Der Gestank in der kleinen Kaverne war bedrückend und beinahe unerträglich. Kaum, dass er den kleinen Seitentunnel verlassen hatte, schmeckte Pater Grand den bitteren, galertartigen Geruch auf seiner Zunge. Toter Quexer gepaart mit der Nuance von frisch vergossenem Menschenblut. Einfach ekelhaft.
Eigentlich war es klar gewesen, dass er sich nicht völlig kampflos zum nächsten Ausgang würde schleichen können. Das erste vorwitzige Exemplar dieser Biester, das ihn unvermittelt ansprang, zerteilte er mit einem fast beiläufigen Hieb der Machete in zwei Teile. Feucht und blutig klatschte der Kadaver auf den Höhlenboden.
Mit den anderen Viechern ging es nicht mehr ganz so leicht. Ehe er sich versah, fand sich Pater Grand inmitten eines infernalischen Angriffes wieder. Quexer um Quexer attackierte ihn, manchmal sogar in Gruppen von zwei oder drei auf einmal, schlugen mit blitzenden Klauen nach ihm oder versuchten mit spitzen Zahnreihen in breiten Mäulern nach ihm zu schnappen. Die meisten dieser Wesen gebärdeten sich wie wahnsinnig, ohne Rücksicht auf das eigene Leben.
Grand hatte mit jedem Augenblick, der verstrich, mehr Mühe damit, sich auf den Beinen und am Leben zu halten. Die Klaue eines der Biester zerschnitt seinen linken Ärmel und ritzte schmerzhaft den vernarbten Arm darunter, bevor er dem Biest mit einem wütenden Knurren den Schädel zertrümmern konnte. Blut, das sowohl von Quexern, als auch von ihm selbst stammte, bedeckte seinen Anzug und sein Gesicht.
Ab und zu erhaschte er einen Blick auf die Stellungen der Tunnler, denen es keinen Deut besser zu gehen schien als ihm. Welle um Welle von Quexern ergoss sich aus der gegenüberliegenden Öffnung der Höhle und brandete gegen die um ihr Leben kämpfenden Tunnler. Schüsse krachten aus den wenigen Feuerwaffen und unablässig ertönten grausige Todesschreie. Die Kaverne war in ein Schlachthaus verwandelt worden.
Wie viele Quexer er bis jetzt erledigt oder wenigstens verstümmelt hatte, konnte er nicht sagen. Ihm kam der Kampf jedenfalls wie eine halbe Ewigkeit vor. Sein Atem rasselte vor Anstrengung und noch immer war er viel zu weit weg von dem Ausgang, der ihn zumindest in die sehr trügerische Sicherheit der Stadt Lethe zurückbrachte. Er musste etwas unternehmen, wollte er nicht hier in diesen verfluchten Höhlen unter der Stadt sang- und klanglos untergehen. Und zwar jetzt sofort. Eigentlich hatte er vorgehabt, den am äußersten Rand gelegenen Posten der Tunnlerstellungen zu erreichen, überraschend durchzubrechen und dann in Lethe zu verschwinden. Mittlerweile sah er ein, dass dieser Plan nicht funktionieren würde.
Allein werde ich es nicht schaffen, ging ihm während einer kurzen Atempause auf. Ich werde ein wenig Unterstützung brauchen. Und ich weiß auch schon, wer mir die verschaffen kann. Unvermitteltelt wechselte er die Richtung. Ohne den Ausgang aus den Augen zu verlieren, hielt er direkt auf die Tunnlerbarrikaden zu. Sein bisheriger Weg hatte ihn seitlich daran vorbeigeführt und bis jetzt schien keiner der Tunnler auf ihn aufmerksam geworden zu sein, da all ihre Konzentration auf die Masse der von vorne angreifenden Quexern gerichtet war.
Genau das würde er nun ändern. Von oben bis unten besudelt, das Gesicht mit Blut und Schleim bedeckt, stolperte er wild gestikulierend auf den nächsten Posten zu. Der reagierte zunächst erschrocken, öffnete dann aber blitzschnell die Barriere und zog den vermeintlich verletzten Mitstreiter hinein.
„Verdammt, Mann, was machste denn da draußen? Da haste aber Glück gehabt, dass dich die Quexer nicht erwischt haben. Scheiße siehste aus. Ich ruf dir besser nen Sanitäter!“
Grand winkte ab. „Nicht nötig. Ich brauche nur eine Atempause, mehr nicht.“
„In Ordnung, Kumpel. Setz dich da hinten hin. Dort bist du erstmal niemandem im Weg. Ich muss mich jetzt wieder um diese Viecher kümmern. Viel Glück weiterhin.“
Damit drehte sich der Mann, ohne sich weiter um Pater Grand zu kümmern, um und kehrte in die Reihen der Verteidiger zurück.
Grand atmete tief aus. Das klappte ja besser als erwartet. Der Posten hatte ihn unter seiner Maske aus Blut nicht erkannt. Also wurde es Zeit für den zweiten Teil des Plans. Vorsichtig blickte sich der Pater um und sondierte die Lage. Die Tunnler hatten eine ringförmige Barrikade aus angespitzten Holzbalken und Stacheldraht um den Tunnelausgang gezogen und so den Zugang nach Lethe abgeriegelt. Wirklich Vertrauen erweckend sah die Konstruktion nicht aus, aber sie schien ihren Zweck zu erfüllen. Zumindest hielt sie die Quexer auf Abstand.
In der Mitte der Anlage stand der Duke auf einem leicht erhöhten Podest, das ihm die Übersicht über das Kampfgebiet ermöglichte. Von dort aus gab er die Befehle an seine Leute. Und genau dorthin würde auch Grand gehen. Der Duke war sein Ticket nach draußen. Mit seiner Flinte am Kopf ihres Anführers, würden ihm die Tunnler unter Garantie freien Abzug gewähren. Sie hatten ohnehin genug zu tun, um die Quexer im Schach zu halten.
Vorsichtig näherte sich der Pater dem Podest, darauf bedacht, kein Aufsehen zu erregen. Nur noch zwei Meter. Weder Duke noch seine Leute achteten auf ihn. Es wird so leicht werden, wie einem Kind das Spielzeug abzunehmen, dachte Grand amüsiert. Er wollte gerade seinen Fuß auf das Podest setzen und hinter den Anführer der Tunnler treten, als ein gellender Schrei sein Vorhaben unterbrach.
„Die Quexer brechen durch!“
Aufgeschreckt sah Grand am Duke vorbei, auf die Reste der zertrümmerten Barrikaden direkt vor ihnen. Ein Keil aus einem guten Dutzend der größten und massigsten Quexer, die er jemals zu Gesicht bekommen hatte, walzte sich dort unaufhaltsam durch die geschaffene Öffnung und genau auf ihn und den Duke zu. Die Tunnler waren viel zu überrascht, um noch rechtzeitig reagieren zu können.
„Verdammte Scheiße“, fluchte Grand. „Warum muss so etwas immer mir passieren?“
Er sprang direkt neben den Duke, visierte den vordersten Angreifer an und schoss. Mit einem letzten Blöken zerplatzte der Schädel des Quexers und überschüttete sie mit einem Regen aus Knochensplittern und Gehirnmasse.
Der Duke nickte dem Pater kurz zu, wohl wissend, wer da unvermittelt neben ihm aufgetaucht war. Dann feuerte er seinerseits auf die Angreifer, tötete zwei weitere Quexer und warf die nutzlose Flinte beiseite.
Mit gezückten Klingen hieben die beiden Männer auf die heranpreschenden Biester ein. Pater Grands Machete blieb bereits beim zweiten Schlag im Schädel eines Quexers stecken, der ihm die Waffe mit einem unwilligen Kopfschütteln aus der Hand riss, bevor er selbst tödlich verwundet zu Boden ging.
Ein unglaublicher Hieb in die Seite fegte Grand vom Podest und ließ ihn schmerzhaft auf dem Boden aufschlagen. Für einen Moment sah er Sternchen vor seinen Augen und dann die geifernde Fratze eines riesigen Quexers, der ihn unter sich begraben hatte.
„So aber nicht, du Drecksvieh. Wo sind nur deine Manieren?“, keuchte er atemlos, während er mit den Händen versuchte, die Fänge des Biests auf Abstand und von seiner Kehle fern zu halten. Unter Aufbietung aller verbliebenen Kräfte rammte er dem Quexer seine Faust ins Auge, das darauf hin mit einem hohlen Knacken zerbarst. Die Antwort des Monsters kam prompt und gnadenlos in Form eines gewaltigen Prankenhiebs. Grands Schädel, der dem Schlag nichts entgegen zu setzen hatte, ruckte krachend zur Seite. Ohne eine Sekunde Verzögerung verlosch das Bewusstsein des Kirchenmannes.
Tags: Duke, Lethe, Pater Grand, Quexer

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