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Archiv für Juni 26th, 2009

26
Jun

Kapitel 4-03

   Posted by: Steamtown    in Kapitel 4

Schweigend verließen Eric und Ferret das Gebäude. Während sie auf ihre Droschke warteten, beobachteten sie den altmodischen Dampfwagen eines ausländischen Diplomaten, dessen Fahrer fluchend und schimpfend mit einem Schraubenschlüssel auf den überhitzten Kessel einschlug. Eine Hand voll Müßiggänger hatten sich um das rauchende Ungetüm herum versammelt und vertrieben sich die Zeit, indem sie den verzweifelten Mann mit anzüglichen Scherzen über Ventile bedachten. Eric erkannte einige Agenten unter ihnen und fragte sich, was aus den Idealen geworden war, für die der Name des Ministerium irgendwann einmal gestanden hatte – oder ob es sie überhaupt jemals gegeben haben mochte. Schließlich atmete er tief durch und wandte sich an seinen stumm vor sich hinbrütenden Begleiter.

Mit knappen, beherrschten Worten unterrichtete Eric den Wiedergänger über sein Gespräch mit Ministerialrat Granville.
„Sie sind nun von Ihrer Aufgabe entbunden“, schloss er. „Ich möchte Ihnen aber noch für Ihren außerordentlich mutigen Einsatz danken und kann Ihnen versichern, dass ich Sie in meinem Abschlussbericht lobend erwähnen werde - auch wenn ich fürchte, dass mein unbeherrschtes Verhalten vorhin sich in gewissem Maß auch negativ auf Ihre Beurteilung auswirken wird.“
Ferret gab ein Geräusch von sich, das man mit etwas gutem Willen als ein trockenes Lachen hätte bezeichnen können. Ohne Eric anzusehen sagte er leise: „Meine Beurteilung? Sir, nach unserer Vorstellung bei Dr. Sartorius is es recht müßig, was in meiner Beurteilung stehen wird. Für meine fortgesetzte Existenz is schließlich allein die Beurteilung der Kommission zur Evaluation von Plasmierten ausschlaggebend. Sie dürfen raten, wer dieser vorsitzt, Sir.” Ein kurzer Augenblick verstrich, bevor er hinzufügte: „Aber wissen Sie was? Es spielt keine Rolle, Sir.”
Er wandte seinen Blick von dem unglücklichen Chauffeur ab, der inzwischen dazu über gegangen war, die umstehenden Spötter zu beschimpfen, und sah Eric an. Irgendwie gelang es seinen schwarzen Nagetieraugen, Entschlossenheit auszudrücken. „Dort draußen läuft ein Mörder rum, Sir. Und es sieht so aus, als sei es einer von meiner Art. Wenn heraus kommt, dass wir das wissentlich zugelassen haben, würde ich keine Münze mehr auf meine Zukunft setzen. Auf Ihre übrigens auch nicht, Sir. Gelingt es uns hingegen, den Kerl zu fassen, haben sich unsere Probleme erledigt.”

Eric musterte den Wiedergänger erstaunt. „Soll das heißen, Sie wollen den Fall weiter verfolgen?”
“Nein Sir”, erwiderte Ferret. „Sie wolln den Fall weiter verfolgen. Ich hingegen bin lediglich ein nicht entscheidungsbefugtes Werkzeug, das Ihnen zur Seite gestellt wurde, um Sie zu unterstützen. Sofern mir diese Aufgabe nicht von offizieller Stelle der Behörde wieder entzogen wird, kann ich doch überhaupt nicht anders handeln. Könnte ich mich Anordnungen der Behörde in dieser Weise widersetzen, wär ich von Dr. Sartorius schon lange als Sicherheitsrisiko ausgemustert worden.”
Der junge Agent starrte seinen Begleiter einen langen Augenblick lang verständnislos an. Dann jedoch lächelte er in plötzlichem Verstehen und nickte.
“Sie sind ein Ehrenmann, Mr. Ferret. Es ist gut, jemanden an seiner Seite zu wissen, der so aufrecht und ehrlich ist, wie Sie.“
Diesmal gab es keinen Zweifel daran, dass der dünne Mann lachte. Dann drückte er den Bowler fester auf seinen Schädel und nickte zur Straße hin. „Wenn Sie es sagen, Sir. Dort kommt unsere Droschke. Wo möchtn Sie als nächstes hin?”

„Zuerst einmal zu Pater Grand“, antwortete Eric und kletterte dem dünnen Mann voran auf den Sitzplatz. „Wenn ich Mister Granville richtig verstanden habe, hat er ihn lediglich schriftlich darüber in Kenntnis gesetzt, dass er einer Spur nachgehen wolle. Und bis jetzt hat er sich noch nicht bei ihm zurück gemeldet.” Er zog eine braune Mappe aus seinem Mantel und hielt sie bedeutungsvoll in die Höhe. „Glücklicherweise weiß ich, wo er zuhause ist.”
„Sie haben die Dossiers gestohlen, Sir? Sie erstaunen mich, Mr. Van Valen.”
„Gestohlen, Mr. Ferret? Wie kommen Sie darauf? Ich habe lediglich noch keine Zeit gefunden, sie zurück zu geben. Das wird zunächst wohl auch noch warten müssen, denn wir haben den Pater ja noch nicht über die neuesten Entwicklungen und Mister Granvilles Anordnungen informiert. Danach werden wir sehen, wie es mit ihm weiter geht. Vielleicht hat er ja etwas Neues herausgefunden und ist bereit, es uns mitzuteilen - falls nicht, haben wir immer noch eine andere Spur, die zu verfolgen sich lohnen könnte.“
Eric gab dem Kutscher ein Zeichen und dieser setzte die Pferde mit einem lauten Knallen seiner Peitsche in Bewegung.

Niemandem fiel die Gestalt auf, die sich jetzt aus der Menge der Schaulustigen heraus löste und den Agenten mit finsterem Blick hinterher sah. Nach einem kurzen Augenblick reglosen Verharrens hob sie die Hand und winkte eine weitere Droschke herbei, um den beiden zu folgen.

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