Schreibblockade und verbotene Archäologie

Zwei Themen beschäftigen mich heute. Zum einen, dass es bei mir seit einer Woche klemmt, was das Schreiben angeht. Zum zweiten, dass die Seite des Kopp-Verlages, meines Lieblings-Lieferanten für kreative „Sachbücher“ zumindest vorübergehend nicht mehr erreichbar ist.

Bei letzterem ist mir gerade erst aufgefallen, dass ich neuerdings die immer wieder amüsanten doppelseitigen Anzeigen dieses Verlages in der ADAC-Mitgliederzeitschrift vermisse.

Welches Thema auch immer, Kopp hat die passenden, fundierten Fachbücher:
Geheime Echsenstädte unter dem Himalaya? Check. Gen-Labore in der Cheops-Pyramide? Vermutlich auch Check. Kostenlose Energie durch Perpetuum Mobile? Check. Die gesammelten Werke von Erich v. Däniken? Ganz definitiv Check. Alien-Landebasen, Bibelcodes, Weltregierungsverschwörungen, Marsianer, Mumien, Monster, Mythen, Militärprojekte, Maya, Mikroben, Magnetismus? – Was immer man an wissenschaftlichem, grenzwissenschaftlichen, zumindest aber pseudwissenschaftlichem Fachmaterial sucht – man findet es mit großer Wahrscheinlichkeit bei Kopp.
Ob der … na, sagen wir „alternativ Denkende“ David Icke mit seiner von telepathisch gestaltwandelnden Echsen unterwanderten Weltverschwörung, Jan van Helsing mit seiner Cheops-Lüge (und natürlich seiner Weltverschwörung) oder Eva Herman als Blog-Autorin – sie alle sind hier beheimatet und in guter Gesellschaft. Da finden wir „Die letzten Jahre des Euro“ neben dem „Lexikon der verbotenen Archäologie“, die „Maya-Prophezeiungen für das Jahr 2012“ (auch wenn Kopp-online vorsorglich berichtet, dass sich da jemand um 208 Jahre verrechnet hat. Was im Übrigen jeder Hobby-Astronom längst wissen müsste) neben Nahrungsergänzungen wie „9-fach gebranntem Bambussalz“. Und natürlich fehlen die neuesten Informationen zu „Tachyonen, Orgonenergie, Skalarwellen“ nicht im Reigen des Wissens, das uns die Welt der traditionellen Wissenschaften (die mit den verifizierbaren Beweisen, nicht falsifizierbaren Versuchen und den lästigen Doppelblind-Studien, ihr wisst schon) verschweigen will.

Nein, im Ernst, ich mag meinen Kopp-Verlag. Wenn ich Recherche-Material für Fantasy, Mystery oder SciFi benötige – ich finde das seit Einstellung der Cryptozologenseite vor 8 Jahren den besten Fundus an wirklich abgedrehten Ideen.
Eine wichtige Feststellung, die ich dabei immer wieder treffen kann: Viele Ideen sind so abgedreht, dass sie in einem fiktiven Roman niemand schlucken würde und sich somit kein Verlag finden ließe. Das sind die, über die man dann nur ein Fachbuch schreiben kann.
Oder eine Religion gründen, wie man am Herrn Hubbard sehen kann. Als SciFi-Autor war er wirklich nur mäßig erfolgreich. Den gleichen unausgegorenen Quatsch als Pseudo-Religion verkauft brachte ihm Millionen. Warum Kopp lediglich den Slogan „Bücher, die Ihnen die Augen öffnen“ führt und nicht etwas in der Art von „The truth is in here“ ist eigentlich erstaunlich.

© www.xkcd.com - A webcomic of romance, sarcasm, math, and language.

Um so trauriger, dass nicht nur die Anzeigen von Kopp (auf die ich mich jedesmal besonders freue) gerade fehlen, sondern auch ihre Verlagswebseite seit einiger Zeit von größeren Erreichbarkeitsproblemen geplagt ist. Aber vermutlich will irgendeine Regierung (oder ein Geheimdienst) niht, dass irgendeine Wahrheit ans licht kommt, die in ihrem Verlagsprogramm verborgen ist. Gemein aber auch.
Erinnert mich aber daran, dass derzeit nachts wieder „Akte X“ läuft. Immer noch eine ziemlich ungeschlagene Serie, wie ich finde. Zumindest die alten Folgen. Auch wenn ich „Fringe“ mag – irgendwie kommt auch diese Serie da nicht ran.

Das zweite Thema, das mich heute bewegt hat (zumindest bis gerade): Schreibblockade.
Und damit meine ich nicht meinen Blog (auch wenn ich heute bisher uncharakteristisch niedrige Zugriffszahlen hatte. Die niedrigsten seit Bestehen, um genau zu sein. Nämlich 9), sondern das Problem, dass mir das Schreiben gerade immens schwer fällt. Ich habe gerade 3 unterschiedliche Roman-Projekte, die alle meiner Aufmerksamkeit bedürften. Und bei keinem komme ich weiter.

