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9
Nov

Kapitel 8-09

   Posted by: Steamtown    in Kapitel 8

„Kopf runter!“, rief Eric der Emanatin keuchend zu. Er packte Whiggs an der Schulter und drückte sie hinter einen umgestürzten Metallschrank, der neben einer gemauerten Trennwand lag. „Der Wahnsinnige wird gleich wieder auf uns schießen!“ Der Atem des jungen Agenten kam stoßweise und gepresst.
Whiggs zog eine Augenbraue hoch und ließ einen geringschätzigen, fast atemlosen Laut hören. „Der Schrank wird diesen Plasmawerfer kaum davon abhalten, uns in kleine, niedliche Dampfwolken zu verwandeln, Eric.“
„Natürlich nicht. Aber er verdeckt Sartorius die Sicht auf uns. Schnell, kriechen Sie weiter. Hinter die Mauer!“
„Schnell? Sie sollten an ihrem Humor arbeiten.” Die junge Frau fluchte gedämpft, während sie auf allen Vieren vorwärts zu kriechen versuchte. “Der entwickelt sich nämlich mittlerweile arg in Richtung Lederhaut-Niveau. Mit diesem Kleid kommt man nirgendwo schnell hin.“
„Ja, ja, geschenkt. Nun machen Sie schon. Sie… ach, was solls.“ Eric legte Whiggs die Hände auf’s Hinterteil und gab ihr einen kräftigen Stoß. Mit einem verblüfften Laut rollte Whiggs vorwärts. Eric verzog das Gesicht und hustete. Ein stechender Schmerz durchfuhr seine Seite und nur mit Mühe kroch er weiter. Whiggs stemmte sich auf die Hände und funkelte ihn mörderisch an. “Was…”
“Kein Wort!” knurrte Eric. “Nicht eines! Weiter.”

„Van Valen! Sie wollen sich doch nicht ernsthaft vor mir verstecken, oder?“, schaltete sich Sartorius mit lauter Stimme ein. Der Klang seiner Stimme war mit einer deutlichen Verärgerung eingefärbt. „Wirklich, Sie enttäuschen mich.“
Das Summen des Plasmawerfers erreichte seinen Höhepunkt. Dann verwandelte es sich plötzlich in ein scharfes Fauchen und im nächsten Moment traf irgend etwas den Schrank, der darauf in einer heftigen Explosion verdampfte. Dahinter öffnete sich eine kraterartige Wunde in der Wand, aus der es Mauerteile, Metallstücke und leuchtendes Plasma regnete. Die Explosion musste eine Leitung zerfetzt haben, welche nun ihren Inhalt in den Raum hinein ergoss. Whiggs und Eric, die nur Augenblicke vorher die Deckung des Schrankes verlassen hatten, wurden von einer heißen Druckwelle erfasst und vorwärts geschleudert. Eric schrie auf, als ein Klumpen Mörtel seine Seite traf und eine weitere Schmerzwelle durch seine gebrochenen Rippen trieb. Whiggs landete neben ihm auf dem Boden, vom der umgeschlagenen Krinoline und dem Stoff ihres Kleides halb begraben und rang mühsam nach Atemluft.

„Dieses Monster“, stöhnte sie. „Ich werde diesem verdammten Quexerarsch …“
„Ich muss doch sehr bitten, unbekannte Miss. Ich empfinde Ihre Wortwahl wirklich als sehr befremdlich.“ Eine Gestalt trat aus der dämmrigen Staubwolke und richtete den Lauf einer Waffe auf sie. Der Plasmawerfer.
„Sartorius“, stöhnte Eric. „Sie … Mistkerl.“
“Mistkerl?” Sartorius stutzte. Dann schüttelte er den Kopf, eine Geste, die halb Missbilligung, halb Bedauern auszudrücken schien. „Wie auch immer. Jetzt endet es, Mr. Van Valen. Unser Spielchen war leider nur halb so amüsant, wie ich es erhofft hatte.“
Sartorius lies das verbrauchte Magazin fallen, stieß ein frisches in die Kammer und betätigte den Aktivierungshebel. Das Summen kletterte ein weiteres Mal in unangenehme Höhen und der Doktor grinste traurig, während er einige Schritte zurück trat und anlegte. „Sagen Sie ihrer hübschen Freundin Lebewohl.“
Bevor er jedoch tatsächlich dazu kam, zu feuern, wurde er plötzlich von einer blutüberströmten Gestalt angesprungen. Der ehemals weiße Kittel des unerwarteten Gegners war zerrissen und schmutzig und eine dicke, blutende Beule zierte seine Stirn. Die Adern an seinem Hals pulsierten so stark, dass es selbst Eric und Whiggs es sehen konnten. Blut lief dem Mann aus Ohren, Augen und Nase und sein Gesicht war zu einer grinsenden Fratze verzerrt, der die Schneidezähne fehlten. Mr. Ferrets Opfer. Mal wieder.

„Was zum …“ Sartorius konnte sich den wütenden Angriffen nur mit Mühe erwehren. Blutige, zu Krallen gekrümmte Finger mit gesplitterten Nägeln griffen nach seiner Kehle. Erst im letzten Moment gelang es ihm, die Waffe herum zu reißen und ihren Kolben in das Gesicht des Wahnsinnigen zu schmettern. Der Getroffene taumelte zurück, nur um gleich wieder zu geistlosem Angriff überzugehen. Wieder und wieder rammte schlug Sartorius zu und zertrümmerte seinen Gegner mit wütenden Hieben zu blutigem Brei.
Eric musterte ihn mit fasziniertem Entsetzen.
Schließlich wurde er sich Whiggs bewusst, die an seinem Ärmel zog. “Kommen Sie, solange er abgelenkt ist!”
Er nickte und zusammen stolperten sie durch den Schutt ins Halbdunkel der Halle„Das wird ihn nicht lange aufhalten“, keuchte Eric.
„Ich fürchte nicht, nein.“ Sie erreichten eine weitere Tür, die jedoch Whiggs fieberhaftem Rütteln stand hielt. “Wo ist dieser Ferret, wenn man ihn einmal braucht!” Frustriert hieb sie mit der Faust gegen das Metall.

Ein Schatten flog heran und krachte mit einem unangenehmen Knirschen direkt neben ihr in die Wand. Mörtel und Fliesenstückchen gingen abermals in einem Schauer über sie nieder, als Eric und Whiggs erschrocken zurück fuhren. Mit einem Geräusch wie vom Blasebalg einer Schmiede sackte Mr. Ferret in sich zusammen und blieb am Fuß der Wand liegen. Erics Kopf ruckte herum. Hinter ihnen ragte, einige Schritte entfernt, der gewaltige Umriss des anderen Wiedergängers auf. “Oh Mist…”

“Halt. Bleib stehen.” Neben dem Untoten tauchte jetzt auch Sartorius aus dem Qualm auf. “Wie ich sagte: Das endet jetzt. Und ich kann nicht behaupten, dass ich es bedauere.”
Ein weiteres Mal legte er die summende Waffe an. “Irgendwelche letzten Worte?”
“Er wiederholt sich.” Mr. Ferret klang undeutlich, was daran liegen mochte, dass er auf dem Gesicht lag. Eric kicherte. “Ständig. Er nervt gewaltig.”
“Er ist ein Arschloch”, ergänzte Whiggs grimmig.
Sartorius drückte ab.

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