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Kapitel 8-11
„Was…?“
“Keine Zeit!” keuchte Whiggs mit sich vor Panik überschlagender Stimme. “Bombe!”
Joey schaltete bemerkenswert schnell. “Rechts!” orderte er bestimmt. “Die Treppe! Hoch!” Er wies mit dem freien Arm nach vorne, wo sich der Gang in einer T-Kreuzung gabelte. Wortlos zerrte Whiggs den jungen Agenten weiter in die angewiesene Richtung.
Ächzend wuchtete Joey sich den Arm Mr. Ferrets über die Schulter. “Meine Fresse, sind Sie schwer!” grunzte er verblüfft, während er mit Hilfe seines Kollegen den Widergänger hinter Whiggs her schleppte. Mit einem schnellen Blick taxierte er den dünnen Mann. “Und Sie sehen Scheiße aus.”
Das war allerdings nicht übertrieben. Mr. Ferrets Kopf stand in einem seltsamen Winkel von den Schultern ab. Sein ramponierter Arm baumelte nutzlos an seiner Seite. Und als er schmal grinste, konnte der Polizist sehen, dass dem Wiedergänger zumindest ein Zahn fehlte. “Ich weiß”, flüsterte Mr. Ferret. “Eigentlich müsste ich tot sein.”
„Was haben Sie dort drin nur getrieben?“ Der Blick aus den weit aufgerissenen Augen des anderen Polizisten sprang zwischen seinem Vorgesetzten und Mr. Ferret hin und her. Offensichtlich machte der Anblick des schwer beschädigten Wiedergängers, der mehr denn je einem wandelnden Leichnam glich, dem Mann schwer zu schaffen.
„Aufgeräumt, Sir. Wir…“
Ein Donnergrollen unterbrach Mr. Ferret. Die Lampen in der Decke flackerten.
Joey warf einen ahnungsvollen Blick hinter sich. Dort wölbte sich plötzlich die stabile Metalltür in Ihre Richtung, als wäre von der anderen Seite ein gepanzerter Dampfwagen dagegen gefahren. “Oh Himmel!” entfuhr es dem anderen Polizisten, der seine Schritte verlangsamte und mit offenem Mund zurück starrte. “Was…?”
“Das war’s nicht”, flüsterte Mr. Ferret eindringlich. “Weiter!”
Joey packte den Plasmierten fester und verdoppelte seine Anstrengung, die T-Kreuzung zu erreichen.
Hinter ihnen ertönte ein grauenvolles Kreischen von gequältem Metall und ein gleißend grüner Lichtblitz zeichnete ihre Schatten scharf auf dem Gang vor ihnen ab.
Whiggs hatte sich beim ersten Donnern ebenfalls umgedreht. Jetzt ließ sie Eric los. Der Polizist an ihrer Seite zerrte den Verletzten weiter, so schnell er konnte. Die junge Frau dagegen verlangsamte ihre Schritte, bis sie schließlich gänzlich zum Stillstand kam. “Whiggs! Laufen Sie!” Mr. Ferret und seine Begleiter schlossen zu ihr auf, doch die Emanatin beachtete sie nicht. Mit fast morbider Faszination betrachtete sie das verformte Metall der Tür. Erst kleine und größere größere Beulen zeichneten sich an der Oberfläche ab, und rund um den verbogenen Rand flackerten grünliche Lichter.
„Gehen Sie. Sie können nicht helfen. Aber ich kann es vielleicht.“ Ohne Joey anzusehen, drückte sie sich an den Männern vorbei.
Fast im selben Moment noch erschütterte ein krachendes Bersten das Gebäude und der Boden bockte wie ein störrisches Pferd. Nur der Umstand, dass Whiggs das Gleichgewicht verloren hatte, rettete sie vor dem silbergrauen Schatten, der, klobig und kantig, nur wenige Zentimeter entfernt an ihr vorbei raste – und sich donnernd an jener Stelle in die Wand bohrte, an der Joey, Mr. Ferret und der andere Polizist nur einen Lidschlag zuvor zu Boden gestürzt waren. Ein zweiter, hellerer Blitz begleitete den Schatten.
Nur Mr. Ferrets gläserne Augen nahmen für einen winzigen Augenblick die verbogene Metallplatte der Tür wahr, die kaum eine Handbreit hinter ihnen in der Wand steckte. Dann fauchte eine scharfe Druckwelle heran und wirbelte sie vor sich her, als wären sie nicht schwerer als Papier.
Es war auch der Wiedergänger, der den Wachmann sah, der auf der anderen Seite der Kreuzung erschien, eine Waffe in der Hand, mit der er auf die Gefallenen anlegte. Der dünne Mann schenkte ihm ein strahlendes Lächeln und zwinkerte. Einmal.
