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Gurgelnd kippte Cryker nach vorne über und riss dabei auch Adams von den Beinen. Die Plasmalaterne zerplatzte mit einem Klirren auf dem Boden und heiße Flüssigkeit spritzte in alle Richtungen. Schlagartig wurde es dunkel.
Beinahe sofort war die plasmotische Sicht des Paters da, verstärkt durch immer noch anhaltende Wirkung des SMAP, wenn auch bei weitem nicht so prachtvoll und detailliert wie bei dem Gebrauch eines Okulars. Es glich eher dem Blick durch eine geöffnete Kinderfaust, die wie ein Fernrohr vor das Auge gehalten wurde. Nicht viel, aber es würde reichen müssen.
Weitere Schatten fielen mit triumphierendem Blöken von oben auf die liegenden Männer herab. Grand zählte drei buckelige Klumpen, die nun auf einem vierten hockten. Das musste Cryker sein. Kleine Leuchtpunkte, unruhigen Glühwürmchen gleich, stiegen von den Angreifern auf. Eindeutig Quexer. Grand kannte diese Wesen aus früheren Begegnungen. Sie waren dumm, blutrünstig und einzeln für einen kräftigen Mann eher lästig als gefährlich. Aber in Horden … nun, da dachte man besser nicht darüber nach.
Den Geräuschen nach zu urteilen, hatte einer von ihnen Cryker die Kehle herausgerissen, während sich die anderen beiden an dessen Blut und Fleisch gütlich taten. Direkt daneben rappelte sich Adams fluchend hoch und hieb noch im Aufstehen mit der Machete auf die aggressiven Wesen ein. Er nutzte die Gelegenheit, solange sie noch beschäftigt waren.

Grand hingegen verhielt sich so ruhig und unauffällig wie möglich. Zum einen wollte er die Quexer in seiner unglücklicherweise recht wehrlosen Lage nun wirklich nicht auf sich aufmerksam machen und zum anderen nicht die einzige Chance vermasseln, mit heiler Haut aus dieser Situation herauszukommen. Viel Zeit blieb ihm nicht. Ihm war nicht entgangen, wie sich das Plasma der Laterne einen Weg aus dem zerbrochenen Behälter gesucht hatte. Das konnte es gar nicht. In seiner SMAP-geprägten Sicht quoll es, einem glühenden Feuerwurm gleich, aus der Lampe hervor, leuchtend und Macht ausstrahlend. Unbeirrt kroch der schimmernde Wurm auf ihn zu. Er musste sich nicht einmal sonderlich anstrengen, um seine auf dem Rücken gefesselten Hände in die richtige Richtung zu drehen und in die Flüssigkeit zu tauchen. Dann konzentrierte er sich auf das Plasma und blendete die Geräusche der Umgebung aus, sogar die Kampflaute direkt vor ihm. Er verdrehte die Moleküle des Plasma, veränderte sie und brachte sie in eine andere Anordnung. In eine, wie er sie haben wollte.
Langsam stieg kräuselnder Rauch von dem groben Strick auf, als das Plasma seine Arbeit begann. Schließlich zerrissen die ersten Fäden und Grand sprengte den Rest mit einem angestrengten Ruck. Manchmal war es richtig gut, mit besonderen Fähigkeiten gesegnet zu sein, dachte er.

Derweil hatte Adams die drei Quexer niedergestreckt, wenn sie sich auch natürlich nicht kampflos hatten töten lassen. Er blutete aus mehreren Wunden. Eine davon sah ziemlich übel aus und machte seinen linken Arm nahezu unbrauchbar. Trotzdem war er zu langsam gewesen.
Crykers Hals zierte eine tief aufgerissen Wunde, einem zusätzlichen und besonders hässlich grinsenden Mund nicht ganz unähnlich. Der Tunnler zuckte nicht einmal mehr, sondern lag still und tot auf dem kalten Boden, in seltsamer Umarmung mit einem der getöteten Quexer.
Erschöpft drehte sich Adams zu Grand um und starrte in eine auf ihn gerichtete Plasmaflinte.
Der Pater lächelte müde.
„Tja, aus unserem gemeinsamen Picknick wird dann wohl nichts mehr. Dein Freund da hat die Party ja frühzeitig verlassen.“
Adams knurrte keuchend.
„Na los, bring´s hinter dich. Drück ab. Der Duke und ganz Lethe werd´n dich dafür büßen lass´n, du Schwein.“
Grand neigte den Kopf leicht zur Seite und schaute aufmerksam an seinem Gegenüber vorbei.
Dann nickte er in die gleiche Richtung.
„Das muss ich gar nicht. Du hast Besuch bekommen und wie unhöflich wäre ich da, wenn ich uneingeladen stören würde.“
„Na sicher. Für wie blöd hältst du mich, du dreckiges Stück Aas? Ich dreh´ mich um und dann schießte mir feige in den Rücken oder was?“
„Ts, ts, ts, so schlechte Manieren habe ich auch wieder nicht. Ich würde dir wirklich dringend raten, dich umzudrehen.“

