Order viagra buy viagra online no prescription canada

“Mr. Ferret? Warten Sie bitte einen Augenblick.”
Verwundert hielt der Wiedergänger inne. Er konnte sich nicht erinnern, dass er in den letzten zehn Jahren auch nur ein einziges Mal von Miss Bloomfield angesprochen worden wäre. Langsam ließ er die Tür zum Techniktrakt los und wandte sich um.
“Ich habe hier eine Nachricht für Sie, Mr. Ferret”, sagte die Empfangsdame und hielt einen schweren, weißen Umschlag hoch, auf dem deutlich sichtbar in einer nüchternen, klaren Handschrift sein Name stand. Was seltsam war, da alle Nachrichten, die innerhalb des Ministeriums an ihn gerichtet waren, lediglich seine Dienstnummer trugen. Zögerlich trat er an das Empfangspult und nahm den Umschlag entgegen. Einen Augenblick wandte er ihn ratlos in den Händen hin und her, aber um mehr über diese unerwartete Botschaft zu erfahren, musste er sie wohl oder übel öffnen. Er war sich nur nicht sicher, ob er das wollte.
Schließlich befand er, dass er den Brief lange genug angestarrt hatte und erbrach das Siegel. Um den Inhalt des einzelnen Bogens zu erfassen, bedurfte es keine Sekunde. “247-B3″ stand auf dem sonst makellosen Weiß und darunter prangte ein weiteres Siegel. Diesmal eines, das er kannte.
“Schlechte Nachrichten, Mr. Ferret?” erkundigte sich Miss Bloomfield und Mr. Ferret registrierte mit leichter Überraschung so etwas wie echtes Interesse in ihrer Stimme. Der Wiedergänger faltete das Blatt zusammen und ließ es in einer Tasche seines Mantels verschwinden. “Überfällige”, sagte er. “Danke, Miss Bloomfield.”
Er wandte sich ab. Doch dieses Mal führten ihn seine Schritte nicht zum Techniktrakt, sondern in Richtung Treppenhaus des Gebäudes.

Wenige Minuten später starrte er auf das dunkle, abgeschabte Holz einer unscheinbaren Tür. Drei angelaufene Messingziffern waren in Augenhöhe daran befestigt. Mit einem letzten Blick vergewisserte er sich von der völligen Einsamkeit des Ganges, dann drückte er die Tür auf. Welche, wie erwartet, jedoch vollkommen gegen die Regeln des Gebäudes, unverschlossen war.
Mr. Ferret betrat den Raum und schloss die Tür. Vollkommene Dunkelheit umfing ihn. Nicht, dass das etwas gewesen wäre, das ihn auch nur im Geringsten behindert hätte – aber es verwunderte ihn. Um so mehr, als ihm der Mann, der dort hinter dem abgestellten Schreibtisch saß, jetzt zunickte. “Es freut mich, dass Sie kommen konnten, Mr. Ferret”, sagte der Mann und griff nach der Lampe auf dem Schreibtisch. Flackernd und zischend erwachte das kleine Plasmalicht zum Leben und tauchte das ungenutzte Büro in tiefe Schatten.
“Sir”, antwortete der Wiedergänger unbestimmt.
“Wie ich sehe, sind die letzten Tage nicht spurlos an Ihnen vorüber gegangen”, stellte der Mann fest, “Sie sollten das wohl besser einen Fachmann ansehen lassen.”
“Ich war gerade auf dem Weg dazu, Sir”, sagte Mr. Ferret. “Was wünschen Sie?”
“Was ich wünsche, Ferret?”, sagte der Mann und legte seinen Spazierstock vor sich auf den staubigen Tisch, um sich die Ärmel des grauen Anzuges zurecht zu zupfen. “Ich wünsche natürlich Ergebnisse, was sonst? Mr. Ferret, Sie sind bereits seit Tagen unterwegs – Also, was haben Sie mir zu sagen?”
“Sir”, sagte Mr. Ferret steif. “Nichts, Sir.”
“Nichts?” Der Graue Anzug klang überrascht, doch Mr. Ferret war sich darüber im Klaren, dass sein Gegenüber natürlich gewusst hatte, wie seine Antwort lauten würde. “Nichts, Ferret? Sie enttäuschen mich. Ich dachte, Sie wüssten, was für Sie auf dem Spiel steht. Und Sie können nicht behaupten, dass unsere Abmachung unfair oder der Auftrag zu schwer für Sie wäre, oder?”
“Nein, Sir. Kann ich nicht.”
“Also? Wo ist das Problem?”
“Ich denke, die Sachlage ist deutlich komplizierter, als sie bei Auftragserteilung aussah, Sir.”
“Sie denken, Ferret? Sollten Sie auf Ihre alten Tage doch noch einen neuen Trick gelernt haben? Und was hat es ergeben, dieses Denken des Mr. Ferret?”
“Dass ich den Auftrag vielleicht nicht wie geplant ausführen kann, Sir. Die Ausgangslage hat sich eventuell geändert.”
“Und wie sollte das möglich sein?”
Einen langen Moment rang der Wiedergänger mit sich. Schließlich antwortete er leise: “Einer von uns ist im Spiel. Einer der Söhne. Oder vielleicht auch Enkel.”
Sein Gegenüber schwieg. “Unmöglich”, sagte er schließlich im Brustton der Überzeugung und lächelte schmallippig. “Ich wüsste davon. Außerdem hat man den Täter bereits gefunden. Wenn Sie also endlich die Freundlichkeit besäßen, Ihre Arbeit zu erledigen?”

