Alien-Shrimps, Walter, Schlamm und schlechte Plots

Der Filmkritik- beziehungsweise Rezensionen-Sammelpost.

Weil ich endlich mal dazu komme, aber diesmal nicht unbedingt damit Zeit zubringen muss, jedem der folgenden Filme einen eigenen Post zu widmen, hier einen Sammelpost sehr unterschiedlicher Filme.

Das, was mir in den letzten Wochen und Monaten so über den Weg gelaufen ist (leider nichts davon im Kino), Gutes wie Schlechtes (leider in der Überzahl):

30 days of night

In Ordnung. Ein Vampirfilm der blutigen Sorte, der letztendlich war, was „Alien vs. Predator“ hätte sein können. Was Actionfilme angeht sicher kein Highlight, für einen Vampirfilm der letzten Jahre auf jeden Fall kein Twilight. Unter den Vampirfilmen einer der besseren – auch wenn alle Klischees, von den vorderasiatisch-romanisch sprechenden Vampiren bis hin zum Überleben der Frauen und Kinder an alles gedacht war. einige beeindruckende Szenen sind immerhin dabei (die Luftaufnahme des großen Schlachtens etwa) und auf jeden Fall hat dieser Film einen ordentlichen Renfield. Wenn man keine Erwartungen hat, dann ist er richtig gut.

Ansonsten rund 6,5 von 10 Punkten

Daybreakers
Kein Gattacca, auch wenn Optik und Ethan Hawke die selben sind.
Immerhin ein ausnahmsweise mal intelligenter Vampirfilm, der sich wirklich Gedanken über die Auswirkungen und die moralischen Folgen des Vampirismus macht. Er wirkt tatsächlich wie eine Vampirmischung aus Gattacca, Matrix, Equilibrium, Blade und Bladerunner. Trotzdem ist er ein wenig blutleer, da er einfach nicht konsequent genug in die psychischen und moralischen Folgen geht. Er verschenkt schlicht mögliche Tiefe und die Idee mit der Heilung (zumindest Stage 1) ist eher albern, aber er ist besser als jeder andere der letzten 5-8 Jahre. Und kommt ohne Blade und Glitzern aus.

8 von 10 Punkten (für einen Vampirfilm)

Predators

Adrian Brody frisch im Fitnessstudio aufgemöbelt als Arnold-Nachfolger. Hätte gut werden können (da sie sich endlich wieder auf das Grundkonzept „Zehn kleine Marines im Dschungel“ besonnen haben – hat aber letztendlich trotz hochkarätiger Besetzung versagt. Warum? Weil er zu dicht am Original geblieben ist und im Grunde gar keinen Plot hat. Bzw. einen, der dreist geklaut ist: „Die Jäger des roten Mondes“ von Marion Zimmer-Bradley (1973) erzählt exakt die selbe Geschichte – nur wesentlich besser.
Das wäre immer noch verzeihlich. Nicht zu verzeihen hingegen ist: Zu wenige coole One-Liner. Wenn ich schon sonst nichts von einem Predator-Film erwarte, dann aber doch zumindest das. Selbst Danny Glover im 2. Teil war cooler als alle Figuren dieses dritten zusammen!
Ernsthaft: „Let’s find a way of that fucking planet“ ist ein dämlicher Schlusssatz und hat eine Menge Coolness verschenkt. Was ist denn mit „Ah. Backup.“ oder „Hope, one of those guys has some coffee.*“ ?
Und nicht nur dem Schluss, auch sämtlichen Szenen zwischendrin fehlten die Pointen. Selbst schwache.
Immerhin isr er immer noch um Längen besser als die Alien vs. Predator-Schinken. Was allerdings auch keine Kunst ist.

Fazit: 6 von 10 Punkten

*Idee von Mr. Tayler.

Outlander

Okay, um gleich wieder einen Vergleich zu bringen: Der 13. Krieger (und Eomir) jagen das Pitchblack-Alien alias Grendel.
Aber das erstaunlich gut. Gutes, interessantes Monster (mit gutem Background), ordentliche Tricks, ordentliche (Klischee-) Charaktere, nette Kämpfe der blutigen Sorte, ein paar ordentliche Sprüche (besser also als Predators) – für einen Vikinger-Fantasyfilm wirklich mal sehenswert.