Ein kollerndes Grollen im Rücken von Adams ließ diesen wie von der Säbelspinne gestochen herumfahren. Leider war ihm nicht vergönnt, den Angreifer zu identifizieren, der ihm mit einem scharfen Hieb den Schädel von den Schultern riss. Aber Grand sah das positiv. Immerhin hatte Adams so auch nicht genügend Zeit, um in seinen letzten Sekunden etwas wie absolutes Grauen zu empfinden.
Mit einem hässlichen Poltern fiel der Torso samt Machete zu Boden. Grand wartete, bis der Quexer, der sich Adams geschnappt hatte, in einigermaßen günstiger Position war, visierte das Vieh an und drückte dann ab. Ein gleißender Plasmablitz schoss aus dem linken Lauf der Flinte und ließ den Krötenkörper des Quexers zerplatzen. Feuchter Schleim verteilte sich in alle Richtungen und ein besonders großer Klumpen klatschte stinkend gegen die Brust des Paters.
Ekelhaft, dieses Zeug. Grand wischte es angewidert ab. Elende Krötenfressen. Um diese Kreaturen war es nicht schade, genauso wenig, wie um diesen Abschaum von Tunnlern. Ihn hinrichten lassen wollen! Soweit käme es noch.

Grand ging die zwei Schritte hinüber zu dem abgetrennten Kopf von Adams, der seltsamerweise immer noch den Zylinder trug. Vorsichtig schüttelte er den Schädel aus dem Zylinder heraus, klopfte die Kopfbedeckung sorgfältig ab und setzte sie anschließend auf seinen angestammten Platz. Es fühlte sich gut an, das eigene Haupt wieder ordentlich bedeckt zu wissen.
Er untersuchte das Okular und fand tatsächlich einen Kratzer auf der Oberfläche.
„Mist, verdammter. Du blöder Wichser, ich hatte dir doch gesagt, dass du es bereuen wirst, wenn du das Okular beschädigst.“
Wütend versetzte er dem Schädel einen Tritt, so dass dieser trudelnd in der Dunkelheit verschwand.
Dann hob er die Machete auf und schob sie in seinen Gürtel. Womöglich würde er sie noch einmal brauchen.
Nun wurde es aber Zeit, einen geeigneten Fluchtweg zu finden. Dumm nur, dass er absolut keinen Schimmer hatte, wohin er sich wenden sollte. Ein Weg schien so gut wie der andere. Hauptsache, er führte nicht zurück zur Stadtmitte. Willkürlich wählte er einen aus und ging los. Keine zehn Meter weiter stoppte er.
„Oh Scheiße!“
Vor ihm im Tunnel hockte ein gutes Dutzend Quexer und starrte ihn an.

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Dieser Eintrag wurde geschrieben am Mittwoch, Juli 1st, 2009 um 00:01 in der Kategorie Kapitel 4. Reaktionen zu diesem Eintrag können Sie mit dem RSS 2.0 Feed verfolgen. Die Kommentare für diese Seite sind geschlossen.

11 Kommentare bisher

TPF
 1 

“Ihm war nicht entgangen, wie sich das Plasma der Laterne einen Weg aus dem zerbrochenen Behälter gesucht hatte. Das konnte es gar nicht.”
Da denkt man im ersten Moment, daß das Plasma nicht aus dem Behälter konnte…

“Vor ihm im Tunnel hockteN ein gutes Dutzend Quexer und starrte ihn an.”
Plural.

Schöne Action! Gefällt mir. Aber, wie sieht denn Adams in der Dunkelheit??!

