Von Typographie und Buchgestaltung

In Ordnung, mal zur Abwechslung wieder etwas Ernsteres.

Gestern (oder vorgestern, wer weiß das schon so genau) ist mir im jüngst eingetroffenen Roman von Thomas Plischke etwas positiv aufgefallen, das ich schon seit einer Weile nicht mehr gesehen habe. —-

Erster Punkt:

Es handelt sich dabei um die Erwähnung nicht nur des Autoren und Verlages im Impressum und die rechtlich relevante und notwendige Aufzählung der Beteiligten, wie Illustrator, Satzanstalt und Druckerei. In diesem Buch ist auch die verwendete Papiersorte erwähnt (Munken Print von Arctic Paper. Das mag ich ohnehin). Das ist, wie mir ein kurzer Blick in einige andere Piper-Publikationen versichert, zumindest bei diesem Verlag noch (oder wieder?) üblich. Und eine angenehme Sitte, die leider beinahe in Vergessenheit geraten ist.
Denn es war zumindest eine Zeitlang üblich, das und mehr in Büchern zu erwähnen.

Was mir noch fehlt – nicht nur da, sondern generell – ist eine Anmerkung zur Schrift.
Immerhin trägt die Wahl der richtigen Leseschrift in der richtigen Größe und Spationierung, mit den optimalen Zeilenabständen und Seitenrändern (Piper geht hier meiner Ansicht nach gelungener vor als z.B. Heyne oder Bastei Lübbe) entscheidend zu Lesefluss und Lesevergnügen bei.
Denn die falsche Wahl hierbei kann die Leseschwierigkeit enorm erhöhen, das Tempo verringern und dem Inhalt einfach durch misslungene Präsentation schaden.

Natürlich kann man von einem Taschenbuch nicht unbedingt ein typographisches Kleinod erwarten. Und mir ist durchaus bewusst und bekannt, dass mit der Wahl der falschen Schrift, wie etwa einer sehr angenehmen, weit laufenden Garamond oder Walbaum, zwar ein schönes Seitenbild entsteht, gleichzeitig aber die Seitenanzahl eines Buches gleich um mehrere Dutzend nach oben getrieben werden kann. Das verursacht natürlich Kosten, die beim Papier anfangen und bei Gewicht, Lagerhaltung und Logistik noch lange nicht aufhören.

Trotzdem ist es nicht notwendig, zu knausern und magere 14 mm (oder weniger) zum Seitenrand aufzufahren (während Piper großzügige 21 mm fährt). Und eine Schriftgröße von kleiner 9 Punkt ist auch keine so gute Idee. Mich stört’s nicht – meine Augen sind gut. Besser als die des Durchschnitts. Weshalb das kein Maßstab sein kann.

Die Erwähnung der verwendeten Schrift ist nicht nur ein Schmankerl für Typofreunde – sie würde sich auch gehören, da sie einen (Illustratoren bitte weghören) genau so großen Einfluss auf die Qualität des Buches hat, wie die Coverillustration. Und nebenbei wäre sie auch noch wirklich, wirklich einfach. Denn der Setzer müsse nur abschreiben, was im Schriftkasten seines Satzprogramms erscheint.
Die „Baskerville Regular 9,7 pt.“ oder „Sabon Antiqua 10 pt.“ von Herrn Tschichold zum Beispiel, „ITC Garamond Book 10 pt.“ oder „Bodoni Book 72 in 9 pt“.
Das ist interessant und ehrt die Schöpfer dieser wirklich schönen Typen. Und zeigt verschiedenen Leuten vielleicht, dass es auch noch anderes gibt, als eine schnöde Times New Roman oder eine Comic Sans.

Wiederum angenehm aufgefallen ist mir hier in „Die Zombies“ die Kontext-bezogene Verwendung von verschiedenen Schriften und Schriftschnitten. Was ich außer bei Pratchett nur selten sehe (und bei ihm ist es extremes Stilmittel, um z.B. Dialekte und Fremdsprachen hervorzuheben).

Zweiter Punkt:

Gerade bei Heyne ist es mir in der letzten Zeit negativ aufgefallen, aber auch bei Ullstein:
Die Klebebindung taugt nix. Christoph Hardebuschs „Sturmwelten verliert schon beim 2. Lesen ebenso Seiten wie Heitz‘ „Ritus“ oder Powliks „Der Tod aus der Tiefe“. Das Problem kannte ich vorher nur von Bastei-Lübbe-Büchern. Die sind inzwischen allerdings in Ordnung. Illuminati z.B. geht auch nach dem 6. Leser und 10 Jahren noch nicht aus dem Leim. Daher übrigens dieser Ausdruck. Aus dem Leim gehen.
Bei Piper-Romanen oder Sachen von Knaur habe ich das ebenfalls nicht.
Das mag trivial klingen – im Fall von Naomi Novik ist das aber z.B. bei mir ein Grund,warum ich die Serie, die bei „cbt“, „Penhaligon“ und „blanvalet“ gleichzeitig erscheint eben NICHT in der cbt-Version kaufe oder gar verschenke. Ich habe nämlich zwei Bände von denen (dazu zwei von blanvalet und einen eben von Penhaligon) und BEIDE lösen sich bereits auf. Im Gegensatz zu den anderen drei. Mich ärgert das, denn ich habe Geld dafür ausgegeben. vielleicht nicht so viel, wie für ein Hardcover, aber doch genug, dass das länger als einmal lesen halten sollte.

