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Er war deutlich schlanker, als Eric ihn in Erinnerung hatte, und obwohl er inzwischen weit über Sechzig sein musste, strahlte er eine Energie aus, die sein wahres Alter Lügen strafte.
Mehr denn je wurde die Ähnlichkeit zwischen den Beiden deutlich. Es war beinahe so, als würde Eric in einen Spiegel schauen, der ihm die Zukunft zeigte.

Schweigend starrte der junge Agent seinen Vater an, hin und her gerissen zwischen unzähligen, widerstrebenden Gefühlen, von denen eines das Bedürfnis war, diesen Mann zu packen und aus dem Fenster zu werfen, für das, was er getan hatte. Aber alle Vorwürfe, alle Fragen und Reaktionen, alles was er sich in den vergangenen fünfzehn Jahren für diesen einen Augenblick zurechtgelegt hatte, war mit einem Mal wie weggeblasen.

Sir William Hutton brach als erster das unangenehme Schweigen, indem er den Anzugträger nach draußen schickte und Eric bedeutete, sich in einem Stuhl gegenüber des Schreibtischs niederzulassen. Der junge Agent gehorchte der Aufforderung beinahe wie ein Automat.
„Ich habe Sie schon eine ganze Weile beobachten lassen“, begann sein Vater. „Sie haben sich gut entwickelt, Mister Van Valen. Ich glaube, aus Ihnen wird langsam ein fähiger Agent.“
Als Eric nichts erwiderte, legte er die Hände übereinander und fuhr fort: „Sie haben sich sicherlich bereits gedacht, dass Sie nicht zufällig für die Untersuchung des Hartlefield-Falles ausgewählt wurden. Mister Hartlefield und auch das zweite Opfer, waren Mitarbeiter unseres Unternehmens. Beide waren in der Plasmaforschung tätig und haben an bedeutenden Forschungsprojekten teilgenommen. Ihr Tod ist nicht einfach nur ein tragischer Verlust sondern wirft unsere Entwicklung um Jahre zurück. Wenn nicht sogar um Jahrzehnte.“ Er beugte sich nach vorn. „Verstehen Sie, Mister Van Valen? Das alles ist kein Zufall. Irgend jemand versucht, die Steamtown Power Transmission Ltd. zu sabotieren. Und dieser Jemand scheut nicht davor zurück, unschuldige Menschen umzubringen.“

Eric atmete tief ein. „Sie sind ein mächtiger Mann, Sir. Als wir Ihr Gelände… ihre Stadt betraten, wurden wir von einer halben Armee überwältigt. Auf dem Weg zu den Verwaltungsgebäuden fuhren wir an schwer bewachten Toren vorbei und an jeder Ecke und jedem Hauseingang stehen Bewaffnete mit der modernsten Ausrüstung, die man für Geld kaufen kann. Das Vermögen dieses Unternehmens ist wahrscheinlich größer als das der königlichen Familie. Wie kann es also sein, dass es Ihnen nicht gelingt, einen Saboteur gefangen zu nehmen, der zwei Ihrer Männer getötet hat? Wieso benötigen Sie dazu die Hilfe eines einzelnen jungen Agenten, der gerade von der Akademie gekommen ist und noch keinen einzigen Fall gelöst hat? Was soll dieser Mummenschanz? Soll das eine Art Wiedergutmachung sein?“
Hutton setzte zu einer Erwiderung an, schüttelte dann aber nur stumm den Kopf. „Weil ich Ihnen vertrauen kann“, erwiderte er schlicht. „Ich will ehrlich zu Ihnen sein: Die beiden Toten gehörten zu unserer Gruppe zur Erforschung des Hochenergetischen Plasma. Nur sehr wenige Menschen in der Firma wissen, dass es sie überhaupt gibt. Hochenergetisches Plasma ist so selten und so wertvoll, dass Staaten Kriege beginnen würden, um es in ihre Hände zu bekommen - tatsächlich ist es in einem Fall sogar schon dazu gekommen. Geheimhaltung hatte also oberste Priorität. Aus diesem Grund war auch Niemandem von Außerhalb bekannt, welcher Aufgabe Hartlefield und der Doktor nachgingen und darüber hinaus wurden sie rund um die Uhr von den besten unserer Detektive überwacht. Trotzdem hat man sie kaltblütig und auf äußerst brutale Art ermorden können. Einfach so, ohne dass unsere Männer etwas davon mitbekommen hätten. Das alles lässt nur einen einzigen Schluss zu: Die Täter sind im Besitz von Informationen an die nur jemand gelangen kann, der in unserem Unternehmen arbeitet. Die Täter müssen also aus dem engsten Kreis unserer Mitarbeiter stammen – sie können sich frei überall hin bewegen und sie haben weitreichende Beziehungen. Sogar bis hinein in die Regierung. Aus diesem Grund haben wir Sie für diesen Fall ausgewählt, Mister Van Valen. Wir benötigten jemand Unauffälliges, der den nötigen Ehrgeiz hat, diesen Mordfall trotz aller Widerstände aufzuklären und der gleichzeitig absolut vertrauenswürdig ist.“

„Und tatsächlich haben Sie unsere Erwartungen nicht enttäuscht“, fuhr Hutton fort. „Ihnen ist es gelungen, die Saboteure aus der Reserve zu locken.“
„Allerdings“, sagte Eric. „Beinahe hätten sie uns umgebracht.“
„Genau das ist der entscheidende Punkt. Es ist ihnen nur beinahe gelungen. Statt dessen mussten sie eine schwere Niederlage einstecken und konnten gerade noch einmal entkommen. Das ist mehr, als wir mit all der uns zur Verfügung stehenden ‘Macht‘ bisher erreicht haben.“

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Dieser Eintrag wurde geschrieben am Freitag, August 28th, 2009 um 01:00 in der Kategorie Kapitel 6. Reaktionen zu diesem Eintrag können Sie mit dem RSS 2.0 Feed verfolgen. Die Kommentare für diese Seite sind geschlossen.

2 Kommentare bisher

 1 

Sir William [...] Automat.
- unschön … hier sage ich mal: kürzere Sätze!

Geheimhaltung hatte also oberste Priorität
- jetzt nicht mehr? Jetzt darf Eric das also auspalavern?

von den besten unserer Detektive
- irgendwie… unschön

etwas davon mitbekommen hätten.
- hätten? Sie HABEN nix mitbekommen, oder?

sie können sich frei überall hin bewegen und sie haben weitreichende Beziehungen
- sie können sich überall frei bewegen und haben weitreichende Beziehungen

vertrauenswürdig ist.“

„Und tatsächlich
- warum hier einen Absatz? Wenn der Kerl einen Moment schweigt, dann erzählt es doch, sagt vielleicht auch, wie sich Eric dabei fühlt.

Statt dessen
- Stattdessen

eine schwere Niederlage einstecken
- inwiefern “schwer” ? ich würde sagen, es war einfach nur eine Niederlage …

- als wir, mit all der uns zur Verfügung stehenden ‘Macht‘, bisher erreicht haben.

Ahja… ich würde mir an Erics Stelle _sehr_ verarscht vorkommen. Sie haben Pater Grand verloren, sind nur knapp dem Tod entkommen und dann kommt diese Story? Ne… ne… ne…

August 28th, 2009 at 16:32
 2 

Du hast recht.
Ich weiß nicht genau, wie Eric reagieren wird - aber Mr. Ferret käme sich auch ziemlich verarscht vor.

Allerdings ist das bei ihm ja Normalzustand.
Vermutlich zählt das also nicht…
Hm…

August 28th, 2009 at 20:07

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