Vorsicht, miese Bücher

hand-der-finsternisAls Folge der 20-Bücher-Liste habe ich hier aus einem Bücherforum noch mal einen Artikel von vor etwas über 2 Jahren heraus gekramt.

Ich muss feststellen, dass das Ganze doch weitgehend zeitlos ist.

Viel Spaß.

(PS: Nein, selbst wenn ich „Die Anderen“ von Herrn Koch vor einer Weile so verrissen rezensiert habe (tut mir selber leid – aber ich sollte ja meine subjektive Meinung äußern) – SO schlecht, dass es in diese folgende Liste gehört, ist es tatsächlich immer noch nicht. Auch wenn’s knapp war…)

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Das Folgende ist natürlich komplett subjektiv und nur meine ganz persönliche Ansicht.
Darüber hinaus ist es ein wüster Genre-Mix von flachester Belletristik bis zum so genannten „Bildungsroman“.
Aber auch wenn es jetzt keine worst-20 ist (ich vermute mal, bei den allerschlimmsten hat ohnehin ein natürlicher Verdrängungsmechanismus eingesetzt. *g*), möchte ich doch mal darauf hinweisen, dass ich folgende Bücher (unter anderen) als herausragend mies betrachte (und bei geschätzten 2.500 gelesenen Büchern heißt das doch etwas, wenn gerade das als besonders mies im Gedächtnis haften bleibt…).

Die folgende Aufzählung hat keine Reihenfolge des Grauens. ;)

Der Tod in Venedig (Thomas Mann) – Das Langweiligste, was ich je zu lesen gezwungen wurde. Nicht einmal 15 Jahre nach dem ersten Lesen in der Schule, nach drei Anläufen und mit etwas Abstand und Reife im Geringsten erträääähhh*gähn*licher. Perfekte Einschlafhilfe für Leute mit Schlafstörung. Ansonsten vielleicht noch für morbide Pädophile zu empfehlen.

Die Hand der Finsternis (Alexander Huiskes) – DSA-Roman, der für ein gutes Dutzend weiterer DSA-Romane steht, die hierzulande so als Fantasy verhökert werden. Kein Wunder, das Fantasy einen immer noch miesen Ruf hat. Das Zeug war vielleicht in Zeiten von Robert E. Howards „Conan der Barbar“ tragbar – aber es bleibt dann auch auf dem Stand von (erstaunlich humorlosen) Groschenromanen. „Nun denn, wahrlich, ich sage Euch“-Fantasy ohne Sprachtalent. Böse.

Das Druidentor (Wolfgang Hohlbein) – Ist der „Vater der deutschen Fantasy“ (dieser Vater erklärt eine Menge über den Zustand und das Niveau einiger seiner Kinder…) noch halbwegs erträglich, wenn er sich im Bereich der Hochfantasy in fiktiven Welten bewegt und hat er sogar Lichtblicke und wirklich brauchbare Sachen geschrieben („Der Thron der Libelle“ zum Beispiel), meist, wenn seine Frau beteiligt war, so muss ich jedem abraten, irgendwas zu kaufen, wo er versucht, in Richtung Historien-Roman oder gar Jetztzeit-hier-bei-uns-Mystery-Roman/Thriller (wie eben das Druidentor) zu schreiben. Der Roman offenbart keinerlei Ahnung von Technik, recherchiert historische Sachverhalte grauenhaft und seine Protagonisten sind schrecklich hölzern. Wenn sie versuchen, zu sprechen, wie Leute heute nun mal sprechen, langt Wolfielein unglaublich oft (um ca. 30-40 Jahre) daneben (nein, es benutzt wirklich niemand mehr Worte wie „dufte“!). Und wenn er noch EIN Buch schreibt, in dem zwei Minderjährige eine Welt oder das Universum retten, dann besuch ich ihn und tret ihm auf die Finger! ;)

Neununddreißigneunzig (Frederic Beigbeder) – Wer hat diesem Menschen eigentlich gesagt, dass er Bücher schreiben soll? Seine schmierigen Poppen-Fantasien sind wirklich unerträglich. Nur weil er so krank im Kopf ist, muss er nicht auch noch seine gesamte Generation so hinstellen (Obwohl – vielleicht gilt das ja für die Franzosen tatsächlich. Was weiß ich schon…).
Seine Berichte aus der Welt der Werbeagenturen sind für Insider wirklich amüsant (ich habe alle drei Sätze sagen können: kenn ich, stimmt, hab ich auch schon so erlebt) – aber wo er nicht aus seiner Agenturerfahrung schreibt, kann man seine Sachen auch echt streichen. Es sei denn, man steht auf Bücher über widerliche, reiche A*löcher.

Der Richter und sein Henker (Dürrenmatt) – Was soll man sagen… düster-tragischer Langweiler. Man möchte dem Protagonisten zurufen: Get real, get a life! Naja. Typische Schullektüre für masochistische Deutschlehrer.

