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Epilog I
Der grauhaarige Mann stand vor dem Fenster und starrte hinaus.
Seine sehnigen Hände waren hinter dem Rücken verschränkt, seine Miene unlesbar. Schweigend ließ er den Blick über die Senke von Tanners Flat bis hin zum fernen Hafen wandern, der sich unter schweren Regenschleiern verbarg. Erste Tropfen trafen auf die Scheiben, die die gesamte Breitseite des Raumes vom Boden bis zur Decke ausfüllten. Es klang, als würden unsichtbare Finger leise gegen das Glas klopfen.
Es würde Regen geben, kein Zweifel.
Hinter ihm schloss sich mit hohlem Hall eine Tür. Dann räusperte sich jemand leise.
“Sie sind so weit?” Er drehte sich nicht um.
“Ja, Sir. Es sind alle da.”
“Gut. Ich nehme an, Sie haben seinen Abschlussbericht für mich.” Es war keine Frage, sondern eine simple Feststellung.
“Ja, Sir.”
“Na gut.” Der Mann vor dem Fenster wandte sich schließlich doch von der Aussicht ab und beehrte die Anwesenden zum ersten Mal mit seiner Aufmerksamkeit. Sein Blick streifte über das halbe Dutzend Personen, bevor er an der Gestalt, eines massigen, rothaarigen Mannes hängen blieb. “Dann erhellen Sie uns bitte, Mr. Bullcroft.”
Der rothaarige Ministerialbeamte schob einen neutralen Pappordner über den Tisch. Der Ordner war bis auf eine mittels Typenmaschine aufgedruckte Nummer unbeschriftet. Die Nummer lautete 48682-294711-518-366.
Der Grauhaarige runzelte die Stirn. “Ich würde es bevorzugen, wenn Sie uns eine kurze Zusammenfassung in Ihren eigenen Worten geben könnten, Mr. Bullcroft.”
Irritiert legte Bullcroft seine behaarte Hand auf den Ordner und zog ihn zurück. “Also gut. Kurz gesagt: Agent Van Valen kommt zu den richtigen Schlüssen.”
“Sie meinen…” Ein Blick des bulligen Rothaarigen ließ den kleinen Mann neben ihm verstummen.
“Ich meine, dass Van Valen in seinem Bericht eindeutig Sartorius und den Plasmierten mit der Modellnummer 682-424315-33-368 als Verantwortliche identifiziert und benennt.”
“Er hat die Modellnummer erfahren?”
Bullcroft schnaubte. “Natürlich nicht, Professor. Diese Information geht lediglich aus seiner Beschreibung hervor. Und jetzt würde ich es begrüßen, nicht mehr von Ihnen unterbrochen zu werden.” Er wandte sich wieder dem grauhaarigen Mann zu. “Sie hatten recht, Sir Hutton. Mr. Van Valen ist ein ausgesprochen intelligenter und zielstrebiger Mann.”
“Dann verstehe ich nicht, warum Sie ihn überhaupt von der Untersuchung abgezogen haben, Bullcroft”, warf die Dame ein, die am anderen Ende der Tafel aus Mahagoni Platz genommen hatte.
“Weil ich mich, auch wenn Sie das vielleicht nicht nachvollziehen können, meine Liebe, meinem Amt verpflichtet fühle. Van Valen hat offiziell auf eigene Faust und ohne Anweisung meiner Behörde gehandelt. Das hat zum einen den Vorteil, dass wir jegliche Verantwortung von uns weisen können. Zum anderen enthebt es uns jeglichen Verdachts, das Ergebnis der Untersuchung manipuliert zu haben. Und darüber hinaus hat es schlicht und einfach den Vorteil, ihm für seine Arbeit keine offizielle Anerkennung aussprechen zu müssen, sondern in unserer Gnade zu wissen. Ein Umstand, den ich bei meinen Agenten durchaus zu schätzen weiß.”
“Und Sie waren sich sicher, dass der Mann auch entgegen direktem Befehl weiter ermitteln würde?”
Bullcroft klopfte mit einem Finger auf die Aktenmappe vor sich. “Nichts in seinem psychologischen Profil deutete darauf hin, dass er sich anders entscheiden würde. Ja, wir waren uns sicher.”
“Ich finde, das war unnötig riskant, Welroy.” Der Sitznachbar der Dame musterte Bullcroft mit finsterer Miene.
Der Rothaarige explodierte förmlich, als er aufsprang und sich über den Tisch beugte. “Riskant? SIE wagen es, von riskant zu sprechen, Halvston? Welcher Schwachsinnige war es denn, der ohne Beschluss des Gremiums gleich zwei Einheiten aktiviert hat, nur um seine dämlichen Rachegelüste zu befriedigen? Um ein Haar hätten Sie die komplette Operation auffliegen lassen! Was meinen Sie, was los gewesen wäre, wenn das Ding einen meiner Agenten getötet hätte! Das hätte ich nicht einfach so vertuschen können. Verdammt, ich hatte schon Mühe, diesen toten Pater aus den Akten verschwinden zu lassen. Und für den interessiert sich nun wirklich kein Schwein!”
“Mr. Bullcroft, setzen Sie sich.”
Sir Huttons Stimme war kaum schärfer als zuvor. Dennoch reichte schon das, um den Rothaarigen widerstrebend wieder in seinen Sessel zu zwingen. “Sir Halvston, wir alle hier können Ihre Motive verstehen. Diese Sache mit Ihrer Tochter war nichts als ein bedauernswerter Unfall. Sie wissen genau, dass unser aller Verständnis für Ihre Gefühle der Grund ist, warum Sie noch leben. Sie sollten jedoch genau im Kopf behalten, dass es hier um weit mehr, als unsere persönlichen Bedürfnisse geht. Es stand und steht viel auf dem Spiel. Und Sie haben, wenn ich mich recht erinnere, wie alle Anwesenden hier dafür gestimmt, dass wir dieses Problem nur gemeinsam und ohne Alleingänge lösen können.”
Der Grauhaarige machte eine kurze Pause. Seine Stimme war unverbindlich und freundlich, als er hinzufügte: “Oder haben Sie Ihre Meinung geändert und schließen sich der Ansicht der Herren Hartlefield und Dunston an? Sollen wir das Projekt abbrechen und an die Öffentlichkeit treten?”
Für einen Moment war nur das leise Klopfen der Regentropfen an den Scheiben zu hören, als die Blicke aller im Raum auf der schmächtigen Gestalt Sir Halvstons ruhten, aus dessen Gesicht jegliche Farbe wich.
Tags: Bullcroft, Eric, Halvston, Professor Wachsler, Sir Hutton, Van Valen, welroy, William

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