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Archiv für Oktober 23rd, 2009

23
Okt

Kapitel 8-02

   Posted by: Carsten    in Kapitel 8

Ein Schatten tauchte neben ihm auf. In Erwartung eines neuen Angriffs fuhr Erics Arm mit dem Skalpell reflexartig nach oben. Auch mit dem drohenden Plasmatropfen über ihm, der sich zwei, drei Zentimeter näher an ihn heran gearbeitet hatte, war er bereit, sein Leben so teuer wie möglich zu verkaufen.
„Nicht, Eric! Ich bin es.“
Das Skalpell stoppte nur wenige Zentimeter vor dem Gesicht der Emanatin. Trotz des um sie herum herrschenden Chaos war sie schießlich aus ihrer Deckung hervorgekommen, um dem jungen Agenten beizustehen.
Hastig löste sie die Gurte, die Erics Mund und Kopf fixiert gehalten hatten.
„Gottseidank, Whiggs!“ rief der junge Agent erleichtert aus, als er wieder sprechen konnte. „Gut, dass Ihnen nichts passiert ist.“ Doch dann fiel sein Blick zurück zur Decke und dem grünlich leuchtenden Tropfen, der sich langsam von ihr zu lösen begann. „Schnell, lösen Sie die anderen Riemen! Ich muß von diesem Metzgertisch herunter, bevor mir das Plasma eine dritte Augenhöhle verpasst.“

Mit zittrigen Fingern nestelte Whiggs am Verschluss des breiten Brustriemens herum. Sie wirkte angeschlagen, fast schon ausgelaugt, als ob eine große körperliche Anstrengung ihr sämtliche Energie geraubt hätte. Es fiel ihr sichtlich schwer, den Agenten zu befreien. Währenddessen senkte sich der Plasmatropfen langsam aber stetig herab. Er würde höchstens noch wenige Sekunden halten.
Doch gerade als sie den letzten Zentimeter des Riemens durch die metallene Schlaufe drücken wollte, griff ein Paar Hände nach ihr und zog sie vom Tisch weg. Mit einem Aufschrei klammerte sich die Emanatin an den Lederriemen, zerrte und riss … und bekam ihn auf, bevor sie schlagartig aus dem Gesichtsfeld des Agenten verschwand.
Eric warf den Oberkörper nach vorne. Gerade noch rechtzeitig! Mit einem lauten Zischen traf der Plasmatropfen auf die metallene Oberfläche des Operationstisches und begann sofort, sich hindurch zu fressen. Erics Augen suchten Whiggs und fanden sie in unmittelbarer Nähe mit einem Wachmann ringend. Trotz einer deutlich sichtbaren Plasmaverbrennung am Kopf, ließ sich der Kerl nicht davon abbringen, den letzten Befehl Sartorius in die Tat um zu setzen. Er hatte die junge Frau zu Boden geworfen und drückte ihr mit beiden Händen die Kehle zu. Schon jetzt ließen Whiggs Kräfte sichtlich nach und boten dem Angreifer kaum noch Widerstand. Die Hoegle war ihr entglitten und außerhalb ihrer Reichweite gerutscht.

In fieberhafte Eile löste Eric die letzten verbliebenen Lederriemen um seine Oberschenkel, schwang sich vom Tisch herab und versetzte dem Wachmann einen beidhändig geführten Schlag in den Nacken. Dieser brach schlaff über Whiggs zusammen und begrub sie unter sich. Als sich seine Hände vom Hals der jungen Frau lösten, hustete sie gequält auf.
„Schaffen Sie doch diesen Fleischberg von mir herunter. Ich bekomme ja kaum noch Luft.“
Eric zerrte an der Uniform des Mannes und wuchtete ihn von Whiggs herunter. Dann half er ihr auf die Beine. Die Hoegle hob er ebenfalls auf. Sie würde unter Umständen noch nützlich sein.
„Wir müssen sofort raus hier. Der Plasmaregen frisst sich durch alles hindurch. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis wir ebenfalls getroffen werden.“
„Es hört gleich auf.“
Eric fragte nicht, woher die Emanatin das wusste. Er hatte bereits so seine Ahnung. Um so mehr Eile war geboten, denn wenn sich die Wachmänner erneut formierten und zum Angriff übergingen, steckten sie wirklich in der Klemme. Er ging nicht davon aus, dass man sie auch nur eine Sekunde am Leben lassen würde, wenn man sie noch einmal erwischte. Außerdem hatten sie noch etwas zu erledigen…
„Kommen Sie!“ rief er aus. „Wir müssen Sartorius hinterher. Er will noch mehr von den Plasmierten einsetzen. Wenn ihm das gelingen sollte, ist alles verloren.“ Er griff nach Whiggs Arm und zog sie mit sich in Richtung Eingang.
An der Tür hielt Whiggs an und streckte ihre Hand aus. „Geben Sie mir die Hoegle. Ich decke unsere Flucht.“
„Kommt nicht in Frage“, entgegnete Eric entrüstet „Ich lasse Sie hier nicht allein zurück. Das wäre Ihr sicherer Tod!“
Die Emanatin lächelte kopfschüttelnd.
„Wer sagte denn etwas davon, dass ich zurück bleiben will?“ Sie nahm dem verdutzten Agenten die Waffe aus der Hand und richtete sie auf den hinteren Bereich des Operationsraum, in dem immer noch Wachmänner und Pfleger unter den Tischen vor dem ätzenden Plasmaregen Schutz suchten, soweit sie sich nicht schreiend auf dem Boden wälzten.

Das Geschoss raste quer durch den Raum und explodierte in einem beeindruckenden Feuerball zwischen den Regalen. Die Druckwelle war so stark, dass sie brennendes Holz meterweit durch die Luft schleuderte und sogar die schweren Metalltische verschob.
Eric zuckte erschrocken zusammen. „Um Himmels Willen! Wie haben Sie das denn gemacht? Seit wann hat die Waffe so eine Wirkung?“
„In Ihrer Ausbildung hat man Sie wohl nur selten auf konzentrierte Plasmakammern schießen lassen, oder?“ Whiggs gab dem Agenten die Waffe mit einem charmanten Lächeln zurück. „Könnte daran liegen, dass die meisten Menschen den Unterschied zwischen normalem und konzentriertem Plasma nicht erkennen können. Aber dafür wurden vermutlich diese gelben Symbole mit dem grünen Kreis auf die Druckkammern gemalt. Man findet sie ab und zu in den Versorgungsschächten unter den Hauptstraßen der Stadt. Wenn Sie mal wieder so ein Symbol entdecken, probieren Sie es einfach aus. Es macht ziemlich Spaß.“
Eric schaute zurück auf das brennende Chaos und schüttelte langsam den Kopf. „Sie sind voller Überraschungen, Whiggs. Aber danke für den Hinweis. Ich werde es mir merken.“

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