Deutscher Phantastik Preis

Der dpp ist der bekannteste und damit wohl auch wichtigste deutsche Buchpreis, der ausschließlich für Bücher im Bereich Phantastische Literatur vergeben wird.

Im Gegensatz zum Deutschen Buchpreis (der deutlich größer ist und natürlich mit wesentlich mehr Kategorien aufwartet, unter denen die Phantastik dann doch eher nur ein Randgebiet ist), ist der dpp vor allem ein Publikumspreis. Das heißt, er wird von den Lesern des Online-Magazines Phantastik-News in verschiedenen Kategorien vergeben. 

Was mich aus mehreren Gründen zum Nachdenken bringt.

Zum einen, weil dieses Online-Magazin derart unübersichtlich und unleserlich ist, dass es mich tatsächlich verblüfft, dass sie genügend Leser zusammen bekommen, um irgend etwas zu jurieren. Ein Magazin, das in seinem Preis immerhin die Kathegorie „Beste Website“ vergibt, sollte doch zumindest in der Lage sein, seine eigene halbwegs im Mittelfeld der Gestaltung professioneller und zeitgemäßer Online-Magazine zu halten (was nun wahrlich nicht schwer ist). Selbst Telepolis, das staubtrockene Heise-Magazin, ist benutzerfreundlicher und die direkte Konkurrenz Phantastik-Couch spielt gestalterisch schon in einer ganz anderen Liga. Und das sage ich nicht nur, weil ich dort selbst gelegentlich rezensiere. Sondern vor allem, weil ich dort auch finde, was ich suche.

Das wirft die Frage auf, ob ich meine eigenen Arbeiten im kommenden Jahr nicht selbst zur Nominierung stelle. Die Konkurrenz ist nicht groß. Wobei es fraglich ist, ob man mit einem besseren und übersichtlicheren Design tatsächlich gewinnen könnte – denn die bewertenden Leser müssen ja schon zwangsweise einen leichten Hang zum Masochismus haben. Denn sonst wären sie keine Leser dieses Magazines. Leute – es ist anstrengend.

Eine andere Frage, die sich aufdrängt, ist, ob ein reiner Publikumspreis mit online-Stimmenvergabe wirklich aussagekräftig ist. Gut, der Deutsche Buchpreis orientiert sich zum Teil auch an Verkaufszahlen, was ebenso ungünstig ist – aber zusätzlich haben sie immerhin eine Jury, die sich (hoffentlich) von anderen Faktoren als der Größe der Fan-Basis beeinflussen lässt. Denn wenn ein Markus Heitz sich zur Wahl beim Phantastik-Preis stellt, dann heißt sein nahezu vorprogrammierter Sieg bei einem derartigen Abstimmungsmodus nicht zwingend, das er den Preis auch verdient hat, sondern dass er schlicht die meisten Fans hat, die ihm ihre Stimme zuschanzen. Bliebe also der Feldversuch zu machen, ob man mit einer guten Mobilisierungskampagne unter spaßbereiten Leuten auch dem letzten Müll zum dpp verhelfen könnte. Der Gedanke ist immerhin reizvoll…

Was jetzt übrigens nicht bedeutet, dass die zur Wahl gestellten Geschichten schlecht sind! Im Gegenteil! Einige davon, wie auch einige der Autoren, wie z.B. Carsten Steenbergen, schätze ich sogar sehr. Allerdings fehlen mir auch eine ganze Reihe hervorragender deutscher Phantastik-Bücher völlig. Offensichtlich haben es die jeweiligen Autoren versäumt, sich selbst dort zu bewerben. Das ist also ein weiteres Manko.

Von einem Preis dieser Größenordung sollte man eigentlich erwarten können, dass sich irgend jemand die Mühe macht, den aktuellen Buchmarkt zu sichten und auch vielversprechende Erscheinungen zumindest für die Vorrunde nominiert (und deren Autoren informiert) werden, die sich nicht selbst beworben haben. Denn so entsteht doch ein Zerrbild, dass den Wert des Preises auch und gerade für Jungautoren, die tatsächlich in einer der Kategorien gewinnen erheblich herabsetzt. Und gleichzeitig fleißige Preissammler wie Herrn Heitz (nichts gegen seine Arbeiten) über Gebühr lobt. In einem Heimspiel, das er schon deshalb gewinnt, weil die Konkurrenz, zumindest was die Fanbasis angeht, vernachlässigbar ist.

Schließlich wäre noch anzumerken, dass auch die Webseite der Preisverleihung in ein bis zwei Tagen Heimarbeit doch deutlich professioneller zu gestalten wäre. Was ja irgendwie auch die Qualität des Preises ein wenig anheben würde. Schade, dass da dermaßen viel versäumt wird – reden wir gar nicht davon, dass es inhaltlich irgendwie hilfreich wäre, die Büher, Geschichten und Webseiten eventuell irgendwie auffindbar oder sogar (an)lesbar zu machen, mit einer Kurz-Beschreibung zu versehen oder sogar (welch Luxus) entsprechend zu verlinken. Gestalterisch wie von der Benutzerführung her ist auch diese Seite eher katastrophal. Was sehr schade ist, wo es doch für einige der Autoren um ihre ersten wichtigen Lorbeeren geht. Und über die würde man sich sicherlich noch mehr freuen, wenn ihre Ermittlung nicht derart lieblos gestaltet wäre.

Immerhin bringt mich das auf die Idee, mich diesem Preis im kommenden Jahr selbst zu stellen. Als Texter und Werber sollte es mir eigentlich nicht schwer fallen, mich dort entsprechend hochwertig zu präsentieren, um da das eine oder andere abzustauben. So einen Preis nimmt man doch gern mit… ;)

Vielleicht sollte ich den Leuten vom dpp allerdings auch meine professionelle Hilfe anbieten. Schaden könnte es nicht. Und das ist nicht nur meine persönliche und wie immer höchst subjektive Meinung.

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