Kritik: Pfadfinder (Der Film, 2007)

Vorab: Es geht hier nicht um eine Dokumentation über die weltweite Pfadfinderschaft oder die Verfilmung des schlauen Buches von Fähnlein Fieselschweif aus Entenhausen. Das wäre allerdings spannender gewesen.

Ich habe mir tatsächlich an einem verregneten Abend den gleichnamigen Action… Abenteuer… Fantasy?… Film angesehen.

Und das allerbeste, was ich über diesen Film sagen kann, ist: Ein Glück habe ich dafür kein Geld an der Kinokasse gelassen, sondern ihn mir von einem Bekannten geliehen. Obwohl… im Kino hätte ich vielleicht mein Geld zurück fordern können. Mist.

Gut, der Inhalt in Kürze: Irgendwann einige Jahrhunderte vor Kolumbus und Co strandet ein Wikinger-Supercontainerschiff an der barbarisch-malerischen Küste von Neufundland und eine brave Indianer-Squaw findet inmitten der Berge von Altmetall und rostigen Ketten im ausgedehnten Laderaum des Schiffes zwar nicht den Dieselmotor, wohl aber einen etwa zehnjährigen Wikingerburschen (den bei den Wikingern keiner mochte, weil er nicht auf Indianer-Kinder-Meucheln stand).

Der wird in den Stamm aufgenommen und vertreibt 15 Jahre später fast im Alleingang eine komplette nordische Invasionsflotte. Das ist die Handlung im Groben. Nicht gerade anspruchsvoll, aber einige der unterhaltsamsten Filme aller Zeiten haben nicht wesentlich mehr Handlung als ein abwaschbares Bilderbuch für Vorschulkinder, insofern ist das nicht unbedingt ein Minuspunkt.

Will man hingegen die echten Minuspunkte dieses Machwerkes wirklich aufzählen, weiß man gar nicht, wo man anfangen soll.

Da ist unser indianisierter Wikingersproß (gespielt von Karl Urban, der schon im Herrn der Ringe als Éomer eine eher blasse Figur machte), der ein wenig wirkt wie „George, der aus dem Dschungel kam“. Er ist zu Beginn der eigentlichen „Handlung“ rein rechnerisch etwa 25, offensichtlich für den Stamm aber nur ein dekoratives Weichei, denn der Status als Krieger und mithin Mann ist ihm immer noch nicht zugestanden worden. Was bei den Stämmen Nordamerikas in der Regel etwa mit 15 Jahren passierte. Wobei das kein großes Wunder ist, denn statt jagen und sonstige produktive Aufgaben zu übernehmen, steht der Kerl lieber im Wald herum und bringt sich autodidaktisch (und ein wenig autistisch anmutend) das Schwingen eines übergroßen, rostfreien Wikingerschwertes bei. Was sich hauptsächlich im Einnehmen von Conan-Posen und dem Eindreschen auf tückisch ruhige Wasserflächen erschöpft. Immerhin gewinnt er so die Freundschaft des stummen Dorftrottels und eines kleinen Mädchens. Und dank seiner imposanten Erscheinung wirft schließlich auch die Tochter des Pathfinders (so eine Art Häuptings-Schamane. Oder so.) eines Nachbarstammes ein Auge auf ihn. Was nicht nur den restlichen Männern im Stamm, sondern auch dem Zuschauer rätselhaft sein dürfte.

Seine Stunde schlägt schließlich (4-fache Alliteration. Stark.), als eine Flotte von Drachenschiffen an der Küste landet. Aus denen Wikinger steigen. Oder Leute, die jemand mit Wikingern verwechseln könnte, der Conan für einen historisch korrekten Tatsachenbericht hält.

Aber dafür gibt es eine gute Begründung der Filmemacher: „Wir wussten, dass die historischen Wikinger keine riesigen Tierhörner an ihren Helmen hatten, aber wir entschieden uns trotzdem dafür, welche hinzuzufügen. Weil das für das moderne Publikum, das dieses Stereotyp, wie ein Wikinger auszusehen hat, verinnerlicht hat, funktionieren würde. Außerdem lassen die Hörner die Wikinger erschreckender aussehen.“ Und, so das Team weiter, außerdem sind Hörner am Helm cool. Tulsa Doom in Conan sah Spitze damit aus, in Asterix hats funktioniert und wenn wir die Wikinger wie Gimli in einer Uruk’Hai-Rüstung aussehen lassen, dann begeistern wir gleich noch die Herr-der-Ringe-Fans, die schon wegen Karl in den Film kommen. Das erwarten diese Fantasy-Spacken doch. Die verdienen es doch gar nicht besser, diese debilen Geeks!

