“Unerhört!” knurrte der Rothaarige und wischte sich mit einer behaarten Pranke über den Stiernacken.
Er wirkte in diesem Raum voller wissenschaftlicher Geräte mindestens ebenso deplatziert, wie in seinem eleganten Anzug. Oder vielmehr in dem Anzug, der an jedem anderen elegant gewirkt hätte. Rothaar wirkte auf seine beiden Begleiter eher wie ein verkleideter Affe. Dummerweise war es der selbe Affe, der ihre Gehälter bezahlte.

“Unerhört”, wiederholte Rothaar und schlug mit der Handfläche gegen das gewölbte Glas vor ihm. Unwillkürlich zuckten seine Begleiter zusammen, auch wenn das vollkommen unnötig war. Mochte ihr Anführer auch noch so kräftig sein, so war es doch mehr als unwahrscheinlich, dass er das fünf Zoll dicke Glas des Tanks auch nur beschädigen konnte. Eine Aussage, die allerdings nicht für die Kreaturen gelten mochte, die in den fast zwei Dutzend Behältern entlang der Wände schwammen. Genau genommen in allen bis auf jenen, vor dem die Besucher standen und dessen unmittelbaren Nachbarn. Aus diesen drei Tanks war die mit Plasma energetisierte Nährlösung abgelassen worden und sie zeichneten sich durch einen eklatanten Mangel an Insassen aus.

“Wer hat das verdammt nochmal veranlasst? Und gleich zwei davon!” donnerte Rothaar und drehte sich schließlich um.
Der kleinere seiner Begleiter kratzte sich unbehaglich seinen Spitzbart. “Halvston, Sir”, sagte er. “Schriftliche Anweisung, Sir.”
“Halvston? Dieser schwachköpfige Bastard einer syphillitischen Hafenhure kann doch nicht einmal eine eigenständige Entscheidung treffen, wenn es darum geht, in welches Nasenloch er seinen Finger steckt. Und auch dann wählt er meist das falsche!”

Rothaar schlug abermals gegen den Tank, mit nicht mehr Effekt als zuvor. Spitzbart und seine vollschlanke Begleiterin sahen sich peinlich berührt an. Die unrühmliche Abstammung Halvstons war ein offenes Geheimnis. Aber eben eines, das man nicht erwähnte. Diese geschmacklose Bemerkung war ein typisches Beispiel für die Art des Rothaarigen.
“Sir…”, wagte Spitzbart einen zaghaften Vorstoß.
Unwirsch schnitt ihm sein Vorgesetzter das Wort ab und winkte etwaige Einwände beiseite. “Schweigen Sie, Orwill. Ich will’s nicht hören. Hat der Idiot erwähnt, wofür die drei eingesetzt werden sollen?”

Die Vollschlanke schluckte und nickte. Dann sagte sie es.
Rothaars Reaktion war angemessen.
Der darauf folgende Hieb gegen das Glas war so heftig, dass der schwere Tank tatsächlich erzitterte. “Hat die Syph sein vollgeschissenes Gehirn jetzt endgültig in Idiotenkotze verwandelt?” brüllte er schließlich. Um gleich darauf weitere, ausgesuchte Obszönitäten gegen Halvston folgen zu lassen, während er aus dem Raum stürmte.

Die Vollschlanke achtete nicht darauf. Ihr Blick war auf die nackte, muskulöse Gestalt des Mannes gerichtet, der in der grünlich fluoreszierenden Lösung im Tank direkt neben den leeren schwebte. Der Mann erwiderte ihren Blick aus ausdruckslosen, schwarzen Augen. Dann blinzelte er. Einmal.
Die Vollschlanke erschauerte sichtbar und verließ eilig den dämmrigen Raum.

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Dieser Eintrag wurde geschrieben am Montag, April 20th, 2009 um 00:01 in der Kategorie Kapitel 1. Reaktionen zu diesem Eintrag können Sie mit dem RSS 2.0 Feed verfolgen. Die Kommentare für diese Seite sind geschlossen.

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