Juli 1st, 2009 at 11:36
Onkel Jack
 2 

Ich bin wirklicher euer größter Fan! Klasse …

P.S. Ich hab heute von einem Fantasy-Schreibwettbewerb vom Noel-Verlag erfahren, bei dem sich die Jury-Mitglieder selbst unter die Gewinner gewählt haben. Krass, oder??? Also mir tun echt die Leute leid, die da wirklich ihr Herzblut reingesteckt haben … schade, dass ich nicht schreiben kann, sonst hätte ich mich mal selbst bei sowas versucht, nur um zusehen, ob es da mit rechten Dingen zu geht. Tja, Sachen gibt es!

Juli 1st, 2009 at 11:45
 3 

Wow, TPF.
GUTER Punkt. Wie sieht der gute Adams in der Dunkelheit? War der womöglich auch auf SMAP? Hat er vielleicht des Paters verlorenes Fläschchen gefunden?
Interessante Frage.

Was den Plural angeht: Nö. “Ein Dutzend” ist der Reverenzpunkt für “hockte”, nicht die Quexer. Stolpere ich aber auch gern drüber.

Danke für die Blumen, Onkel Jack. *g*
Das mit dem Wettbewerb steht zumindest in bester Tradition der Medienbranche. Das fällt mir (als einem “Werber”) immer wieder auf. Das muss wohl so sein.

Beim Deutschen Mediapreis 2008 ist z.B. eines der Jurymitglieder, Thomas Koch, zur “Media-Persönlichkeit des Jahres” gekürt worden. “Beste Media-Idee” gewann denn auch prompt seine Agentur. Und die Auszeichnung “Media Youngsters” gewann das Mediacom-Team - dessen Chef ebenfalls in der Jury saß. Klasse, oder?
Schon schade, dass sich Verlagswettbewerbe diesen Trends anschließen müssen. Aber naja. Idealerweise schreibt man ja nicht für Wettbewerbe, sondern für Leser.

Juli 1st, 2009 at 12:12
André S.
 4 

Kleiner Rechtschreibfehler:
“und hieb noch ihm Aufstehen mit der Machete auf die aggressiven Wesen ein.” wohl eher “im Aufstehen”

Juli 1st, 2009 at 23:23
Stephan
 5 

Stimmt, André. Ist schon korrigiert.

@TPF und Tom: Vielleicht schaut Adams durch des Paters Okular? Ihr erinnert Euch, wer den Zylinder zwischenzeitlich trug…?

Juli 2nd, 2009 at 09:05
Tom
 6 

Wenn du so fragst… hm… Baron Samedi?

Juli 2nd, 2009 at 09:20
Stephan
 7 

Der auch. Aber das ist eine andere Geschichte…

Juli 2nd, 2009 at 10:38
TPF
 8 

Ich beharre aber darauf, daß das Dutzend ledigliche die Menge bezeichnet. Es ist im Grunde ja nur ein Zahlwort.

Sonst würde es ja z.B. auch heißen, die etwa zehn Quexer saß auf dem Boden und starrte ihn an… :-)

Juli 3rd, 2009 at 11:38
Betti
 9 

Meiner Ansicht nach ist Toms Version die Richtige und das Dutzend als Hauptwort der Bezugspunkt. ‘Etwa zehn’ ist kein Hauptwort auf das man sich beziehen könnte.

Juli 5th, 2009 at 18:36
 10 

TPFs Erklärung hinkt zwar - aber laut Duden “Richtiges und gutes Deutsch” stimmt -

beides.
Zitat: Bei Dutzend als Mengeneinheit steht das Prädikat meist im Singular, weil man vor allem die Einheit sieht: “Das/ein Dutzend Eier kostet 2,40 EUR“. Doch ist mit dem Blick auf das Gezählte auch der Plural möglich: “Ein Dutzend Eier kosten 2,40 EUR“.

Ham’ wer wieder was gelernt. (Und ich weiß wieder mal, warum ich die ganzen Dinger gekauft habe…)
;)

Juli 5th, 2009 at 20:08
 11 

Eine davon sah ziemlich übel aus und machte seinen linken Arm nahezu unbrauchbar. Trotzdem war er zu langsam gewesen.

- Trotzdem passt nicht in diesem Zusammenhang. Man kommt erst nach laaangem lesen drauf, was gemeint ist.

[...]Grand um und starrte in eine
- huch? Ich dachte es ist stockfinster.

Für wie blöd hältst du mich, du dreckiges Stück Aas? Ich dreh´ mich um und dann schießte mir feige in den Rücken oder was?
- Eine absolut unlogische Überlegung in dieser Situation. Klingt für mich nach einem Klischee, das UNBEDINGT rein musste.

Juli 6th, 2009 at 13:00

Die Kommentare sind geschlossen.