  • Projekt 1 klemmt an einer Schlüsselstelle, nämlich der Auftragsvergabe, die auch entscheidet, wer in Zukunft zur Protagonistengruppe gehört und warum. Ich habe bereits ein gutes Dutzend Ansätze verbraten und komme doch nicht in die Szene. Die Teile danach stehen und gehen voran – aber hier klemmt es und das wurmt (und bremst) mich.
  • Nummer 2 (eigentlich eine Kurzgeschichte) klemmt im Einstieg.Das wäre nicht so tragisch, wäre es nicht an eine Art Abgabetermin gebunden, der nun mal, wie es so deren Art ist, unaufhaltsam näher rückt.
  • Nummer 3 hängt an einem Planungsdetail, das essentiell für die Grundstruktur ist:
    Ich weiß zwar, wer die Haupt-Antagonisten sind und warum. Ich weiß aber  auch, dass es noch andere Antagonisten gibt, die quasi die andere Gruppe erst dazu zwingen, die Antagonisten zu sein. und ich kann mich verdammt noch mal nicht entscheiden, was das für ein Verein ist. Genau das benötige ich aber schon relativ früh.

Eigentlich ist das alles nicht so tragisch – aber zusammen mit anderen Arbeiten, die sich so über en Tag häufen ergibt das jenen seltenen aber um so hässlicheren Zustand, dass ich letztendlich gar nichts schreibe. Außer Blog-Einträge. Was auch nicht hilfreich ist.
Deswegen Schluss für heute.

5 comments for “Schreibblockade und verbotene Archäologie

  1. 13. November 2010 at 23:10

    Das Problem mit den ganzen Grenzwissenschaften ist, finde ich, dass das ganze brauchbare Zeug schon in irgendwelchen Romanen, Filmen, Computerspielen … usw. verwendet wurde und langsam alt wird.

    Und zu Schreibblockaden: Ich bin im Moment dabei, mir so eine Art Checkliste zu machen, um rauszufinden, warum eine bestimmte Szene klemmt. Folgende Möglichkeiten habe ich:

    – Irgendwo vorher in der Handlung passt was nicht.
    – Ein Charakter soll Dinge tun, die seinem Charakter widersrpechen.
    – Ein Charakter ist zwar cool, passt aber nicht in die Geschichte.

    OK, das ist noch keine sehr lange Liste, aber vllt trifft eine dieser Möglichkeiten ja auf eine deiner Schreibblockaden zu.

    • Tom
      13. November 2010 at 23:31

      Och, das mit den Grenzwissenschaften ist eigentlich noch gar nicht so abgegrast. Das Feld ist weit. Die „Involution“ (Als vehemente Gegnerin sowohl der Evolutionstheorie als auch des Kreationismus. Auch: multidimensional-metaphysische Theorie) war mir zum Beispiel neu. Und einen Thriller rund um Chem-Trails und die Rockefeller/Bill Gates‘ Armageddon-Arche auf Spitzbergen gibt’s meines Wissens auch noch nicht. ;)

      Was das Blockade-Problem angeht: Danke. Geprüft, jedoch alle drei Möglichkeiten leider ausgeschlossen.
      Schon wahrscheinlicher hingegen ist mein altes Problem mit dem Voraus-Plotten: Zuviel Plotten behindert mich schon immer im Schreiben. Am leichtesten schreibe ich, wenn ich nicht weiß, was in der Geschichte noch passieren wird. Was hier in allen Fällen leider nicht so ist. Alle drei Geschichten sind ziemlich detailliert durchgeplant. Hm…

    • Tom
      15. November 2010 at 01:35

      Okay, zumindest in der einen Geschichte mit dem fehlenden Gegner habe ich das Problem lösen können. Und zwar mit einer Abwandlung der dritten Möglichkeit:
      „- Der Gegenstand ist cool, passt aber nicht.“

      Ein wichtiges Element war bislang ein gestohlenes Schmuckstück, das sich im Besitz des Protagonisten befinden sollte (von ihm selbst nur ererbt) und hinter dem 2 Antagonistengruppen her sind. Ersetze ich das Schmuckstück jetzt durch ein Werkzug, dann ergibt das plötzlich einen Sinn, aus dem sich auch die Identität des fehlenden „Endgegners“ ableitet.
      Drauf gekommen bin ich übrigens durch eine nebensächliche Redewendung in Gesa Schwartz‘ GRIM.
      So kann’s gehen.

  2. Olli
    16. November 2010 at 09:20

    Meine Methode gegen Schreibblockade ist: Erstmal schlecht schreiben. Mach eine kurze, ungenügende Szene und arbeite danach weiter. Freundliche Damen und Herren werden sie hinterher schon irgendwie retten …

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