Sub Terra/Amazonas (James Rollins) – „Urgh!“ – Das fasst es in etwa zusammen. Habe ich bereits die Bücher des Autorenduos Preston/Child als sehr lesenswert vorgestellt, haben wir hier das andere Ende der Scala des selben Genres. Das definitiv untere (Beziehungsweise: wenn’s NOCH weiter runter geht, will ich’s gar nicht wissen…). Rollins scheint irgendwann einmal einen VHS-Kurs: Wie schreibe ich einen Science-Mystery-Thriller? besucht zu haben – und schon den dritten Abend („Wie entwerfe ich einen neuen Plot für jedes weitere Buch?“) und alle weiteren (u.a. „Wie baut man überraschende Wendungen“ oder „Wie entwerfe ich Charaktere jenseits des Stereotyps?“) geschwänzt zu haben. Der einzige Spass bei seinen Büchern ist es, zu wetten, auf welcher Seite welcher Statist stirbt. Nein – nicht, wer welche Rolle spielt oder wer am Ende überlebt. Das weiß man eigentlich sofort, wenn alle Protagonisten vorgestellt sind. Inklusive, wer der böse Verräter ist. In ALLEN Büchern! (In einem Anfall von Perversion habe ich nämlich alle gelesen! Die Faszination des Grauens…)
Nachtrag: Er fasziniert mich immer noch. Denn die letzten drei haben sich so weit gesteigert, dass sie tatsächlich den Durchschnitt für Mystery-Thriller erreicht haben und damit durchaus lesbar sind. Man muss also nur etwa das erste Dutzend oder so meiden.

Der Judasfluch (Scott McBain) – Als ich das gekauft habe, bin ich einem astreinen Cover-Betrug (ich hätte es wissen müssen. Es heißt nicht umsonst im Sprichwort „Don’t judge your book by its cover“) auf den Leim gegangen, denn McBains Bücher sind genauso gestaltet wie die ganz brauchbaren und spannenden Bücher von Patrick Dunne. Es fiel mir gar nicht auf, dass ich daneben gegriffen habe. Und wo ich’s schon mal hatte, hab‘ ich’s eben gelesen. – Also so eine christlich-fundamentalistische Mystik-Scheiße (verzeiht, aber anders kann man das nicht nennen) ist mir noch nie untergekommen! Dieses dummdreiste Gelaber vom Teufel, von Engeln, von Ketzern, Sünder, Reinwaschung, Verdammnis, blablabla ist dermaßen dick aufgetragen, dass es Brechreiz verursacht! Lasst bloß die Finger weg!

Traumzeit (Barbara Wood) – Waren „Rote Erde, schwarzes Land“ und das kurze „Sieben Dämonen“ noch ganz brauchbar, hat Mrs. Wood mit ihrem Ausflug nach Australien ordentlich danebengegriffen. Langatmig, öde, schmalzig, viel zu dick und zu dick aufgetragen – ich hab‘ auch „Fackeln im Sturm“ gelesen – aber Traumzeit ist mir echt zu heftig. Es mag seine Fans finden – ich kann nur abraten. Und Mrs. Wood sollte mit ihren Büchern in Afrika bleiben. Das kennt sie wenigstens.

Vogelfrei (Juliane Lee) – Ich oute mich an dieser Stelle – ich bin alter und treuer Diana Gabaldon-Fan (ja, auch wenn ein befreundeter Buchhändler ihre Bücher als „Sekretärinnen-Fastfood“ bezeichnet). Die Dame ist nicht nur privat ausgesprochen sympathisch, sondern hat auch das Genre der Historien-Zeitreise-Familiensaga erfunden. Juliane Lee ist eine der im Dutzend billiger gelieferten Kopistinnen. VORSICHT! Ja, sicher, auch hier eine Zeitreise nach Schottland und ein Kampf für die Freiheit Schottlands und eine Liebesgeschichte und etwas Mystik und Highlander/Braveheart-Romantik.
Aber – das ist es nicht, was Gabaldons Bücher ausmacht! Was sie ausmacht, sind glaubwürdige Figuren, Sprachwitz, eine gute Geschichte und vor allem: korrekte historische Recherche in jedem Bereich! – Lee versaut es auf jedem Gebiet. Allein ihr Held ist unerträglich dämlich und nicht lebensfähig (welcher Idiot nimmt auf eine planbare 2. Zeitreise, bei der man weiß, was einen erwartet, lediglich eine Flasche Aspirin und eine Tüte Bonbons mit („weil er sie so vermisst hat“! Nein, kein medizinisches Besteck, nein, keine Fachbücher über Agrartechnik, Geschichte, Mechanik, Chemie und Medizin, nein, keine Auswahl an modernen Medikamenten und Instrumenten wie Kompass oder Thermometer oder rostfreie Messer! Aspirin und Bonbons!!!- Oh – mein – Gott…).
Finger weg!!! Von der ganzen Serie!!!

Heiliger Schein (Gerry O’Brien) – Ich mag Bücher im Stil von Gaiman, Tom Holt, Robert Asprin und Douglas Adams. So kam mir dieses auch vor. Die Geschichte ist ja auch ganz nett. Problem ist nur, dass der Typ einfach nicht schreiben kann. Er hängt ein Wortspiel ans nächste, einen Gag an den vorhergehenden und verkünstelt sich dermaßen, dass das Gesamtprodukt erstaunlicherweise vollkommen humorlos wird. Tom Holt für ganz Arme. Ich hab nicht einmal grinsen müssen. Und ich kann eigentlich über jeden Schwachsinn grinsen.

