Things that go LARP in the night

Von toten Gentlemen, LARP-filmen, LARP-Drohungen und Demo-LARP (im Sinne von „Test-LARP“, nicht im Sinne von „Polizisten vs. Stuttgart21-Gegner“).

Fangen wir mit den Dead Gentlemen an:
Die haben nämlich, nach The Gamers und The Gamers 2: Dorkness Rising jetzt ein neues Schmuckstück namens „JourneyQuest“ laufen. Übrigens mit einer Figur, die ich nicht nur von der Anlage her sehr Rincewind-ähnlich finde. Perf, der gelbberobte Protagonist, sieht meiner Meinung nach auch wie die perfekte Besetzung für Rincewind aus. Wesentlich besser als die Wahl in „The Colour of Magic“. Auf jeden Fall macht aber auch der neue Episodenfilm Spaß, auch wenn er nicht mehr den Wechsel zwischen Spieler nund Spielfiguren beinhaltet, wie in „The Gamers“. Lohnt sich für den spieler, dort mal reinzuschauen. Die Jungs werden immer professioneller.

httpv://www.youtube.com/watch?v=P8h3Qoxzd8I

Was bei Dead Gentlemen Productions nur aussieht, wie (gut gemachtes) LARP (also Live Action Role-Playing), das wird in gleich zwei Filmen der jüngsten Zeit selbst thematisiert:

Der erste der LARP-Filme ist der kanadische „The Wild Hunt“, den ich mir letzte Woche angesehen habe. Unter den LARPern heiß diskutiert bin ich allerdings der Ansicht, dass er die Aufregung nicht lohnt. Er weicht zu sehr vom üblichen LARP-Schema ab, um ein schlechtes Licht auf die Szene zu werfen – und er ist zu unentschieden gemacht, um einen weit verbreiteten eindruck zu hinterlassen.
Kurz der Inhalt: Ein Nicht-LARPer (also einer, der mit dem Ganzen Thema noch nichts am Hut hatte) reist seiner Freundin auf eine Veranstaltung nach, um sie für sich zurück zu gewinnen. Vor Ort wird er gezwungen mitzuspielen, um überhaupt bis zu ihr vorzudringen. Was ihm dann nur mit der Hilfe seines völlig in seiner Rolle lebenden Bruders gelingt. Als sich die Ex-Verflossene bereit erklärt, mit ihm abzuhauen, drehen einige der Spieler durch, identifizieren sich vollens mit ihren Rollen als finstere Krieger und das ganze endet in einer hässlichen Gewaltorgie. Das Blöde am Film ist, dass er inkonsequent ist. Die erste Hälfte ist eine herbe Komödie, die zweite ein skaninavisch düster-blutiges Gewaltdrama. Das passt nicht. Muss man nicht unbedingt schauen. Wertung: 5 von 10 Punkten.

httpv://www.youtube.com/watch?v=WENre45f13c

Anmerkung: Der deutsche Trailer ist so extrem mies synchronisiert, dass ich davon Gänsehaut bekomme. Der bekommt gleich noch 1.5 Punkte Abzug!

Der zweite Film zum Thema LARP kommt erst.
Das sieht eher nach einer Komödie der seichten Art aus: Unicorn City, der im Trailer eher ein wenig wie „The Ring Thing“ wirkt (hoffentlich aber besser ist), und garantiert kein blutiges Drama zu werden versucht.
Leider sieht er ein wenig so aus, wie ich selbst LARP erlebt habe – was also echte Liverollenspieler wiederum eher abschrecken wird. Aber als quasi-Außenstehender kann ich mich zumindest über die eine oder andere Szene im Trailer schon amüsieren.

