Rezension Kryson

kryson1-cover1So, dann ist meine Rezension zu Kryson (Band 1) von Bernd Rümmelein zusammen mit dem Interview auch endlich in der Phantastik-Couch erschienen. Eine schwere Geburt war’s ja.

—- Jetzt weiß ich zwar nicht genau, warum die Rezension so schlecht zu finden ist (an der Wertung kann’s nicht liegen) – immerhin steht sie nicht, wie ich eigentlich erwartet hätte, unter „Fantasy“ sondern lediglich ein wenig versteckt unter „Autoren“. Das ist zwar nicht falsch – aber auch nicht gerade auf den ersten Blick einleuchtend. Da muss ich noch mal nachfragen.

Das Interview wurde übrigens ohne mein Zutun aus redaktionellen Gründen ein wenig gekürzt. So um die Hälfte? In etwa. Aber da ich die Komplettversion habe, werd ich mich erkundigen, ob ich sie in angemessenem Abstand als „Special-Extended Edition“ (oder „Director’s Cut“?) veröffentlichen darf. Mal schaun.

Zur Rezension vielleicht noch ein paar erläuternde Worte:

1. Das Interview erklärt natürlich einige Kritikpunkte bereits, die ich in meiner Rezension getroffen habe. Insofern ist diese natürlich unter Vorbehalt zu sehen.

2. Es ist tatsächlich schwerer, weit schwerer, eine Rezension zur Arbeit einer Person zu schreiben, die man kennt, beziehungsweise mit der man Kontakt hatte. Ich persönlich neige dazu, die Arbeiten mir bekannter Leute womöglich strenger zu analysieren, als die Sachen, die ich zufällig in einer Bahnhofsbuchhandlung mitnehme. Die Leute, für die ich den Testleser und ein erstes Lektorat gemacht habe, können ein Lied davon singen.

Insofern sind aber einige der Kritikpunkte eventuell auch – ich weiß es nicht mit Sicherheit – den Testlesern, dem Satz und/oder der noch unfertigen Überarbeitung der Vorab-Exemplare geschuldet.

Zum einen ist das Vorkommen von Rechtschreibfehlern und Grammatikfehlern (‚dem‘ statt ‚den‘ und so Dinge) aber auch schlicht fehlenden Buchstaben und mindestens in zwei Fällen (leider hab ich vergessen, zu markieren, wo) abhanden gekommenen, ganzen Worten auf Dauer nervig und anstrengend. Ab einer gewissen Häufung hemmt das den Lesefluss. Das haben wir früher mal den Bastei-Lübbe-Faktor genannt. aber die haben sich inzwischen deutlich gebessert. Aber wie gesagt, ich hoffe mal, dass das Problem nur in den Vorab-Lese-Exemplaren auftritt.

Zum anderen sind es auch inhaltliche Ungeschliffenheiten (um nicht zu sagen Schnitzer), über die ich stolpere.

Ja, ich weiß, ich bin bei so etwas kleinlich (gewisse Personen nennen das auch „Toms Klugscheiß-Modus“). Aber ich bin selektiv kleinlich.

Bei einem Weiß/Hickman-Roman ist mir Logik vollkommen wurscht. Da fang ich gar nicht erst an, mich aufzuregen, weil die so haarsträubend unrealistisch sind, dass ich gar nicht wüsste, wo ich aufhören sollte. Bei einem Kinderbuch wie Eragon kneif ich auch mehr als ein Auge fest zu. Hey, was solls. Da müsste man sonst auch Karl May nach Logik durchgehen. Und wer will das schon…

Aber Bernd legt Wert auf Details. Großen Wert, wie es aussieht und wenn ich mir seine sehr grafischen Kampfbeschreibungen, Personenbeschreibungen, Landschaftsbeschreibungen und so weiter durchsehe. Also kann ich da andere Maßstäbe anlegen.

Und da schmerzt zum Beispiel mich der Transport von Verwundeten auf Bahren schon sehr.
Hinweis aus der ersten Woche Zivildienst: „Sag einem Kranken nie, dass er auf die Bahre kommt. Es sei denn, du willst, dass er schon auf der Trage stirbt.“

Noch ein Detail, das man als Zivi sehr drastisch lernen kann:
NIEMAND schließt beim Sterben die Augen und sieht aus, als wäre er friedlich eingeschlafen. So was passiert nur in schlechten Hollywoodfilmen. Selbst bei im Schlaf Verstorbenen ist es die Pest, die Augenlider geschlossen zu kriegen. Ich weiß es, ich hatte das zweifelhafte Vergnügen bereits. Nicht umsonst werden Münzen drauf gelegt (und die Lider beim Bestatter in der Regel vernäht…).

