Verarschen können wir uns alleine!

Der Bürger-Protest gegen Google Earth treibt schon seltsame und oft unfreiwillig komische Blüten.

Der Artikel in der Rheinischen Post ist an sich schon voll genug davon, aber das mit Abstand beste ist wohl das Foto der Personen, die sich vor ihren Häusern haben ablichten und mit vollem Namen vorstellen lassen, um gegen eine Veröffentlichung ihrer Privatsphäre und ihrer Häuser durch Google StreetView zu protestieren.

Das ist Realsatire und ganz großes Kino.

Man müsste der Senioren-Comedy-Gruppe dafür glatt einen Humor-Ehrenpreis verleihen.

Wobei es jetzt, ein paar Stunden später, natürlich fast schon keinen Spaß mehr macht, sich darüber zu amüsieren.
Denn mittlerweile sind die armen Rentner zum Twitter-Hype avanciert und können einem eigentlich fast leid tun. Ernsthaft. Menschen, die mit den modernen Medien und der Vorgehensweise der modernen Presse nicht vertraut sind, werden vorgeführt, weil sie sich genau dagegen wehren. Es war ungeschickt von ihnen. Ungeschickt von der entsprechenden Presse.
Aber langsam wird es beispielhaft dafür, WARUM das so gefährlich ist.
Nicht weil StreetView ein paar Häuser zeigt. Sondern weil noch immer die meisten Leute nicht verstehen, wie das Internet funktioniert.

Das fängt bei ein paar vorgeführten Rentnern an und hört bei Bundestagspolitikern noch lange nicht auf.

Update:

Ergänzend kann ich mich hier nur der Kritik am mangelhaften Journalismus z.B. der Rheinischen Post anschließen, wie sie unter anderen Alvar Freude im odem.blog äußert. Ich kann von ein paar Rentnern nicht erwarten, zu verstehen, was sie sich da eingebrockt haben – aber Journalisten sollten eigentlich wissen, was sie tun. Selbst wenn die betreffenden Personen der Veröffentlichung in diesem Fall wahrscheinlich zugestimmt haben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie nicht wussten, WAS sie da zustimmen. Aber vielleicht wusste es die „Journalistin“ auch nicht. Würde mich nicht wundern.

Update 2:

Diesen Blog-Beitrag zum Thema StreetView und Privatsphäre von Anatol Stefanowitsch sollte man im Übrigen auch mal gelesen haben. Er geht ein wenig mehr in die Tiefe und hat einiges Interessantes zu sagen.

Der einzig wahre StreetView-Protest, der mir dazu einfällt, stammt aus Norwegen.
Wer nachsehen will: Google Maps, „37 Rugdeveien, Bergen Station, Hordaland, Norge„,
Streetview einschalten.

37-rugdeveien-bergen-station-hordaland-norge

4 comments for “Verarschen können wir uns alleine!

  1. sonnja
    13. August 2010 at 11:30

    Ja, find ich auch langsam nur noch traurig.

    Wenn ich die Adresse oben bei Google Maüs eingebe, dann findet das Programm gar nix. :(

    • Tom
      13. August 2010 at 17:00

      Hm, dann probiers mit der Kurzform:

      37 Rugdeveien, Bergen, Norge

      Das funktioniert auf jeden Fall. Viel spaß (auch die angrenzenden Bilder ansehen. Dann wird’s erst richtig gut. ;)

      • Sonja
        17. August 2010 at 11:06

        Hahahaha wie geil!!! Hoffentlich findet sich sowas noch ganz häufig!

  2. Christian
    1. September 2010 at 19:46

    Ach je. Hätte ich gewusst wann der Fotowagen bei uns vorbeifuhr, ich hätte mich als Attila der Hunnenkönig in den Kreisverkehr gestellt. Oder einfach meinen nackten Hintern gezeigt. Etwas für die Ewigkeit. Aber leider, leider… Die Norweger hatten da wohl etwas mehr Glück.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *