Winnetou unter Wer… WAS?!

Okay, Piper, Hand auf’s Herz – macht ihr euch über mich lustig?

Gut, zugegeben, ihr habt unser humoristisches Manuskript zur Fantasy nicht bekommen, wenn ich mich recht erinnere. Andererseits habe ich aber auch diese Büchersendung nicht bestellt. Von Piper warte ich im Moment nur auf Tom Finns „Weißer Schrecken“. Aber das ist mir erst für Ende des Monats angekündigt.

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Ich vermute, irgend jemand bei euch hat gesehen, dass ich „Pride and Prejudice and Zombies“ rezensiert habe – und vielleicht sogar mitbekommen, dass ich „Durchs wilde Kindistan“ lobend erwähnt habe. Und dann ist der- oder diejenige auf die Idee gekommen: Guck‘ mal, der Orgel lies eh so gut wie alles. Der hat einen kruden Humor, schwafelt immer von Parodien und steht auf Sachen von Karl May – dem schicken wir jetzt das neueste Exemplar aus der Reihe „Literatur-Mash-ups mit lizenzfreien Schwarten“.

Aber hey – habt ihr den Klappentext mal gelesen?

Die Geschichte des Westens wird neu geschrieben … Karl May erzählte in seinem Manuskript zu »Winnetou« nur die halbe Wahrheit über den Wilden Westen. Oder wussten Sie, dass Old Shatterhand eine Schwäche für junge Werwölfinnen hat? Dass Apachen den Mond anheulen und sich Bleichgesichter vor dem Sonnenlicht in Särge verkriechen? Wo Geisterindianer den Silberschatz bewachen und Rothäute ahnungslose Touristen skalpieren, beginnen die Abenteuer von »Winnetou unter Werwölfen« …

Äh… Häh?

Ich weiß, ich weiß, humoristische Fantasy lässt sich in Deutschland nicht verkaufen.
Aber Western?! Jahrelang erzählt man mir, dass Western so ziemlich das sicherste Rezept ist, wenn man nicht verlegt werden will. Oder wie Brandon Sanderson sagte: „The only way to make it even more unsellable to any publisher whatsoever is to mix your western with horror.“
Wie also bitte ist es Peter Thannisch gelungen, Winnetou mit Werwölfen zu kreuzen (nach allem, was ich sehen kann: buchstäblich) – und das dann einem Verlag zu verkaufen? Und auch noch, wie es aussieht, als seinen Erstling?!
Liegt es in seiner Biografie („er arbeitete 10 Jahre lang als Lektor in einem großen Publikumsverlag“) begründet?
Oder hat man mir bislang Fehlinformationen gegeben und man KANN humoristische Fantasy von Neu-Autoren DOCH an große Verlage verkaufen? Und sogar… anderes.

Nein, ich gebe jetzt noch keinen Kommentar zum Buch selbst ab.
Dazu muss ich es erst lesen. Und das werde ich tatsächlich. Einem geschenkten Buch schaut man nicht… also doch… schaut man. Und dann werde ich es rezensieren. Das war doch so gedacht, oder?

Ich hoffe nur – inständig – dass es besser ist, als diese Anderen oder oder auch „Bis(s) einer heult“ von dieser Frau Meier.

Ich hoffe, dass es tatsächlich eine intelligente, witzige Persiflage ist, die Werwölfe, Vampire und Apachen unter einen grandios augenzwinkernden Hut bringt – mit Popkulturreferenzen, cleveren Wortspielen, smarten Seitenhieben, einem bei allem Humor funktionierenden, eigenständigen Plot und einer überraschenden Auflösung. Star Warped von A3R Roberts oder Gil’s All Fright Diner von Martinez haben vorgemacht, dass das geht. Fledermausland von Oliver Dierssen war übrigens auch gut. Und der ist sogar Deutscher (wenn er auch ins Finale eines Wettbewerbs musste, um eine Chance zu bekommen).

