Heftromane, willkommen im neuen Jahrtausend

Eine Sache, die ich mich schon seit einiger Zeit immer wieder frage (und jetzt gerade aus gegebenem Anlass wieder):
Warum sehen Heftromanserien eigentlich immer noch aus, wie aus den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts? Warum können Heftromane eigentlich nicht aussehen, als entstammten sie diesem Jahrtausend und wären an ein breites Publikum moderner Leser gerichtet?


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Einige Gründe kann ich mir selbst ausmalen – aber die Frage bleibt.

Ich weiß, ich sollte mich jetzt an unser aktuelles Manuskript setzen und nicht meine Zeit damit hier herumbringen – aber die Frage beschäftigt mich heute schon den ganzen Tag.

Vorab: Das Ganze hat jetzt so gut wie nichts mit der Qualität des Inhaltes und der Autoren zu tun.
Die kann ich nicht bewerten, da ich zu wenige davon lese. Das ist ein Teil des Problems, das ich gleich noch kommentieren werde.

Die Frage hat für mich eine ganze Reihe von Ebenen:

  • Ich betrachte die Heftromane also in erster Linie aus Sicht des Gestalters,
  • in zweiter Linie aus Sicht des potentiellen Lesers,
  • in dritter Linie aus meiner Sicht als Autor und schließlich auch
  • aus Marketing-Sicht.

Arzt-, Berg-, Liebes- und sonstige „Großmutter-Heftromane“ lasse ich jetzt bewusst außen vor und beschränke mich in meiner Betrachtung mal auf Fantasy, SciFi und Thriller/Krimi, bei denen ja gemeinhin von einer eher jungen Leserschaft ausgegangen wird. Zumindest in allen sonstigen Marktsegmenten.

Da ich nun wirklich, wirklich nicht mehr als Heftromanleser zu bezeichnen bin, bleiben mehr Fragen als Antworten. Nach einigen Ausgaben Perry Rhodan, ca. 100 Geister-Geschichten-Heften, einer Handvoll Jerry Cottan, ein paar John Sinclair und etwa drei Dutzend Lassiter nebst Sammelbänden bin ich schon Anfang der 90er von den Heftromanen abgekommen.

Was mir aber eben deshalb auffällt: Die Hefte sehen nahezu alle durch die Bank weg noch aus wie vor mittlerweile 20 Jahren. Innen wie außen. Zumindest gefühlt. Ja, teilweise sind sie qualitativ tatsächlich ein wenig besser, die Titel-Illustrationen. Aber die Gestaltung macht das dann wieder zunichte.

Sehen wir uns das mal an:

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Ja, natürlich gibt es kleinere Modernisierungen, die dem Eingeweihten und/oder Fachmann auf den zweiten Blick ins Auge springen. Aber für den potentiellen, jedoch nicht tatsächlichen Leser wirken Heftromane in all ihren Ausformungen buchstäblich wie aus dem letzten Jahrhundert. Was, wie ich finde, nicht wirklich ein Anreiz ist, sie in die Hand zu nehmen.

Bei einigen Klassiker-Serien wie Perry Rhodan, Lassiter oder Jerry Cotton lassen sich freilich nur schwer Änderungen vornehmen. Hier gehört diese sehr spezielle Optik zum Markenbild, das man einfach kaum sinnvoll verändern kann. Und hier wäre das tatsächlich vermutlich kontraproduktiv. Das ist mir natürlich klar. Das hat auch etwas mit einem nicht zu vernachlässigenden Kult-Faktor zu tun. (Nur nebenbei: Mich würde es wirklich interessieren, wie man das copyright-technisch gemacht hat, dass Richard Dean „McGuyver/O’Neal“ Anderson ständig als Maddrax-Mascottchen auftaucht. Das kann eigentlich auch nicht ganz billig sein…).

Außerdem arbeiten diese Hefte zu einem Großteil mit Stammlesern und -Sammlern, die oft genug schon buchstäblich seit Jahrzehnten dabei sind. Für die darf und soll sich da auch nichts ändern. Wenn die Basis-Leserschaft eines Produktes so tickt, dann muss man wohl bis zu einem gewissen Punkt damit leben. Kann man auch. Bis zu einem gewissen Punkt eben.

