Eric ließ sich seine Unsicherheit vor den anderen nicht anmerken und nickte. „Pater Grand hat sicherlich recht, meine Herren“, erwiderte er kurzentschlossen. „Wir sollten der Spur folgen, solange sie noch erkennbar ist. Chief Inspektor, würden Sie uns bitte unterstützen und diesen Zugang freimachen lassen?“

O’Donohue schüttelte verwundert den Kopf, tat aber wie ihm geheißen und wies zwei seiner Männer an, den Kanaldeckel zu entfernen. Die beiden Polizisten waren bullige Männer mit Stiernacken. Trotzdem hatten sie sichtlich Mühe und gerieten mächtig ins Schwitzen, ehe es ihnen schließlich gelang, unter leisem Gefluche das Hindernis aus dem Weg zu räumen.
„Ich weiß zwar nicht, was Sie geritten hat“, murmelte der Chief Inspector, “aber Sie werden schon wissen, was Sie tun. Trotzdem sollten Sie nicht ohne Ausrüstung da runtersteigen. Ich lasse Ihnen ein paar Revolver mitgeben, wenn Sie wollen. Und eine Laterne.“
„Danke Chief Inspector“, erwiderte Eric. „Aber eine Waffe benötige ich nicht. Ich trage meinen Dienstrevolver bei mir.“ Er nahm die Laterne entgegen, die ihm gereicht wurde und griff nach den Sprossen der rostigen Leiter, die in die Tiefe hinunterführte. Feuchte, abgestandene Luft schlug ihm entgegen. Und ein Geruch, der selbst den des Tatortes in seiner eigentümlichen Widerlichkeit noch übertraf.

Pater Grand räusperte sich übertrieben.
“Also ich hätte durchaus Bedarf an einem dieser Spielzeuge. Wenn es Ihnen also nichts ausmacht?”
Er grinste O´Donohue schief an. Dabei bildeten sich kleine, aber dennoch tiefe Fältchen um seine Augen, die dem herben Gesicht des Paters beinahe ein spitzbübisches Aussehen gaben. Wenn auch nur für einen Moment.
O´Donohue blickte Grand für einen Moment zweifelnd an, hielt ihm aber dann eine 22er Hoegle hin, die er sich zuvor von einem Polizisten hatte geben lassen.
“Können Sie denn damit umgehen? Agent Van Valen wird Ihnen ansonsten sicher eine Einweisung geben können.” Zu Eric gewandt bemerkte er: “Sie stehen mir dafür gerade, dass diese Waffe ihren Weg zurück in die polizeidienstlichen Bestände findet. Über die Waffenführung bei Zivilpersonen muss ich Ihnen ja nichts erzählen, oder Mister Van Valen?”

Bevor Eric antworten konnte, griff Pater Grand nach der Hoegle und steckte sie nach einer kurzen Untersuchung ein. Sein Grinsen wurde dabei noch eine Spur breiter.
“Ihre Besorgnis zu meiner Person ist wirklich rührend, Chief Inspector. Ich war in meiner Jugend Jahrgangsbester in der Disziplin “Schuss und Ziel” des Bezirks Gresey. Sie können also davon ausgehen, dass ich weder mich noch andere damit verletzen werde. Und außerdem sind diese Spielzeuge ja nicht wirklich gefährlich, nicht wahr?”
Sprach es und widmete O´Donohue keine weitere Aufmerksamkeit. Er nahm einen tiefen Atemzug von der ausströmenden Kanalluft und drehte sich dann zu Eric und Mr. Ferret um.
“Hach, da kommen Heimatgefühle auf, was Ferret? Also dann, sollen wir?”

Mr. Ferret warf dem Pater einen unergründlichen Blick zu. Dann lächelte er plötzlich schmal.
“Bei mir nich, Pater”, sagte er mit seiner leisen, trockenen Stimme. “Aber es ist ja bekannt, dass Sie sich in der Gosse zuhause fühlen. Wer sollte Ihnen den wohligen Schauer also verdenken. Immer nach Ihnen, Grand. Sie sind doch der mit dem Guck-Dings auf dem Hut.”

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Dieser Eintrag wurde geschrieben am Mittwoch, April 22nd, 2009 um 00:01 in der Kategorie Kapitel 2. Reaktionen zu diesem Eintrag können Sie mit dem RSS 2.0 Feed verfolgen. Die Kommentare für diese Seite sind geschlossen.