Das sind Details, die man beim Schreiben nur allzu gern vergisst. Dafür gibts Testleser und das Lektorat. Die haben in diesen Details mehr Ahnung. Ist ja ihr Job (wobei ich weiß, wie gern man sich dann als Autor mit ihnen über so was streitet… *g*).

Der meiner Ansicht nach größte Kritikpunkt bleibt aber bestehen: Viel zu viel redundante Information.

Das mag natürlich ein absolut subjektiver Kritikpunkt sein. Dazu stehe ich.
Aber vielleicht gilt er trotzdem von jemandem, dem man selbst ständig vorwirft, dass er zu langatmig, ausholend und redundant schreibt (danke, TPF…). Wenn’s mir schon auffällt, dann ist es eventuell für den Durchschnittsleser wirklich zu viel.

Wie viele Autoren mittlerweile zugeben: Worldbuilding is a disease!

Und Worldbuilding ist eine Krankheit, die Bernd voll im Griff hat. Das ist eine Geschichte, an der ich selbst schon seit einiger Zeit herumtrainiere. (mit wechselhaftem Erfolg. Deswegen ist Steamtown so nützlich. Eine Wortbegrenzung pro Abschnitt und kein World-Building vorab!)

Brandon Sanderson („Mistborn“) und Dan Wells („I am not a serial killer“) haben dazu in etwa gesagt:

„Es ist sehr wichtig, dass man sich als Autor viele Gedanken zur Mechanik seiner Welt macht. Aber man sollte dabei bedenken:

Das interessiert letztendlich niemanden! Nur den Autor. Und vielleicht noch ein paar Geeks. Aber die sind die absolute Minderheit. die meisten Leser brauchen nicht mehr als 10% der Informationen, die man sich vorher gesammelt hat. Es ist gut, wenn man sie als Autor hat, denn es hilft einem, logisch und flüssig zu schreiben. Aber man sollte sich hüten, das alles in seinen Roman zu packen. Das überfrachtet und bläht den Roman unnötig auf. (…) Man sollte den Fantasylesern zugestehen, dass sie intelligent sind. Und phantasiebegabter als die meisten anderen Menschen. Sie brauchen nicht viele Informationen, um sich in eine Welt einzufinden. Zuviel schreckt eher ab – die meisten wollen sich die Welt und ihre Protagonisten selbst ausmalen.“

Und als hätten wir es abgesprochen, kommen sie in der brandaktuellen Episode von writingexcuses.com (dem Schreib-Podcast von Brandon, Dan und Howard Tayler) zum wiederholten mal auf dieses wichtige Thema. Gerade eben entdeckt: Writing Excuses Season 3 Episode 1: World-Building History.

Nichtsdestotrotz: Sprachgewaltig ist das Ganze.

Nicht wirklich mein Fall, aber das ist Geschmackssache, die in der Rezension nichts zu suchen hat. Ich bin nun mal kein Freund von epischer Fantasy.

Epische Fantasy ist so… 80s. So wie Hohlbeins Enwor-Serie oder Zimmer-Bradleys Darkover.

Das war in den 80ern okay, aber irgendwie wirkt sie heute meist… Egal. Das ist mein Geschmack.

Auch Tolkien kriegt von mir keine 90% (und vermutlich auch keine 85). Aus ähnlichen Gesichtspunkten – und wegen ähnlicher Logik-Löcher (Ich sag nur: Adler-Taxi NACH Vernichtung des Rings. Siehe Video am Schluss…).

Insofern – wer mich und meine Bewertung kennt, weiß, dass die 67 ein sauberes Ergebnis ist. 50% ist nun mal Durchschnitt. Alles drüber kann man lesen. (Und eine 50 zu rezensieren macht mit Abstand am wenigsten Spaß. Ich hätte Lust, mal wieder was richtig schlechtes zu lesen. *fg*)

Aber wie gesagt: Bildet euch eure eigene Meinung.

httpv://www.youtube.com/watch?v=1yqVD0swvWU

PS: Ich würde einiges darauf wetten, dass der Name „Eragon“ ebenfalls ursprünglich ein Tipp-Fehler war. Das „E“ auf der Tastatur liegt verdächtig nahe neben dem „D“.

