Archiv für Dezember 1st, 2009
Was schreibt man über jemanden, den man eigentlich nur für kurze Zeit kannte und dessen Innenleben sicher hinter Schloss und Riegel verborgen lag? Vordergründig arrogant wie ignorant, stets auf seinen eigenen Vorteil bedacht und mit einer Vergangenheit gesegnet, die man nicht einmal seinem ärgsten Feind wünscht? Jemanden wie Pater Siberius Grand …?
Als wir bei den ersten Planungen zu Steamtown über die Protagonisten sprachen, ahnte ich noch nicht wirklich, mit was für einer Sorte Mensch ich die nächsten Wochen zu verbringen gedachte. Ein Pater sollte es werden, keine Frage, und damit das absolute Gegenstück zu der Figur des engagierten, jungen Agenten und dessen willfährigen Werkzeug, dem Wiedergänger Mr. Ferret.
Ein Pater - als Vertreter einer zu dem Zeitpunkt noch gestaltlosen Kirche, deren Regeln oder Prinzipien mir völlig unbekannt waren (bis auf den Umstand, dass sie Plasmierte als widernatürliche Kreaturen in die tiefsten Höllen verdammte), die jedoch zweifellos das gesellschaftliche Leben der Stadt Steamtown in irgendeiner Weise mitbestimmen sollte.
Allerdings stand mir dabei nicht der übliche Ordinatsträger vor Augen. Kein belesener und bebrillter Priester, dem die Hörigkeit zum Erzbischof auf die Stirn geschrieben stand und der unbedarft, im Glauben gleichwohl unerschüttert, in eine Verschwörung tapert. Auch nicht dessen Pendant, einen womöglich hasserfüllten oder fanatischen Inquisitortypen, dem sein fast schon stereotypisches, körperliches Handicap einer längst vergangenen Ungerechtigkeit zu schaffen macht.
Es sollte jemand besonderes sein, einer, der mit außergewöhnlichen Talenten von sich reden macht, der die Herzen der Leser aufgrund seiner sympathischen Art für sich einnimmt. Ein echter Pfundskerl halt.
Stattdessen kam Pater Grand…
Tags: Pater Grand, Siberius

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