“War ja klar. Erst faul irgendwo herumliegen und dann auch noch drängeln. Unsere weißhäutige Schönheit läuft uns doch nicht davon.”
Grand folgte Mr. Ferret auf dem Fuße, als dieser den Polypen angriff.

Zum ersten Mal in ihrer unangenehm hektischen Begegnung warf der Pater einen eingehenden Blick auf die Monstrosität, um einen Punkt zu entdecken, an dem ein Angriff mit seinen Mitteln vielleicht eine tatsächliche Wirkung zeigen würde.
Es war dabei eher ein unglücklicher Zufall, dass dieser Blick durch das Okular erfolgte, welches er nach seiner Ersten Hilfe für Ferret noch immer vor seinem Auge trug. Mit einem gequälten Aufschrei prallte er förmlich zurück, als er den Polypen jetzt mit der anderen Sicht wahrnahm.

Denn was er sah, brannte ihm beinahe die Netzhaut aus seinem linken Augapfel.
Eingehüllt in eine bis über die Schmerzgrenze hinaus gleißenden Hülle von wirbelnden Plasmonen ragte die Kreatur vor ihm auf.
Und in diesem Moment gab es für Siberius Grand nicht mehr den geringsten Zweifel, woher diese Monstrosität seine unirdische Energie bezog: Sie selbst war pure Plasmagewalt! Unmöglich! Dieses Monster konnten sie nicht besiegen, denn es stammte offensichtlich von der anderen …

Bevor Grand noch seine schreckenserfüllte Erkenntnis abschütteln oder den Gedanken auch nur zu Ende bringen konnte, packte ihn einer der unzähligen Tentakel. Der Fangarm umschlang seinen Oberkörper und riss ihn nahezu von den Füßen, auf das wartende Gewimmel der übrigen Auswüchse zu.
Mit einem Knurren stemmte sich Grand schließlich gerade noch rechtzeitig mit aller Gewalt gegen die Umklammerung, riss die Hoegle aus der Tasche seiner Jacke und presste sie direkt auf den Fangarm. In rascher Folge leerte er das restliche Magazin direkt in die gummiartige Oberfläche. Der Polyp pfiff abermals gequält auf und schleuderte die massige Gestalt des Paters von sich, über die Wasserfläche hinaus und gegen die nächste der mächtigen Säulen. In einer schmutzig braunen Fontäne verschwand Grand zum zweiten Mal innerhalb weniger Minuten in der Brühe des Abwasserbeckens.

Den beiden anderen Männern erging es nicht besser.
Mr. Ferret klammerte sich mit sturer Verbissenheit an einen der stärkeren Fangarme und steckte jeden der peitschenden Hiebe des Polypen stoisch weg.
Gleichzeitig jedoch dämmerte ihm, dass er der Kraft dieses geistlosen Wesens auf Dauer nicht viel entgegen zu setzen hatte. Selbst seine nichtmenschliche Stärke brachte ihm hier keine Vorteile - zumal er sie mit nur einem funktionalen Arm kaum ausspielen konnte. Sicherlich - er konnte diesem Ding wiederholt in den Leib treten. Doch zum einen galten die Modifikationen seiner Arme nicht für seine restlichen Extremitäten - was die Wirksamkeit seiner Tritte empfindlich einschränkte und zum anderen hatte er den unguten Verdacht, dass der Polyp kaum mehr Schmerzempfinden hatte, als er selbst.
Langsam wurde ihm bewusst, dass ihn das Ding natürlich nicht töten konnte – aber dass er ihn sehr wohl in einen vollkommen funktionsuntüchtigen Brei verwandeln würde, wenn ihm nicht bald eine Lösung einfiel. Vielleicht war es ein ungünstiger Moment, aber ungefähr jetzt erinnerte sich Mr. Ferret daran, dass seine eigene Existenz keinesfalls als geglückte Entwicklung galt. Krachend schlug er abermals gegen die Wand. Und hörte, wie sein morsches Schlüsselbein brach.

Das Brennen in Erics Bein hatte sich langsam nach oben ausgebreitet und inzwischen stand sein gesamter Körper unter Feuer. Schließlich konnte er dem stetig anwachsenden Schmerz, der sich wie flüssiges Quecksilber um jede Faser seiner Muskeln zu legen schien, nicht mehr stand halten. Die Stange entglitt seinen Händen und der junge Agent brach auf dem Absatz zusammen, um von unkontrollierbaren Krämpfen geschüttelt liegen zu bleiben.
Dem störenden Gewicht des jungen Mannes entledigt und von Erics Angriff sichtlich aufgebracht, konzentrierte der Polyp sofort all seine Bemühungen darauf, auch seinen letzten Gegner abzuschütteln. Mr. Ferret war also derjenige, dem jetzt die volle Aufmerksamkeit des Wesens zuteil wurde. Und er bekam sie bitter zu spüren.