Als letzter Überlebender der Reiter von Ro… von Hobbing… seines Stammes stürmt Éom… Der Mit Dem Schwert Tanz… Karl halt ins Lager der Aggressoren, haut dem Handlanger des Anführers (der verblüffende Ähnlichkeit mit Dschingis Khan hat und von der deutschen Schauspiellegende Ralf Möller mit meisterlichem Tiefgang verkörpert wird) ein Auge aus, schwingt sich auf eins der typischen Wikingerpferde mit einem Stockmaß von nicht unter ca. 2 Meter 80 (Reiten ist wie Fahrradfahren. Das ist angeboren) und führt in einer wilden Flucht die nordische Horde gleich zum Nachbardorf, damit sich auch die dortigen Eingeborenen abschlachten lassen können.

Auf dem Weg dorthin tötet er mehr Wikinger, als alle Krieger seines Ex-Stammes zusammen (Score: 0), rodelt in einer Schild/Schlittenverfolgungsjagd ein Schneefeld hinab (ich kann mich nicht entscheiden: geklaut aus „James Bond“ oder „Willow“?), durch Landschaftsaufnahmen, die beim Schneiden der HdR-Filme unter den Tisch gefallen sind, wechselnd von Schneefeldern in Wälder voller sommerlicher Farndickichte und wieder zurück und zeigt den kampfunerprobten Uruk’H… Zwerg… Wikingern, wie man mit zwei Schwertern umgeht.

Zwischendurch eilen ihm die grenzdebilen Hobbit… Elb… Stammeskrieger zu Hilfe, zerlegen sich dabei jedoch selbst zu Dutzenden in den schlauen Fallen, die der Predato… Gouvernato… Tarz… Karl halt in Minutenschnelle ausgehoben und gebastelt hat, so dass er am Schluss wieder nur mit der Unterstützung von Pocahontas, dem Dorftrottel und dem letzten Mohikaner (womit hat man den alterwürdigen Indian-Rights-Aktivisten Russell Means eigentlich erpresst, dass er hier mitgespielt hat?) Ork… Schlangenkultfanat… Wikinger killen muss.

Schließlich werden Chingachgook und der Dorftrottel doch umgelegt und Pocahontas und Tarz… George… Cona… Karl halt doch gefangen genommen und müssen die Zwerg… Wikinger zum nächsten Dorf führen.

Zum Glück sind jene aber blöd genug (als Volk subtropischer Wüstenregionen kennt man natürlich die Gefahren zugefrorener Gewässer im Frühjahr nicht), sich samt Pferden in Seen versenken zu lassen. Was überlebt, marschiert aber stur und alteisenklirrend weiter dem… ah egal, Karl hinterher.

Da man bekanntlich aber mit Zwergen nicht den Weg durch Moria nimmt (selbst wenn diese mit Ork-Rüstungen getarnt sind), wählt man den Pass über den Caradras (im Papierkorb von Peter Jacksons Schneideraum waren noch Bilder übrig). Wo die Gefährten in Sarumans Schneesturm auf schmalem Pfad entlang balancieren und schließlich vom cleveren Borom… Fara… Éom… Karl halt in den Abgrund geschubst werden.

BEVOR er eine Lawine auslöst, die ihn auch noch vom Sims befördert.

So probt er am Seil baumelnd den „Cliffhanger“-Zweikampf mit dem Zwergenanführer, prügelt sich mit dem Dschinghis Khan-Handlanger, besiegt alle und jeden, kriegt Pocahontas ins Bett (schon wieder), verbrennt die Öltanker der Orks und verhindert so, dass die persischen Horden die Schlacht an den Thermopylen für sich entscheiden können.

Oder so ähnlich zumindest.

Nein, es ist nicht nur das Remake eines norwegischen Filmklassikers, es ist auch eine Comicverfilmung. Gegen die 300 zum Beispiel mit unglaublichem Tiefgang und geschliffenen Dialogen, oskarverdächtiger, schauspielerischer Leistung, brillantem Humor, komplexem Drehbuch und realistischer animiertem CGI-Blut in jeder denkbaren (und einigen undenkbaren) Kategorie um Längen gewinnt. Schon weil sich Pathfinder nicht einmal für den Start in auch nur einer der Gruppen qualifizieren konnte.

1 von 10 Punkten (und das ist auch nur der obligatorische Trash-Punkt, der es mir ermöglicht, überhaupt eine Kritik zu schreiben).

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