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“Ein Monster”, driftete eine Stimme von der anderen Seite des kleinen Parks herüber.
Beinahe gleichzeitig wurden auch die Schritte von zwei Paar genagelten Schuhen hörbar. Mr. Ferret hob den Kopf kaum merklich und entdeckte zwei Männer, die sich von einer Seitentür des Gebäudekomplexes näherten.
“Ein absolut gigantisches Vieh. So was hast du noch nicht gesehen!” sagte der kleinere der beiden enthusiastisch und deutete mit den Armen etwas an, das die ungefähren Dimensionen eines Einspänners haben musste. Seine Begeisterung trug weit durch den stillen Park. Der Größere der beiden, ein schwammiger Mensch in der Livree eines Portiers, Liftboys oder Ähnlichem sprach etwas leiser, doch Mr. Ferret vermutete, dass er den Wahrheitsgehalt der Erzählung anzweifelte.
“Wenn ich’s dir doch sage! Ich weiß nicht, woher die die Viecher nehmen, aber ich hoffe, sie importieren sie von weit, weit weg. Beim Gedanken, dass so was unter uns lebt, wird mir Angst und Bange!” verkündete der kleinere. Er trug, wie Mr. Ferret jetzt erkannte, die Uniform eines Fahrers der SPT.
“Ach komm, Sevrin. Zufällig kenn ich ein paar Jungs, die dort unten Wachdienst schieben. Und von Ratten in der Größe hat noch nie einer erzählt. Und glaub mir - die übertreiben gern mal.”
“Willst du sagen, dass ich lüg’ …?”
“Nein, ganz und gar nicht. Ich mein nur, ich kann mir nicht vorstellen, wo man so was großes hernehmen sollte. Ich weiß, dass wir unten im Moment Ärger haben und die Jungs vom Wachdienst meinen, dass die Biester größer und aggressiver sind als je zuvor. Aber das, was du da beschreibst…”
“Wenn du’s nicht glaubst, dann komm doch einfach heut Abend mit. Oresey, Jan, Mellner vom Colemans und ich geh’n uns das nachher sicher ansehen. Die haben angekündigt, dass sie das Monster gegen ein halbes Dutzend Quexer antreten lassen wollen! Ich mein’ das musst du dir mal vorstellen!”
“Mit dem Spinner Mellner? Um mir wieder ein Ohr abkauen zu lassen mit seinen Geschichten von sexbesessenen, irren Ladies, singenden Massenmördern oder wahnsinnigen Kannibalen in Glaskäfigen?” Der Portier winkte ab. “Nee, danke aber lass mal. Davon abgesehen: Angenommen, das Vieh ist auch nur halb so groß, wie du sagst - und dann noch sechs Quexer? Das ist sicher nicht der Ort und die Gesellschaft, in der ich meinen heutigen Feierabend verbringen werd’.”
“Ach komm schon! Hast du Schiss? Ein bisschen Nervenkitzel muss doch sein!”
Die beiden Männer waren jetzt nahezu auf gleicher Höhe mit Mr. Ferret, ohne von diesem Notiz zu nehmen.
Der Wiedergänger hob den Kopf ein wenig und setzte ein dünnes Lächeln auf. “Entschuldigen Sie, Sir. Aber ich kam nicht umhin, einen Teil ihres Gesprächs mitzubekommen. Sie sagten, Sir, dass heute jemand Quexer kämpfen lassen will, Sir. Das klingt überaus interessant. Könnten Sie mir eventuell verraten, wo?”
“Ich wüsste nicht, was dich das angeht, Kerl”, bellte der Fahrer. “Kannst mich also…”
“Sevrin”, unterbrach ihn sein Begleiter. Er war wie angewurzelt stehen geblieben und machte jetzt einen vorsichtigen Schritt zurück, dabei packte er den kleineren am Ärmel. “Das ist einer von denen!”
Sevrin der Fahrer verschluckte den Rest seines Satzes, als er die Augen des Wiedergängers wahrnahm. “Entschuldigen Sie, Sir!”, murmelte er hastig. “War nicht so gemeint. Grube, Sir!”
Mr. Ferret sah ihn einen Moment lang an. Dann blinzelte er. “Bitte?”
“In der Grube, Sir!” wiederholte der Fahrer. Inzwischen war er blass genug, um dem Wiedergänger Konkurrenz zu machen.
“In der Grube findet heute Abend ein Kampf statt?” erkundigte sich Mr. Ferret nachdenklich. “Ich denke, da gab’s letzte Woche Probleme, Sir?”
Sevrin nickte, während er einen weiteren Schritt zurück machte, mit dem er versuchte, hinter seinen dickeren Begleiter zu kommen. “Gab’s auch, Sir! Gab’s auch. Deswegen machen die ja heute eine richtig große Sause. Haben von irgendwoher ein Monster von Ratte aufgetrieben und wollen sie gleich gegen sechs Quexer antreten lassen. Wollen wohl ihren Ruf wieder herstellen.”
Mr. Ferret legte einen Moment den Kopf schief. Dann nickte er. “Danke, Sir”, flüsterte er und senkte den Kopf.
Fahrer und Portier interpretierten das als Zeichen, jetzt entlassen zu sein und entfernten sich mit hastigen Schritten. Mr. Ferret sah ihnen aus dem Augenwinkel nach. Dem Gang nach zu schließen hatte der Fahrer für heute genug Nervenkitzel gehabt. Außerdem benötigte er eine frische Hose.
Mr. Ferret legte den Kopf auf die andere Seite schief und blinzelte nochmals. Das war nicht die Reaktion, de er für gewöhnlich hervorrief.

Dazu kam die Nachricht, dass die Grube es geschafft hatte, sich eine neue Attraktion zu organisieren. Quexer. Die Thurgood jetzt gegen seine Mutantin antreten lassen wollte. Mit einem solchen Kampf war sicherlich eine Menge Geld zu verdienen, natürlich.
Mr. Ferret war sich allerdings ziemlich sicher, dass das nur Thurgoods zweite Wahl für eine gelungene Rehabilitation seines Rufes gewesen sein durfte. Immerhin war Thurgood also gerade beschäftigt genug, um sich nicht um Ferret zu kümmern. Die Wunschbegegnung wäre wohl ein gewisser Wiedergänger im Kampf gegen die Mutantin und die Quexer gleichermaßen gewesen. Der dünne Mann sank noch weiter in sich zusammen und zog den Bowler tief ins Gesicht. Er konnte freilich nicht mehr frösteln - aber er verspürte das Bedürfnis dazu.
Seltsam war die Reaktion des kleinen Fahrers und des dicken Portiers dennoch gewesen. Einer von denen. Denen - was? Wiedergänger? Die meisten von ihnen waren harmlose, hirnlose Arbeiter, denen niemand einen zweiten Blick schenkte. Wenn man es genau nahm - für die Öffentlichkeit waren es alle von ihnen, Mr. Ferret eingeschlossen. Warum also dieses Erschrecken?
Konnte es sein, das sie ebenfalls die anderen Wiedergänger gesehen hatten? Jene, nach denen Eric, Whiggs und Mr. Ferret suchten?
Aber wenn sie sie nur gesehen hatten, dann erklärte das noch immer nicht die Angst in den Augen der beiden. Oder den nassen Fleck im Schritt des einen. Wenn sie aber mehr gesehen hatten - warum hatten sie dann keine Meldung erstattet? Oder warum hatte man den Agenten der Behörde nichts von einer solchen Meldung mitgeteilt?
Mr. Ferret runzelte die haarlosen Brauen. Irgendwas stimmte noch immer nicht an diesem Gedankengang.
Einer von denen. Mehrere?

Mr. Ferret blinzelte zum dritten Mal innerhalb von fünf Minuten. Dann fluchte leise und sah auf.
Die beiden Männer waren jedoch bereits durch eine der Türen auf der anderen Seite des Parks verschwunden. Dummerweise hatte er nicht darauf geachtet, durch welche.
Trotzdem stand der dünne Mann von seiner Bank auf und begann, rastlos zwischen den nächsten beiden Statuen auf und ab zu gehen. Ein fetter Portier und ein einfacher Fahrer wussten mehr über die neuen Wiedergänger als seine Behörde, als die Lederhäute von der Seuchenschutzbehörde wussten, als O’Donohue und seine Leute bei der Polizei wussten. Sie wussten, dass es mehrere Wiedergänger waren, denen Mr. Ferret und Eric auf der Spur waren. Wie es schien, hatten deutlich mehr Leute Kontakt mit den Mistkerlen, als man erwarten sollte.

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Dieser Eintrag wurde geschrieben am Montag, September 7th, 2009 um 00:01 in der Kategorie Kapitel 6. Reaktionen zu diesem Eintrag können Sie mit dem RSS 2.0 Feed verfolgen. Die Kommentare für diese Seite sind geschlossen.

4 Kommentare bisher

TPF
 1 

Ausgezeichnet.

Allerdings, wie so oft in der Geschichte fehlt mir etwas die räumliche Orientierung. Ich dachte, das Klinikum liegt am Ende eines Parks hinter dem Bürogebäudekomplex (”am gegenüberlligenden Ende”, wenn ich mich richtig erinnere).
Möglich, daß links und rechts vom Park noch weiter Komplexe stehen, das hätte dann aber im vorherigen Kapitel erwähnt gehört.

So jedenfalls ist mir schlicht nicht klar, wo die beiden herkommen und wo sie hingehen…

September 9th, 2009 at 18:49
 2 

Ah. Okay. Bei der Beschreibung des Parks (2 Postings zuvor) als einem Hinterhof ähnelnd war in meinem Kopf das Bild eines zumindest an zwei bis drei Seiten von Gebäuden eingefassten, tristen, kleinen Parks entstanden, wie er ja gern auch heute noch besonders auf den Arealen von Behördenkomplexen angelegt wird. Vermutlich nur, damit die Leute mal zum Rauchen raus können und die Tauben einen Platz zum kacken haben. Nein. Natürlich, damit die Angestellten nicht vollkommen durchdrehen, sondern vom Anblick der “Grünanlage” in die Illusion versetzt werden, an einem menschenfreundlichen, naturnahen Ort zu arbeiten. Der selbe Hintergrund also wie die Yukapalme im zu kleinen Topf und der fast blattlose Ficus im Büro. Gut - künstlicher Efeu hätte wohl auch nicht weniger Wirkung…

An diese Art von Hinterhof-Park dachte ich dabei. Ich sehe schon - das müsste noch ein wenig ausführlicher beschrieben werden.
;)

September 10th, 2009 at 00:47
 3 

Beinahe gleichzeitig wurden auch die Schritte von zwei Paar genagelten Schuhen hörbar.
- genagelte Schuhe? Nutzlose Info (wen interessiert es, ob die Schuhe genagelt sind? Wichtig ist, das Mr.F Schuhe hört. Werft nicht zusehr mit Adjektiven um euch)

Sevrin der Fahrer verschluckte den Rest seines Satzes,
- “Sevrin” oder “Der Fahrer” oder “Sevrin, der Fahrer,” bitte entscheiden. Bei “Sevrin der Fahrer” müsste sein kompletter Name so lauten und darauf kann man aus dem Gespräch nicht schließen.

Dem Gang nach zu schließen hatte
- dem Gang nach zu urteilen

Mr. Ferret legte den Kopf auf die andere Seite schief
- Stilkeule

Attraktion zu organisieren. Quexer
- Punkt durch : ersetzen.

Quexer. Die Thurgood
- Quexer, die Thurgood

Geld zu verdienen, natürlich.
- streicht “natürlich”, das sticht sich mit “sicherlich”

Dann fluchte leise und sah auf.
- hier fehlt was

als die Lederhäute von der Seuchenschutzbehörde wussten, als O’Donohue und seine Leute bei der Polizei wussten.
- hier sind die “wussten” überflüssig und können beide weg gelassen werden.

September 21st, 2009 at 20:22
 4 

Jaja, die Adjektive. Ich weiß es. Mein ewiger Schwachpunkt. Es werden immer zu viele. Danke für den Hinweis.
Ansonsten fehlen bei Sevrin, dem Fahrer, tatsächlich die Kommata.

Die “wussten” kann man tatsächlich weglassen - sie stehen aber bewusst und als verstärkendes Stilmittel (um klugscheißerisch zu sein: als Epipher. *g*) eingesetzt dort. Ob das jetzt gut ist, sei dahingestellt. Es war jedenfalls Absicht.

Herzlichen Dank für die Anmerkungen.

September 21st, 2009 at 21:31

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