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Plötzlich kam erneut Unruhe hinter der Absperrung auf. Das Absperrband wurde angehoben und man führte einen uniformierten Polizisten aus West Town zum Chief Inspector. Der Polizist flüsterte O’Donohue einige Zeit lang eindringlich ins Ohr und dessen Gesichtsausdruck verfinsterte sich von Sekunde zu Sekunde mehr. Er gab er einen leisen Fluch von sich und erwiderte einige Worte. Sein aufgebrachter Tonfall ließ dabei nichts Gutes erahnen. „Himmelhergott… warum erfahre ich das jetzt erst, Constable?! … Unglaublich… und wissen Sie, was mich ’Die da Oben’…? Ja! Ganz genau…“

Schließlich wandte sich der sichtlich aufgebrachte Chief Inspector an Eric, Grand und Ferret.
„Meine Herren“, begann er, „Wir wurden soeben darüber informiert, dass bereits vor zwei Tagen ein ähnlicher Mord geschehen ist.“ Er fuhr sich mit der Hand über die Glatze. „Erschossen und erstochen. Die gleichen Merkmale wie in diesem Fall hier. Nur, dass noch niemand etwas davon weiß, weil man es geheim halten sollte. Die Kollegen haben sich nun dazu entschlossen, sich mit uns auszutauschen, da es einige bemerkenswerte Übereinstimmungen zu geben scheint und die Zeit drängt. Constable Sheedy hier berichtet, dass es sogar eine Augenzeugin gibt: Die Vermieterin, die das Opfer in seiner Wohnung vorgefunden hat…“
„Einen Nerv’nzusammenbruch hat sie erlitt’n“, bestätigte Sheedy, ein pickeliger Kerl mit schief stehenden Augen und strähnigem Haar. „Offenbar hat sie zu nächtlicher Zeit Lärm in der Wohnung gehört und unschicklich’n Frauenbesuch befürchtet. Als sie die Wohnungstür des Herrn Doktor aufschloss um ihn zur Rede zu stell’n, sah sie ihn da im Flur liegen – oder besser gesagt, das, was von ihm übrig war…“ Der Polizist drehte nervös seinen Helm in den Händen hin und her. „Schlimme Sache, ehrlich. Einige Kollegen hat’s mächtig umgehau’n. Und die Vermieterin schwört Stein und Bein, dass es der Teufel gewesen ist. Hat geseh’n wie er auf dem armen Kerl hockte und sich seine Seele geholt hat.“
„Der Teufel?“ fragte Eric verwundert. „Die Frau scheint verrückt geworden zu sein. Der Anblick muss ihr den Verstand geraubt haben.“
„Kann schon sein, Sir“, erwiderte der Constable. „Kann schon sein. Sie ist total ausgerastet und hat um sich geschlag’n. Musst’n sie schließlich sogar fesseln und ruhig stell’n. Nun ist sie völlig am Ende. Ich glaub, die macht’s nicht mehr lang. Die Kolleg’n mussten sie in’s Coleman-Asylum bringen.“
„Und das Opfer?“
„Das haben sie nicht dort hin gebracht, Sir.“
„Nein, ich meinte, was ist mit dem Opfer geschehen? Befindet es sich noch am Tatort?“
„Nein, Sir“, Sheedy schüttelte bedauernd den Kopf. „Wir haben Anweisung von ob’n bekommen, so wenig Aufsehen wie möglich zu erreg’n und alles unauffällig zu reinigen und aufzuräum’n. Ist schließlich eine feine Gegend da oben. Da sieht man so was nicht gern.“