Die Erben des Medicus (Noah Gordon) – Lieber Herr Gordon. Der Medicus war ein ziemlich gelungenes Buch (auch wenn einige medizinische Sachverhalte ziemlicher Bockmist waren. Etwas mehr recherchieren wäre gut gewesen), der Schamane war auch noch mal lesenswert – Aber es REICHT! Man muss das selbe Buch nicht noch ein drittes und viertes und fünftes Mal schreiben! Wenn das erste gut war, heißt das noch lange nicht, dass der fünfte Aufguss noch im Entferntesten erträglich ist! Schreiben Sie doch bitte, bitte mal irgendwas anderes!!!

Wüstensturm (James Clavell) – Hey! Der „Shogun“ in der arabischen Wüste! Toll! – Genau so eine Schmonzette, schwülstig, opulent, schwül und knallbunt wie der Shogun (und leider auch genauso viel davon. Knapp 1000 Seiten). Das trieft. Und das langweilt nach ner Weile mächtig.

Die Drachenlanze-Saga (Weiß/Hickman) – Ich muss zugeben, ich habe sie früher verschlungen. Und die ersten 10 „Bücher“ (Büchlein triffts ja besser) sind auch ganz passabel. Die zweiten 10 sind schon weniger innovativ. – Vom Rest reden wir mal gar nicht. Da ist der R.A.Salvatore-Effekt eingetreten: Wir haben inzwischen dermaßen mächtige Superhelden-High-Level-Fantasy-Charaktere, dass man pro Buch mindestens zweimal die Welt retten muss, um es noch interessant zu halten.
Drizzt D’o Urden und Raistin Majere – meine zwei Favoriten auf den „High-Level-Held-der-dem-Autoren-außer-Kontrolle-geraten-ist“-Award der 90er Jahre. – Allerdings, es gibt eine Steigerung: die Drachenlanze-Romane die NICHT von Weiß/Hickman geschrieben wurden. GROT-TEN-SCHLECHT!

-Was Max Frisch angeht: Egal welches Buch – er ist sterbenslangweilig und essigsauer. Der Mensch hatte doch sicher keine 3 Minuten Spaß in seinem Leben. Ganz arme Kreatur eigentlich. Ähnlich wie Kafka – zutiefst gestört. Fragt sich nur, warum man dann unbedingt Bücher veröffentlichen muss. Schreiben – okay. Aber auch noch andere mit seinen Psychosen quälen?)

„Es kommt nicht darauf an, wer du bist, sondern wer du sein willst“ von Paul Arden. Naja – eigentlich ist nicht das Buch mies. Das ist sogar nett gemacht. Gut gestaltet und so…
Aber der INHALT ist unterste Schublade an dummem, hirnlosen, blöd- bis schwachsinnigem Managergeseiere.
Bullshit-Bingo erster Güteklasse. Der Titel sagt eigentlich schon alles.
Denn es kommt nun mal nicht drauf an, wer man sein will, sondern einzig und allein, wer man ist. Wollen kann man viel…
Selten so ein dummes Gelaber gelesen…
Nachtrag: Halt, doch. Habe ich. Nämlich den Nachfolger: „Whatever you think, think the opposite.“ Hiermit offiziell in die Liste aufgenommen.

– „Independent Day 2“ (Roland Emmerich und irgend so ein Ghostwriter…) – Ganz, ganz billig zusammen geschwartetes Teil, das in Prolog und Epilog NACH Teil 1 spielt, den Rest der Zeit davor, das ein wenig wirkt, wie eine Lassiter-Ausgabe von Predator meets Begegnung der dritten Art – von der sprachlichen Qualität schweige ich mal ganz. Schreit jedenfalls nach einer Emmerich-Verfilmung. Und wenn das eine ganz, ganz miese Verfilmung wird, dann liegt das nicht an ebenjener. Dann ist das eine ganz vorlagengetreue (bzw. WENN jemand es schafft, diesen Stoff auch noch MIES zu verfilmen – dann will ich es garantiert nicht sehen!). Das ist mal wieder was aus der Wühlkiste bei Obi gewesen (ihr kennt sicher diese Bücherramschkisten in Bau- und Heimwerkermärkten. Da hab ich schon dermaßen skurile Sachen rausgezogen… Aber immerhin auch ein paar Pratchetts – und John Moore hab ich da auch entdeckt, genauso wie Andrzej Sapkowski).

Natürlich erhebt diese Liste, wie auch schon die vorhergegangene, keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.

Ach ja, an dieser Stelle noch einen Hinweis hierzu, aufgefunden von Stephan, der verdeutlicht, dass da draußen noch viel mehr Grauen auf uns wartet:

Supidupi Hammageil! Nich verpasssn!!!!!

1 comment for “Vorsicht, miese Bücher

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