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Epilog II
“Nein. Natürlich nicht”, stammelte jener schließlich leise.
“Na also. Sir Halvston wird also keine Alleingänge mehr unternehmen, Mr. Bullcroft. Zufrieden? Dann fahren Sie bitte fort. Was ist Ihre Einschätzung? Hält Mr. Van Valens Abschlussbericht einer Überprüfung stand?”
Welroy C. Bullcroft schnaufte. “Meine Einschätzung? Ja. Das wird er. Van Valen ist von der Richtigkeit seiner Schlüsse überzeugt. Seine Argumentation wird auch einem Untersuchungsausschuss vollauf genügen.”
“Hervorragend. Ich nehme an, Sartorius wird damit nicht nur für die Beseitigung von Hartlefield und Dunston verantwortlich gemacht, sondern auch für die Unannehmlichkeiten in den Tunneln. Und da Lethe weder beim Ministerium noch beim Untersuchungsausschuss hoch im Kurs steht, sollten wir aus dieser Richtung wohl ebenfalls keine Schwierigkeiten erwarten. Sartorius ist und bleibt die Natter in unserem ausgeräuchertem Rattennest.”
Der Beamte nickte. “Exakt. Genauso steht es in den Akten. Ironischerweise können wir ihm sogar den Diebstahl eines Plasmawerfer-Prototypen bei Hoegle nachweisen. Einer seiner Wachleute hat gestanden. Zu schade, dass das Ding explodiert ist, bevor die Konstruktionspläne angefertigt waren. Wenn Sie mich fragen, dann sah es nach einem verdammten Wunderwerk aus.”
Sir Hutton nickte zufrieden. Dann wandte er sich an den Mann neben Bullcroft. “Das bringt uns zum nächsten Punkt. Professor Wachsler, was hat die Auswertung von Sartorius Aufzeichnungen ergeben?”
Der Professor schnaubte abfällig und schob seine Brille zurecht. “In erster Linie, dass der Mann ein Idiot war. Brillant, zugegeben, aber dennoch ein Idiot. Unsere Vermutungen waren richtig. Er hatte tatsächlich einen Alleingang vor. Immerhin sind einige seiner eigenen Modifikationen der Einheiten bemerkenswert. Zusammen mit dem neuen Plasma werden sie nochmals eine beträchtliche Leistungssteigerung unserer Produkte bewirken.”
Die Dame am Ende des Tisches beugte sich interessiert vor. “Von wie viel sprechen wir, Professor?”
“15 bis 18 Prozent, schätze ich.”
“Nein, ich meine, wie viele Plasmierte haben wir inzwischen?”
Professor Wachsler wandte sich an den jungen Mann zu seiner Linken. “Dr. Wojcik?”
Jan Wojcik zog ein einzelnes, sorgfältig gefaltetes Blatt aus der Tasche und überflog es kurz. “Insgesamt 140 Einheiten der fünften und sechsten Generation, Professor. Und ich schätze, jetzt, nachdem wir Sartorius’ Ergebnisse ausgewertet haben, dürften wir die ersten 20 Einheiten der Generation Sieben bis zum Ende des Monats fertiggestellt haben. Wir sind also zuverlässig im Zeitplan. Und seit wir die Zuleitung zum Asylum stillgelegt haben, beruhigt sich tatsächlich auch die Lage in den Tunneln.”
“Bedeutet das, dass Sie die Leckagen endlich im Griff haben, Wojcik?”
Der schmächtige Doktor wandte sich an Sir Hutton. “Wir sind seit drei Tagen wieder innerhalb der Normwerte, Sir. Und nachdem der größte Teil der Quexer bereits beseitigt ist oder sich an Lethe aufgerieben hat, kann man mit Recht sagen, dass wir mit einem blauen Auge davon gekommen sind.”
“Die Tunnler werden das anders sehen.”
“Schon.” Wojcik zuckte mit den schmalen Schultern. “Aber wen interessiert das? Die können sich ja beim Ministerium beschweren.”
Rund um den Tisch schnaubten die Anwesenden amüsiert.