Denn selbst eine schleichende Modernisierung (die im Übrigen alle Produkte betrifft- bis hin zur NIVEA-Dose, die auch immer gleich wirkt, sich aber in den vergangenen 50 Jahren geschätzte 15 Mal verändert hat) sollte auch diese irgendwann ins neue Jahrtausend holen. Denn die alten Leser sterben schließlich doch mal weg. (In Ordnung – wenn ich nach dem Namensschildchen des letzten „Galaktischen Forums“ gehe, arbeitet zumindest Perry daran. *g*)

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Aber warum Neuschöpfungen auf dem Segment – wie z.B. die „Wölfe“-Serie (immerhin ohnehin nur 6 Bände) von Bastei – fast durch die Bank aussehen, wie die Hefte, die ich Ende der 80er aus der Second-Hand-Kiste auf dem Kirchenflohmarkt gezogen habe, ist mir endgültig ein großes Rätsel.

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Geld spielt bei der Optik (wie auch beim Aufbau der Romanreihen an sich) sicherlich eine Rolle. Viele der Cover werden ohnehin doppelt und dreifach, unter Umständen sogar für andere Serien, wieder verwendet. So spart man natürlich Arbeit und Geld. Aber mal ehrlich:

1. Kann es das doch wohl alleine nicht sein. zumindest nicht bei Verlagen wie Bastei, die, da bin ich mir ziemlich sicher, nicht gerade am Hungertuch nagen.

2. Wer Geld verdienen will, der muss schließlich auch welches investieren. Das fängt, behaupte ich als Werber und Grafik-Designer, bei der Optik an. Wenn die Verpackung aussieht wie vor 20 Jahren, dann gehe ich nicht davon aus, dass der Inhalt ein anderer, modernerer ist. Damit aber erreiche ich nur exakt die selbe Zielgruppe wie mit jedem anderen Produkt dieser Art – die Leute, die Heftromane also ohne hin schon kaufen.

Was natürlich aber auch bedeutet:

Jede neue Serie, die aussieht (und aufgebaut ist) wie alle anderen, die sich weder optisch noch inhaltlich nennenswert von den schon vorhandenen Produkten unterscheidet, kann natürlich ihre Leser auch nur aus dem selben Käuferpotential rekrutieren. Was ich also dort an Lesern gewinne, geht von den anderen Serien ab. Ich fische im überfischten Gewässer.

Wirklich nachvollziehbar ist gerade deshalb ein Beibehalten der bislang genutzten Strickmuster für mich nicht.

Es kann auch nicht daran liegen, dass es keine geeigneten Künstler und Illustratoren gibt. Auch wenn es tatsächlich wirkt, als würden immer die selben verwendet – die, die den Job schon in den 70ern gemacht haben. In Ordnung – nein, das stimmt nicht ganz. Wenn man sich die Cover genauer ansieht, dann sind einige der Illustrationen sogar erstaunlich modern – aber erst auf den dritten Blick und für eingeweihte. Die Gesamtoptik (für die der Illustrator im Grunde kaum etwas kann) bleibt jedoch fast durchweg altbacken bis zum Abwinken.

Damit aber holt man keine neuen Leser ins Boot.

Gut, jetzt kann man natürlich sagen: dann lohnt es sich auch nicht, Geld zu investieren, wenn ohnehin nur Heftromanleser Heftromane lesen. Die Argumentation wäre aber die selbe, wie wenn BMW sagen würde: Wir können auch die Anzeigen aus den 90er Jahren weiter verwenden, denn BMW fahren ohnehin nur eingefleischte BMW-Fahrer. Stimmt zwar – aber ist diese Argumentation für irgend jemanden einleuchtend? Bezweifle ich.

Wir sind inzwischen besagte 20 Jahre weiter in der Gestaltung. Die deutschen Buchverlage haben das im Fantasy-/ und SF-Sektor (nach einigen Anlaufschwierigkeiten) begriffen und auf eine zeitgemäße Umschlaggestaltung umgestellt. Was nicht teurer sein muss, als das Beschäftigen von Illustratoren. Und falls es günstige Illustratoren sein sollen – eine halbe Stunde Recherche z.B. auf Deviantart.com sollte reichen, um sich einige wirklich gute, deutsche Jungtalente an Land zu ziehen.

