Order viagra buy viagra online no prescription canada

„Es ist umwerfend!“ jauchzte die junge Schneiderin und schlug verzückt die Hände zusammen. Erschrocken über ihren Ausbruch kindlicher Freude warf sie im nächsten Moment jedoch einen ängstlichen Blick auf ihre Herrin und machte sich schnell wieder an ihre Arbeit am Saum des Kleides, das die junge Frau vor ihr trug. Doch Dame Roshnatow sah über die Ungehörigkeit großzügig hinweg. Sie selbst war nicht weniger zufrieden mit dem Ergebnis ihrer Bemühungen, aus einem, wie sie es nannte, hässlichen Entlein einen Schwan zu erschaffen. „Sie sehen in der Tat bezaubernd aus, Miss Taversham“, bemerkte sie mit einem selbstgefälligen Lächeln. „Wie eine echte Dame auszusehen hat.“
Die so Angesprochene verzog das Gesicht zu einer Grimasse und murmelte eine ziemlich undamenhafte Bemerkung. Vorsichtig breitete sie die Arme aus und drehte sich langsam im Kreis. „Das ist völlig unpraktisch. Ich kann mich kaum bewegen und in diesem Korsett bekomme keine Luft. Ich glaube, ich falle gleich in Ohnmacht!“
„Dann ist es richtig geschnürt, meine Liebe“, erwiderte Dame Roshnatow ungerührt. „Glauben Sie mir, Miss Taversham, Sie werden sich schnell daran gewöhnen. Ohnehin müssen Sie sich in einem solchen Kleid nicht viel bewegen – Sie werden gefahren. Von wohlhabenden jungen Gentlemen, die sich von Ihrem Anblick gar nicht mehr losreißen können zum Beispiel. Nicht wahr Mister Van Valen?“

Langsam drehte sie sich zu dem Vorhang um, der den Präsentationsraum vom Rest ihres Salons abtrennte. „Es gehört sich nicht, eine Dame beim Einkleiden zu beobachten“, belehrte sie den jungen Agenten mit gespielter Empörung. „Hat man ihnen denn keine Manieren beigebracht?!“
Natürlich war es kein Zufall, dass der Vorhang einen Spalt breit offen stand und jeden Besucher geradezu zwang, einen Blick hindurch zu werfen. Die Modistin verstand sich nicht nur darauf, ihren Kundinnen zu schmeicheln. Auch deren männliche Begleiter wurden geschickt manipuliert, um ihnen für die Fertigung der Kleider später um so mehr Geld aus den Taschen ziehen zu können. Und dieser Herr hier schien, trotz seines grauenhaft provinziellen Kleidungsstils und des merkwürdigen Begleiters, über eine Menge finanzielle Mittel zu verfügen. Das jedenfalls schloss sie aus dem Anblick des teuren Plasmawagens, der draußen am Straßenrand auf ihn wartete. Wahrscheinlich handelte es sich um einen erst kürzlich aus dem Krieg heimgekehrten Offizier. Es hieß, dass die barbarischen Kämpfe auf dem Kontinent die Sitten verrohen ließen und den Charakter eines Mannes veränderten. Offensichtlich traf dies auch auf seinen Geschmack für Mode zu.
Eric wendete hastig den Blick ab und schaute mit hochrotem Kopf zu Boden. „Entschuldigen Sie bitte“, stammelte er erschrocken. „Ich wusste nicht, dass Sie… ich wollte schauen, wie weit…“
„Kein Wort mehr“, schnitt ihm Dame Roshnatow das Wort ab, milderte die scharfe Entgegnung aber sogleich durch ein leichtes Lächeln wieder ab. „Es dauert so lang, wie es dauern muss. Doch ich verspreche ihnen, das Warten wird sich auf jeden Fall lohnen.“

***

“Und Sie sind sich sicher, dass die Steamtown Power Transmission Ltd. diese Ausgabe auf der Spesenabrechnung akzeptieren wird, Sir? Nicht, dass ich mir Aussagen zu dem Stand Ihres Bankkontos erlauben möchte. Das Kleid ist sündhaft teuer. So sagt man doch.” Mr. Ferret versuchte Eric in seiner trockenen Art von dem vorangegangenen Faux Pas abzulenken und seine Gedanken zurück zu den wichtigen Dingen zu führen. “Was genau haben Sie eigentlich im Asylum vor, Sir?”
“Ähem … ja, das Asylum. Nun, wir werden die Antwort auf meine Depesche abwarten müssen. Erst wenn mir die fehlenden Informationen vorliegen, werde ich etwas Endgültiges zum weiteren Vorgehen äußern können. Zu diesem Zeitpunkt würde ich mich nur in unnötigen Spekulationen ergehen, was keine wirkliche Hilfe wäre. Ich bitte Sie daher noch um etwas Geduld, Mr. Ferret. Ich hoffe, das macht Ihnen nichts aus. Zudem können wir erst dann starten, wenn Miss Taversham bereit ist.”
Tatsächlich machte es Mr. Ferret nichts aus zu warten. Zeit hatte für einen Wiedergänger nur geringe Bedeutung.

