Buchmesse Frankfurt 2009 – Brütal Extended Version

So, hier also die etwas längere Version:

Mein Messebesuch begann mit einer tolkienesken Queste (was ein schöner Ausdruck), und zwar nach den Parkmöglichkeiten.
—- Genau genommen nach der Messe selbst, da ich zwar nicht allzu weit von Frankfurt wohne, aber noch nie auf diesem speziellen Gelände war. Und in FFM hält man es offensichtlich für gegeben, dass jeder weiß, wo sich die Messe befindet (wahlweise interessiert sich die Stadt vielleicht auch nicht für diese unwichtige Veranstaltung. Das würde erklären, warum es innerhalb der Stadt nirgendwo an prominenter Stelle Hinweise auf die Buchmesse gab. Ziemlich ungewohnt, vergleicht man das mit anderen Messestädten).
Vom Parkhaus ging es dann mit dem Shuttle-Bus zum Messegelände. Dumm, wie ich war (und noch in der Euphorie, dass mein Presseticket sich als ausgesprochen hilfreich und geldsparend erwiesen hatte) habe ich auch prompt meine Jacke an der ersten Garderobe abgegeben – nur um danach festzustellen, dass ich jetzt das Gebäude (am äußersten Ende eines aus der Mode gekommenen Spiralarms der Ga… des Messegeländes durchqueren und abermals hinaus in die Kälte durfte, um auf einen zweiten, unbeheizten Shuttlebus zu warten. Der mich dann einen knappen Kilometer an mein Ziel am anderen Ende des Areals bringen sollte: Halle 3.

Meine auf den Erfahrungen mit anderen Messearealen aufbauende Zeitplanung von Einparken bis Treffpunkt war damit um stolze 40 Minuten im Hintertreffen. Schöner Start. Dafür war’s dann innerhalb der Messehallen schön warm. Um nicht zu sagen: stickig-heiß. Schön, dass sich meine Jacke jetzt etwa einen Kilometer entfernt befand.
Bei einem schnellen Rundgang durch die Halle stellte ich dann nicht nur fest, dass ich meine Kamera vergessen hatte (in besagter Jacke?), sondern auch, dass neben Vampiren noch andere Untote stark im Kommen sind. Zugegeben, langsam und etwas unsicheren Schrittes – aber trotzdem.
Es gab allerdings zwei Gründe, den ersten Durchgang kurz zu halten: Durst – und das Montségur-Autorenforumstreffen. Praktischerweise ließ sich beides an einer Stelle abhandeln. Und zwar im besagten Switzerland, wo ich dann nicht nur zu einem kleinen und selbst für Messeverhältnisse völlig überteuerten Bier kam, sondern auch einen ganzen Haufen netter Leute, die ich bislang nur von Blogs, Fotos, Leseproben und generell von weitem kannte. Andrea und Falko, deren Blogs ich regelmäßig heimsuche, zum Beispiel, oder Philipp Bobrowski, Daniela Knor und Thomas Finn, sowie einen ganzen Haufen anderer Leute, denen ich in den kommenden zwei Tagen noch dutzendfach über den Weg laufen sollte (Ich glaube, ich habe ein Projekt. Jeden Autoren in meiner Ausgabe von „Geschichten eines Krieges“ seinen Beitrag signieren lassen… *g*).
Als wir dann schon fast über einen Aufbruch nachdachten, meldeten sich noch meine beiden Chefredakteurinnen von der Phantastik-Couch, Eva und Verena, bei mir, so dass wir das Sit-in um eine weitere Stunde. Während der ich mir dann als Erst-Zugriff meine nächsten Rezensionsexemplare aus der taufrischen Liste suchen konnte. So mag ich das.

Schließlich gelang es Carsten und mir dann doch noch, einige intensivere Runden durch die Hallen zu drehen, über die Stände zu wandern und Cover zu vergleichen (abgesehen von Vampiren sind Dan-Brown-Look-Alike-Cover gerade wirklich beliebt). Außerdem sind Hörproben von Hörspielen deutlich seltener als noch vor einem halben Jahr – und das Laden von e-Books auf Handys via Bluetooth ist komplizierter, als sich in fremde Handys einzuloggen, deren Besitzer gerade am Pult daneben am e-book-laden verzweifeln. Ich fand diese Erkenntnis gruselig und habe meinen Bluetooth-Zugang fix deaktiviert.
Während wir dann noch über die Laufbänder irrten, um die britischen und US-amerikanischen Verlage zu finden, wuchs in uns dann die Erkenntnis, dass wir uns auf der wohl am schlechtesten ausgeschilderten Messe befanden (Tipp an Frankfurt: Man könnte mal in ein ordentliches Leit-System investieren, sowie in einige Info-Terminals. Ja, von letzteren existieren welche. Aber um die zu finden braucht man auch schon fast ein Info-Terminal…). Immerhin waren wir mit dieser Erkenntnis nicht allein (es ist also nicht völlig unserer eigenen Blödheit anzurechnen), denn es ging einer ganzen Reihe Leute, mit denen wir gesprochen haben, genauso.
Und dann war es plötzlich 18.30 Uhr und nach zwei Gewaltmärschen über das Gelände erreichten wir schließlich meine vereinsamte Jacke und besagte Szene, an der wir uns aus Versehen zum Abendessen mit Bernhard Hennen und den Herren Witzko und Finn einluden, uns aber keinesfalls unwillkommen fühlten. Den hervorragenden Chinesen in Bahnhofsnähe (Yan Jing in der Kaiserstraße 67) kann ich nur empfehlen – wenn ich auch vom Kaffee-Pudding abrate. Der sollte besser „kalter Espresso in Aspik“ heißen. Aber vermutlich ist das nur mein barbarischer Langnasen-Geschmack. ;)
Zwischendurch hatte ich (bei den chinesischen Dampfnudeln und den Kokos-Sesambällchen) die schreckliche Vision der „Meaning of Life“-Szene mit dem Minzblättchen…