„Keine Bewegung, oder …” Was immer sich der Mann unter ‘oder’ vorgestellt hatte, es ging in einem Donnerschlag unter, der so laut war, dass er sämtliche Geräusche zum Verstummen zu bringen schien.
Im selben Moment wurde der Gang von einem kaltem Gleißen erfüllt, das so scharfe Schatten warf, dass die Welt für einen Augenblick nur noch aus Grün und Weiß ohne jegliche Abstufungen zwischen ihnen zu bestehen schien. Nur die leblosen Augen des Wiedergängers sahen die knisternde, brodelnde, brüllende Wand aus smaragdenem Feuer und zuckenden Blitzen, die durch die Türöffnung kochte und, von den Wänden des Flurs eingezwängt, auf sie zu raste.
Und nur Mr. Ferret sah die schmale Gestalt der jungen Frau, die sich als Schattenriss, einem Scherenschnitt gleich, vor der Flammenwalze abzeichnete. Wider jeder Wahrscheinlichkeit stand sie aufrecht im Gang und schien sich dem Inferno mit abwehrend ausgestreckten Händen entgegen stemmen zu wollen.
Er lächelte.
Dann war die Woge heran, brandete über sie hinweg und es war nichts mehr da als Licht, Flammen, Tosen und Hitze.
Eric schrie vor Schmerzen.
Sein Schrei vermischte sich mit denen der anderen, unhörbar im Donnern der Detonation. Das Dröhnen schlug wie mit Dampfhämmern auf ihn ein, seine Haut explodierte in einem Meer aus Schmerz und Flammen. Er fühlte, wie sich seine Wimpern, Augenbrauen, seine Haare kräuselten und in Asche verwandelten. Für die endlose Ewigkeit einer Sekunde spürte er, wie sich die Haut seines gesamten Körpers in eine buckelige Blasenlandschaft verwandelte, bevor sie sich in schmelzenden Tropfen von seinen Muskeln löste.
Und dann war es mit einem Mal vorbei. Einfach so, von einem Moment auf den nächsten.
Stille trat ein, die durch den Druck in seinen Ohren noch verstärkt wurde.
Er wusste nicht, wie lange er reglos gelegen hatte, bevor sich sein Brustkorb hob und er einen tiefen, schluchzenden Atemzug tat. Die Luft schmeckte bitter und scharf nach Metall. Und doch war es der beste Atemzug, an den er sich erinnern konnte.
Mühsam kippte er den Kopf zur Seite und öffnete die schmerzenden Augen. Er lebte.
Die Haare des Polizisten neben ihm bestanden nur noch aus grauschwarzem, qualmendem Flaum. Die Hand des Mannes zuckte und aschene Flocken fielen von seiner Kopfhaut, als er sich stöhnend regte.
Erics Augen wanderten weiter und fanden Mr. Ferret, der schwelend zwischen seinen zwei Begleitern saß. Neben dem Wiedergänger krümmte sich der Polizist namens Joey, von abgehacktem, krampfartigem Husten geschüttelt.
Einige Schritte entfernt lag die reglose Gestalt von Whiggs.
„Wie… ?“ Er brachte den Satz nicht zu Ende. Stattdessen klopfte er hektisch auf die kleinen Flammen, die an mehreren Stellen seiner Kleidung flackerten.
Erst, als er auch die letzten, glimmenden Stellen gelöscht hatte, rollte er sich mühsam auf Hände und Knie und kroch auf Whiggs zu.
Flammen glosten auch auf ihr und wanderten über ihren Körper. Stirnrunzelnd betrachtete Eric das Schauspiel. Denn das Feuer schien sie nicht zu berühren, sondern nur ihre Form zu umspielen. Erst jetzt fiel ihm auf, dass nicht einmal das Haar der jungen Frau ein Opfer des Plasmainfernos geworden war.
“Ætherfeuer”, murmelte Mr. Ferret hinter ihm und eine Spur von Ehrfurcht schien in seiner trockenen Stimme zu liegen. “Die Seeleute erzählen davon.”
Eric nickte. Dann streckte er eine Hand aus und berührte die junge Frau vorsichtig an der Schulter.
„Whiggs … Whiggs, sind Sie in Ordnung?“
Die Emanatin stöhnte, öffnete die Augen und sah ihn mit verständnislos an. Dann trat Erkennen in ihren Blick und mit diesem kam ein schmales Lächeln.
„Hat es funktioniert?” flüsterte sie, “Ich war mir nicht sicher, ob es …“
„Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden. Aber falls Sie meinen, ob wir noch leben: Ja, das hat funktioniert. Was immer Sie gemacht haben, Sie haben uns alle gerettet, Eleonore. Sie sind einfach wunderbar, wissen Sie das?“ Eric lachte leise und strahlte über das ganze Gesicht.
Tags: Eric Van Valen, Joey, Mr. Ferret, Plasmawerfer, Whiggs, Wiedergänger

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