Übrigens ist das eine Falle, in die auch viele Kleinverlage tappen, bei denen die Verarbeitung oft bestenfalls zufriedenstellend, immer wieder jedoch schlicht schlampig bis mangelhaft ist. hier kommt gleich noch

der Dritte Punkt:

Der betrifft in der Tat (bis auf Ausnahmen) eher die Kleinverlage.
Ab hier dürfen auch die Illustratoren wieder herhören.
Was mich in 8 von 10 Fällen davon abhält, ein Buch aus einem Kleinverlag zu kaufen (wenn ich den Autoren nicht zufällig kenne), ist die Gestaltung des Covers. Da ich über diese Bücher meist im Internet stolpere, kann es nicht die (leider oft auch ziemlich grausame) Typographie jenseits jeder Regel der Lesetypo sein, die mich abschreckt. Auch nicht das gelegentlich sehr… phantasievolle Lektorat (schon des Klappentextes. Habenmanche Leute eigentlich keine Rechtschreibprüfung im Word?).

Was ich dort, also im Netz, zu sehen bekomme, ist das Cover des Buches.
Und wenn ich den Autoren nicht kenne, oder nicht von der Qualität des Verlages jenseits des fehlenden künstlerisch-gestalterischen Geschmacks überzeugt bin, dann ist dieser erste Eindruck oft schon der letzte.
Natürlich, es gibt die alte Weisheit „Don’t judge your book by the cover“. Das stimmt gelegentlich. Meist jedoch sogar umgekehrt, wo große Verlage mit gelungenen Covern schaffen, mir den letzten Dreck anzudrehen (Scott McBain zum Beispiel).

Aber ein Cover, das so aussieht, als wäre es von einem nur mäßig begabten Kunst-Grundkursbesucher mit gebrochener Zeichenhand zusammen geschwartet worden, das verkauft mir kein Buch. Denn ich gehe  dann meist davon aus, dass ein Buch, das außen schon so lieblos zusammen gewurstet wurde, innen auch nicht besser ist. Gelegentlich zu Unrecht, das gebe ich zu. Oft genug jedoch nicht.

Was ich dabei nicht verstehe: Es gibt viele hochtalentierte und professionelle Illustratoren (teilweise noch als Studenten an Hochschulen, okay), die für ein paar Hundert gut investierte Euro ein Gesicht, eine Verpackung für ein Buch schaffen können. Was verkauft.
Nicht umsonst ist Verpackungsdesign ein eigener Studiengang. Weil oft genug die Verpackung genauso wichtig für den (Verkaufs-)Erfolg eines Produktes ist, wie der Inhalt. Und wenn wir ehrlich sind – die professionelleren Autoren wollen nicht nur „ein Buch veröffentlichen“, sondern möglichst viele davon verkaufen. Und wenn es nur ist, um vielleicht mal davon leben zu können und nichts anderes mehr machen zu müssen. Wir schreiben, um Geschichten zu erzählen, richtig. Aber wir schreiben auch des schnöden Mammons wegen. Weil wir im Selbstversuch beweisen wollen, dass Geld und Ruhm auch nicht glücklicher machen.

Und ein Verlag will doch auch nicht nur einfach Bücher auf den Markt werfen, weil er grad nichts Besseres vor hat. Er will kein Geld vernichten – er will Gewinn machen. Möglichst viel und möglichst erfolgreich. Das dachte ich zumindest bislang immer.
Natürlich schmälert eine Investition in einen ordentlichen Illustrator erstmal den Gewinn an einer Kleinauflage. Es dürfte schwer sein, ein gutes Cover, entworfen von einem guten Gestalter und mit einer ordentlichen Illustration (Fotos sind tatsächlich hier günstiger!) unter, sagen wir 500 bis 600 Euro zu bekommen. Aber es ist möglich.
Gerade junge Illustratoren lassen sich zur Not auch auf ein geringes Fixum mit Gewinnbeteiligung ein. Ich mag jetzt keine Namen nennen – aber, liebe Jungautoren, bei allem Stolz auf euer erstes veröffentlichtes Buch: Fragt euch doch mal, ob euch euer Verlag ein Gefallen damit tut, wenn er euer Buch von der Nichte der Schwester der Putzfrau im Verlag für 20 Euro gestalten lässt. Wer kauft euer Buch dann? 300 Leute mit viel Eigenwerbung und unter Abklappern und Erpressen aller Verwandten und Ex-Freunde? Wenn das Ding was hermacht, dann verkauft es sich leichter. Viel leichter.