Auch wenn hier Schwerter in wenigen Stunden aus Raumschiffstahl geschmiedet werden, Höhlen die klassische Hintergrundbeleuchtung, Vikinger Streichhölzer, Steigbügel und Öl in Mengen von rund 160 Kubikmetern auf ein Dorf von rund 100 Einwohnern haben. Dafür ist das Problem mit der Fremdsprache ordentlich gelöst und das Ding macht genug simplen Spaß, um sich nicht über Blödheiten im Script zu echauffieren.
Es ist kein 13. Krieger, es ist aber besser als alle bisherigen Grendel/Beowulf-Varianten. Das ist doch schon mal was.

7,5 von 10 Punkten.

Legion

Nette Tricks, blöde Story, dumme Charaktere und selbst mit Vorspulen eher langweilig, weil zu viel dummes, esoterisches Gelaber.
Ich hab kein Problem damit, dass christliche Mythologie hier bis zur Unkenntlichkeit verwurstet wird. Das geht ja allen anderen Mythologien und Religionen auch so.
Aber ernsthaft – ich habe auf ein neues „Gods Army“ gehofft und die Idee hätte das auch hergegeben. Paul Bettany als Erzengel Michael hatte sogar das Potential (wenn auch nicht das von Christopher Walken als Gabriel).
Aber der Rest war einfach dämlich. Trotz ganz guter Tricks. In diesem Fall rechtfertigen die es jedoch nicht, seine Zeit mit diesem Film zu verschwenden.
Ich habe ihn gerafft auf rund 50 Minuten gesehen (dank häufigeren Vorspulens). Man verpasst nichts von der Geschichte und verschwendet trotzdem zu viel Zeit damit. Schaut was anderes.

2 von 10 Punkten (einer für Bettany, einer für die kletternde Oma).

Solomon Caine

Hm. Ich kann mich nicht entscheiden. Der Film beginnt mit grausigen CGI-Stadtansichten und coolen Monstern – die leider im Rest des Filmes nicht mehr auftauchen, was mich völlig enttäuscht hat. Den größten Teil der Zeit hat er aber eine gewisse Coolness mit einer Optik, die an ein dreckigeres, weniger bonbonfarbenes „Van Helsing“ oder Sleepy Hollow erinnert, gute Kampfszenen, fast durchgehenden Dauerregen und Unmengen von Schlamm. Und die seltsame Vorstellung, dass man im Mittelalter so ziemlich jede erdenkliche Stelle bis hin zu kompletten Friedhöfen, mit Stroh ausgelegt hat. Oder dass man das zumindest in Mittelalterfilmen so macht, um etwas besonders trostlos wirken zu lassen. So wie das Tumbleweed in verlassenen Westernstädten.
Dazu, sehr alliterativ, den den perfekten Puritaner personifizierende Pete Postlewaith. Und, wie gesagt, gute Kampfszenen mit realistischen Maneuvern (schön in Beine und Füße stechen und Sehnen und Gelenke durchtrennen, statt immer auf das Schwert des anderen zu hauen). Und hatte ich den Schlamm schon erwähnt? Und den Regen?
Aufhören tut das Ding dann wieder enttäuschend mit einem riesigen CGI-Monster, das aber auch nix weiter tun darf, außer ein wenig nach Balrog aussehen und wieder zu verduften, ohne richtig besiegt worden zu sein.

Kann man sich ansehen.
Trotzdem nur ne 6 von 10 Punkten.

Sherlock Holmes

Fein. Einfach nur fein. Anders, als nach dem Trailer zu erwarten war – aber gerade deswegen noch besser. Denn der Krach-Bumm-Anteil ist dadurch weniger gewesen, als ich befürchtet hatte. Jude Law und der „Iron Man“ Robert downey Jr. sind ein ungewöhnliches, nichts desto trotz hervorragend funktioierendes Holmes/Watson-Team, der Wort- und Szenenwitz ist rund und stimmig, der Plot funktioniert und hat endlich mal einen End-Twist, auf den ich nicht schon nach der Hälfte des Filmes gekommen bin und das Ganze hat ein absolut gelungenes Steampunk-Feeling (ohne echter Steampunk zu sein).
Das Ding könnte ohne Probleme in Steamtown spielen. Und, ganz wichtiges Kriterium: Ich kann ihn sicherlich noch ein bis dreimal sehen, ohne dass er mich langweilt. Großes Kino, im Wortsinn.
Ich will einen zweiten Teil sehen!