PPS: Nur falls es von einigen verpasst worden ist, hier auch noch mal gleich der Link zum Interview mit Victoria Schlederer zu „Des Teufels Maskerade“

PPPS: Hier noch meine alte Kritik zu James Barclay, dessen Zyklus „Die Legenden/Chroniken des Raben“ ich in der Kryson-Rezension erwähnt hatte. Es ist tatsächlich ein sehr interessanter Vergleich. Den Barclay (nach meinem Geschmack – und für Stephan war er immer noch zu langatmig!) für sich entscheidet.

8 comments for “Rezension Kryson

  1. 4. Juni 2009 at 16:44

    Über so Dinge wie Bahre/Trage kann ich hinwegsehen, obwohl ich begeisterte Leserin des Bestatterweblogs bin. Aber redundante Informationen nerven wirklich. Neulich habe ich einen historischen Krimi gelesen, da hat der Autor auch einige Informationen mehrmals wiederholt, so dass ich mich schon gefragt habe, ob er seine Leser für doof hält. Könnte ich mich aufraffen, dazu eine Bewertung zu schreiben, würde das deutlich ins Gewicht fallen.
    Über die Adler-Sache habt ihr ja neulich im FSF-Forum lange diskutiert, dabei ist die Antwort doch so einfach: hätten die Adler Taxi gespielt, wäre es ein ziemlich dünnes Buch geworden und Tolkien hatte vielleicht schon einen Vertrag über einen Dreiteiler ;-)
    Stören Dich/Euch gerade bei Steamtown diese Nörgeleien über Kleinigkeiten nicht? Mir fällt auch hin und wieder was auf, aber ich traue mich nie, Kritik zu üben.

    • Tom
      4. Juni 2009 at 17:03

      Das schöne ist:
      Ein „weil ich es so will“ als Argument mit der Adler-Sache lass ich gelten.
      Auch ein: „ich hab drüber nachgedacht, aber es liegt nicht im Charakter der Adler“ (einen Vertrag über drei Bücher hatte er im Übrigen nicht).
      Es sieht allerdings wirklich so aus, als hätte Tolkien hier ein Plothole übersehen.
      Obwohl mir Dr. Hauss da vehement nicht zustimmt.

      Auch bei Bernd hab ich da ein. zwei Löcher dieser Kathegorie entdeckt. aber die dürft ihr selber suchen.

      Was Steamtown angeht:
      Nö. Nervt uns überhaupt nicht. Immer kritisier. Bei einigen Sachen haben wir vorher drüber gesprochen – und geben intern Tipps ab, wer als erstes darauf hinweist. Nico, TPF, Andre S. … Darf ruhig mal auch ein(e) andere(r) sein. ;)
      Ansonsten hilft uns jede Kritik, es besser zu machen (auch wenn simple Kommafehler ein Fall für’s Lektorat sind – inhaltskritik ist auf jeden Fall wertvoller. aber willkommen ist jede.
      Dafür machen wir das ja.
      Interaktiver Fortsetzungsroman heißt es nicht umsonst. Außer, es interagiert niemand. Dann schon. ;)

      • Trischa
        5. Juni 2009 at 09:54

        Das mit dem Vertrag war ein Scherz, deshalb auch das „;-)“ dahinter ;-)

  2. 4. Juni 2009 at 22:01

    Na, da bin ich ja auf das Ausnahme-Werk des Hr. Rümmelein gespannt wie ein Flitzebogen… Oder auch nicht.

    Ach ja, was soll das folgende bedeuten?
    „Epische Fantasy ist so… 80s. So wie Hohlbeins Enwor-Serie oder Zimmer-Bradleys Darkover.“

    Epische Fantasy heutzutage ist Bakker, Erikson, Martin und Konsorten.
    Und Darkover und „Achtziger“? *Autsch!*

    Ach ja, so nebenbei: Was ist „80s“?

  3. Tom
    5. Juni 2009 at 01:29

    Jaja, ich weiß, dass Darkover schon 62 anfing und eigentlich mehrheitlich aus den 70ern stammt. Aber es ist für mich mit meiner Jugend-Lesezeit in den 80ern und Conan-Verfilmungen dieser Zeit untrennbar verbunden, genauso wie mit Michael Moorcock und dem ewigen Helden (jaja, ich weiß, fing auch in den 70ern an…), David Eddings Belgariad-Saga, mit Boris Vallejo, mit Heavens Gate und Iron Maiden.
    Hobbits meet Blind Guardian. Schwarzes T-Shirt, D&D-Nächte, Räucherstäbchengeruch und „Battalions of Fear“. Das ist in etwa „Epische Fantasy“ für mich.
    Was Bakker zum Beispiel aber auch ziemlich gut beschreibt.
    Natürlich war das übertrieben. *g*

