The Descent

Lustiger Videoabend beim Hefeweizen.

Mehr gibt der Film aber auch nicht her.
Das Setting ist natürlich toll (als alter Alienfan und rollenspielerischer Dungeoncrawler muss mir das ja gefallen), aber leider hab ich mir wie üblich zu viel versprochen.

Für alle, denen der Film nichts sagt:
6 Mädels, eine Biologin, eine traumatisierte Mutter (nein, keine postnatale Depression, sondern der Unfalltod ihres Mannes, der nebenbei für den einzig guten Schockeffekt sorgte, weil er schön trocken rüberkam. Trocken nur rein metaphorisch gesprochen allerdings. *fg*), eine randirre Asiatin, eine ziemlich komplett-irre Basejumperin ohne den geringsten Menschenverstand und – äh… zwei weitere Statistinnen, kriechen zwecks Entspannung in ein unerforschtes Höhlensystem, werden eingeschlossen und suchen einen Weg hinaus.
Nach einiger Herumkletterei, bei der sie mindestens zweimal feststellen, dass sie schnell raus müssen, weil ihre Lampenbatterien langsam nachlassen (sie aber jede immer mindestens 2 Lampen betreiben und mit Chem-Glos und Magnesiumfackeln um sich werfen, als hätten sie steten Nachschub direkt aus den Kisten des Kamerateams) finden sie Hinweise, dass schon vor ihnen Leute in dieser Höhle waren. Prähistorische Höhlenmalereien, 100 Jahre alte Kletterhaken, alte Minen-Helme, Öllampen, diverse Dutzend Schädel und dekorativ vollständig gebliebene Wirbelsäulen – das Übliche halt. (Schön auch, dass sie über die Gefahr von Dehydration in der Höhle schwadronieren – während sie fast gleichzeitig durchs Wasser robben…)

Kurz darauf machen sie ersten Kontakt mit Gollum.
Der diesmal aber seine ganze degenerierte Großfamilie dabei hat.
Furchbar fiese Jungs und Mädels, die wie Orksens an der Decke herumkrabbeln, seltsame Vampirzähne wie weiland Max Schreck in ‚Nosferatu‘ haben und neben toten Bären und Hirschen auch ganze mannstiefe Teiche aus frischen Blut in ihrer Höhle bunkern.
Die sich hervorragend zum darin Schlammcatchen und dann einheitlich Martialisch-Rot gefärbt daraus hervorsteigen eignen.
Nach dem obligatorischen Beinbruch (natürlich der waghalsigen Basejumperin. Überraschung, Überraschung…) machen sich die Gollums daran, das Kaffeekränzchen zu dezimieren und stellen sich dabei dermaßen dämlich an, dass man sich ernsthaft fragen muss, wie diese Sippe es auch nur eine Generation in der Höhle überlebt hat – geschweige denn, wie sie einen Bären erlegen konnten.
Erstens benutzen sie keinerlei Waffen (und Kehle-Durchbeissen ist selbst mit ihrem Gebiss bei einem Bären… naja. Vermutlich wurde der Bär von einem der Holzlaster draußen im Wald überfahren und sie haben ihn nur eingesammelt), zweitens sind sie vollkommen blind (haben aber trotz allem bewegliche Augen mit Pupillenreflex. Ach, was soll’s…), orientieren sich der Biologin zufolge „wie Fledermäuse“ (was die Nosferatu-Ohren und das an-der-Decke-Hängen erklärt) durch Nazgul-Gekreische und Gehör.
Was sie allerdings nicht daran hindert, das Geschrei, die Schritte, das Rauschen der Fackel und das Gekeuche der vollkommen außer Atem herumhängenden Mädels komplett zu überhören.
Von der Tatsache, dass auch ihr Tastsinn und ihr Geruchssinn, selbst bei direktem Kontakt (bzw 15 cm Nase-Achsel-Abstand) komplett im Eimer sein muss.
Insgesamt äußerst bemerkenswert, dass sie nur etwa ein bis anerthalb Dutzend Verluste gegen die Mädelbande zu verzeichnen haben.
Ihr Jagdglück scheint offensichtlich in erster Linie auf die Blödheit ihrer Beute zurückzuführen, denn die Damenschar rennt ständig panisch kreischend und keuchend im vollen Tempo durch unbekannte Gänge, gibt Blairwitch-Einlagen, fällt konsequenterweise in Löcher und von Felsabsätzen und dezimiert sich nebenbei aus Blödheit und sozialen Differenzen auch noch gegenseitig.

Der Schluss (wobei ich denke, dass der Kino-Schluss etwa 3 Minuten vor dem DVD-Schluss war! Leidliches Happy-End und so.) gefällt mir sogar halbwegs.
Man muss eben im Kopf behalten, dass die Mädels zum Großteil selbstverschuldet den vorzeitigen Tod gefunden haben (man RENNT nicht kreischend durch Höhlen! Man schreit überhaupt nicht in Höhlen. Weder als Spelunker noch als Fledermausmonster. Das ist die ERSTE Regel beim Höhlenklettern. Und man trennt sich nicht! Schon gleich gar nicht, wenn man von sabbernden Gollums attackiert wird! Mannmannmann…).
Und man muss davon ausgehen, dass die Höhlenfreaks (also die ohne offizielle amerikanische Staatsbürgerschaft) in Europa nicht bis heute überlebt hätten, weil sie mangels blöder Opfer und eigener Unfähigkeit schon vor Jahrhunderten verhungert wären.

Wenn man allerdings weiß, worauf man sich da einlässt, oder von Anfang an nicht mehr erwartet als leidlich splatterige Unterhaltung zum Bier, dann gibt es schlechtere DVDs, die man sich ausleihen kann.
Die unsägliche Schweizer HdR-Parodie ‚The Ring Thing‘ zum Beispiel.
Tut. Es. Nicht!!!

Ach so… die Wertung.
Setting: 6/10
Grundstimmung (immerhin ohne jegliche blöde, aber leider übliche Hilfsbeleuchtung der Höhlen gedreht, also nur mit der Lichtanlage, die die Mädels so mit sich herumtragen): 7/10
Plot: 3/10
Blödheitsfaktor aller Figuren: 2/10 (bzw. eigentlich eher 8/10. Gute Punktzahl für anhaltende Dummheit und Lebensunfähigkeit).

Gesamt also: 4.5/10

Spart’s euch. Ich muss mir wohl „The Cave“ noch holen. Gleiches Setting. War zwar nicht im Kino, aber soviel Schlechter kann’s nicht sein…

PS: Es macht trotzdem Lust auf ein Höhlen-Abenteuer im RPG. *g*
PPS: Wertung ‚The Ring Thing‘: 2/10 für die ersten 20 Minuten. Mehr konnte ich mir beim besten Willen nicht antun. Wie HdR von Monty Python. Nur vollkommen humorbereinigt.

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