httpv://www.youtube.com/watch?v=X0PBg2W8_-g

Die Drohung zum Thema LARP ist, dass mich gleich mehrere Leute im kommenden Jahr zwangsverlarpen wollen. Indem sie mich zum Beispiel auf das COM (Conquest of Mythodea, das größte deutsche Live-Rollenspiel-Lager mit mehreren Tausend(!) Spielern) schleifen wollen. Gut, in einem Fall auch zu einem Zombie-Larp in einer Ex-NVA-Kaserne in Meck-Pom, aber da fürchte ich, dass es realistischer ist, als mir lieb ist. ;) Das CoM, von eingefleischten LARPern auch „Gewandungsgrillen“ genannt, ist eine Großveranstaltung, zu der sich viele Leute gleich eine ganze Woche Urlaub nehmen, um im hintersten Saarland mal so richtig den Ork zu geben. Aber vielleicht lasse ich mich ja tatsächlich breitschlagen, 15 Jahre nach meinem ersten LARP-Versuch noch mal einen Ausflug dorthin zu machen. Und wenn auch nur aus Recherchegründen. Ob man das als Autor eigentlich als Arbeitsaufwand von der Steuer absetzen kann? Ich muss mal mit meinem Steuerberater reden…

httpv://www.youtube.com/watch?v=IRIzWuxn6Fw

Was mich zum letzten Thema bringt: Demo-LARP

Wer  wie ich doch ein wenig unentschlossen ist, ob ihm oder ihr das Thema LARP, also das Live-spielen in Voll-Kostümierung (jaja… „Gewandung“. Es sind trotzdem Kostüme) für gleich mehrere Tage zusagen könnte, der hat neuerdings die Möglichkeit, das auch mal kurz auszutesten.
Beim Stichwort „Demo-LARP“ hatte ich zwar zuerst an das Nachspielen von zünftigem Demonstrations-Schlachtengetümmel mit verteilten Rollen (Linker schwarzer Block, Rechte Schlägertrupps und Polizeieinheiten dazwischen – für die ganz harten auch „unbeteiligter Passant zwischen den Fronten“) gedacht. Ich musste mich aber von Sabine Simmet, einer Veranstalterin aus Wien, eines Besseren belehren lassen.

Demo-LARP bedeutet, dass man auf einer Veranstaltung kurze LARP-Sequenzen spielt – wobei jeder die Rolle einnehmen kann, die er am liebsten spielen möchte. Das bedeutet vor allem: Genre-übergreifend und -unabhängig.
Zum einen soll das eine Möglichkeit bieten, mal kurz überhaupt erst einmal in eine Verkleidung… Verzeihung… Gewandung zu schlüpfen und zu sehen, ob man mit dieser Art … hm… Improvisations-Theater-Spiel-Dingens etwas anfangen kann. Es kann ja sein, dass man sich, selbst als Rollenspieler (also einer der es am Tisch als „Pen&Paper“ oder auch am Rechner als MMORPG-Spieler) so gar nicht mit der persönlichen Darstellung seines Spiel-Charakters unter vollem Körpereinsatz anfangen kann. Und wenn man dann gleich ein ganzes Wochenende auf einer solchen Veranstaltung festsitzt und leicht mal ein paar Hundert Euro für Ausrüstung und Veranstaltungsbeitrag ingeblättert hat, wäre das ziemlich frustrierend.
Auch für den schon eingefleischten LARPer kann das aber eine gute Möglichkeit sein, mal schnell für eine recht kurze Zeit eine völlig neue Rolle oder ein komplett neues Setting auszuprobieren. Das spart Zeit, Geld und Frust.
Und schließlich können sich (theoretisch – wem das nicht gerade zu peinlich ist) auch Freunde und Verwandte mal in Kurzform so ansehen, was man „da so macht“.

Soweit kann ich mir das vorstellen. Denn auch beim Table-Top, Tisch-Rollenspielen (Pen&Paper), Trading Card Games oder aber sogar bei klassischen Brettspielen gibt es ja auf diversen Veranstaltungen von der „Role Playing Convention“ (RPC) bis hin zu den „Internationalen Spieletagen Essen“ derartige Test-Spiele schon längst. Das kann also durchaus der erste Zugang zu einem neuen Spielsystem sein.

Um dieses „Crossover“-Szenario jedoch überhaupt einigermaßen logisch zu bewerkstelligen, wird der Plot (also die Handlung) meist in eine andere Dimension oder in einen Traum verlegt. Damit sind Begegnunen zwischen Figuren aus der Potter-Welt mit Leuten aus dem Star-Trek-Universum und den üblichen Verdächtigen aus der Fantasy trotzdem machbar.