Lassen wir die bereits bestehende Leserschaft von Heftromenen einfach mal außer Acht und betrachten das nur aus Sicht des potentiellen Neu-Lesers (mir zum Beispiel). Was sinnvoll in Hinblick auf Erschließung des Marktes ist.

Um mich, der Leser, auch Krimileser ist, und der sowohl zu Thrillern und Agentenromanen neigt, die ein wenig „cheesy“ sind, als auch coole Verbrecherballaden wie „Snatch“ oder „Bube, Dame, König, Gras“ mag. Bond und Bourne Identity ohnehin. Ich bin wie gesagt kein Heftromanleser, könnte mich aber dafür interessieren, wenn man mich richtig anspricht.

In welchem der (theoretischen) folgenden Cover würde der Nicht-Heftromankonsument die modernere, spannendere und „coolere“ Geschichte erwarten?
Was sieht nach einem professionellen Agenten-Thriller mit Schwung, Cleverness, Witz, Action aus und was nach … Penny-Dreadful.

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Pure Geschmackssache mal dahingestellt. Ein modernes Cover kann auch völlig anders aussehen. Nur eben in keinem Fall wie Kandidat Nummer eins.

Anderes Beispiel – Mystery-Thriller /Gruselroman. So mit Geistern, Dämonen, Engeln, den dazugehörigen Jägern und generell coolen Socken. Was halt so dazugehört zum modernen Mystery-Thriller. Ohne groß Arbeit hinein zu stecken – was würde einen Nicht-Heftromankäufer aber am Thema interessierten potentiellen Leser wohl eher dazu verleiten, doch mal am Bahnhof nach einem Heft zu greifen? Vollkommen ungeachtet der Abbildung, allein aufgrund der Gestaltung?

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Es gibt gewisse Sehgewohnheiten, die moderne Leser (und Konsumenten der Bücher und Serien aus dem jeweiligen Segment) haben. An die sollte man sich halten, wenn man etwas bewirbt – und das Cover eines Buches (und auch eines Heftromanes) IST Werbung.

Ein Cover wie das rechte zu gestalten ist im Übrigen nicht teurer, als die (nebenbei bemerkt ziemlich gute) Illustration auf dem linken. Natürlich ohne die Schauspieler-Gesichter (die das rein aus copyright-Gründen verteuern dürften). Es geht schlicht um zeitgemäße Gestaltung. Die kein einziger Heftroman von denen, die mir bislang untergekommen sind, aufweist.

Mal ehrlich: Wer von uns, außer alten Lassiter-Lesern und Leuten, die von wehmütiger Nostalgie geplagt werden, würde zum linken Cover greifen? Ja, natürlich wäre das rechte auch kein Heftroman-Titel. Gewisse Anforderungen sind sehr speziell und würden auch von diesem Filmplakat nicht erfüllt. Es geht um die Anmutung. Und ich denke, wenn man ihn richtig verpackt, kann man sogar (und vielleicht gerade) den Western als Heftroman verkaufen. Denn ins Kino kriegt man ihn auch immer wieder. Nur nicht mehr, wenn sie aussehen, als würde John Wayne mitreiten.

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Ich bin als Leser durchaus geneigt, auch mal zu anderen Lesestoffen und alternativen Formaten (wie eben dem Heftroman, aber auch Anthologien) zu greifen, wenn sie es schaffen, mich dort abzuholen, wo ich mit meinem Lese- und Sehgewohnheiten bin.

Und an der Qualität des Inhaltes liegt es nicht. Hier haben wir ein ähnliches Problem, wie es viele Kleinverlage haben: Die Geschichten und die vertretenen Autoren sind gut bis hervorragend. Aber die Buchgestaltung ist so stiefmütterlich behandelt, dass ich und die Mehrzahl der potentiellen Leser die guten Inhalte nie entdecken werden, weil die Verpackung lieblos, altbacken und weder dem Produkt noch den Kunden angemessen ist. Ein paar Euro mehr in eine gute Gestaltung gesteckt sind nicht verschwendet – sie bringen Geld!

Wie schon mal gesagt: Für Lassiter, Perry und selbst Maddrax ist es vermutlich nicht mal so wichtig – aber für kleinere und noch nicht in drei Jahrzehnten Tradition verhaftete Formate würde es eine große Chance darstellen. Denn ich überlege mir ganz genau, wofür ich mein Geld ausgebe. Und das tue ich nicht für lieblos wirkenden „Schund“, sondern für Produkte, bei denen ich rundum das Gefühl vermittelt bekomme, dass ich hier etwas für mein Geld bekomme.