Falls das nicht der Fall ist und ihr mich jetzt mit einer dieser windigen Parodien auf „Barry Trotter“-Niveau quält, dann werde ich mich nämlich wirklich verarscht fühlen. Und dann komm ich auf der Buchmesse bei euch vorbei und dreh euch unser „die Helden“-Manuskript an. Und es gibt dann absolut keine Ausrede, warum ihr es ablehnen solltet.

Außer natürlich aus dem Grund, aus dem unser Manuskript bislang abgelehnt wurde: „Intelligente humoristische Fantasy lässt sich in Deutschland leider nicht verkaufen. Außer man ist Pratchett natürlich.“
Wenn ich mich nicht irre, wie Sam Hawkins sagen würde.

8 comments for “Winnetou unter Wer… WAS?!

  1. Tom
    16. September 2010 at 13:36

    Nur als Zusatzbemerkung:

    Der UV-Lack auf dem Schriftzug „Winnetou unter Werwölfen“, der offensichtlich eine Prägung simulieren soll, löst sich ganz furchtbar ab und nimmt gleich die darunterliegende Druckfarbe mit.

    Eine ganz schreckliche Verarbeitung. Wer immer euch erzählt hat, dass man so billig eine Prägung simuliert, der – sollte nochmal scharf nachdenken.

    So sieht mein Exemplar jetzt schon aus wie aus der Grabbelkiste.

  2. 16. September 2010 at 15:27

    Die Antwort, warum dieses Winnetou Ding verlegt wurde und andere humoristische Fantasy nicht, ist ganz einfach: Man wollte auf den „Pride, Prejustice, and Zombies“-Zug aufspringen. Es geht dabei weder um den Humor, noch darum, dass es Western ist, noch um irgendwas sonst, sondern nur darum, dass da wer nen Klassiker nimmt und übernatürliche Kreaturen reinmischt.

    • Tom
      16. September 2010 at 17:00

      Wie ich ja schon sagte.
      Ich hab nur das schöne Neudeutsch „Literatur-Mash-up“ verwendet, mit dem nach P,P&Z so fleißig um sich geworfen wurde.

      Aber laut Horst haben sie ja am Sonntag im Zauberspiegel ein Interview mit Peter Thannisch zu dem Thema. Mal sehen, ob das dann erhellend ist.

    • Tom
      21. September 2010 at 11:58

      Nachtrag 2: Offiziellen Auftrag von Eva von der Phantastik-Couch bekommen, das Teil zu rezensieren. Ich zitiere: „Wem von uns hätten sie das sonst schicken sollen?“

      Äh… danke. Vermute ich…
      *g*

      Also: Rezension von Winnetou unter Werwölfen demnächst auf Ihrer Phantastik-couch. http://www.phantastik-couch.de

  3. 26. September 2010 at 08:20

    Na, da bin ich mal gespannt – auf die Rezension.
    Wüsste nicht, warum eine Klasssiker-Vergewaltigung automatisch gut sein soll?
    Vielleicht wollen sie einfach nur den bekannten Namen ausnutzen – denn damit verkauft sich vielleicht auch etwas nicht ganz so gutes einen Tacken besser?

  4. moorlicht
    28. Oktober 2010 at 10:10

    Kann ich mir nicht denken. Hab das Buch auch in der Hand gehabt und nach Lesen vom Klappentext weggelegt wie ein zu heißes Bügeleisen.

    • Tom
      28. Oktober 2010 at 10:30

      Ja, das war auch meine erste Reaktion – aber ich muss ja Rezensionsexemplare lesen und besprechen – insofern war ich dann doch positiv überrascht. Immer im Kontext, natürlich.
      Siehe meine Rezension für die Phantastik-Couch.

  5. moorlicht
    28. Oktober 2010 at 11:17

    Die Rezension macht jetzt schon fast Lust, sich das Buch doch zu holen. Und zur Not mit meinem Karl May zu vergleichen *g*

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