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In geduckter Haltung schlich sich Eric hinter einem Strang dicker Kupferrohre durch den Keller. Es war zwar ein Umweg, aber der junge Agent hoffte, dass ihm die Rohre im Halbdunkel genügend Deckung boten, um bei einem zufälligen Seitenblick der Wachen nicht gleich bemerkt zu werden. Als er nah genug an die Pumpe herangekommen war, versteckte er sich im Schatten einer großen Säule und setzte behutsam seine schwere Last ab. Jetzt musste er nur noch abwarten, bis Ferret und Whiggs die Wachen abgelenkt hatten. Und dann hieß es schnell sein.
Eric warf einen vorsichtigen Blick um die Säule herum und erstarrte in der Bewegung. Direkt auf der anderen Seite stand eine Wache! Es war ein Wunder, dass der Mann ihn nicht schon längst bemerkt hatte, aber glücklicherweise schien ihn das Treiben der Wissenschaftler mehr zu interessieren, als seine eigene Aufgabe. Eric wagte es dennoch nicht, sich zu rühren. Fieberhaft überlegte er, was er tun sollte. Ihn unauffällig zu überwältigen schied aus, denn die Wache wirkte ziemlich kräftig. Außerdem hatte sie ein kurzläufiges Gewehr geschultert, dass sie mit einer blitzschnellen Bewegung in Anschlag bringen konnte. Die Chancen für einen erfolgreichen Überraschungsangriff waren also äußerst gering. Vielleicht konnte er den Mann irgendwie ablenken, ihn dazu bringen, seinen Platz zu verlassen. Nur wie?
Die Wache kramte gelangweilt in einer ihrer Westentaschen herum und zog schließlich eine kleine Blechdose hervor, aus der sie einen Priem entnahm und in den Mund beförderte. Sie kaute ein paar Mal darauf herum und spuckte ihn mit einem angewiderten Gesichtsausdruck wieder aus.
Erneut kam die Dose zum Vorschein und ein weiterer Priem wurde hervorgeangelt. Dabei passierte es: Mit lautem Scheppern fiel der Behälter zu Boden und verstreute seinen Inhalt direkt vor Erics Füße.
Mit einem lauten Fluch beugte sich der Mann nach unten, um die davonrollenden Tabakkugeln aufzuhalten. Als seine Hand dabei gegen Erics Schuhe stieß, schaute er überrascht auf. „Was zum Teufel…?!“
Der junge Agent reagierte blitzschnell und rammte ihm das Knie gegen den Kopf. Doch die erhoffte Wirkung blieb aus. Mit einem verärgerten Grunzen packte ihn der Gegner am Bein und riss ihn zu sich nach unten. „Ich werde dir helfen, mit ungewaschenen Füßen nach mir zu treten.“ Zwei haarige Fäuste flogen auf Eric zu und trafen ihn seitlich am Kiefer und dann noch einmal am Brustkorb. Der Agent konnte beinahe das Knirschen hören, mit dem sie auf seine Knochen prallten und ihm die Luft zum Atmen nahmen. Schnell brachte er die Hände nach oben, um sich gegen weitere Angriffe zu schützen. In der Akademie hatte man ihm den „Faustkampf für Gentlemen“ beigebracht und er war nicht einmal schlecht darin gewesen. Nur leider sah diese Art des Duells das Stehen auf beiden Beinen vor, einen gewissen Mindestabstand und außerdem einen Ringrichter, der die Einhaltung der Regeln überwachte. Letztere interessierten die straßenkampferprobte Wache herzlich wenig. Sie schnappte sogar mit den Zähnen nach Erics Fingern, während sie weiterhin von rechts und links harte Haken auf ihn niederprasseln ließ.
Eric versuchte erfolglos, sie von sich zu stoßen, um mehr Abstand zu ihr zu bekommen. Doch gegen die fast Zweihundert Pfund Lebendgewicht, die sie auf die Waage brachte, hatte er nicht die geringste Chance. Beiläufig wischte die Wache Erics Hände beiseite und stieß dabei mit dem Kolben des Gewehrs, das immer noch ungenutzt von ihrer Schulter herunterbaumelte, gegen die steinerne Säule. Ein ohrenbetäubender Knall und ein greller Lichtblitz waren die Folge. Schlagartig wurde es dunkel um Eric.