Vollkommen vollgefressen erreichten wir deshalb nur so ein oder zwei Stündchen nach Beginn die Veranstaltung von Pabel-Moewig, die ich, wie schon erwähnt, als „und Begleitung“ (oder wie Julia Abrahams das so schön formulierte, über die „Lebensgefährten-Regelung“ besuchen durfte. Hier hatte ich dann noch einige angenehme Gespräche, z.B. mit Karl-Heinz Witzko, dessen Kobolden ich in meiner Rezension exakt das Unrecht getan habe, das ich selbst schon vermutet hatte. AD&D sei Dank. *g* Außerdem gelang es mir dann, mit Herrn Frick, mit Horst und Bettina vom Zauberspiegel, mit meiner Blog-Bekanntschaft Thea, Carolina Moebis, mit Falko (schon wieder), mit Philipp (auch schon wieder), Bernd Perplies (der ebenfalls ausführlich von seinen Messe-Erlebnissen berichtet) und einem Dutzend anderer ausgesprochen sympathischer Menschen zu sprechen und mich trotz weitgehender Abstinenz („Ich bin nur der Fahrer“) hervorragend zu amüsieren.
Bei dieser Gelegenheit lernte ich dann auch zu meiner größten Verblüffung, dass Steamtown sogar in den erlauchten Kreisen der Autoren- und Verlegerschaft Fans hat. Irgendwie hatte fast jeder zweite hier schon mal was davon gehört und mehr als einer, dessen Buch ich in meinen Regalen stehen habe, fand das Ganze (ungefragt, unbezahlt und ohne akute Bedrohung) gut und der weiteren Verfolgung wert.
Ehrlich gesagt – ich war baff.
Und dann so müde, dass ich vergessen habe, mir ein halbes Dutzend Namen aufzuschreiben (was bei meinem Namensgedächtnis nach Mitternacht katastrophal ist).
Auf jeden Fall will ich nächstes Jahr dort wieder hin. Es war mir eine Ehre und ein Vergnügen. Und um halb 3 konnten wir uns dann auch endlich aufs Ohr hauen (was nicht sofort mit Schlaf belohnt wurde. Bei Carsten waren angeblich die Caipis schuld. Bei mir vermutlich die Espressi in Aspik und die ganze statt-Alkohol-Cola. Dumm aber auch.

Nachdem ich mich allerdings schon darauf eingestellt hatte, am nächsten Vormittag einen Stadtbummel durch Frankfurt zu machen, wenn ich Carsten bei seinem Brunch abgeliefert hätte, sah mein Tagesplan dann doch anders aus. Dank einer unerwarteten einladung durfte ich mich unverdienterweise auch noch beim Frühstücksbuffet von Schmidt&Abrahams für den Tag stärken. Hier habe ich übrigens gelernt, dass sich „alles mit Kanada“ dank der drohenden Olympiade, ziemlich gut verkaufen lässt… Dann brachen wir mit der in diesen Tagen üblichen Verabschiedung „Bis gleich“ nach Dreieich zum Buchmesse Convent auf. (Ein Convent übrigens, der eigentlich eine Convention, also eine Versammlung/Zusammenkunft ist – vielleicht auch Conference im Sinne von Tagung.Wer weiß es so genau. Ich dachte jedenfalls immer,  ein Convent ist eigentlich etwas anderes -von dem ich hoffe, dass die Buchmesse-Con nichts damit zu tun hat. *g* Aber das nur nebenbei kluggeschissen.)
Wie auch immer: Ankunft Bürgerhaus Dreieich.

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Ps:
Beim Brunch habe ich dann dank der Werbung über dem Pissoir festgestellt, dass ich Jack Blacks neues Computerspiel „Brütal Legend“ (inklusive Ozzy Osborne) unbedingt mal anspielen muss.

httpv://www.youtube.com/watch?v=Zxnho1yTjRo

4 comments for “Buchmesse Frankfurt 2009 – Brütal Extended Version

  1. Chris
    21. Oktober 2009 at 09:00

    Bleibt nur eins zu sagen. Spiel es! Brütal Legend ist ein Spiel, das die Metal-Ära ehrt und zuweilen auf die Schippe nimmt. Aber nur spielen, wenn du Zeit hast, denn ich bin sicher, du wirst die Finger nicht mehr von lassen können :-)

  2. Tom
    21. Oktober 2009 at 09:06

    Und genau hier liegt das Problem.
    Wenn ich Zeit habe.

    Sagen wir so: ich werde froh sein, wenn ich es nicht spielen kann.
    Das bedeutet dann, dass der Job läuft, das Schreiben läuft und all die Sachen, die wichtiger sind als Computerspiele laufen.
    Und das wär mir doch fast lieber. Den Soundtrack kann ich jeden Tag auf Arbeit haben. Das ist auch schon mal brütal. *g*

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