“Ich habe die Feststellung gemacht, dass immer dann, wenn jemand im Brustton der Überzeugung verkündet, dass etwas unmöglich sei, etwas passiert, das schnell und mit angemessener Komik klar stellt, dass das, was unmöglich schien, soeben eingetroffen ist. Und ich beschloss, dem Grauen einen kleinen Geschmack davon zu bieten. Es würde mir vermutlich zwar keinen Bonus einbringen, aber verdammt, er ging mir ohnehin auf die Nerven. Und es würde mir die Genugtuung verschaffen, das Grinsen aus seinem Gesicht zu wischen. Es gibt Dinge, die kann man nicht mit Geld bezahlen.”

Wortlos griff Mr. Ferret in seine Manteltasche und legte ein schwarzes, rundes Objekt von der Größe eines Taubeneies auf die Tischplatte. “Ich bin mir ziemlich sicher”, sagte er und gab dem Auge einen kleinen Stoß, der es bis zum Spazierstock des Grauen Anzuges rollen ließ. Das Lächeln des Mannes verschwand. Stattdessen sprang er schneller auf, als es der Wiedergänger für möglich gehalten hätte und schlug mit einer behandschuhten Hand auf die gläserne Kugel. Mit einem knackenden Geräusch zerbarst das künstliche Organ. “Sind sie wahnsinnig, Ferret?”
“Es war deaktiviert, Sir”, sagte Mr. Ferret trocken. “Sie hätten es nicht zerstören müssen.”
Wortlos musterte ihn der Graue Anzug. Dann seufzte er und setzte sich wieder. “Nun gut, Mr. Ferret. Sie haben Ihren Standpunkt klar gemacht.” Er zupfte sich die Splitter aus dem ledernen Handschuh. “Jetzt möchte ich unseren klar machen. Sie haben zwei Tage Zeit, uns in dieser Sache Gewissheit zu verschaffen. Eventuell stimmen wir Ihrem Urteil dann sogar zu, was Ihren Auftrag betrifft. Nach diesen zwei Tagen jedoch steigt die Möglichkeit drastisch, dass wir mit einem gewissen Mister Layton Thurgood in Kontakt treten. Wissen Sie eigentlich, dass Mr. Thurgood ein ganz und gar nicht unbeträchtliches Kopfgeld auf einen Mann ausgesetzt hat, der Ihnen wirklich ähnlich sieht? Wir könnten also zu der Überzeugung kommen, dass diese Summe den Wert übersteigt, den Ihre Dienste für uns haben - Mister Ferret. Haben wir uns verstanden?”
“Völlig, Sir”, sagte Mr. Ferret leise. “Nur zwei Tage?”
“Bitte?” fragte der Graue Anzug verwirrt.
“Üblich sind zu solchen Gelegenheiten drei. Das ist eine symbolischere Zahl”, sagte Mr. Ferret mit vollkommen unbewegter Miene.
Der Mann im grauen Anzug öffnete den Mund. Dann schloss er ihn wieder.
“Raus”, knurrte er schließlich, “Machen Sie Ihren Job. Und beten Sie, dass ich nicht vorher die Geduld verliere. Ich denke, Mr. Thurgood hätte nichts dagegen, nur einen Teil von Ihnen geliefert zu bekommen.”
Die Tür hinter dem Wiedergänger wurde geöffnet und Mr. Ferret wurde sich mit einem Mal der Tatsache bewusst, dass während der ganzen Zeit die beiden Leibwächter des Grauen Anzuges direkt hinter ihm gestanden hatten. Er zwinkerte. Einmal.
“Sir”, sagte er dann und verließ den Raum.
Ohne sich umzusehen durchquerte er die düsteren Gänge, bis er einen der Aufzüge erreichte, der ihn wieder hinab in die Empfangshalle bringen würde. Wäre er sich nicht genauestens der Tatsache bewusst gewesen, dass es ihm unmöglich war, Schmerz zu verspüren, dann hätte er geschworen, dass sich in seinem Schädel gerade Kopfschmerzen anbahnten.

Tags: , ,

Dieser Eintrag wurde geschrieben am Mittwoch, Juni 24th, 2009 um 00:01 in der Kategorie Kapitel 4. Reaktionen zu diesem Eintrag können Sie mit dem RSS 2.0 Feed verfolgen. Die Kommentare für diese Seite sind geschlossen.

