Muss Satire weh tun?

Eine Behauptung, die der Titanic-Herausgeber Martin Sonneborn heute Abend in Bayern 3 zum Besten gegeben hat, war: „Satire muss weh tun.“
Da frage ich mich doch – stimmt das wirklich? Klar, gelegentlich geht die Titanic an Schmerzgrenzen – und sie sind besonders stolz, wenn sie darüber hinaus gehen können. Aber ist das wirklich eine Bedingung für gute Satire?

Ich glaube ja, dass das nicht der Fall ist. Auch wenn ich mich wiederhole: Ich halte, wie viele Leute, z.B. Terry Pratchett für einen wirklich guten Satiriker. Nur finde ich bei ihm, sieht man mal von ‚Small Gods‘ ab, so gut wie nichts, was weh tut – und dennoch trifft es meist ziemlich genau.

Vielleicht ist das aber auch ein Unterschied zwischen guter, geschliffener Satire und plumpem, marktschreierischem Beschimpfen von Leuten, wie es die Titanic in letzter Zeit leider allzu häufig praktiziert. Andererseits – vermutlich sollte ich Herrn Sonneborn glauben, der immerhin seinen Magister über das Thema ‚Satire‘ geschrieben hat. Er weiß davon sicherlich mehr als ich. Auch wenn er sich in diesem Interview (auf Bayern 3, bei Thorsten Otto) nicht gerade als schlagfertiger Satiriker und nur als ungenügend guter Einstecker präsentiert hat. Das muss man Herrn Otto lassen: Den Sonneborn, den Alzmann und Westermann bei ‚Zimmer frei‘ mit geschliffen-feinsinnigem Humor nicht in den Griff bekommen konnten, den hat der Bayern-3-Moderator recht gekonnt mehrfach gegen seine eigene Wand laufen lassen.

Ich glaube ja, Sonneborn verwechselt Satire mit Zynismus. Der ist aber nur ein kleines Werkzeug auf der großen Klaviatur des Satirikers. Und wenn er dann sagt, dass er privat eigentlich genauso sei, wie in der Öffentlichkeit, wo er gern den „Arsch“ (sagt er, nicht ich) darstellt, dann habe ich Hoffnung, dass selbiger nur dazu passende Ausscheidungen von sich gegeben hat, was seine Definition von Satire angeht.

Die Titanic hat feine Satire gemacht, keine Frage (Ja, ich finde „Zonen-Gabi“ sogar immer noch amüsant). Aber das haben andere Leute auch. Ohne wirklich zu beleidigen.

In diesem Sinne freue ich mich schon auf Luise Kinseher, der ersten Fastenpredigerin beim Politiker derbleck’n am Nockherberg. Das wird weh tun, klar. Das tut die Wahrheit gelegentlich. Trotzdem wird es hoffentlich ein wenig eleganter als Sonneborn. Wobei das so schwer nicht ist.

Wie auch immer – noch mal als Frage: Muss Satire weh tun?

3 comments for “Muss Satire weh tun?

  1. 16. November 2010 at 21:48

    Sonneborn ist seit einiger Zeit nicht mehr bei der Titanic, sondern macht „Spiegel Spam“.

    Ja, muss weh tun. Mir ist ein hausgemachter Zyniker immer noch lieber als irgendwelche Salon-Satire, die amüsant ist, aber nicht aneckt. Dann lieber Sonneborn. http://www.youtube.com/watch?v=TSy9OPPHbmU

    • Tom
      16. November 2010 at 21:53

      Er macht Spiegel-Spam, macht den Außenreporter der Heute-Show im ZDF (einem unglaublich unlustigen Format, nebenbei gesagt) – und ist heute der Herausgeber der Titanic.
      Was er nicht mehr ist, ist Chefredakteur.

      Zur PARTEI:

      Das tat doch aber nicht weh.
      Das ist lediglich amüsant, für Titanic-Verhältnisse aber harmlos (für Nockherberg-Verhältnisse erst recht).
      Wobei ich mit der Titanic eh so meine Schwierigkeiten habe – irgendwie wirkt sie, als hätten wir immer noch die 80er Jahre.

      Aber okay, eine Stimme für: Muss weh tun.
      *Strich*

  2. 17. November 2010 at 20:46

    Ich erinnere mich dunkel, im Zusammenhang mit etwas Literurwissenschaftlichem mal gelesen zu haben, dass eine der vielen Definitionen von Satire ist, dass sie sich immer gegen etwas richtet. Was dann wohl zwangsläufig irgendwem wehtut, immerhin können sehr viele Leute Kritik einfach nicht ab.

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