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Der Bohrer senkte sich langsam aber unerbittlich auf Eric herab.
Huffington & Brown. Fünf Millimeter, Diamantspitze, mit unabhängiger Plasmaversorgung für den mobilen Einsatz - bohrt Löcher in Stahl, als wäre es Butter. Ein wirklich phantastisches Gerät. Der junge Agent hatte es während seiner medizinischen Grundausbildung einmal ausprobieren dürfen.
Was einem so alles durch den Kopf ging, bevor… Was einem so alles durch den Kopf ging? Wie überaus passend. Eric lachte auf.

Doktor Sartorius lachte nicht. “Halten Sie gut fest”, wies er den Mann neben sich an. “Wir möchten doch nicht, dass unser Patient sich verletzt. Also gut, Mr. Van Valen. Bereit? Das wird jetzt ein kleines Bisschen weh tun.”

Plötzlich war irgendwo ein entsetzter Ausruf zu hören. „Sofort aufhören!“ Wenige Augenblicke später brach die Hölle los. Schüsse peitschten durch den Raum, Explosionen waren zu vernehmen und eine Alarmglocke begann zu schrillen.
Doch Doktor Sartorius schien das alles nicht zu kümmern. Nach einem eher verärgert als überrascht wirkenden Seitenblick in den Raum, setzte er unbeeindruckt seine Arbeit fort. Der Bohrer in seiner Hand begann, sich immer schneller zu drehen und schließlich trennten ihn nur noch wenige Zentimeter von Erics Stirn.
Erst ein ohrenbetäubender Knall ließ ihn innehalten. In einem Funkenregen explodierten sämtliche Plasmalampen an der Decke und hüllten den Raum in tiefe Dunkelheit. Pfleger und Wachmänner riefen wild durcheinander. Weitere Schüsse knallten in schneller Folge durch den Raum und erhellten für Sekundenbruchteile das entstandene Chaos. Irgendwo brüllte jemand auf. Eine Gestalt stolperte durch das Blitzlichtgewitter, drehte sich wie in Zeitlupe um sich selbst und brach, von unzähligen Schüssen getroffen, zusammen.

Eric wäre es in all dem Durcheinander beinahe nicht aufgefallen, aber plötzlich stellte er fest, dass er seine Arme und Beine wieder bewegen konnte. Die stählernen Fesseln waren offenbar an die allgemeine Plasmaversorgung des Gebäudes angeschlossen gewesen und hatten sich durch den Stromausfall von selbst entriegelt. Eine äußerst kurzsichtige Konstruktion, wie der junge Agent fand - aber nützlich. Schnell riss er die Hände nach oben, griff an die Stelle, wo er den Bohrer das letzte mal gesehen hatte und drückte ihn mit einer ruckartigen Bewegung zur Seite. Ein ersticktes Gurgeln zeigte ihm an, dass er jemanden getroffen hatte. Er drückte mit aller Kraft weiter, bis der Bohrer sich verkantete und das Gurgeln unvermittelt abbrach.
Erst dann ließ er los und tastete rechts neben sich nach dem kleinen Rolltisch, auf dem die Skalpelle aufgereiht waren. Als seine Hand das Metall eines Griffes spürte, packte er zu und zog den ausgestreckten Arm mit einer fließenden Bewegung nach oben. Erneut traf er auf Widerstand und hörte mit Genugtuung einen überraschten Schmerzensschrei. Eric nahm das Skalpell nach unten und begann, hastig an den ledernden Riemen zu schneiden, die seine Brust fixiert hielten. Doch die stellten sich als überraschend widerstandsfähig heraus. Die scharfe Klinge schien nur wenig Schaden anzurichten.

“Licht!” donnerte jemand neben ihm und Eric meinte, die Stimme des Doktors zu erkennen.
“Verdammt noch mal, sorgen Sie für Licht! Und töten Sie dieses Weibstück! Jetzt!”
Eric verdoppelte seine fieberhaften Anstrengungen, sich von den Fesseln zu befreien. Fesseln, die dazu gedacht waren, rasende Irre festzuhalten, die selbst in ihrem ruhigsten Zustand weit stärker waren, als er. Er spürte, wie ihm die Hand, die das Skalpell führte, zu zittern begann. Nur mit Mühe rang er eine aufsteigende Panik nieder und zwang seinen Atem, ruhiger zu werden. Es musste doch möglich sein…
Ein grünlicher Schein zog seine Aufmerksamkeit auf sich und der junge Agent schielte, soweit es sein fixierter Kopf zuließ, in den Raum. Er brauchte einen Moment, bis er die Quelle dieses Scheins zuordnen konnte: Aus den zerstörten Lampenzuleitungen an der Decke troff Plasma. Doch im Gegensatz zu normalem Beleuchtungsplasma glomm dieses, ohne zu brennen, in einem unheimlich, geradezu giftig wirkenden Grün. Fasziniert sah Eric zu, wie einer dieser Tropfen in der Nähe zu einem längeren Faden wurde.
“Na also”, murmelte Sartorius und wandte sich wieder ihm zu. “Aber, aber, Mister Van Valen. Was haben Sie mit dem Skalpell vor?” Der Arzt griff nach Erics Unterarm.
In diesem Moment löste sich der Plasmafaden von der Decke und fiel. Mit einem leisen Klatschen landete er auf der Hand des Doktors. Fast sofort stieg der unangenehme Geruch von schmorendem Leder auf.
Sartorius sprang mit einem Brüllen zurück und wischte mit seiner Hand über seinen Gehrock.
Zeitgleich schrie einer der Wachmänner auf, gleich darauf ein zweiter und ein dritter und in wenigen Augenblicken war der Saal wieder von Lärm erfüllt. Dieses mal jedoch waren es keine Schüsse, sondern Flüche und Schmerzensschreie, als die Wachleute Schutz unter den Tischen suchten oder panisch in Richtung der Ausgänge flüchteten. Soweit der junge Agent aus dem Augenwinkel erkennen konnte, waren zumindest zwei Unglückliche auf dem Boden zusammengebrochen und wanden sich schreiend, während sich das leuchtende Plasma durch ihre Gesichter und Schädel fraß. Der Gestank von brennendem Fleisch und Haar erfüllte die Luft.
Mit einem neuerlichen Fluch taumelte Sartorius gegen den Operationstisch. Er fegte Klingen, Bohrer und Besteck von dem metallenen Tablett neben Eric und hob es gerade noch rechtzeitig über seinen Kopf, um einen neuerlichen Tropfen abzuwehren. Als er aus dem Blickfeld des jungen Mannes stolperte, beachtete Eric ihn nicht.
Er hatte in diesem Moment einen weiteren Plasmafaden entdeckt, der sich an der Decke sammelte und sich anschickte, herab zu fallen.
Ein großer, klebrig-grüner Tropfen, der unausweichlich auf seiner Stirn landen würde.

