimmung der Nutzung verlieren und selbiges zu Gemeingut wird. Oder so in der Art. Das wiederum bedeutet – es werden dafür auch bei Lapalien teure Anwälte beschäftigt, damit kein Päzedenzfall entsteht.

Jetzt könnte man sich, wie mit ein befreundeter Anwalt (ohne Anspruch auf Rechtsgültigkeit der Aussage natürlich) versichert, in diesem Fall streiten, ob die Verwendung hier nicht unter das Satirerecht fällt. Wie gesagt, es wäre ein Streitfall – und da das bislang nicht durch internationales Recht geregelt ist, handhaben die USA das doch anders als wir. Aber selbst bei uns wäre es nicht sicher.

Howard Tayler hat sich also dazu entschlossen, es nicht darauf ankommen zu lassen (sowas ist ja drüben im Land der Klagen gleich immer unverschämt kostspielig) und sein fiktives Kultwerk umbenannt: „The Seventy Maxims of Maximally Effective Mercenaries.“ Das ist der neue Name des Söldnerhandbuches. Tatsächlich angemessen absurd, aber die schöne Anspielung ist natürlich weg.

Was eigentlich aus Sicht von Franklin Covey  zu bedauern sein müsste. Ich jedenflls würde mich über eine derart gelungene Satire alles andere als ärgern.

Vielleicht hätten ie sich zuvor mal selbst ihr Buch durchlesen sollen. Speziell „Habit 4: Think Win-Win“.
Denn wer letztendlich davon profitiert ist jetzt – Mr. Tayler. Ein netter PR-Schub für einen Comic-Zeichner, der bereits zweimal für einen Hugo nominiert war und gute Chancen hat, eines Tages einen zu bekommen.

An ihrer Stelle hätte ich still und leise eine Lizenzvereinbarung mit Mr. Tayler getroffen (über das wann, wo und wieviel hätte man ja schweigen können) – was sie gerichtlich abgesichert und sie nebenbei auch noch ziemlich cool, beziehungsweise als „highly effective people“ hätte erscheinen lassen.

Na gut, jetzt weiß ich wenigstens, was ich von diesem so erfolgreichen Ratgeber zu halten habe, wenn sich schon seine Schöpfer nicht daran halten.

Irgendwie erinnert mich das aber auch an diese seltsamen Paul Arden-Büchlein, die Plattitüden als Weisheiten verkauft. Ihr wisst schon – „Es kommt nicht darauf an, wer du bist, sondern wer du sein willst.“ Ja nee, is klar.

Sein schöner Tipp zum Beispiel für Berufsanfänger: „Get the very best company of your chosen field onto your C.V. Be a runner. Work for free, if necessary. Your future employers will be impressed.“

Ich weiß nicht, welche Firmen er mal kannte – im modernen Management gerade der sogenannten Top-Firmen setzt man heute die kostenlose Arbeit doch beinahe vorraus (höchstens, dass man nicht unbedingt „danke“sagen muss. aber das würde helfen).
Beeindruckt wäre davon keiner.

Aber Arden wie auch der Ratgeber von Franklin Covey stammen aus einer anderen Zeit. Ende der 80er.

Heute sollte man sich besser immer mal wieder das hier ins Gedächtnis rufen:

(Zum Vergrößern Bild anklicken. Link öffnet sich.)

Paul Arden betreibt heute eine Fotogalerie. Vermutlich das beste, was er heute tun kann. Das Schreiben von Ratgebern sollte er mal besser bleiben lassen.
Aber vielleicht kann er Franklin Covey bei der Eröffnung ihrer eigenen Galerie helfen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *