So schnell er konnte kroch Eric auf die Mauer zu. Immer wieder verloren seine Schuhe auf dem glitschigen Boden den Halt und der junge Agent kam nur langsam voran.
Plötzlich verspürte er einen heftigen Schmerz am rechten Bein.
Mehrere milchig-weiße Tentakel hatten seinen Knöchel umschlungen und zogen ihn unbarmherzig zurück in Richtung des Wassers. Fieberhaft umklammerte Eric einen aus dem Boden hervorstehenden Stein und trat mit seinem freien Fuß nach dem Angreifer. Es war, als würde er gegen das mit hartem Gummi ummantelte Rad einer Droschke treten – und es hatte beinahe die selbe Wirkung.
Unbeirrt zogen sich die Fangarme mehr und mehr um sein Bein zusammen und der Schmerz wurde beinahe unerträglich. Eric brüllte auf und es kostete ihn alle Kraft, sich weiter festzuhalten. Schon begann sein Griff, von seinem schmierigen Halt abzugleiten..

Glücklicherweise erinnerte er sich in diesem Moment an das halb vergessene Klappmesser mit dem Hirschhorngriff, welches er stets als eine Art Talisman bei sich trug. Ein harmloses Geschenk, das ihm sein Onkel zum zwölften Geburtstag gemacht hatte. “Damit du damit zur Jagd gehen und gefährliche Tiere erlegen kannst”, hatte er damals gescherzt. Wären die Schmerzen in seinem Bein nicht so groß gewesen, hätte Eric laut gelacht. ‘Gefährliche Tiere…‘ Ob sein Onkel jemals geahnt hatte, wie gefährlich diese Tiere sein würden?
Das Messer hatte nicht viel von einer Waffe, aber in dieser Situation war es besser als nichts.
Mit einer Hand umklammerte der junge Agent weiterhin den Stein, während er mit der anderen das Messer aus der Hosentasche zog und mit den Zähnen aufklappte. Mit aller Kraft rammte er die Klinge in einen der widerlichen Tentakel hinein, zog es heraus und rammte es in den nächsten. Immer und immer wieder, bis die Kreatur endlich von ihm abließ.

Ohne inne zu halten kroch Eric weiter. Aber die Schmerzen in seinem Bein schwanden nicht. Sie wurden sogar von Sekunde zu Sekunde stärker und gingen schließlich in ein Brennen über, so als würde er unablässig von Tausenden winziger Nadeln gestochen. Als Eric schließlich die Wand erreicht hatte, konnte er vor Schmerzen kaum noch klar denken. Das Bein war vom Knie abwärts wie gelähmt und schien sich in eine glühende Fackel verwandelt zu haben. Trotzdem durfte er jetzt keine Pause machen. Was auch immer das für eine Kreatur war, sie schien mächtig genug zu sein, sie alle zu töten.

Eric riss die Hakenstange von der Wand und benutzte sie als Krücke, um sich humpelnd zurück zum Wasser zu bewegen. Da sein Bein dieser Belastung standhielt, klemmte er sich die Stange auf den letzten Metern unter den Arm und legte sie, wie ein Ritter seine Lanze, zum Angriff an. Mit einem wütenden Aufschrei stürzte er sich auf die widerliche Kreatur.

Pater Grand klemmte mit einem geübten Griff den leckenden Schlauch ab und stopfte ihn zurück unter die Messingplatten auf Ferrets Brustkorb. Das würde solange halten müssen, bis sie hier heraus und zu einem Mechaniker gekommen waren. Wenn sie es denn zurück an die Oberfläche schafften.
Seine Finger suchten nach der winzigen Flügelmutter am unteren Rand des Plasmabehälters und drehten sie einmal im Uhrzeigersinn. Mit einem leisen Klick, der in den Kampfgeräuschen beinahe unterging, öffnete sich eine Klappe und gab den Blick auf das blasse Plasma frei.
Nun denn, dachte Grand. Bringen wir es hinter uns.
Er tauchte die beiden Zeigefinger tief in die zähflüssige Masse, schloss die Augen und konzentrierte sich. Ein Murmeln verließ seine Lippen, einem Gebet gleich. Nach wenigen Sekunden floss reine Energie aus seinen Fingern hinab in das Plasma und brachte ein gleißendes Leuchten mit. Geschafft! Das Plasma war wieder aufgeladen und würde erneut seinen Dienst tun.