Dazu kommt, um es aus Sicht des Autors zu sehen:
Es mag sein, dass es Autoren gibt, denen das egal ist. Es mag sein, dass es Autoren gibt, die kein ästhetisches Empfinden haben, oder die – weil sie hoffnungsvolle Jungautoren sind – jede Veröffentlichung dankbar mitnehmen, egal wie sie aufgemacht ist (eröffentlicht ist veröffentlicht). Es gibt auch Autoren, die einer alten Serie nur aus Nostalgie und alter Verbundenheit eine Geschichte stiften und über die Gestaltung hinwegsehen. Aber viele von uns wünschen sich, dass ihre Arbeit in einem Rahmen präsentiert wird, der der Mühe und dem Herzblut angemessen ist, dass wir in dieselbe stecken.

Bei manchen der Arbeiten kann ich mich dann des Gefühls nicht erwehren, dass Sterne-Menüs auf Papptellern mit Plastikbesteck serviert werden. Jerry Cotton hat Wolfgang Holbein, Kai Meyer oder Michael Peinkofer als Autoren. die werden bei ihren Büchern sicherlich auch besser behandelt.

Kurzformate wie Heftromane haben durchaus ihren Reiz für viele Autoren. Ich kann mir vorstellen, dass gerade gute Jungautoren, die „neben“ der Autorentätigkeit noch einem Brotjob nachgehen, die Kurzform schätzen würden – und die Chancen, die so eine Veröffentlichung bietet. Aber wenn man dann fürchten muss, als „ramschig“ betrachtet zu werden, überlegt man sich das zweimal! In die Ecke wollen nämlich nur sehr wenige.

Marketingtechnisch bedeuten Heftromanserien für einen Verlag sicherlich eine Herausforderung.
Die Gewinnspannen dürften ziemlich gering sein, dementsprechend wird wohl (sehen wir – vielleicht – von Bastei und Pabel-Moewig ab) das überhaupt verfügbare Budget eher mager ausfallen. Aber, sagt der Werber und Gestalter, es geht gar nicht darum, wie groß das Budget ist, sondern wie man es einsetzt. Selbst das beste Produkt verkauft sich nämlich nicht, wenn es billig und lieblos eingetütet ist.

Ein paar hundert Euro in eine zeitgemäße Titelung und Aufmachung gesteckt, eine Auffrischung von Schriftbild und Auftritt könnten so manche Serie aus der Groschenheftchen-Ecke herausholen und neue Märkte erschließen. Eine gute Gestaltung würde es oft ermöglichen, mit unterschiedlichsten, guten und günstigen Illustratoren, Digital Artists oder Fotografen zu arbeiten und trotzdem ein einheitliches, eben nicht „billiges“ Erscheinungsbild zu schaffen.

Ich lese gern einen Kurzroman im Zug zur Arbeit oder sonstwo unterwegs. Aber wenn ich mich für das Heft schämen muss, das ich in der Hand halte – dann werde ich mir lieber ein Magazin kaufen, bei dem ich das nicht muss. Oder für ein paar Euro mehr einen Roman, der mir letztendlich im Verhältnis Kosten/Wortanzahl deutlich mehr Lesestoff bietet. Einen Lassiter oder einen Jerry Cotton würden viele Normalsterbliche nur in der braunen Tüte kaufen.

Warum, frage ich mich, verschenkt man dieses Potential so dermaßen gnadenlos?

Wie mein Bruder Stephan so richtig feststellte:
Gerade Format und Länge der Heftromane sind für die Generation iPad und auf dieses folgende Tablet-Lesegeräte ideal. Das heißt, in diesem Bereich wäre potentiell eine große und treue Leserschaft aufbaubar und per Abo auch noch gut und ohne Logistik zu binden. Wenn – ja, wenn die Gestaltung und Aufmachung dem Medium angepasst wären. Womit wir sogar noch näher an meinen „Film- und Serienplakat-Vergleich“ heranrücken. Denn einen John Sinclair in der derzeitigen Aufmachung würde ich mir online trotzdem nicht abonnieren.