Die Organisatoren des Demo-LARP beim Spielefest im Austria Center Vienna in Wien nennen das deshalb auch den „Marktplatz zwischen den Welten“. Schon im letzten Jahr haben sie damit erstaunlich gute Erfahrungen gemacht. Etwa 20-30 neue Spieler (der klassische „Newbie“) werden laut Sabine an einem Demo-Larp-Tag „durchgeschleust“. Jeder dieser Spieler bekommt einen vorgefertigten „Blitz-Charakter“, eine rudimentäre Gewandung und einen Schubser in die richtige Richtung und sind schon mitten im Plot.
Für diesen bedienen sich die Wiener bei den klassischen Elementen eines „richtigen“ LARPS: Rätsel, Schrift, Sprache übersetzen,
Artefakte finden und anwenden, Schnitzeljagd – all den Elementen, die Genre-übergreifend umsetzbar sind. Damit kommt natürlich das „traditionelle“ LARP-Element Kampf ein wenig kürzer als sonst vielleicht üblich. Aber das könnte viele der „Neuen“ auch noch ein wenig überfordern und wäre in der Kürze der Zeit weder sinnvoll noch Gefahrenfrei zu bewerkstelligen.

Der Schwerpunkt liegt stattdessen auf Interaktion: Die gesamte Geschichte, die sich in diesem Jahr auf dem Spielefest über 2 Tage erstreckt, besteht aus einer Vielzahl von unterschiedlich schweren „Plot-Splittern“, die von den „Neuen“ im Zusammenspiel mit erfahrenen Spielern gelöst werden müssen. Diese Teile sind dafür so ausgelegt, dass die Lösungsreihenfolge egal ist und auf jeden Fall in einem gemeinsamen Finale münden.

Wie gesagt: Im letzten Jahr hat diese Veranstaltung in Wien so gut funktioniert, dass sie in diesem Jahr zum zweiten Mal auf dem Spielefest stattfinden wird: mit mehreren Runden und einem „kleinen finale“ am Samstag und einem „großen Finale“ am Sonntag.  Außerdem überlegen die Organisatoren bereits, das Konzept im kommenden Jahr auch auf der RPC anzubieten.

Wer sich für den ganzen Spaß interessiert, der kann sich das wie gesagt, so er zufällig in Österreich weilt, am 20. und 21. November auf dem Spielefest in Wien ansehen. Oder sich gleich auf Facebook dafür anmelden. ;) Fotos vom letzten Jahr dazu gibt’s übrigens hier.

Wie erwähnt – ich bin mir nicht sicher, ob LARP was für mich ist.
Ich bin mir auch nicht sicher, ob Demo-LARP was für mich ist (und nachdem meine Haare ja ab sind, könnte ich nicht mal mehr einen linksradikalen Bombenleger-Elfen spielen…). Ich kann mich an Mülltüten-Improvisations-Larps auf dem NURD in Nürnberg erinnern (mit Gänsehaut und selbst-distanziertem Fremdschämen). Ich kann mich an das Beworfen-Werden mit Softbällen erinnern und bin mir einfach nicht schlüssig darüber, ob ich das ernst genug nehmen könnte. Da ich aber Ende November ohnehin nicht in Wien sein werde, stellt sich zumindest in diesem Jahr die Frage nicht mehr.
Und nächstes Jahr auf der RPC… na, wenn Mythodea nicht klappt, kann ich es mir dort ja vielleicht ansehen. Mit Betonung auf ansehen. Denn so erfolgreich und für viele hilfreich das Konzept auch sein mag: persönlich kann ich mir unter „Boba Fett meets Harry Potter vs. Legolas and the Supergirl“ nur als etwas extrem Albernes vorstellen. Ich habe da irgendwie „Dorkness Rising“ vor Augen. Aber hey – ich bin ja auch kein LARPer. *g*

httpv://www.youtube.com/watch?v=DvH4PskPZ4M

1 comment for “Things that go LARP in the night

  1. TPF
    11. November 2010 at 12:39

    Mensch, Tom, ich glaube, den Zombie-Con würdest Du nicht albern finden! :-) Was das Demo-LARP betrifft: Auch auf „normalen“ LARPs kann man sich (vor allem als NSC) für den ersten Auftritt auch erstmal mit Kostümen aus dem Fundus oder von anderen LARPern aushelfen, niemand verlangt von einem Anfänger hier ernsthafte Investitionen. Ist nicht wie bei Apple! ;-)

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