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17
Aug

Kapitel 5-12

   Posted by: Steamtown    in Kapitel 5

Plötzlich hörten sie Cummins Stimme durch das Inferno donnern. „Feuer einstellen! Sofort Feuer einstellen!“ Es vergingen einige Augenblicke ungläubiger Irritation, ehe die Gruppe zögerlich auf das Kommando reagierte.

Als die letzten Schüsse verhallt waren, beugte sich der Anführer der Lederhäute fluchend nach unten und zog eines der Wesen aus dem Wasser. Angewidert hob er es in die Höhe. Schwarze, amphibienartige Augen glotzten ihm dumpf entgegen und die zweigeteilte Schwanzflosse schlug mehrmals in dem kraftlosen Versuch, sich aus Cummins Griff zu befreien. Und dort, wo bei einem anderen Tier das Maul gewesen wäre, sah man bei dieser häßlichen Kreatur nichts weiter als einen harmlosen, schmalen Strich.

„Ich hatte ja, wie die von mir hochverehrte Miss Amanda Smithcote so überaus treffend zu schreiben pflegte, schon meinen Teil an Absonderlichkeiten auf dieser Welt gesehen. Und dennoch hatte mich nichts davon – und auch keines ihrer Werke – auf das vorbereiten können, worauf wir in jener düsteren, stinkenden und von schaumigem Abwasser gefüllten Caverne gestoßen waren. Es war nicht, wonach wir gesucht hatten und es vertiefte die Mysterien dieses Falles noch um ein Vielfaches. Was war dies hier? Woher mochte es gekommen sein und wie konnte es zur Lösung dieses Falles beitragen? Was Mr. Cummins hier in der Hand hielt war nichts anderes als…“
„…eine verdammte Riesenqaulquappe, Sir?“ fragte Mr. Ferret verblüfft. Er sah nach unten und betrachtete zwei weitere dieser hässlichen Kreaturen, die ohne besondere Wirkung gegen seinen Bauch schwammen.
„Gut beobachtet, Sir“, sagte Cummins. „Und eine verdammte Munitionsverschwendung noch dazu. Diese Kreaturen sind der Nachwuchs unserer widerlichen Freunde - und in diesem Zustand, Gott sei es gedankt, noch vollkommen harmlos. Wenn man einmal davon absieht, dass sie uns dazu gebracht haben, unsere halbe Munition sinnlos zu verballern.“ Der Anführer der Lederhäute ließ das Wesen achtlos zurück ins Wasser fallen und drehte sich um. „Sehen wir zu, dass wir hier herauskommen und wieder etwas festeren Boden unter die Füße bekommen. Und hoffen wir vor allem, dass wir nichts Schlimmeres angelockt haben. Ich fürchte, wir war’n weit genug zu hören.“

Wortlos setzten sich Samson und Bruggs wieder an die Spitze und sicherten den Weg. Während der Rest der Gruppe, sorgsam darauf bedacht, nicht durch das Gewimmel der widerlichen Kaulquappen zu Fall gebracht zu werden, noch durch das Wasser stapfte, waren die beiden Lederhäute bereits am gegenüberliegenden Ufer angekommen. Sie brauchten nicht lange, um den weiteren Weg auszumachen.
Das Plasmarohr, dem sie bis hierher gefolgt waren, verschwand nur wenige Meter zu ihrer Linken in der Wand. Direkt darunter befand sich eine kleine, massiv wirkende Metalltür. Im Gegensatz zum Rest von Fools Court schien sich irgend jemand darum gekümmert zu haben, denn der Rost hatte hier gerade erst begonnen, sein zerstörerisches Werk zu verrichten. Außerdem sah es so aus, als seien die Scharniere erst nachträglich grob mit dem improvisierten Rahmen vernietet worden. Wo sich ein Griff hätte befinden sollen, fand sich jedoch nur ein kleines Loch im Metall. Direkt darunter fand sich außerdem noch ein Schlüsselloch, das Kratzspuren aufwies. Frische Kratzspuren, wie sie durch häufige Verwendung entstanden.

Whiggs schaute in Gedanken versunken zurück auf den See. Überraschenderweise hatte sie sich beim Kampf gegen die Quexer-Quappen zurückgehalten. Eigentlich hätte sie von sich selbst erwartet, ihrer Wut und ihrem Hass auf Nachkommen dieser ungeschlachten und brutalen Kreaturen freien Lauf lassen zu können. Jetzt, wo sie im Allerheiligsten der Quexer stand, dem Ursprung allen Übels, das Lethe in den letzten Wochen heimgesucht hatte. Das verantwortlich war für die unzähligen Toten und Verwundeten ihrer Heimatstadt. Freunde, Verwandte, Nachbarn. Stattdessen empfand sie eine unbekannte, derart tiefe Leere in ihrem Innersten, als sie die Quappen erkannte, dass ihr für einen Moment fröstelte. Keiner der Tunnler hatte es jemals lebendig bis hierher geschafft. Bis auf sie. Die Emanatin konnte nicht einmal wütend auf diese unbeholfenen, blödsinnig glotzenden Bälger der Quexer sein.
Und nun war es offensichtlich vorbei. Naja, zumindest gab es hier keine lebenden ausgewachsenen Quexer. Zumindest keine, die ein Problem darstellten. Eine kleine Abordnung aus Lethe würde mit den Quappen kurzen Prozess machen, sobald sie dem Duke Bescheid gegeben hatte.
Blieb nur noch die Frage, wo die restlichen Quexer abgeblieben waren…

Ein hässliches Kreischen direkt in ihrem Rücken ließ sie alarmiert herum fahren.
Im selben Moment traf sie eine Wolke unglaublichen Gestanks wie eine Faust auf ihre Nase. Whiggs taumelte zurück und krümmte sich zusammen. Dann übergab sie sich in heftigen, stoßweisen Schüben. Eric und dem einen oder anderen der Lederhäute ging es ähnlich und selbst Bruggs presste sich den Ärmel vor den Mund.

“Also das ist mal ein Anblick, den man nicht alle Tage sieht, Sir”, sagte Mr. Ferret und stellte die heraus gerissene Tür sorgsam an der Wand ab.
Interesiert leuchtete er in den dahinter liegenden Raum. “Aber es erklärt doch einiges.”
Hinter der Öffnung befand sich ein gut acht oder zehn Meter breiter Tunnel, der in die Dunkelheit führte. Das diesseitige Ende des Tunnels bildete eine Wand, die man wohl nachträglich eingezogen hatte und deren einziger Durchbruch der Türrahmen war. Abgesehen natürlich von dem Plasmarohr, unter welchem der Wiedergänger jetzt stand.
Einen Moment lang leuchtete er andächtig in den Tunnel und ließ den Strahl seiner Laterne hierhin und dorthin fallen. Die einzigen Geräusche waren das Würgen und Keuchen der Lebenden hinter ihm. “Ich glaube, das sollten Sie sich wirklich ansehen, Sir”, sagte er schließlich und irgend etwas in Mr. Ferrets emotionsloser Stimme brachte Eric dazu, einen Blick durch die Tür zu werfen.

Der Tunnel war nicht leer.
So weit der Lichtkegel der Lampe reichte, war der Boden bedeckt mit dunklen Klumpen, die mal einzeln, mal in Haufen an beiden Seiten des Tunnels entlang lagen. Lediglich direkt unter dem Rohr war ein schmaler Pfad übrig geblieben, der in die Dunkelheit führte. Alles andere war gefüllt mit Dutzenden, nein Hunderten und Aberhunderten von leblosen Körpern. Den Leichen unzähliger Quexer.

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