Das hier hingegen – ich wäre versucht.

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Angelehnt daran hat sich mir heute die Frage ergeben:

Gibt es eigentlich keine Heftromanserien, die wie Fernsehserien funktionieren?

Das heißt: Warum entwickeln sich in Heftroman-Serien (zumindest in den meisten), die Charaktere nie. Warum gibt es keine fortlaufende Meta-Geschichte, keine Rahmenhandlung, die die Romane verbindet und im Laufe derer sich die Charaktere kontinuierlich weiterentwickeln, altern, sogar sterben.

Christian Humberg und Andrea Bottlinger haben mich inzwischen ein wenig erhellt:
Das gibt es wohl – es nennt sich hier nicht Serie sondern Zyklus (wenn auch nicht konsequent, da ich auch schon von 6-Bändigen „Serien“ gelesen habe). Zumindest bei Perry Rhodan gibt es so etwas wie eine Charakterentwicklung und ein normal voranschreitendes Leben, das nicht in der einzelnen Episode festgefroren scheint. Auch wenn das eher für Nebenfiguren zuzutreffen scheint. Aber da werde ich bei Gelegenheit mal Klaus fragen. ;)

Christian sagte jedenfalls auf die Frage, warum es keine (oder nur sehr wenige) Serien nach diesem Vorbild gibt, dass das seiner Ansicht nach wohl am Aufwand der Planungsunsicherheit und am Budget läge. Endlosserien mit fortlaufender Figurenentwicklung erforderten es ja, den Plot im Vorhinein genau den Episoden zuzuordnen und somit genau zu wissen, wie viele Episoden benötigt (und produziert!) werden.

Das wiederum erfordere eine Sicherheit und geistige Vorarbeit seitens des Autorenteams oder redaktionellen Masterminds, die finanziell im Segment Heft nicht (oder nur in seltenen Ausnahmen) erbracht werden könnten. Serien mit relativ unzusammenhängenden Einzelabenteuern Marke „Jerry Cotton“ und „Lassiter“ wären da seines Erachtens nach deutlich leichter zu realisieren, da sie eine derartige Vorplanung bzw. Projektbegleitung in dem Maße nicht erforderten.

Das sehe ich nicht ganz so: Es wäre nicht nötig, als Endlosserie vorzuplanen. Lediglich Staffeln (die bei britischen Serien z.B. auch oft nur auf 6-7 Folgen ausgelegt sind) müssten geplant werden – und das ist überschaubarer Aufwand und kann als Vorarbeit gemacht werden. Sagen wir so: Enterprise hat auch niemand schon bei Folge eins bis zur Folge 138 vorgeplant. Ich denke, mit einem Staffel-Format ließe sich da einiges Brauchbares entwickeln, ohne den finanziellen oder aufwandstechnischen Rahmen zu sprengen. Es gibt heute Online-Wikis als Arbeitsmittel. Um nur ein Hilfsmittel zu nennen.

Heftromane sind wirklich ein interessantes Medium.
Ich habe allerdings das Gefühl, als würde hier eine Menge Potential verschenkt.

Auf Kommentare wäre ich wirklich gespannt. Ich lasse mich gern eines Besseren belehren!

PS: Um es nochmal deutlich zu sagen (weil’s im Text wohl untergegangen ist):

Ich weiß, dass die Gestaltung eines Zeitschriften- und Magazincovers deutlich anders aussieht, als die eines Buchtitels – und vor allem, dass sie sich deutlich von der der in diesem Artikel als Platzhalter verwendeten Kino-Plakate.

Ich habe mein Diplom zum Thema Editorial-Design gemacht, also Magazingestaltung und danach ein Kunstmagazin herausgegeben. In diesem Zusammenhang habe ich mich geschätzte zwei Monate mit Covergestaltung auseinandergesetzt (und das gleiche nochmal mit Lese-Typografie und -Psychologie).