Grand stutzte. Warum regte sich Ferret nicht? So schwer waren die Beschädigungen nicht.
Mit einem wütenden Schnaufen erhob sich der Pater. Das konnte doch jetzt nicht wahr sein!
“Komm schon, du toter Haufen Schrott”, fluchte er und trat dem vor ihm Liegenden kraftvoll gegen den verschraubten Brustkorb.
Irgendetwas knirschte hörbar und ein Zucken lief durch Ferrets Körper. Dann bewegten sich die starren, schwarzen Augen und die bleichen Lider flatterten.

“Hab ich was verpasst, Pater?” fragte Ferret mit leisem Raspeln. Sein Blick wanderte über sein zerrissenes Hemd zu seinen noch immer geöffneten Eingeweiden. “Oh”, stellte er fest. Dann klappte er mit einer fast peinlich berührten Geste die Wartungsluke unter seinem Brustkorb zu und zog die Reste seines Hemdes zusammen. Schließlich nickte er Grand knapp zu, hob den Kopf und sah sich um.

“Oh”, wiederholte er und diesmal klang er resigniert. “Pater, wir sollten Mr. Van Valen zu Hilfe kommen, denk ich. Diese Kreatur ist ausgesprochen stark. Ich glaube nicht, dass er ihr allein gewachsen ist.”
Er stemmte sich auf die Arme – und fiel beinahe wieder auf den Rücken, als sein rechter Arm nachgab und nutzlos zur Seite pendelte.
“Das”, sagte er, als er unbeholfen auf die Beine kam, “is nicht gut.”

Mit abgehackten, unsicheren Schritten und hängendem Arm, nichts desto trotz mit sturer Zielstrebigkeit, hinkte Mr. Ferret auf die Monstrosität zu, gerade als Eric diese von der gegenüber liegenden Seite rammte. Der Schwung des jungen Agenten trieb die Spitze seiner improvisierten Lanze tief in den aufgeblähten Leib des Wesens, dessen Arme mit pfeifendem Peitschen die Luft durchschnitten, bevor sich ein Dutzend oder mehr um den Schaft wickelten und sie aus dem zähen Fleisch zu reißen suchten. Die heftigen, ruckartigen Anstrengungen schleuderten Eric am anderen Ende der Stange wie eine Puppe hin und her, während die Kreatur versuchte, des jungen Mannes habhaft zu werden.
Mr. Ferret erreichte die Kämpfenden schließlich, griff nach oben und packte einen der dickeren Tentakel. Dann riss er daran, als hätte er den Zopf eines Mannes in einer Kneipenschlägerei in der Faust. “Grand!” sagte er gepresst. “Nun machen Sie schon!”
Die Kreatur zuckte pfeifend und und schleuderte ihn krachend gegen die Wand, doch der Griff des dünnen Mannes lockerte sich nicht.

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Dieser Eintrag wurde geschrieben am Mittwoch, Mai 6th, 2009 um 00:01 in der Kategorie Kapitel 2. Reaktionen zu diesem Eintrag können Sie mit dem RSS 2.0 Feed verfolgen. Die Kommentare für diese Seite sind geschlossen.

Ein Kommentar bisher

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Schon begann sein Griff, von seinem schmierigen Halt abzugleiten..

- kein Komma, drei Punkte am Ende

Damit du damit zur Jagd gehen und gefahrliche Tiere erlegen kannst

- besser: “Damit kannst du zur Jagd gehen und gefahrliche Tiere erlegen”, das doppelte Damit ist schrecklich!

fluchte er und trat dem vor ihm Liegenden kraftvoll gegen den verschraubten Brustkorb.

- liegenden klein…

“Oh”, wiederholte er und diesmal klang er resigniert

- ich würde ‘eher “Oh”, wiederholte er und diesmal klang _es_ resigniert’ schreiben

“Eric riss die Hakenstange von der Wand und benutzte sie als Krucke, um sich humpelnd zuruck zum Wasser zu bewegen. Da sein Bein dieser Belastung standhielt, klemmte er sich die Stange auf den letzten Metern unter den Arm und legte sie, wie ein Ritter seine Lanze, zum Angriff an. Mit einem wutenden Aufschrei sturzte er sich auf die widerliche Kreatur.”

- Öhm…auf einem gelahmten Bein kann man nicht gerade gut nach vorne sturmen… und das müsste er, ansonsten wäre er doch direkt wieder in den Tentakeln… oder verstehe ich da was falsch?

Mai 6th, 2009 at 10:56

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