Als die Benommenheit und das Dröhnen in seinen Ohren etwas nachgelassen hatten, stellte Eric fest, dass es tatsächlich dunkel in dem Raum geworden war. Nur das grünliche Schimmern der Plasmatanks erhellte noch das Chaos, das um ihn herum ausgebrochen war. Überall nahm er die Schatten von Menschen war, die aufgeregt durcheinander rannten und lautstark Hilferufe oder sinnlose Befehle von sich gaben. Der junge Agent tastete vor sich über den Boden, bis seine Hände einen Körper berührten. Eine schmierige Flüssigkeit breitete sich langsam um ihn herum aus. Blut. Offenbar hatten kurzläufige Gewehre so ihre Nachteile, wenn man sie in die falsche Richtung hielt.
So weit, so gut. Jetzt musste es schnell gehen. Eric kroch auf allen Vieren um die Säule herum und fand schließlich die Kiste, die er dort abgesetzt hatte. Glücklicherweise hatte sie keinen Schaden genommen. Er stemmte sie sich auf die Schulter und schleppte sich so schnell, wie es ihm in seinem derzeitigen Zustand möglich war, zu der verwaisten Velbert-Pumpe hinüber. Als er dort angekommen war, machte er sich sofort an die Arbeit. Zwei, drei Hebelbewegungen und der Motor des Pumpwerks kam stotternd zum Stehen. Schnell schraubte er das Sicherheitsventil zu und öffnete den Einfüllstutzen an der Oberseite. Als das Scheuerpulver aus der Kiste in den Trichter rieselte, gestattete sich Eric zum ersten Mal ein grimmiges Lächeln. „Das verschafft Euch ein strahlendes Zahnweiß, Jungs. Das garantiere ich Euch.“ Er warf die leere Kiste achtlos beiseite, zog an den Hebeln und startete den Motor neu. Langsam nahm die Pumpe wieder ihre Arbeit auf, diesmal in die umgekehrte Richtung.
Eric lehnte sich erschöpft zurück und schloss die Augen – als plötzlich eine Stimme neben ihm ertönte.

Dieser Eintrag wurde geschrieben am Montag, November 2nd, 2009 um 00:30 in der Kategorie Kapitel 8. Reaktionen zu diesem Eintrag können Sie mit dem RSS 2.0 Feed verfolgen. Die Kommentare für diese Seite sind geschlossen.

3 Kommentare bisher

TPF
 1 

Ich finde es ungeschickt, daß “die Wache” nie durch “der breitschultrige Kerl” oder “der stämmige Mann” oder so ersetzt wird. Das es dann “ihre” Fäuste sind, die Eric treffen, verwirrt völlig unnötigerweise.

Warum ruft die Wache nicht ALARM oder sowas?

“Zweihundert Pfund” -> zweihundert klein

November 3rd, 2009 at 15:23
 2 

Hm, verstehe. Man könnte alternativ natürlich auch “der Wächter” nehmen.

Aber warum sie nicht “Alarm” ruft? Na weil das Wachen doch NIE tun ;-)
(Klischee Nr. 38)

November 4th, 2009 at 21:19
 3 

Die Kampfszene zwischen Eric und der Wache wirkt seeehr distanziert. Da ist meiner Meinung nach ein bisschen zuviel ablenkende Beschreibung drin. Ich glaube nicht, dass man über die Fauskampfarten nachdenkt, während man verprügelt wird …

Überall nahm er die Schatten von Menschen war
- wahr mit h.

Als er dort angekommen war, machte er sich sofort an die Arbeit.
- Dort angekommen, machte er sich sofort an die Arbeit. (bietet in der Formulierung mehr Action und nimmt ein Als er-Konstrukt heraus)

Zwei, drei Hebelbewegungen
- Was denn? Zwei oder Drei?

Dezember 8th, 2009 at 11:00

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