Die Plakate sind lediglich als schnelle Ansichts-Beispiele für die allgemeine Anmutung verwendet. Eine Zeitschrift – und zu diesen zählen Heftromane in diesem Fall – wird in der Regel in Verkaufsständern (oder aber gestaffelt in Regalen) präsentiert, so dass es beinahe unabdingbar ist, den Titel (und auch den Vermerk über die Ausgabe) oben zu platzieren. Außerdem muss (ganz im Gegensatz zur sonst sinnvollen Platzierung) das Logo links oben stehen, da das die in Regalen/Ständern sichtbarste Stelle ist. Bei Briefpapier ist das übrigens rechts oben. ;)

Auch Inhalts-Teaser, also in der Regel Schlagzeilen, stehen deshalb auf diesen Titel links – einfach weil sie bei der Staffel-Präsentation im Regal dann noch halbwegs zu sehen sind. Die rechte Seite ist durch die Nächsten Zeitschriften fast immer komplett verdeckt. Gewisse Vorgaben gibt es auch hinsichtlich der Preisangaben, des Barcodes und einiger anderer Angaben, die auf dem Titel erscheinen müssen (oder psychologisch zumindest sollten). All das muss beachtet werden, wenn der Titel nicht schon in der Verkaufsstelle scheitern soll.

Ganz so, wie die verwendeten Kino-Plakate könnten Titel also sicher nicht aussehen, weil sie damit jeglicher gebotenen Verkaufspsychologie widersprechen würden. Was nie sinnvoll ist. Bleibt dennoch der Fakt, dass beinahe allen derzeit erhältlichen Heftromanen, insbesondere aber neuen Produkten ein Facelifting wirklich dringend gut tun würde. Ja, nach den Regeln des Editorial Design. Das versteht sich von selbst. ;)

Nachtrag: Hier geht’s zur Fortsetzung des Artikels.

11 comments for “Heftromane, willkommen im neuen Jahrtausend

  1. Nadine
    10. Januar 2011 at 09:44

    Morgen Tom!

    Da hast du deinen Link: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,5129.msg205183.html#msg205183

    ;-)

    Über Netblog kommen übrigens so viele, weil sie über Facebook kommen und es ist echt schwer, dann einen Link zu erhalten, der nicht wieder über Netblog führt.

    Grüße,
    Nadine

  2. Tom
    10. Januar 2011 at 12:15

    *gg* Danke fein. Das war aber wirklich Zufall. Ich schwöre.

    Interessanter Link von dir übrigens.

    http://www.zeit.de/campus/online/2008/07/groschenroman-seminar

    Das mit Netblog ist mir schon klar. Finde es aber trotzdem ein sehr hilfreiches Tool.
    Wobei ich das mit dem Link eigentlich einfach finde. Zumindest bei mir hat Netblog oben rechts einen deutlichen Vermerk: „Remove this Frame and go to… . Womit man dann direkt auf der Seite ist.

    • Nadine
      10. Januar 2011 at 12:24

      Sehe ich wie jemand aus, der sich alles durchliest, bevor sie irgendwo draufdrückt? ;-)

      Den Artikel habe ich im Tz damals schon verlinkt und jetzt wieder, da ein Mitglied überlegt, Heftromane zu schreiben. Diese Respekt gegenüber dem Leser finde ich absolut wichtig und man kann es Autoren, die „Mal eben ein bisschen Heftroman schreiben“ wollen nur absolut empfehlen, den Artikel zu lesen.

  3. Tom
    10. Januar 2011 at 14:51

    Um mal ein paar Beispiele für eigentlich sehr schnell gemachte, covertaugliche Grafiken zu bieten, habe ich grad mal in meinen Favourites-Ordner auf Deviantart geschaut:

    Das hier ist – wie der Künstler sagt – aus lizenzfreiem (also kostenlosem) Stock-Material entstanden und so wie es dort steht, dürfte es nicht mehr als eine Stunde Arbeit in Anspruch genommen haben.
    http://geodex.deviantart.com/art/Doctor-Who-177016612
    Mit einem bereits einmal angelegten Pool an geeignetem Material geht das sogar noch deutlich schneller.
    Es ist nur ein Arbeitsentwurf – und trotzdem deutlich besser als vieles, was als Cover für Heftromane auch derzeit noch verwendet wird.