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Dieser Eintrag wurde geschrieben am Mittwoch, Oktober 21st, 2009 um 00:01 in der Kategorie Kapitel 8. Reaktionen zu diesem Eintrag können Sie mit dem RSS 2.0 Feed verfolgen. Die Kommentare für diese Seite sind geschlossen.

3 Kommentare bisher

 1 

bohrt Löcher in Stahl, als wäre es Butter.
- meines Wissens ist es noch DER Stahl und nicht DAS Stahl. Außerdem bezieht sich “es” auf das Gerät und das ist ja wohl nicht aus Butter - sonst hätte der Agent kein Problem.

Eric lachte auf.
- ich würde ihn eher verzweifelt lachen lassen und nicht auf.

dass unser Patient sich verletzt
- siehe 7-12

Ausruf zu hören. „Sofort aufhören!“
- zuviel hören für meinen Geschmack

Doch Doktor Sartorius schien das alles nicht zu kümmern. Nach einem eher verärgert als überrascht wirkenden Seitenblick in den Raum, setzte er unbeeindruckt seine Arbeit fort.
- LOGIKFEHLER: In 7-12 hängt der gute Doc plötzlich panisch an einem Hebel …

Stromausfall von selbst entriegelt
- eher Plasmaausfall ? Strom klingt jetzt auch nicht gerade Steampunkig …

Schnell riss er die Hände nach oben
- Er riss die Hände hoch

zeigte ihm an
- streicht “an”

Als seine Hand das Metall eines Griffes spürte, packte er zu und zog den ausgestreckten Arm mit einer fließenden Bewegung nach oben.
- in einer fließenden Bewegung. Außerdem hat er Glück, dass er wirklich nur einen Griff zu fassen kriegt. streift er nur über eine Klinge, hat er direkt nen Schnitt in der Haut …

und begann, hastig an
- begann hastig, an

Er spürte, wie ihm die Hand, die das Skalpell führte, zu zittern begann
- er spürte wie ihm die Hand zu zittern begann? unglücklich formuliert.

rang er eine aufsteigende
- seine würde ich sagen

Ein grünlicher Schein zog seine Aufmerksamkeit auf sich
- Erics Aufmerksamkeit; seine bezieht sich auf den schein und so klingt es so, als ob der Schein seine eigene Aufmerksamkeit auf sich selbst lenkt … ?

bis er die Quelle dieses Scheins zuordnen konnte:
- bis er die Quelle des Lichts erkennen konnte

wie einer dieser Tropfen in der Nähe zu einem längeren Faden wurde.
- streicht “in der Nähe”

“Na also”, murmelte Sartorius und wandte sich wieder ihm zu
- dem Agenten zu

Augenblicken war der Saal wieder von Lärm erfüllt.
- wieso wieder? Wann hat der Lärm denn aufgehört?

Als er aus dem Blickfeld des jungen Mannes stolperte, beachtete Eric ihn nicht.
- klingt widersprüchlich.

Oktober 27th, 2009 at 14:03
 2 

Ah. Ohne auf den Rest einzugehen, mal zum angeblichen Logikfehler. Ich habs jetzt kurz selbst überprüft, um sicher zu sein:
Der Wissenschaftler (und Assistent) hängt am Hebel und wirkt ein wenig aufgeregt.
Der Doktor dagegen ist nach wie vor cool.
Passt schon.

Oktober 27th, 2009 at 14:48
 3 

Ehrlich gesagt: Für den Leser ist der Unterschied zwischen Doktor und Wissenschaftler jetzt nicht unbedingt ersichtlich - für viele ist es ein Synonym.
Vielleicht kann man da noch am Text ein wenig feilen ^^
Naja, vielleicht bin nur ich das ^^

Oktober 28th, 2009 at 13:20

Die Kommentare sind geschlossen.