Es ist der selbe Unterschied, ob ihr eine DVD in einer mittels Tintenstrahldrucker vom Geiz-ist-Geil-Händler selbst bedruckten und mit Word-Clip-Arts verzierten Plastikhülle kaufen solltet, oder in einem hochwertigen Kartonschuber. Vielleicht kauft ihr sogar die Billigvariante – wenn sie 1,50 kostet, der Schuber aber 30 Euro. Trotzdem erwartet ihr keine Qualität von der Flohmarktware.

Bei Büchern haben wir aber Preisunterschiede in einem Rahmen, dass die hochwertiger produzierten der großen Verlage (aus rein technisch bedingten Gründen) gelegentlich sogar günstiger sind, als die Bücher der Kleinverlage. So, was glaubt ihr, wer euer Buch dann noch kauft?
Das liegt nicht nur daran, dass man als „Anfänger“ noch keinen Namen hat, sondern leider oft genug auch daran, dass dieser Name auf einen lieblos gemachten Pappdeckel gemalt ist, der so gar nicht zum Kauf reizt.

Ich kann mich erinnern, als eine junge, aufstrebende Autorin vor einiger zeit darum bat, für ihr Cover zu stimmen, das bei einer Ausschreibung eingereicht war. Ich konnte es nicht. Alles, was ich konnte, um sie zu unterstützen, war, gar nicht abzustimmen. Ich habe es einfach nicht über’s Herz gebracht, ihr zu sagen, dass das Ding einfach dilettantisch war und mich, hätte ich sie nicht schon gekannt, eher abgeschreckt hätte.
Wie schon erwähnt: Ich habe nicht Kunst studiert, weil ich finde, dass ich dafür zu schlecht bin und es mich zu viel Mühe kosten würde, um auch nur mittelmäßig zu werden. Das Level einer Janaschi, eines Algenpflegers, eines Andre Breinbauer oder einer  Daniela Uhlig werde ich nie erreichen. Aber eine Covergestaltung von jemandem, der unter meinem eigenen Grundstudiumsniveau liegt – das muss auch nicht sein.

Es gibt, jenseits davon, eine gute Geschichte zu erzählen, eine Menge Arten, wie man aus einem guten Buch ein besseres Buch machen kann. Vieles davon ist erstaunlich einfach: Eine gute Typographie, ein ordentliches Lektorat, eine solide Verarbeitung, ein gutes Cover und ein wenig Liebe zum Detail können hier Wunder wirken.

Und für Fragen gibt es Fachleute – oder Fachbücher.

2 comments for “Von Typographie und Buchgestaltung

  1. TPF
    14. März 2010 at 01:07

    Nur aus der Liebe zum Detail entsteht das ganz besondere, pflegt meine ExVerlobte immer zu sagen.

  2. 15. März 2010 at 16:48

    Wenn du das schreibst, klingt das so einfach *g* Das Problem an der Sach ist, dass viele Kleinverleger diese einfache Logik nicht sehen.

    Ich habe von einem gewissen Kleinverleger schon folgende Aussage zu schlechten Verkaufszahlen gehört: „Nein, am Cover liegt das bestimmt nicht.“
    Und ich habe schon mit einem Illustrator gesprochen, der ab und zu für Kleinverlage arbeitet. Die Aussage, die er zu dem Thema machte, ging in die Richtung, dass er es teilweise nicht schafft, Kleinverleger davon zu überzuegen, dass seine Coverbilder (gibt wahrscheinlich bessere, aber sie sehen professioneller aus als sehr viele Dinge, die man in der Kleinverlagsszene sieht) auch nur 150 Euro wert sind.
    Dasselbe ist es übrigens mit dem Lektorat. Dafür wird sogar noch weniger Geld ausgegeben, weil der durchschnittliche Kleinverleger irgendwie der Ansicht ist, er könne das schon selbst. Deshalb kann man davon ausgehen, wenn das Coverbild schon scheußlich ist, wird das Lektorat noch scheußlicher sein.

    Die Kleinverlagsszene ist voll von Leuten, die meinen, die hätten Ahnung und bräuchten niemanden, der ihnen erklärt, wie es richtig geht. Ich bin inzwischen überzeugt, dass man die Ausnahmen dieser Regel wirklich an der Qualität ihrer Coverbilder erkennt.

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