Pater Grand schnaubte verächtlich.
“Natürlich nicht. Die hochwohlgeborenen Herrschaften möchten schließlich nicht in ihrem kleinen, beschissenen Leben gestört werden, für das sie soviel bezahlt haben.”
Angewidert spuckte er aus und verfehlte mit einem ansehnlichen Klumpen Schleim nur knapp den glänzenden Schuh von Eric.
“Tja, meine Herren. Es sieht so aus, als hätten wir nun zwei Möglichkeiten. Auf der einen Seite erwartet uns ein total durchgeknalltes Frauenzimmer, das bald den Löffel abgibt, und auf der anderen Seite ein gemütlicher Spaziergang durch die Kanalisation. Was immer auch für den Tod von Hartlefield verantwortlich war, ein Teil davon ist da runter. ”
Er deutete mit dem Finger nach unten auf das Pflaster, die dunklen Gänge und Schächte der Kanalisation meinend.
“Allerdings kann ich nicht sagen, wie lange die Spur noch heiß sein wird. Nicht allzu lange, fürchte ich.”
O´Donohue riss erschrocken die Augen auf, als ihm aufging, was der Pater andeutete.
“Sie wollen doch nicht etwa da hinunter steigen? Sind Sie lebensmüde, Mann?”
“Was ich bin oder auch nicht, geht nur mich etwas an, Chief-Inspector.” Er fixierte Eric mit seinen glasblauen Augen.
“Also Boss, was tun wir?”

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Dieser Eintrag wurde geschrieben am Freitag, April 17th, 2009 um 00:01 in der Kategorie Kapitel 1. Reaktionen zu diesem Eintrag können Sie mit dem RSS 2.0 Feed verfolgen. Die Kommentare für diese Seite sind geschlossen.

9 Kommentare bisher

Stephan
 1 

Jetzt sind die Leser gefragt: In welche Richtung sollen Eric, Grand und Ferret weiter ermitteln?

Rechts auf der Website findet Ihr die aktuelle Umfrage dazu. Und in der Kategorie “Information” wird die Sache erklärt.

April 17th, 2009 at 08:45
 2 

Was ist mit der Möglichkeit, sich zu trennen?

April 17th, 2009 at 12:13
 3 

Gute Idee… einer geht in dieses asylum … da sollte es reichen, wenn einer geht und der Rest in die etwas gefährlichere Kanalisation :D

*Andreas Vorschlag unterschreibt*

April 17th, 2009 at 12:30
Stephan
 4 

Na dann… die Umfrage wurde um einen entsprechenden variablen Punkt erweitert. Weitere Vorschläge werden gern entgegengenommen.

(gehört der Satz “Wir trennen uns besser auf…” nicht in Horrorfilmen zu der Sorte ‘Berühmte letzte Worte’? ;-)

April 17th, 2009 at 13:34
André S.
 5 

Ich finde ja euren Roman bisher sehr spannend.
Verbesserungswürdig finde ich aber die Navigation.
So ein Link zum Blättern auf die nächste oder vorherige Seite wär echt toll. So muss man immer mit dem Kalender blättern.
Vielleicht noch einen Link, wo man zum Anfang des Buches springen kann?

April 17th, 2009 at 19:49
Tom
 6 

Herzlichen Dank für den Zuspruch.
Solche Links gibt es doch - jeweils am ende des Abschnittes - allerdings habe ich auch gerade gesehen, dass sie nicht dort sind, wenn man die Kommentare offen hat. Das ist tatsächlich unschön.
Wir werden sehen, wie wir das noch verbessern können. Danke für den Hinweis.
Und viel Spaß natürlich. ;)

April 17th, 2009 at 20:08
 7 

Die Alte im Asylum läuft doch nicht weg. Die Spur in der Kanalisation dagegen droht zu verschwinden - da ist die Antwort doch klar?

Übrigens, der Slang von Corporal Sheedy… Der ist nichts halbes und nichts ganzes. Absichtlich?
Ansonsten würde ich z.B. aus
“Einen Nerv’nzusammenbruch hat sie erlitt’n”
das hier machen:
“‘Durchgedreht isse, wenn ich das mal so sagen darf.”

April 19th, 2009 at 14:23
 8 

Weglaufen nicht, aber sterben schon… von daher…

April 19th, 2009 at 20:50
Stephan
 9 

Zum Slang von Corporal Sheedy kam es durch die Beobachtung eines mäßig intelligenten Menschen, der aufgrund persönlicher Beziehungen viel mit der “High Society” zu tun hat und daher versucht, sich immer und überall gewählt auszudrücken. “Nichts Halbes und nichts Ganzes” ist also genau der richtige Eindruck (lustigerweise hat dieser Mensch den Zusatz “… wenn ich das mal so sagen darf” auch öfter gebracht ;-)

April 20th, 2009 at 10:26

Die Kommentare sind geschlossen.