“Aus meiner Sicht hätte zumindest dieser Teil kaum besser laufen können”, stellte Bullcroft fest. “Wir sind dem Quexerproblem gerade noch mal entkommen und als Bonus ist dank der Mistviecher nicht allzu viel von Lethe übrig geblieben, wie mein Kontakt bestätigt. Es wird Jahre dauern, bis die sich erholt haben. Falls sie es überhaupt je schaffen. Das nenn’ ich zwei Ratten mit einer Falle.”
“Bei aller Freude möchte ich Sie nochmals nachdrücklich warnen, Professor”, warf Sir Hutton mit kühler Stimme ein. “Noch einen solchen Zwischenfall können wir uns nicht leisten. Also sorgen Sie dafür, dass das das letzte Leck war. Haben wir uns verstanden?”
Wachsler nickte grimmig.
“Ausgezeichnet.” Die Dame lehnte sich, offenbar zufrieden, zurück. “Ich sehe, meine Investition ist gut angelegt.”
“Investitionen in patriotische Ziele sind immer gut angelegt, meine Liebe.”
Die Dame musterte Sir Hutton einen Moment. Dann lächelte sie. “Selbstverständlich, William. Um noch einmal auf Mr. Van Valen zurück zu kommen: Wie wollen Sie jetzt mit ihm und seinem Plasmierten verfahren, da sie ihren Zweck erfüllt haben? Ich halte sie nach wie vor für ein Sicherheitsrisiko.”
“Ein Unfall im Dienst ließe sich arrangieren” warf der Rothaarige ein. “Das sollte kein Problem darstellen. Ihre Entscheidung, Sir…” Bullcroft ließ den Schluss des Satzes in der Luft hängen.
Sir Hutton sah einige lange Augenblicke aus dem Fenster. Schließlich schüttelte er den Kopf. “Nein, Mr. Bullcroft. Ich kann Ihnen natürlich keine Vorschriften machen. Aber wenn Sie meinen Rat wollen, dann geben Sie dem jungen Mann einen wohlwollenden Aktenvermerk und eventuell eine kleine Anerkennung auf sein nächstes Gehalt. Und lassen Sie ihm seinen Plasmierten. Ich könnte mir vorstellen, dass wir ihre Nützlichkeit noch nicht ausgeschöpft haben.”
—-
Als sich die Tür hinter dem letzten seiner Besucher geschlossen hatte, wandte sich Sir William Hutton wieder dem Fenster zu. Die Regenwolken waren fast heran und das Klopfen an den Scheiben wurde eindringlicher.
Schweigend sah er einige Minuten hinab über den ausgedehnten Komplex der Plasmafabrik.
“Ihr schont ihn tatsächlich nicht nur, weil er einer Eurer Söhne ist, Sir?”
Der dunkelhaarige, junge Mann war beinahe lautlos neben ihn getreten und sah ebenfalls hinaus in den nahenden Sturm.
“Meinst du wirklich, ich würde jemals einen meiner Söhne über die Sache stellen?”
Schweigend beobachteten die beiden Männer, wie die Regenschleier mehr und mehr der Fabrik vor ihren Blicken verbargen. Schließlich schnaubte der junge Mann belustigt. “Nein, Vater. Das glaube ich wirklich nicht.” Er reichte dem Grauhaarigen eine Notiz. “Mr. Huxley vom Einwanderungsbüro hat sich gemeldet. Er hat wieder drei geeignete Kandidaten für uns. Aber er möchte mehr Geld.”
Sir Hutton wandte sich vom Fenster ab und warf einen Blick auf die Notiz in seiner Hand. Dann seufzte er und gab das Blatt dem anderen zurück. “Dann kümmere dich darum, Jamie.”
Der junge Mann erwiderte seinen Blick aus nachtschwarzen Augen.
Dann blinzelte er.
Einmal.
Tags: Bullcroft, Dunston, Hartlefield, Jamie, Jan Wojcik, Professor Wachsler, Sir Hutton, Van Valen

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