9/10 Punkten

X-Men 3 – Origins. Wolverine.

Durchaus in Ordnung, was aber vor allem an Jackman und dem gut dosierten Humor liegt. Hat mir tatsächlich besser gefallen als X-Men Teil 2.
Als Comic-Leser war mir ja die Vorgeschichte nicht unbekannt – und ich finde sie ordentlich für eine Filmform umgesetzt. Wobei mich wirklich am meisten die Einleitungsszene beeindruckt hat, mit der die Jahrhunderte der beiden Brüder Wolverine und Sabertooth bis zur eigentlichen Handlung illustriert werden. Da kommt der Rest des Filmes leider nicht ganz mit. Kann man sich trotzdem ansehen, schon um die X-Men-Serie zu vervollständigen. Allemal besser als Elektra, Daredevil, Fantastic Four, Hulk und wie sie alle heißen. Und reden wir besser nicht von dem unsäglichen Spierman 3, okay?

7 von 10 Punkten.

District 9

Feiner Film. Mit Weltraum-Shrimps, die in Südafrikanischen Ghettos eingesperrt und von Namibianern mit Katzenfutter-Drogen versorgt werden, die sie mit nicht funktionierenden Alien-Waffen bezahlen. Dazwischen der herrlich unbekümmert rassistische, Pullundertragende Beamte Vicus van der Merve, der  unversehens mit Alien-Sprit in Kontakt kommt und dadurch wie weiland Jeff Goldblum zur Fliege mutiert. Bzw. zum Weltraum-Shrimp.

Stört in der ersten Hälfte der etwas dokumentarisch gehaltene Wackelkamerastil noch etwas, wird es in der zweiten um so knackiger (und das ist nicht nur auf Shrimp-Schalen bezogen). Platzende Apartheits-Söldner, Battle-Mechs, Voodoo-Gangster – es ist alles dabei, was man sich von einem Science- Fiction wünscht, von einem amerikanischen aber nicht bekommen wird.
Bleibt die Frage offen, warum die Aliens eigentlich alle so dermaßen strunzdumm sind, bis auf den einen und dessen Sohn, die außerirdische Intelligenz beweisen. Und natürlich die Frage, warum die Söldner den vorgehaltenen Blechschild des Prawn-Genies gleich dutzendfach treffen, die ungeschützen, restlichen zwei Drittel von ihm aber kein einziges Mal.

Kurz gesagt: So hätte man zum Beispiel Cloverfield drehen müssen. Dann hätte ich den sogar fertig gesehen.
Einer der besten Science-Fiction der letzten Jahre – und in seiner politisch völlig unkorrekten Rassenkritik vorbildlich.

9/10 Punkten

Riddick

Hey, ich mochte Pitch Black. Ich hatte bei Riddick was anderes erwartet – aber egal, ich fand ihn skurril (war der jetzt eigentlich von Luc Besson? Es sah so aus…), brachial, bombastisch, natürlich völlig unlogisch (allein der Planet, der tagtäglich von einer Feuerwalze überrollt wird, aber eine mehr als atembare Atmosphäre aufweist und Licht hat, das langsamer läuft als Menschen. Ja ne, is klar).
Aber ich hatte hier garantiert keine Logik erwartet, war und wurde also nicht enttäuscht. Spaß hatte ich trotzdem. Vin Diesel in seiner Paraderolle und herrlich Hahnebüchene Action in einem herrlich hahnebüchenen Universum, das ich so das letzte Mal bei DUNE gesehen habe. Mit sogar noch schöneren Messerkämpfen als dort. Gelungen.