    Ohne allzu sehr zu suchen:

    ca. 30 Minuten: http://geodex.deviantart.com/gallery/#/d2l6fay
    speedpaint 1h: http://atomhawk.deviantart.com/art/Future-City-Speedpaint-WIP-156912745
    speedpaint < 1h: http://nachoyague.deviantart.com/art/SPEEDPAINT-Night-landscape-65835776
    speedpaint 1h:
    http://atomhawk.deviantart.com/art/Airbase-Speedpaint-One-156912421
    Speedpaint 1,5 h: http://randis.deviantart.com/art/This-might-hurt-a-little-139291386
    2-3h: http://lolita-art.deviantart.com/art/Maureen-van-Mortis-96883363

    Auch eine sogenannte „Konzept“-Zeichnung:
    http://markothesketchguy.deviantart.com/gallery/#/d339i8s

  4. 12. Januar 2011 at 15:16

    Interessant. Genau das thematisierte ich fast zeitgleich im Horror-Forum: http://www.horror-forum.com/p92664-was-mu%C3%9F-eine-neue-heftromanserie-k%C3%B6nnen-damit-ihr-sie-lest.html#post92664

    Heftromane hätten sicherlich bessere Verkaufszahlen, würden sie moderner präsentiert werden.

  5. Tom
    12. Januar 2011 at 16:01

    Danke, Georg, wirklich interessant!

    Das werde ich mir heute Abend mal in ruhe komplett durchlesen!
    Meine Themenbetrachtung hat übrigens mit Bernd Perplies und Christian Humberg noch eine Fortsetzung auf facebook gefunden. Eine Wiedergabe hier:
    http://www.achronos.de/tom/2011/01/heftromane-die-diskussion/

  6. Pingback: Anonymous
  7. buecherkamel
    25. September 2012 at 15:47

    Hast du eigentlich noch alle Latten am Zaun??

    Genau diese Modernisierung ist es, die mich aufregt. Wenn ein Cover auf dem Sinclair nicht gemalt, sondern computeranimiert ist… das kann doch wohl nicht dein Ernst sein??

    Vergleiche mal die schöne alte Optik von Professor Zamorra mit der hässlichen neuen ab Band 1000. Das findest du schön?? Ich habe nach 10 Jahren aufgehört, diese Serie zu lesen.

    Und by the way: ich bin 24 Jahre…

    • Tom
      25. September 2012 at 17:11

      Betreff der Latten: Ich fürchte, nein. Ich bin leider nicht im Besitz eines Lattenzaunes.

      Was Professor Zamorra angeht, muss ich dir zustimmen – auch die neuen sind ziemlich hässlich.
      Was allerdings nicht an der Computerisierung liegt (‚computeranimiert‘ kann es ohnehin nicht sein, da Animation in Printmedien nicht möglich ist), sondern schlicht an verdammt miesen Illustratoren (da ist wohl ziemlich gespart worden).
      Nur zum Vergleich: auch http://fc09.deviantart.net/fs70/i/2012/205/7/7/vampir_by_thienbao-d58i81h.jpg ist komplett am Computer entstanden. Nur eben von einem Profi handgefertigt und nicht von einem Hobbykünstler zusammengeschlampt.

      Davon aber abgesehen ging es ja in meinem Artikel nicht um die stetig schrumpfende Leserschaft, die der alten Gestaltung anhängen (die wird nämlich eher über kurz als über lang ausgestorben sein), sondern über einen Ansatz, eine neue (größere) Leserschaft zu gewinnen, die die Geschichte wieder rentabel macht (und damit am Leben erhält).
      Und die kann man mit den alten Covern sicher nicht zum Kauf animieren. Das Argument bleibt also gültig.

  8. Thomas
    9. Januar 2015 at 13:04

    Schöner Artikel, gerade erst drauf gestoßen.
    Mal kurz weg vom Thema grafische Gestaltung, weil es auch angesprochen wurde:
    Was die Planung und Weiterentwicklung angeht: nicht nur bei Perry Rhodan gab/gibt es das. Auch für den DÄMONENKILLER wurden bereits in den 70er Jahren Exposès geschrieben, die die Handlung über eine gewisse Zeit immer vorausgeplant haben.
    Diese Serie läuft ja beim Zaubermond-Verlag weiter; über 70 Buchausgaben sind da inzwischen erschienen! Seit dem 32. Buch mit neuen Texten.
    Sehr interessante Horror-Serie, die schon in den 70ern ihrer Zeit ein ganzes Stück voraus war. Wäre eine geniale Sache, wenn sich da ein Produzent finden würde, der das kongenial als TV-Serie umsetzt.

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