Eine betriebsame Stunde später war es tatsächlich vollbracht. Whiggs trat hinter dem Vorhang hervor und ihr Anblick verschlug Eric förmlich den Atem. Die junge Emanatin sah vollkommen verändert aus und wirkte wie aus einem alten Märchen hervor getreten. Scheinbar nichts war von der vermeintlich burschikosen und rabiaten Frau aus Lethe übrig geblieben. Statt der Gestalt in abgenutzter Kleidung und dem dünnen Schmutzfilm auf der Haut, der einem nach einem Spaziergang in der Kanalisation anhaftete, stand eine grazile und anmutige Erscheinung vor ihm, die in jedem Ballsaal der adeligen Oberschicht ohne weiteres alle Blicke auf sich gezogen hätte. Dame Roshnatow hatte sich wieder einmal selbst übertroffen. Natürlich war es nicht so, dass Eric so etwas hätte beurteilen können. Dazu war sein Modesinn eindeutig zu praktisch veranlagt. Aber er erkannte ein wahres Meisterwerk, wenn es vor ihm stand.

“Ist das wirklich notwendig? Ich kann mich kaum bewegen.”
Whiggs fühlte sich absolut unwohl in ihrer Haut. Die ungewohnte Kleidung, die unpraktische Verschnürung des Korsetts, die Atmennot und der steife, fliederfarbene Rock, all das engte sie ungemein ein. Unsicher nestelte sie an dem fließenden Stoff oberhalb ihrer Hüfte herum. Dann fiel ihr Blick in den mannshohen Spiegel, der ihr gegenüber an der Wand angebracht war. Als sie ihre Erscheinung betrachtete, konnte sie nur ungläubig den Kopf schütteln. Nie im Leben hätte sie sich vorstellen können, einmal so auszusehen. Keine Frage, sie liebte dieses Kostüm. Von der ersten Sekunde an. Trotzdem wusste sie, dass sie so nicht bleiben konnte. Es war viel zu teuer. Und letztendlich gehörte es ihr auch nicht, denn es bezahlte jemand anderes dafür. Nein, sie würde es wieder ausziehen. Auf der Stelle!
“Was tun Sie denn da, Miss Taversham?”
Als Whiggs anfing, sich aus dem Kleid zu schälen, eilte Dame Roshnatow sofort herbei und hielt ihre Hände fest. “Meine Güte, was geht nur in Ihrem Kopf vor, Kleines?”
Auch Eric sprang auf und ging auf Whiggs zu. Für einen Moment hatte es beinahe den Anschein, als wolle er vor ihr auf die Knie sinken. “Bitte. Tun Sie das nicht, Miss Taversham … Whiggs. Es steht Ihnen ausgezeichnet. Sie sollten es ruhig annehmen. Wenn nicht wegen unserem Vorhaben, dann wenigstens meinetwegen.” Er verstummte. Seine Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Whiggs hielt tatsächlich inne und ließ die flinken Instandsetzungen durch Dame Roshnatow ohne Gegenwehr über sich ergehen. “Sie sollten auf Ihren Begleiter hören, Miss Taversham. Also wirklich. Sie wollen doch Ihre Gastgeber nicht mit den alten Lumpen beleidigen, mit denen Sie hergekommen sind. Nicht wahr? Wo, sagten Sie noch gleich, soll es hingehen?”
Eric antwortete anstelle von Whiggs, jedoch nicht ohne zuvor das Kratzen in seinem Hals durch ein Räuspern zu vertreiben.
“Wir fahren zu einem Krankenbesuch. Einem ganz besonderen Krankenbesuch.”

Tags: , , ,

Dieser Eintrag wurde geschrieben am Mittwoch, September 16th, 2009 um 00:30 in der Kategorie Kapitel 6. Reaktionen zu diesem Eintrag können Sie mit dem RSS 2.0 Feed verfolgen. Die Kommentare für diese Seite sind geschlossen.

5 Kommentare bisher

 1 

Schreibanmerkungen:
Das aktuelle Textstück greift übrigens ein älteres Zwischenstück auf.
Mir ist aufgefallen, dass ich von Dame Roshnatow ein ganz bestimmtes Bild im Kopf habe - und dass dieses Bild von der Zwischenstückautorin mit keiner Silbe erzeugt worden war. Es hat sich beim Lesen einfach von selbst in meinem Kopf zusammengesetzt und ich musste beim Schreiben meines Teils des heutigen Textes zwei Sätze wieder herausstreichen, weil ich gar nicht wissen konnte, ob Bettina damit einverstanden wäre (ich hätte natürlich auch fragen können, aber dazu war die Zeit zu knapp ;-)
Das ist so einer der Fallstricke, wenn man mit anderen zusammen schreibt: Stimmt eigentlich das Bild überein, das man von einem Charakter im Kopf hat?

September 17th, 2009 at 08:27
TPF
 2 

Für mich stimmt es und ich mag es, daß es so kommt, wie es zu erahnen war und wie man es sich wünscht! :-)

Allerdings, wäre es nicht typischer für Eric, wenn er die Reihenfolge umdrehen würde: “Wenn nicht für mich, dann wenigstens für den Auftrag”?

September 21st, 2009 at 18:38
TPF
 3 

Übrigens, die Schreibanmerkungen finde ich gut! :-)

September 21st, 2009 at 18:39
 4 

> “Wenn nicht für mich, dann wenigstens für den Auftrag”?

Stimmt eigentlich. *g*

September 21st, 2009 at 20:56
 5 

diesem Korsett bekomme keine Luft.
- hier fehlt “ich”

mehr losreißen können zum Beispiel.
- wieso “zum Beispiel”? Steichen!

wie aus einem alten Märchen hervor getreten.
- streicht “hervor getreten”

September 21st, 2009 at 21:20

Die Kommentare sind geschlossen.