13 Kommentare bisher

 1 

“[...]ins Schwitzen, ehe es ihnen schließlich gelang, unter leisem Gefluche endlich das Hindernis aus dem Weg[...]”

Zwei Anmerkungen: 1. schließlich und endlich zusammen, klingt doof
2. wenn endlich, dann eher “[...]leisem Gefluche das Hindernis endlich aus[...]”

“[...]wirklich gefährlich, nicht wahr?”
Sprachs und widmete[...]”

Würde ich bei “[...]wirklich gefährlich, nicht wahr?”, sprach er und widmete[...]” belassen.
“Sprachs” passt eher bei sächlichen Dingen oder Mdächen, da es sich ja m.M.n. auf “sprach es” bezieht. In diesem Zusammenhang passt es einfach nicht.

Ansonsten in Erwartung weiterer Dinge…

April 22nd, 2009 at 10:19
Tom
 2 

Hm. Das ’s’ in der Wendung “sprachs” bezieht sich in der Regel aber nicht auf das Subjekt, also “das” Sprechende, sondern auf das Objekt, “das” Gesprochene. Ausgeschrieben: “Er sprach es”.
Ansonsten natürlich danke für die Hinweise.

Im übrigen herzlichen Dank für das Abstimmungsergebnis. Ich will da nicht runter! Ich kenne die Mischung aus Stephan+Kanalisation! *g*

April 22nd, 2009 at 11:03
 3 

Pech ;-) Ich als Leserin freue mich schon drauf.

April 22nd, 2009 at 15:15
 4 

Dann zählt das zu meinem persönlichen Geschmack, der eindeutig besagt, dass das “sprachs” dort nicht passt.

April 22nd, 2009 at 18:19
 5 

Zur Güte: ich habe es in “Sprach es” geändert.
;)
Klingt ja doch ein wenig schöner.

A propos Kanalisation, mir ist das auch noch nicht so ganz geheuer. Mal sehen, was die drei dort unten erwartet.

April 22nd, 2009 at 20:15
 6 

Mir ist noch was anderes aufgefallen.
Eric packt nach den Sprossen der Leiter, die ja wohl an der Wand des Kanalschachts angebracht sind (es sind wohl eher nur Sprossen, die in die Wand geschlagen sind, als eine tatsächliche Leiter - ich gehe da von “historischen” Kanalschächten wie z.B. in Hamburg aus).
Da stelle ich ihn mir schon abgetaucht in den Schacht vor; vielleiht schaut noch sein Kopf hervor, weil er sich versichert, daß seine Begleiter so weit sind, aber mit seinem restlichen Körper steckt er schon “drin”.

Der Pater allerdings packt die 22er und sieht sich dann nach ERIC und Ferret um, als ob BEIDE noch an der Oberfläche wären.
Das paßt so meines Erachtens nicht.
Er kann sich eigentlich nur nach Ferret umdrehen, oder?

April 22nd, 2009 at 21:09
Tom
 7 

Ha! *g* Da winde dich mal raus, Carsten! Der TPF hat dich erwischt!
Wir sind noch nicht mal im Kanal verschwunden, und schon steckst du richtig drin. ;)

April 22nd, 2009 at 23:40
 8 

Ach was. Man sieht den Kopf von Eric und Mr.Ferret steht neben dem Loch. Dann kann man sich doch noch zu beiden umdrehen. Wäre anders, wenn Eric bereits wirklich hinabgestiegen wäre. Geht also noch.
Puh, das war jetzt haarscharf.
Zugegeben, es lässst sich eindeutig deutlicher formulieren.
;)

April 23rd, 2009 at 06:32
Stephan
 9 

Ich habe mich schließlich dafür entschieden, das ‘endlich’ aus dem zweiten Absatz zu räumen ;-)

April 23rd, 2009 at 07:42
 10 

Schlussendlich eine vernünftige Entscheidung.

April 23rd, 2009 at 08:53
 11 

Öhm, “sprach es” finde ich noch schlimmer… vor allem passt es nicht in den restlichen Stil!

Dabei bleibe ich, schlussAusEnde…

April 23rd, 2009 at 13:04
 12 

Ich plädiere auf “Geschmacksache”!
;)

April 23rd, 2009 at 21:01
TPF
 13 

Ich schließe mich Nico an.

April 27th, 2009 at 19:34

Die Kommentare sind geschlossen.