Wirklich faul sein

… ist eine Kunst, die heute kaum noch jemand beherrscht.

sprach mein Haus- und Zenmeister Herr Sprengel einst.
Das ist richtig. Es fällt mir in den letzten Monaten tatsächlich schwer, die Zeit zu finden, um faul zu sein. Aber immerhin gab es heute eine Auszeit, in der ich mit unserem Sohn gemütlich in der Wiese lag und Kleeblätter ausgerissen habe. Schmecken übrigens immer noch nicht.

Davon abgesehen waren die letzten vier Tage erholsam frei vom Brotjob, entspannend und gerade deshalb halbwegs ergiebig.

Zum einen habe ich endlich den neuen Sherlock Holmes gesehen – und beschlossen, dass ich ihn mag. Wirklich. Er erinnert mich daran, dass wir demnächst wirklich mal mit Steamtown weiter machen sollten (ich tippe derzeit auf: Sobald Stephan seine letzte Prüfung hinter sich hat). Und er hat mich tatsächlich auf die eine oder andere Idee gebracht, denn er war nun wirklich schön steampunkig. Bzw. schön steamtownig. Ein Gastauftritt Mr. Ferrets wäre jedenfalls nicht ungewöhnlich aufgefallen.
Außerdem fallen mir andauernd neue Motive für das Steamtown-Merchandising ein. Ich brauche dringend einen Illustrator…

Abgesehen von Sherlock Holmes habe ich jetzt auch die ‚Brothers Grimm‘ gesehen – und fand ihn eigentlich gar nicht so schlecht, wie alle getan haben. Okay, er war kein Meisterwerk. Aber mit seiner Stimmung nah an ‚Sleepy Hollow‘ und seiner seltsam skurrilen Morbidität und dem ganzen Dreck war er sicherlich näher an den originalen Grimms dran, als Disney. Von der Bildsprache hat der Film jedenfalls recht genau meine von Herrn Professor Paul Hey um 1939 illustrierte Ausgabe getroffen. Und von der hatte ich als Kind nachweislich Alpträume. Mission accomplished.

Außerdem, das gebe ich zu, nutze ich das nicht immer ganz legale Angebot im Netz, mir kostenlos Stargate-Universe-Folgen anzusehen. Vielleicht nicht gerade die russischen, die schon einige Tage vor offizieller Erstausstrahlung auf YouTube stehen, aber immerhin. Zur regulären Ausstrahlungszeit komme ich einfach nicht dazu. Und ich muss sagen, diese Serie hat mich als erste seit Jahren wieder mal so weit gepackt, dass ich wissen möchte, wie’s weiter geht. Lost in Space, sozusagen.

Wobei ich bei Lost ja in etwa der dritten Staffel ausgestiegen bin, weil es mir zu wirr und die Charaktere nicht interessant genug waren. Bis Staffel sechs habe ich es wenigstens noch sporadisch geschafft, mal rein zu schauen, habe aber irgendwie nie mehr etwas gefunden, das mich noch interessiert hätte. Insofern berührt mich das Ende der angeblich erfolgreichsten phantastischen Serie aller Zeiten (Moment – ist das nicht die Lindenstraße?!) nicht sonderlich. Im Ernst, ich habe den Reiz irgendwann nicht mehr verstanden. Die Sache mit dem Absturz und der modernen Robinsonade und den „Herr der Fliegen“-Anwandlungen war noch gut. Die Idee mit den gefährlichen Anderen, die man nie zu Gesicht bekam anfangs auch. Aber irgendwann…

„Hey, schau mal, eine geheimnisvolle Luke im Boden! Was da wohl dahinter sein mag?“
„‚N Labor.“
„Was? Woher willst du das wissen?!“
„Weil hinter den letzten verdammten 43 Luken auch schon Labors waren. Lass uns lieber ein Schwein töten gehen.“

Da freue ich mich schon eher darüber, dass nächstes Jahr neue Folgen von Primeval kommen, da Pro7 sich dort eingekauft hat und zwei neue Staffeln finanziert. In der Serie sehe ich ne Menge Potential (nach den eher vergeigten letzten 3 Folgen) – und ich mag die Charaktere. Und den Mut, öfter mal Hauptfiguren tatsächlich per Serientod ausscheiden zu lassen. Das kommt nicht oft vor, gibt dem Ganzen aber eine gewisse Würze. Ich mag das auch in Büchern. Es entfernt diesen Lageweile-Faktor, den der Gedanke „dem passiert nichts. alles geht gut aus – das ist ne Hauptfigur“ mit sich bringt.

Eine Sache, die mich auch selbst beim Schreiben reizt – und ein Gedanke, der für unser aktuelles Kurzgeschichtenprojekt durchaus bedenkenswert erscheint.

Vom Fernsehprogramm mal abgesehen war es ein Wochenende der grundlegenden Entscheidungen. Eine Website ging endgültig vom Netz. Und meine Kopfhaut fühlt sich um eine ganze Handvoll Haare erleichtert (Ja, eine Handvoll. Mehr waren es zum Schluss ja nicht mehr; was mir natürlich die Entscheidung vereinfacht hat). Und auch so wird in der nächsten Zeit noch die eine oder andere Veränderung in meinem Leben erfolgen. Die es letztendlich auch zur Folge haben sollen, dass ich mich wieder auf’s Wesentliche konzentrieren kann. Das Schreiben, zum Beispiel.
Nicht jede dieser Entscheidungen ist mir so schwer gefallen, wie mich nach gut 21 Jahren von meinen Haaren zu trennen. Bzw. diese von mir. Ehrlich, man sollte es nicht glauben, wie schwer es fallen kann, sich von ein paar Keratinketten zu trennen, die einem aus dem Kopf wachsen. Wobei das Frauen wohl leichter fällt. Andererseits macht es einem die Friseurinnung dann auch wieder leicht. Immerhin kostet so ein kompletter Haarschnitt für Herren nur rund 12 euro, nicht 40 oder mehr wie für die weibliche Kundschaft. Das versteh ich zwar nicht, aber es soll mir recht sein.

Und wer jetzt noch etwas Sinnvolles lesen will, der geht am besten rüber zu Thomas Plischkes Blog. Thomas hat sich nämlich mit dem Feuilleton und Vampiren auseinandergesetzt. Das passt nicht nur zusammen, das war auch bitter nötig.
Und natürlich hoffe ich, dass ihr auch alle brav wählen wart. dort, wo die Stimme wirklich etwas bringt, nämlich beim Deutschen Phantastik-Preis. Noch läuft die Vorrunde. Also wenn ihr noch jemand anderen als die bisher auf der Liste Stehenden in der Endauswahl stehen haben wollt – haltet euch ran!

Ach ja – und die neue Ausgabe der Phantastik-Couch ist erschienen. Diesmal mit einem ausführlichen Interview, das Eva und ich mit der überaus sympathischen und viel ge- und befragten Gesa Schwartz geführt haben. Und außerdem zwei Rezensionen von mir: „Die Zombies“ von Thomas Plischke und „Monsterkontrolle“ von A. Lee Martinez. Links dorthin finden sich hier.

So, und jetzt wünsche ich euch allen eine angenehme und wenigstens für einige Zeit auch mal richtig faule Woche. Zur Not muss man sich auch mal dazu zwingen. Das tut nämlich gut.

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