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Archiv für Oktober 5th, 2009

5
Okt

Kapitel 7-07

   Posted by: Steamtown    in Kapitel 7

Der Fliehende setzte mit großen Sprüngen über die Tische hinweg, gefolgt von Mr. Ferret, der auf seinem Weg mehr als eines der Hindernisse umstieß und etliche Vorhänge aus ihren Halterungen riss.
Eric stürmte zurück in den Mittelgang der Halle, um ihm den Weg abzuschneiden. Als der Wiedergänger seinen Plan erkannte, schlug er plötzlich einen Bogen und kam nun direkt auf den Agenten zu gerannt. Eric blieb abrupt stehen, riss die Waffe nach oben und feuerte aus nächster Nähe zwei ungezielte Schüsse auf ihn ab. Der Wiedergänger warf sich blitzschnell zur Seite und zerschmetterte mit der Wucht seines Aufpralls beinahe einen der schweren Tische mitsamt der darauf liegenden Leiche. Achtlos stieß er den Toten zur Seite, wuchtete die metallene Tischplatte in die Höhe und hielt sie sich schützend vor den Körper. Zwei weitere Schüsse schlugen tiefe Dellen in den provisorischen Schild, konnten aber keinen Schaden anrichten. Eric richtete die Waffe nach unten auf die Beine des Untoten.
Klick.
Das Magazin war leer!
Im letzten Augenblick gelang es ihm, der schweren Platte auszuweichen, die der Wiedergänger ihm entgegen schleuderte. Laut krachend schlug sie direkt neben ihm in zwei weitere Tische ein. Holzsplitter und verbogene Metallteile flogen durch die Luft und irgend etwas traf Eric hart am Bein. Der Agent knickte ein und stürzte schwer zu Boden. Das rettete ihm wahrscheinlich das Leben. Denn im gleichen Augenblick zischten rasiermesserscharfe Krallen haarscharf an seiner Schulter vorbei und zerfetzten ihm den Ärmel. Eric stieß instinktiv den Lauf seiner Waffe nach oben. Stahl schlug Funken sprühend gegen Stahl und der Wiedergänger schrie auf. Wahrscheinlich mehr aus Überraschung als vor Schmerz.
Für einen kurzen Moment begegneten sich die Blicke der beiden Kontrahenten. Eric fiel auf, dass die Augen seines Gegners nicht so recht zueinander zu passen schienen.
Ich kenne dich, dachte er. Ich hoffe, es hat ordentlich weh getan, als ich dir mit dem Scheuerpulver den Kopf gewaschen habe, Du Bastard!
Der Wiedergänger schien sich ebenfalls an den Agenten zu erinnern. Sein bis dahin ausdrucksloses Gesicht verzog sich zu einer wütenden Grimasse. Er drückte Eric nach unten und presste ihm das Knie auf die Brust.
Seine Krallenhand stieß zu, unerbittlich wie ein hungriger Raubvogel – und stoppte nur wenige Millimeter vor dem Hals des Agenten.
„Darf ich Ihnen zur Hand gehen, Sir?“ Mr. Ferret hielt den Unterarm des Wiedergängers wie ein Schraubstock umklammert. Mit einer unglaublichen Kraftanstrengung riß er ihn nach oben. Ein laut knackendes Geräusch war die Folge. Dann packte der dünne Mann seinen ungleich massigeren Gegner am Kragen, zog ihn von Eric herunter und schleuderte ihn quer durch den Raum.

Der riesige Wiedergänger schlug hart in der rückwärtigen Reihe der Tische ein und verstreute Leichen und scheppernde Blechwannen im weiten Umkreis. Ein Knurren wie von einem riesigen, wütenden Schlachterhund grollte durch den Raum, als sich die Kreatur aus dem Trümmerhaufen aufrichtete. Drei schnelle, gut gezielte Feuerstöße aus Mr. Ferrets Plasmagewehr warfen sie sofort wieder zu Boden.
“Ich würde vorschlagen, Sie laden nach, Sir. Ich habe nur noch zwei Schuss”, sagte der dünne Mann. “Und wenn die weg sind, bin ich nicht mehr sehr nützlich.”
Jetzt fiel Eric auf, dass Mr. Ferrets rechter Arm schlaff herab hing. Der dünne Mann nickte und lächelte entschuldigend. “Das hatte ich befürchtet, Sir. Ich bin seit der Meduse nicht dazu gekommen, das richtig reparieren zu lassen.”
“Ferret! Achtung!”
Der Kopf des dünnen Mannes ruckte herum und fixierte die massige Gestalt des Widergängers, der sich mit einem gewaltigen Satz auf ihn stürzte. Dann pflückte er die Kreatur mit einem weiteren Feuerstoß aus der Luft und schleuderte sie gegen die nächste Wand. “Nachladen, Sir”, erinnerte er Eric.