    Sagen wir so: ich habe sie in den 80ern geliebt, deswegen ist sie für mich 80s. Danach kam mir da aber nichts mehr in die Finger, das mich überrascht oder vom Hocker gerissen hätte

    Ps: wie ich gerade feststelle, ist David Eddings vor gerade mal 3 Tagen gestorben! Uh. Okaaay…

  4. Stephan
    5. Juni 2009 at 09:09

    Wir sollten bedenken, dass die heutige Jugend (oh Gott, habe ich das gerade wirklich gesagt?!) die damalige „klassische“, epische Fantasy doch gar nicht kennt, sich aber in Geschmacksdingen nicht so sehr geändert hat, wie wir manchmal glauben. Was damals seine Daseinsberechtigung hatte, wird genau in der Art sicher auch heute und morgen seine Zielgruppe finden. Heutzutage eben statt mit D&D mit WoW, statt Räucherstäbchen Ikea-Duftkerzen und statt Blind Guardian…äh…immer noch Blind Guardian.

    Ich würde sagen, epische Fantasy ist unabhängig vom Jahrzehnt in dem man geboren wurde, eine Lebenseinstellung oder eine Phase. Manche geraten kurzzeitig hinein, manche früh, manche spät, manche bleiben ein Leben lang dabei und andere werden nie davon bedroht.

    PS: David Carradine ist übrigens auch gestorben. Die Besten sterben eben jung.

  5. 5. Juni 2009 at 23:38

    „Hobbits meet Blind Guardian. Schwarzes T-Shirt, D&D-Nächte, Räucherstäbchengeruch und “Battalions of Fear”. Das ist in etwa “Epische Fantasy” für mich.“

    Das ist die interessanteste Definition für „Epische Fantasy“, die ich je gelesen habe. Leider hilft diese weder bei deiner Rezension weiter, noch sonst irgendwie.

    Ich bin ja auch Jahrgang 68 und habe damals in den 80er Jahren viel Fantasy gelesen. (Und ja, ich höre selber gerne Hard Rock/Metal/Prog.) Aber ehrlich gesagt, sollte man dann doch Vergleiche mit den heutigen Autoren betreiben, wenn nun schon ein neuer „epischer Fantasy Autor“ auftaucht, in dieser Generation. Und das ist nun mal nicht Eddings, Leiber, Moorcock oder sonstwer von damals, sondern ein GRRM, Bakker, David Anthony Durham oder ein Daniel Abraham.

    Von daher weiß ich momentan überhaupt nicht, wie ich Deine Rezi (und Dein halbes Zurück-Rudern) überhaupt beurteilen soll.

    Gruß,
    Teich

    • Tom
      5. Juni 2009 at 23:59

      Das ist ganz einfach:
      Die Anmerkung dazu, dass ich epische Fantasy ganz persönlich nicht (mehr) zu meinen Favoriten zähle, hat mit der Rezension im Grunde nichts zu tun, da ich
      a) bis auf Barclay keinen Vergleich angebracht habe und
      b) keine (bewusst) subjektive Rezension geschrieben habe.
      Ich kann Bücher auch dann als gut bewerten, wenn ich persönlich nichts damit anfangen kann – und ich schaffe es sogar, Bücher schlecht zu bewerten, obwohl sie mir ganz persönlich Spaß gemacht haben (Matthew Reilly ist so ein Kandidat. Objektiv betrachtet ziemlicher Schrott – aber ich freue mich auf jeden neuen Band mit Scarecrow).

      Davon abgesehen kann ich mit George Martin, Abraham oder Bakker ebenfalls nicht viel anfangen (und zu allen dreien passt Blind Guardian hervorragend. Und ja, ich hab die ersten 7 Alben. Ich schäm mich nicht einmal dafür. Genauso wenig wie für Judas Priest oder Iron Maiden. Hey, das ist meine Jugend! *g*).
      Das liegt aber darin begründet, dass mir die weltumspannenden, reicheverschiebenden, global-katastrophalen Großplots der epischen Fantasy nicht liegen. Die haben sich aber bis heute nicht geändert (klar. sonst wär’s ja nicht mehr „episch“). Das hat mich mit 17 begeistern können – heute langweilt es mich schnell. Richart Schwartz und sein geniales, eingeschneites Gasthaus zum Beispiel sind da eher nach meinem Geschmack. Aber um meinen Geschmack geht es in Rezensionen nicht.

      Deswegen als Hinweis: Lies die Rezension als Rezension – und meine persönliche Meinung als meine persönliche Meinung.

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