9 Kommentare bisher

TPF
 1 

Sehr fein.

“Er war sich nur nicht sicher, dass er das wollte.”
OB er das wollte?

Juni 24th, 2009 at 11:04
 2 

Danke.

Jo. Könnte man machen.
Ich weiß nur nicht, ob man es in diesem Fall muss.
Ein Germanist da?

Juni 24th, 2009 at 18:10
 3 

Würde auch zu “ob er das wollte” tendieren, gerade wegen der unglücklichen dass - das - Doppelung… .

Einen Augenblick wandte er ihn ratlos in den Händen in und her

- hin und her

sagte der Mann und legte den Spazierstock vor sich auf den staubigen Tisch

- einen Spazierstock oder seinen Spazierstock… ansonsten gibt es keinen in der (textlichen) Nähe, auf den ihr euch beziehen könntet.

Wenn er sich nicht genauestens über die Tatsache bewusst gewesen wäre, dass es ihm unmöglich war, Schmerz zu verspüren, dann hätte er geschworen, dass sich in seinem Schädel gerade Kopfschmerzen anbahnten.

- Wenn er nicht genau wüsste, dass es ihm unmöglich war Schmerzen zu spüren, hätte er schwören können, dass …
damit es vielleicht was besser zum Rest passt…

Juni 24th, 2009 at 20:16
 4 

Okay, ich lenke ein.
Danke für die anderen Hinweise (und ich hab dabei gleich noch zwei andere Schreibfehler ausgebügelt. ;) ).
Das mit dem Spazierstock stimmt. Für mich hatte er gedankliche Nähe, da wir ja den Grauen Anzug schon mal hatten und hier auch deutlich sein Spazierstock erwähnt wurde - aber natürlich ist dem Leser diese Nähe nicht sofort klar. Auf keinen Fall schon an dieser Stelle. Das ist klassische Betriebsblindheit des Autors.

Übrigens würde es mich ganz nebenbei interessieren, was ihr über den Grauen Anzug denkt. Also wer er sein könnte und was seine Motive sind. Ich habe zwar eine vage Ahnung - aber mich würden eure Eindrücke und Spekulationen brennend interessieren. *g*

Juni 25th, 2009 at 09:36
TPF
 5 

Ich halte ihn für so eine Art Anführer der Plasmierten, der aus dem Untergrund heraus an deren entgültigen Sieg über die Lebenden arbeitet.

Der kam schonmal vor, tatsächlich?
Vielleicht sollte ich die Geschichte irgendwann mal am Stück lesen! :-)

Juni 26th, 2009 at 15:04
 6 

Jup. Kam er. In 1-03 bzw. am Ende von 1-05. ;)

Juni 26th, 2009 at 15:55
 7 

Habe gerade erst wieder mit Lesen begonnen. Wirklich ein schön gemachter Abschnitt. Danke!

Ich denke nicht, dass der Graue Anzug ein Plasmierter ist … Anführer ja … ich glaube mich erinnern zu können, dass Miß Hermione Arnold, die kleine Büromaus aus dem ersten Stock der Guild-Foundation, mal etwas von einer seltsamen Organisation erzählt hatte. Eine Art Abspaltung der Techniker, die damals an der Plasmationsforschung beteiligt waren. Vielleicht weiß der eine oder andere noch von den Gerüchten, dass die Baker daran nicht unbeteiligt gewesen sein sollen.
Allerdings kann ich Miß Arnold nicht mehr fragen, sie ist von einem Tag auf den anderen kurz nach diesem fröhlichen Umtrunk an die Küste gezogen … sie hatte es wohl irgendwie mit der Lunge, die Arme.

Juli 13th, 2009 at 15:50
 8 

Vielen Dank für die Blumen, Bettina.
Soweit mir bekannt ist, weiß Mr. Ferret genaueres über den Grauen Anzug.
Vielleicht sollten wir ihn in einer ruhigen Minute mal fragen…
Wobei es natürlich interessant wäre, den gegenwärtigen Aufenthaltsort von Miss Arnold ausfindig zu machen.
Immerhin muss “an die Küste” ja nicht heißen, dass sie weit weg gezogen ist. Wo doch Steamtown einen Seehafen hat… *g*

Juli 13th, 2009 at 17:24
 9 

Bezüglich des Aufenthalts von Miss Arnold habe ich ja so meine Zweifel. Ihre kleine Wohnung ist leer geräumt, weiß schon … die 2 Zimmer in der Tonsend-Street.
Vielleicht könnte man ja mal schauen, ob Eric über irgendwas stolpert. Miss Arnold hat nämlich noch das Spitzentaschentuch von mir. Das hätte ich schon gerne wieder

Juli 13th, 2009 at 17:52

Die Kommentare sind geschlossen.