8,5 von 10 Punkten

Iron Man 2

Ich mag ACDC. Das ist kein Geheimnis. und dass sie hier fast den ganzen Soundtrack und ein eigenes Album liefern, gibt schon mal einen Basis-Punkt für gute Musik. Der Film hätte das aber gar nicht nötig. Robert Downey Jr. spielt das zum Superhelden mutierte Arschloch (das immer noch ein Arschloch ist, Nur eben jetzt ein anderes, sympathischeres) geradezu perfekt (hier könnte sich Spiedey mal eine Scheibe abschneiden. SO ist der Spiderman meiner Jugend gewesen, nichtso wie das Weichei, das Tobey Maguires Darstellung aus ihm gemacht hat).
Auf diese Weise setzt er der Rolle in der Fortsetzung tatsächlich noch eins drauf. Und mit einem genial-gruseligen Mickey Rourke als Whiplash ist ein Popcorn-Actionmovie gelungen, der mir tatsächlich mehr Spaß macht, als der zugrunde liegende Comic. Was vielleicht grade mal noch Hellboy 1 geschafft hat.

8/10 Punkte

Serie: Fringe

wozu ich viel eher komme, als zum Film schauen, ist mal eine dreiviertel Stunde Serie. Leider gibt es da nicht viel, was mich zu fesseln weiß. eine ausnahme: Fringe (im deutschen Fringe- die Grenzfälle des FBI“).
Drauf gestoßen bin ich lustigerweise nicht im Fernsehen, sondern erst durch Apple, die irgendwann im Frühjahr mal den Piloten verschenkt haben.
Die Figuren sind fein: die korrekte FBI-Agentin Olivia, der schlitzohrige Abenteurer Pete und der ebenso geniale wie irre Wissenschaftler Walter (Peters Vater), unterstützt durch Olivias coolen, maulfaulen FBI-Partner Charlie, das weibliche Quotenhelferlein Asterix… Aster… Astro… Dingens und Olivias Boss Boyles.
Zusammen lösen sie Fälle, wie einen Bus voller Leute, die in einer Art Gelatine erstickt sind, den selbstentzündlichen Leuten, dem 90jährigen Neugeborenen oder den Killer-Schmetterlingen.

Es ist ein modernes Akte X, mit einem recht hohen Coolness-Faktor. Gerade die wirklich geniale Darstellung des irren, zerrissenen und doch irgendwie liebenswerten Walter Bishop durch John „Denethor“ Noble ist wirklich immer wieder sehenswert. Wenn überhaupt, dann trifft auf ihn der Spruch zu: „You say ‚Mad Scientist‘ – I say ‚Grumpy Visionary‘.“ Grandios gespielt.
Und dramaturgisch die perfekte Crew, ob nun Buch oder Film.

Einziger Schwachpunkt der Serie nach eineinhalb Staffeln:
Zuviel. Das typische JJ. Abrams-Problem, das wir schon aus LOST kennen. Alle Figuren müssen einen unbedingt furchtbar ultraspeziellen Hintergrund haben. Eine kaputte Kindheit reicht nicht, nein, jeder muss unter Experimentaldrogen, Hirnamputation, extradimensionaler Herkunft, atomarer Instabilität oder zumindest Cyberarmen leiden. Ich frage mich, was sie der armen Astrid noch reindrücken werden. sie ist bislang die einzige ohne nennenswerte Schädigung.
Das hätte nicht sein müssen, denn es ist das, woran die X-Files schließlich krankten: Zu viel übersinnliches, zu wenig Grenzfall. wie in den X-Files die Folgen mit den Werwölfen und den Zirkusfreaks noch grandios waren ,die mit den vielen Aliens dagegen eher nervtötend, so hat auch Fringe bereits seinen übersinnlichen Schwachpunkt. Die X-Files haben sich etwas mehr Zeit gelassen. das spricht nicht für Fringe.
Trotzdem weiß ich, was Serien betrifft, keinen Ersatz. Zumindest nicht, solange Primeval nicht endlich 2011 die neue Staffel liefert.

Was Serien angeht daher: 8/10 Punkten

mad_scientist_grumpy_visionary

So, das war’s dazu.
Damit hab ich mal wieder ordentlich aufgeholt. ich wünsche einen schönen Sonntag.

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