Grand tauchte spuckend und schwer nach Luft schnappend aus der trüben Kloake auf. Der Aufschlag hatte ihm fast die Besinnung geraubt und er meinte, alle Knochen in seinem Leib zu spüren. Ganz sicher war er sich nicht, ob nicht vielleicht doch der ein oder andere davon gebrochen war. Mit schwerfälligen Schwimmbewegungen schleppte er sich zum nächstliegenden Absatz und zog sich auf die kalten, glitschigen Steine. Einen Moment blieb er würgend und nach Luft ringend liegen. Schließlich wälzte er sich auf die Seite, zog mühsam die Beine unter den Leib und kämpfte sich schwankend auf die Füße.

Was er auf dem einige Meter entfernten, anderen Absatz sah, veranlasste ihn zu einem verzweifelten Stöhnen.
Eric wand sich zuckend auf dem Boden, offensichtlich außer Gefecht gesetzt und zu keiner Gegenwehr mehr fähig. Und was der Polyp mit Mr. Ferret anstellte, konnte man bestenfalls als überaus makabres Zerrbild eines Piñata-Festes bezeichnen. Nur dass Ferret keine Zuckerwaren, sondern wertvolle Körperteile zu verlieren drohte.

Es half nichts, Grand musste wenigstens den Versuch unternehmen, den jungen Agenten zu retten.
Was den Wiedergänger anging - nun, es war schließlich nicht so, als wäre jener, technisch gesehen, noch am Leben. Doch Eric an diese Monstrosität zu verlieren, das konnte er nicht zulassen. Schnaufend machte er sich bereit, zum dritten mal in die Kloake zu springen, um wieder in den Kampf einzugreifen, als ein donnernder Schlag durch die unterirdische Kaverne hallte.
Nur den Bruchteil einer Sekunde später jagte eine undeutlicher Schemen mit dem Geräusch tausender, zorniger Moskitos dicht an ihm vorbei und gleich darauf explodierte ein kopfgroßer Teil des Polypen in einer Wolke schleimiger Gallerte und zuckender Tentakelreste.

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Dieser Eintrag wurde geschrieben am Freitag, Mai 8th, 2009 um 00:01 in der Kategorie Kapitel 2. Reaktionen zu diesem Eintrag können Sie mit dem RSS 2.0 Feed verfolgen. Die Kommentare für diese Seite sind geschlossen.

3 Kommentare bisher

 1 

Es war dabei eher ein unglücklicher Zufall, dass er dieser Blick durch das Okular erfolgte

- dass dieser Blick, ohne “er”

Doch zum einen galten die Modifikationen seiner Arme nicht für seine restlichen Extremitäten - was die Wirksamkeit seiner Tritte empfindlich einschränkte. Und

- der Punkt vor dem Und stört stark den Lesefluss… in diesem Fall würde ich den längeren Satz vorziehen, zumal genug strukturgebende Elemente vorhanden sind…

Wand. Und hörte, wie sein morscher Schlüsselbein brach.

- Uh, schon wieder… außerdem “wie sein morsches Schlüsselbein…

Die Stange entglitt seinen Händen und der der junge Agent

- ein “der” weniger, bitte

Wesens zuteil wurde. Und sie bekam es bitter zu spüren.

- erneut ein “und” am Anfang O.o (bitte vermeiden) - und worauf bezieht sich nun das “sie”? Es ist von Mr. Ferret und dem Wesen die Rede… also entweder “er” oder “es”. Für “die Kreatur” aus dem Satz zuvor ist dieses Bezugswort zu weit weg.

Ganz sicher war er sich nicht, ob nicht

- besser vielleicht: “Er war sich nicht ganz sicher, ob nicht vielleicht”, setzt die beiden “nicht”s etwas weiter auseinander.

—-

Uhh, Kavallerie… und womöglich eine neue Waffe… ^^ *mal gespannt abwartet*

Mai 8th, 2009 at 09:38
Tom
 2 

Ah.
Danke, Nico. War spät, gestern nacht, wie ich sehe. Wird natürlich korrigiert.

Mai 8th, 2009 at 10:17
 3 

Die Flechette! Juhu! Die Flechette! :-)

Mai 8th, 2009 at 11:03

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