Der junge Agent schüttelte seine Erstarrung ab und fingerte mit fiebriger Hast ein Ersatzmagazin aus seiner Rocktasche. Noch bevor er es einlegen konnte, peitschte ein weiterer Schuss Ferrets und als er endlich geladen hatte, kam ihr Gegner schon wieder auf die Beine. Mit wütendem Funkeln musterte er die beiden Agenten, doch bevor Eric seine Waffe heben konnte, wirbelte die Kreatur herum und schleuderte einen der Metalltische in ihre Richtung. Während Eric und Mr. Ferret dem Wurfgeschoss auswichen, überwand der Wiedergänger mit einigen gewaltigen Sprüngen die verstreuten Trümmer bis zur Tür der Kühlhalle und verschwand.
“Was…?”
“Wir haben ihn, Sir” Mr. Ferret trat mit grimmiger Genugtuung einen Arm beiseite, den Eric im ersten Moment einer der Leichen zugeschrieben hätte. Doch dann entdeckte er die Brandspuren an der zerstörten Schulter und das Plasma, das aus der abgetrennten Gliedmaße troff.
“Da bin ich aber froh. Ich hatte schon befürchtet, dieser Kerl wäre unzerstörbar.” Eric stemmte sich auf die Beine und lud durch. “Aber er blutet. Also können wir ihn töten.”
“Ja, Sir. Davon abgesehen, dass er bereits tot ist.”

Gedämpfte Schüsse erklangen, dicht gefolgt von einem abrupt abreißenden Schrei.
Fluchend fuhren die beiden Männer herum und hasteten in den vorderen Kühlraum zurück. Der Polizist lag an der geöffneten Tür, seltsam verdreht. Blutiger Schaum quoll zwischen seinen Lippen hervor und sein Blick war hilflos an die Decke gerichtet. Aus klaffenden Wunden in seiner Brust pulsierte stoßweise Blut und Eric konnte musste zusehen, wie die Augen des Mannes glasig wurden. Abermals Verwünschungen ausstoßend sprang er über den Mann hinweg und wandte sich wütend den Gang hinab, der deutlich sichtbaren Plasmaspur des Flüchtigen hinterher. “Kommen Sie, Mr. Ferret! Diesmal darf uns dieses Monster nicht entkommen!”
“Das wird er nicht, Sir. Nicht, wenn er in diesem Maße Plasma verliert.” Grimmig rannten die beiden der Spur nach, die sich durch zwei verbogene Sicherheitsgitter und eine Treppe hinab zog. Am Fuß dieser bekamen sie den fliehenden Widergänger endlich wieder in Sicht. Er war langsamer geworden und taumelte mehr vorwärts, als dass er lief. Immer wieder prallte er von den Wänden ab.
“Stehen bleiben!” brüllte Eric. Die Kreatur reagierte nicht. Stattdessen riss sie eine Tür auf und stolperte in den dahinter liegenden Raum. Nur Augenblicke später erreichten auch die beiden Agenten die Tür.
“Ihre Waffe, Ferret!” Eric drückte dem dünnen Widergänger sein eigenes Gewehr in die Hand und lud mit schnellen Griffen die zweite Waffe. Dann nickte er und mit vorgehaltenen Gewehren huschten sie durch die Tür.

Der Raum, in dem sie sich wiederfanden, wurde von einer langen Reihe von Labortischen dominiert, auf denen hier und da einige Plasmabrenner auf kleiner Flamme unter komplizierten Apparaturen aus Glas, Kupfer und Messing brannten. Lediglich zwei kleinere Laternen am anderen Ende des Labors spendeten spärliches Licht. Mr. Ferret nickte auf eine schwach glänzende Spur aus Plasma, die hinter die Tischreihe führte. Eric nickte. Langsam, mit äußerster Vorsicht tasteten sich die beiden Agenten zwischen den Tischreihen vor. Sie hatten beinahe den halben Raum durchquert, als über ihnen kratzend die Zündräder der Deckenbeleuchtung zum Leben erwachten. Eric wirbelte herum.
Im aufflackernden Licht entdeckte er eine hünenhafte Gestalt in der Tür. Er brachte sein Gewehr in Anschlag und krümmte bereits den Finger um den Abzug, als Mr. Ferret neben ihm ein scharfes “Nicht!” ausstieß. Der junge Agent erstarrte mitten in der Bewegung. “Nicht. Schießen.” wiederholte Mr. Ferret eindringlich.
“Aber es ist einer von…”
“Ich weiß”, sagte der dünne Mann trocken. “Hinter Ihnen steht noch einer. Mit einer Flechette.”
Aus dem Augenwinkel sah Eric, dass der dünne Wiedergänger in den Raum hinter ihm zielte.
“Drei?” entfuhr es Eric.
“Drei”, stellte Mr. Ferret fest.

“Also das finde ich jetzt äußerst ärgerlich”, sagte eine Stimme vom anderen Ende des Raumes.

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